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Fast pars pro toto für das Festival: Erik Clewe inszeniert Fundstücke am Wegrand zu Kunststücken am Wegrand
Quelle: Erik Clewe©

Eye Catcher am Wegrand

Festival im Freiraum

Darmstädter Fototage in Darmstadt

Was macht man im Corona-Jahr mit einem Festival, das vor allem aus Foto-Ausstellungen in oft kleinen Off Spaces besteht? Ausfallen lassen wäre eine Lösung, ins Internet verlagern eine andere. Die Darmstädter Tage der Fotografie haben sich für die dritte Möglichkeit entschieden: raus gehen. Vom Friedensplatz über den Schlossgraben bis zum Osthang an der Mathildenhöhe bespielen die Macher*innen in diesem Jahr den öffentlichen Raum. »Skurrile Fluchten« ist dafür ein sogar mehr als doppeldeutiger Titel. Es meint nicht nur die Flucht nach draußen und das Bespielen von Fluchten im öffentlichen Raum, sondern vor allem das Spiel der Fotograf*innen mit dem Humor in ihren Bildern.

Überdimensionale Fotos skurriler Menschen von Erwin Wurm oder Iiu Susiraja prangen etwa an mehrere Meter hohen Kuben auf dem Friedensplatz. Im Schlossgraben passieren die Besucher*innen eine lange Flucht korrespondierender Körper von Tänzer*innen. Eher etwas versteckt zwischen Bäumen präsentieren Jana Hartmann oder Erik Clewe ungewöhnlich inszenierte Momentaufnahmen aus öffentlichen Räumen in eben jenem öffentlichen Raum; die vielleicht faszinierendste Schau in dem verwunschenen Wald-Garten am Osthang. Eine lange Flucht ist in diesem Jahr übrigens auch das Festival selbst. Die Ausstellungen, deren Eröffnung und das Symposium erstrecken sich fast über ein halbes Jahr. Die ersten Bilder poppten bereits Mitte September mitten in der Stadt auf, das Festival und weitere Eröffnungen folgen im Oktober, die letzten Ausstellungen werden irgendwann Anfang 2021 abgebaut. So sie nicht gerade in diesem öffentlichen Raum wegen Corona und mangels anderer Alternativen noch länger stehen bleiben sollten. Ach so: Einige Ausstellungen sind natürlich auch in Innenräumen zu sehen. Unter den üblichen Sicherheitsvorkehrungen. Doch irgendwie scheinen diese in diesem Jahr nur das versteckte Beiwerk neben den zahlreichen veritablen Eye Catchern im Stadtraum zu sein. Nicht von ungefähr stellte bei der Eröffnung jemand die Frage: Warum haben wir das eigentlich nicht schon immer so gemacht (vss.)?