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Mahatma und Fara Diba - bald Frankfurter*innen
Quelle: Cornelia F Ch Heier©

Kunst im öffentlichen Raum

Outdoor ist dieses Jahr in

Künstler*innen bespielen Städte und mehr

In Corona-Zeiten hat Kunst mit Abstand und draußen Konjunktur. Da passt die Aktionskunst der Frankfurterin Cornelia F Ch Heier bestens in die Zeit, obwohl sie eigentlich »nur« die Fortsetzung von Aktionen aus vergangenen Jahren ist. Schon seit Jahren bespielt die Künstlerin in der Reihe »Signalement« die Frankfurter Innenstadt mit Plakaten. Auf Plakatwänden und Litfaßsäulen, welche ihr in der werbearmen Sommerzeit vom Außenvermarkter Ströer zur Verfügung gestellt werden. In der diesjährigen Serie sind großformatig reduzierte Gesichter mehr oder minder prominenter Persönlichkeiten zu sehen. Berühmte Köpfe wie Mahatma Gandhi, Fara Diba oder Charlie Chaplin, starke Frauen wie Beate Uhse, Simone Signoret oder Golda Meir, gefürchtete Männer wie Goebbels, Xi Jinping oder der sudanesische Ex-Diktator al-Baschir. Heier will den Stadtraum bespielen wie eine große Galerie, zugänglich aber für viele Menschen, die sonst nur selten mit Kunst in Berührung kommen. Und in Corona-Zeiten sicher auch für viele andere. Heiers Kunst ist übrigens zeitlos. Ohne Anfang und ohne Ende. Wenn die Flächen wieder vermietet sind, verschwindet ihre Kunst wieder. Eine Kunst, in vielfacher Hinsicht en passant

Heier ist nicht die einzige, die in diesen Tagen Kunst im öffentlichen Raum macht. Manche dieser Kunst ist dabei extrem beständig. Wie etwa die überdimensionalen Menschenlandschaften von Nikolaus Nessler, der im Frankfurter Hauptbahnhof zwei S-Bahn-Abgänge schon seit Jahren mit Landkarten und Stadtplänen bespielt hat, auf welchen Städte- und Straßennamen durch menschliche Namen aus aller Welt ersetzt sind. Manche allerdings sind auch flüchtig. Wie etwa die Zeichnungen, welche namentlich unbekannte Künstler auf den Pflastern der Zeil Tag für Tag mit Kreide neu auftragen. Teils wirklich Tag für Tag, weil sie des Nachts von der Straßenreinigung wieder entfernt werden. Doch nicht nur Städte werden bespielt: Schon seit zehn Jahren bringen Künstler*innen bei Darmstadt moderne Kunst in vielen Spielarten auf dem Internationalen Waldkunstpfad mitten unter die Bäume. Was all diese Projekte eint: Es ist Kunst unabhängig von Corona-Impulsen. Anders ist dies bei zwei Groß-Ausstellungen, mit denen Künstler*innen derzeit großflächig Darmstadt, Offenbach und bedingt ebenfalls Frankfurt bespielen. In Darmstadt und Offenbach haben die Ausstellungsmacher*innen der »Darmstädter Tage der Fotografie« und der Hochschule für Gestaltung (HfG) in diesem Jahr aus der Not eine Tugend gemacht. Die Darmstädter Tage bespielen großflächig die Innenstadt: mit teils überdimensionalen Fotografien von Kultfotografen wie Erwin Wurm auf dem Friedensplatz oder etwas versteckter mit Fotoprojekten im Schlossgraben oder im waldähnlichen Off Space Osthang an der Mathildenhöhe. Und auch die Student*innen der Kreativenschmiede HfG sind in diesem Jahr mit ihren Abschlussarbeiten nach draußen gegangen und bespielen in Offenbach Bauzäune, S-Bahnstationen oder ebenfalls Plakatwände. Draußen bedeutet in diesem Falle übrigens auch Frankfurt, wo sie etwa mit Kurzfilmen Schaufenster und wiederum mit Plakaten die Flächen des Vermarktes Ströer füllen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie dabei nicht gleich die Werke ihrer Vorreiterin ersetzen … (loe./vss.).