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Auf der Zeil in Frankfurt
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To Think | Mediale Reflexe

Flüchtlinge sind kein flüchtiges Thema

Kolumne von Prof. Dr. Marlis Prinzing

Das Thema »Flüchtlinge« ist zum Thema geworden. Aber im Laufe der Zeit ist auch das »Thema Flüchtlinge« zum Thema geworden; also die Frage, wie der Journalist / die Journalistin mit dem Thema umgehen. Es ist ein Unterschied, ob ich mich als Anwalt von Flüchtlingen inszeniere, der »flüchtlingskritische« Argumente ausklammert. Oder ob ich Situationen und aktuelle Entwicklungen, Sorgen und Missstände, Fehler und Schwierigkeiten mitteile, schildere und einordne. Es ist ein Unterschied, ob ich als Journalistin meine Gefühle in den Vordergrund spiele oder ob ich mich auf das einlasse, was mir mein Gegenüber erzählt – der neuankommende Flüchtling, der Flüchtlingsbetreuer, der besorgte Bürger.

Das Thema Flüchtlinge bleibt. Und das ist gut so! Aber es verändert sich. Ob Berichterstattung glückt, hängt davon ab, ob Journalisten der differenzierte und der differenzierende Blick gelingt – und auch, ob es gelingt, zu unterscheiden zwischen Empathie und Emotionalität. Doch das Thema bleibt nicht nur. Es muss bleiben. Es geht tiefer in die Gesellschaft hinein. Vieles bleibt zu tun. Die gegenwärtige Diskussion offenbart einen Graben: auf der einen Seite stehen ideologisch durchtränkte Rechtskonservative, an der anderen Gutmenschen. Die Art, wie die Flüchtlingsberichterstattung weitergeht, wird entscheidend dazu beitragen, ob der durch diese Wanderungsbewegung entstandene Umbruch unsere Gesellschaft spaltet. Oder sie bereichert, indem sie toleranter und vielfältiger wird. Und das gibt dann wiederum eine Menge zu berichten.