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Outdoor-Theater mit Abstandshaltern als eine Alternative im Sommer ?
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Kulturlandschaften | Trend

Zwischen-Zeiten-Kultur

Weiter online, vorsichtig offline

Zur Zeit ist viel Bewegung in den Kulturlandschaften an Rhein und Main. Sollen sollen die Häuser und Kulturschaffenden schon wieder ziemlich viel. Dürfen dürfen sie allerdings bisher noch lange nicht alles. Vor allem letzteres ist gar nicht so einfach für Kulturschaffende. Insofern erleben wir zur Zeit eine Kulturlandschaft zwischen den Zeiten und mit vielen Experimenten. Große Häuser wie die beiden Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden setzen auf ein Mehr-Kanal-System. Geplant sind in den nächsten Wochen wieder vorsichtig erste Aufführungen mit selektiv-ausgedünntem Publikum und eben solchen Ensembles. Auf den Bühnen wird dabei verstärkt nachgedacht über Monologe oder über aufgeteilte Orchester, um auf mehreren Bühnen mehr Besucher*innen Musik anbieten zu können. Daneben allerdings führen auch diese Häuser ihre mittlerweile etablierten Corona-Online-Angebote fort. Darmstadt etwa seine »Tägliche Dosis«, seine Lesungen von Mitgliedern des Ensembles und neuerdings sogar einen »Theater-Lieferservice«.

Das größte Problem für die Häuser ist allerdings das Publikum. Es muss auf Distanz gehalten werden – von den Bühnen und von sich selbst. Das muss mit viel Aufwand organisiert werden. Und sorgt auch dann noch für Einbussen. Zum Beispiel bei den Kinos; selbst bei modernen Exemplaren wie im Filmmuseum, wo es großzügige Zugangswege, Platz im Kinosessel und keine Berührungspunkte mit Schauspieler*innen auf der Leinwand gibt. Doch wegen Corona dürfen statt 131 nur rund 20 Personen in den Kinosaal. Das deckt nicht einmal die Kosten. Doch das größere Problem (für die Kosten gibt es Hilfs-Programme): Mit 20 Leuten kommt auch keine Kino-Atmosphäre auf. Nun haben Häuser wie das Filmmuseum noch die Möglichkeit für Online-Angebote, die sie auch weiterhin fortsetzen werden. Kleine Programmkinos haben diese Möglichkeit allerdings nicht. Vermutlich wird deswegen im Sommer ein Genre einen Schub erhalten, das schon seit einigen Jahren aufblüht. Outdoor-Theater und Freiluft-Filmfestivals dürften Konjunktur haben. Häuser wie der Mousonturm und das Filmmuseum haben darin bereits Erfahrung aus vergangenen Jahren. In wie weit kleine Häuser den Switch schaffen, bleibt abzuwarten. Und zu hoffen bleibt, ob das Wetter mitspielt. Einen weiteren womöglichen Trend für den Sommer macht derzeit die Centralstation in Darmstadt vor. Die recht großzügige Bühnen- und Konzert-Location nimmt neben eigenem Programm kleinere Häuser und Gruppen huckepack und stellt ihnen ihre Bühnen zur Verfügung. Gäste sind unter anderen das TheaterGrüneSosse aus Frankfurt oder das theater die stromer aus Darmstadt. So oder so – Es könnte ein Sommer der Ideen werden …  (vss.).