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Wieder gelesen | E-Commerce

Der Allesverkäufer

Brad Stone über Jeff Bezos' Amazon

Selten wohl ist ein Titel geschickter gewählt worden als bei Brad Stones »Der Allesverkäufer« über Jeff Bezos und sein Amazon-Imperium. Längst ist aus dem  weltgrößten Netzbuchhändler ein gigantisches Internetkaufhaus geworden. Bezos’ Amazon verkauft seinen weit über 200 Mio. Kunden weltweit wohl alles, was eine Ware zu sein scheint: Haushaltswaren, Lebensmittel, Computer, Kinderwindeln oder Mottenkugeln. Bücher und Filme sowieso. Ganz nebenbei entwickelt Amazon auch noch immer neue Geschäftsmodelle wie selbstfahrende Autos oder Computerbrillen. Doch der Titel ist auch deswegen so genial, weil er im Deutschen eine Assoziation zulässt: die vom »Seelenverkäufer« …

Und wer Stones Doppelbiografie vom Handelskonzern und von dessen Gründer liest, mag daran glauben, dass hinter dem weltumspannenden Imperium nicht nur eine Geschäftsidee, sondern auch ein im Positiven wie Negativen geradezu besessener Besitzer steckt. Einer, der alles verkaufen könnte und würde, also vielleicht auch »arme Seelen«. Es ist das Verdienst von Stone, dass er diesen Jeff Bezos nicht einfach dämonisiert. Obwohl der selbst sehr viel Stoff dafür liefern würde. Er beschreibt ihn und seine Idee(n) einfach. Noch dazu als Kenner und Insider. Ein Stil, der wirkungsvoller ist als jedes Psychogramm. Einzig an einem Punkte – dort, wo es sehr persönlich wird – schießt er etwas über das Ziel hinaus. Dort, wo er die Kindheit beschreibt und Schlüsse daraus ziehen will. Vielleicht die einzige größere Schwäche dieses Blickes tief ins Innere eines Imperiums und seines Imperators (sfo.).