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Mit der Staffelei immer im Grünen - Blick in das und aus dem Garten-Atelier der Autorin
Quelle: Stefanie Kösling©

Impuls | Kunstprojekte

Warum nicht Kunst im Grünen?

Gast-Beitrag von Michaela Heidlas-May

Schon seit Jahren hat die Künstlerin und Kunst-Dozentin Michaela Heidlas-May ihr Atelier im Grünen. Mitten in der Frankfurter »Grünen Lunge« liegt ihr Garten mit ihrer Atelierlaube. Wenige Meter entfernt ist gerade ein weiterer Garten für Kunst- und Kulturprojekte entstanden. Nun denkt sie über ein Atelier-(Garten-)Haus nach und will noch mehr Künstler*innen in die »Grünen Lunge« lotsen.   

Eigentlich begann alles mit einem Film über Renoir und dessen berühmtes Atelier im Grünen. Damals wuchs in mir der Wunsch, auch in einem solchen Garten-Atelier zu arbeiten. Was lag da näher, als meine eigene Gartenhütte in der »Grünen Lunge« am Günthersburgpark zu einem Atelier umzubauen. Mitten im Grünen, lichtdurchflutet, Ruhe zum Arbeiten. Schon mit dem Weg durchs Grün, um zur Arbeit zu kommen, mit dem Blick ins Grüne beim Arbeiten selbst, dieser Blick schließlich gepaart mit der frischen Luft während der Pausen – gibt es einen besseren Ort, um künstlerisch tätig zu sein?

Gesagt, getan. Rasch – schon weit vor Corona – entstand dabei auch eine erste Idee eines kleinen Komplexes von Garten-Ateliers innerhalb der Vision des Permakultur-Gartens Frankfurt, der in der »Grünen Lunge« gerade aus und in den alten Kleingärten als neues, offeneres ökologisches Biotop entsteht – allen Plänen eines neuen schicken Baugebietes auf diesem Grund zum Trotz. Eine Idee von Garten-Ateliers, die tatsächlich über den reinen Kunst-Gedanken hinausgeht. Sich künstlerisch auszudrücken ist ein uraltes Bedürfnis des Menschen, durch Corona ist auch die Kunst aufgefordert, neue Wege der Kommunikation zu gehen. Warum also nicht Orte des künstlerischen Schaffens mit dem uralten Kulturgut des Anbauens verbinden? Kunst unterliegt ebenso wie der Anbau dem stetigen schöpferischen Prozess und dem Wandel. Wahrnehmung ist ein wesentlicher Bestandteil künstlerischer und schöpferischer Prozesse. Sie ist das verbindende Element zwischen Kunst und Natur. Wie entwickelt sich künstlerisches Gestalten, umgeben von organischen Formen, von Farben, die seit jeher den Künstler*innen als Inspiration dienten? Mit der Möglichkeit, Ideen einerseits aus dem Atelier hinaus- und andererseits hineinzutragen? Arbeiten, eingebettet in den Rhythmus der Jahreszeiten?

In meiner Vision entstehen rund um den bereits bestehenden Gemeinschaftsgarten mehrere, auch weiträumiger verteilte Ateliers in den Gemüsegärten, die durch einen Kunstpfad miteinander verbunden wären. Ausstellungen und Workshops erlauben hier einen ungewöhnlichen und unmittelbaren Zugang zur Kunst und ihrem Entstehungsprozess. Das Gelände ist übrigens offen, die Gärten über verwunschene Wege erreichbar, Einblicke in die Kunst und deren Entstehen immer wieder möglich. Künstler*innen suchen das Ungewöhnliche, andere Wege der Entfaltung, Plätze, um neue Konzepte auszuprobieren. Bürger*innen brauchen einen Ort, den sie selbst gestalten können, um Gefühle der Verantwortung, der Identifikation mit ihrem Lebensraum sowie soziale Verbundenheit aus sich selbst heraus entwickeln zu können. Dies versuchen wir gerade zusammenzubringen. Mitstreiter*innen haben sich bereits gefunden. Die Frankfurter Objektkünstlerin Chris Kircher etwa, die mit der Idee eines Färbe-Gartens zur Schaffung von Pflanzenfarben die Idee von Ökologie und Kunst fast idealtypisch umsetzen will. In den nächsten Monaten könnten alte Hütten reaktiviert werden, Bauwagen einen Platz in den Gärten finden, um die Möglichkeit zu haben, hier das ganze Jahr über künstlerisch tätig zu sein. Erste Anträge für öffentliche Unterstützung werden bereits auf den Weg gebracht. Eine neue Vision, die vielleicht gerade in diese so ungewöhnliche Corona-Zeit gut passt. Aber sicher nicht nur in diese …