Agenda | Einsichten 1

Dichter, Denker & Debatten

Lesungen & Diskussionen in FrankfurtRheinMain

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Gedanken im Werden? | (c) Barbara Walzer (bw.)

Die Agenda »Dichter, Denker & Debatten« ist eine Auswahl aktueller Vorträge, Lesungen, Diskussionen sowie urbaner und suburbaner Veranstaltungen, die in Frankfurt und Umgebung in Kürze stattfinden werden | Die Auswahl vereint vor allem Veranstaltungen zu gesellschaftlichen und kulturellen Themen abseits des Mainstreams und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit | Die Agenda wird Ihnen präsentiert von urban shorts und dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain | Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Randspalte (Desktop-Version) oder weiter unten (mobile Version)

 

In diesen Tagen

13.09. bis 23.09.18 | Klimagourmet-Woche 2018 | FrankfurtRheinMain + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: Klimagourmet

17.09. + 18:30 Uhr | Seebrücke statt Seehofer | Solidaritäts-Demonstration | F + Willy-Brand-Platz | Mehr Infos: Seebrücke

18.09. + 19:00 Uhr | Karim El-Gawhary: Arabischer Herbst? | Autorenlesung | DA + Literaturhaus + Kasinostraße 3 | Mehr Infos: KulturRegion FrankfurtRheinMain

19.09 + 19:30 Uhr | Wo Geisterteilchen entstehen | Physik im Theater | MZ + Mainzer Kammerspiele + Malakoff-Passage + Rheinstraße 4 | Mehr Infos: Eventbrite

19.09. + 20:00 Uhr | Tokat – das Leben schlägt zurück | Film & Gespräch + urban shorts selection | F + Oststern + Hanauer Landstr. 121 | Mehr Infos: Tokat (us)

22.09. + 18:30 Uhr | Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen | Open Air-Kino und Ideenschmiede | F + Glashaus + Dortelweiler Str. 87 | Mehr Infos: Reflecta/Mukiva (fb)

23.09. + 18:00 Uhr | Shortlist Deutscher Buchpreis 2018 | AutorInnenlesungen | F + Schauspiel Frankfurt + Willy-Brandt-Platz | Mehr Infos: Literaturhaus

24.09. + 19:30 Uhr | Bewegt Kultur die Menschen? Wie politisch kann, darf, muss Kultur heute sein? | Reihe #bootsgespräche | F + Yachtklub + Unterhalb Alte Brücke | Mehr Infos: #bootsgespräche (us)

 

Mehr Veranstaltungen (Vernissagen)   > AGENDA | ANSICHTEN

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Quelle: Laszlo Szklörz©

RheinMain | Performances

Stadt. (Er-) Forscher. Festival.

01.09. bis 30.09. | Das Pop-up-Festival »Implantieren«

Ein Archiv, ein Boot, ein Club, eine Rennbahn, ein Studio, die Stadt – Das waren mehr oder minder die Orte, als das Kreativenkollektiv ID_Frankfurt sich das letzte Mal 2016 mit seinem Pop-up-Performance-Festival »Implantieren« die Stadt eroberte. 2018 ist alles eine Nummer größer: das Europaviertel, Schwanheim, Offenbach, Bockenheim, das Bahnhofsviertel, das Nordend, Hanau. Die Performer und Performerinnen bespielen diesmal ganze Stadtviertel oder wesentliche Teile davon wie den Campus in Bockenheim oder die Düne in Schwanheim. Und vor allem ungewöhnlich gewöhnliche Orte: Plätze, Straßen, die S 9, einen Kleinbus, ein Kino, eine Düne, Trinkhallen. Das ist neu. Alt ist, dass auch diesmal oft keiner so recht weiß, was dabei herauskommt. Passagiere handeln mit dem Busfahrer erst noch die Strecke aus. Museumsbesucher wissen anfangs noch nicht so recht, in welcher Führung sie sind. Und bei zahllosen Gesprächen und Diskursen etwa an Trinkhallen oder bei der Stadtführung im Bahnhofsviertel weiß ohnehin keiner, was herauskommt …

Doch das ist Programm bei ID_Frankfurt und Implantieren, die viele freie PerformerInnen, WissenschaftlerInnen und AktivistInnen der Region bündeln, um mehr oder minder spannende Stadträume zu bespielen und zu hinterfragen. Orte, die sie nicht als Kulisse sehen, sondern als Orte der Er-Forschung. Und zwar gemeinsam mit den Experten vor Ort, also den Bewohnern und den Besuchern. Die Mittel sind vielfältig: Performances, Konzerte, Audiowalks und solche ohne Audio, Busfahrten, Installationen, Tanzen, Workshops, Vorträge, Trinkgelage, Partys sowie wohl unzählige formelle und informelle Gespräche vom Diskurs bis zur Plauderei. Unvorbereitet treffen die MacherInnen nicht auf ihr Publikum. Doch das Ungewisse ist trotzdem Programm. Wo die Reise jeweils hingehen könnte, erahnt man und frau vielleicht durch die Titel der einzelnen Programmpunkte: Wellwellness, Wasserstandsmeldung, Flechtenkunde, OF-Projekt (natürlich in Offenbach), Verfahren (natürlich mit dem Bus), Schlaflos in Frankfurt oder auch die Ein-Mann-Kneipe. Und das Ganze verteilt auf fünf Wochenenden mit einer unmissverständlichen Aufforderung zum realen und gedanklichen Sich-Verfahren – mit und ohne Bus- oder S-Bahn-Linie … (vss.).

Laszlo Szklörz©
Filmtitel
Quelle: scs©

Frankfurt | Deutsch-türkische Schicksale

Tokat – gescheiterte Integration

Ein Film über drei nichtgelebte Leben

Ihr Gangs trugen Namen wie »Turkish Powerboys«, »Griesheim Tigers« oder »Ahorn Boys«. In diesen Gangs schlossen sich in den 90er Jahren in Frankfurt türkische Jugendliche zusammen, rund 500 sollen es insgesamt gewesen sein. Türkische Jugendliche, deren Alltag damals aus Dealen, kleinen Diebstählen, Körperverletzungen und später auch richtig organisierter Kriminalität bestand, aus Drogensucht und Heimatlosigkeit – dem ganzen Programm von gescheiterter Integration und perspektivlosen Jugendlichen.

Die Frankfurter Filmemacherinnen Andrea Stevens und Cornelia Schendel, selbst damals in Frankfurt »auf der anderen Seite« aufgewachsen und mit dem Terror der Gangs direkt konfrontiert, haben über drei der damaligen Jugendlichen einen Film gemacht. Er trägt den Titel »Tokat« (»Ohrfeige«), Untertitel »Das Leben schlägt zurück«. Bewusst kein Film über die Gangs, über Integrationspolitik oder über Opfer. Ein Film über Kerem, Hakan und Dönmez. Drei Männer, die heute um die 40 sind und in den Trümmern ihres Lebens leben, zwei davon längst nicht mehr in diesem Lande. Ein Film über drei Männer, aber auch über ein Stück Frankfurt – und am Ende doch über (gescheiterte) Integration (jjk.).

scs©
Das Orange Beach
Quelle: Olaf Gries©

Orte + Menschen | Orange Beach

Strand-Oase zum Guten Zweck

Olaf Gries und sein kleines Strand-Kiosk am Main

Es liegt ein wenig abgelegen vom Trubel der Stadt, eingerahmt von einem Industriekomplex und zwei Eisenbahnbrücken, draußen am Griesheimer Mainufer. Ein ausgebautes Kiosk mit Bierbänken, einer Bühne und einem Mini-Beach, inklusive Strandkorb und Liegestühlen. Und über der Eingangstür befindet sich ein Schild mit einem selbstironischen und vielsagenden Graffito: »Hot Beer / Lousy Food / Bad Service / Welcome / Have a nice Day«. Das liest sich wie das Gegenkonzept zum Frankfurter Westhafen, der mit feingeschliffenem Design und Lounge-Optik ein geldkräftiges Publikum anspricht. Und es ist auch so gemeint …

Das »Orange Beach« ist sicherlich eine der ungewöhnlichsten Trinkhallen Frankfurts. So ungewöhnlich, wie die Geschichte des Schildes über der Tür und der des Inhabers dieses Beach-Kiosks. Olaf Gries, der den Ort seit 2006 betreibt, hat es einst in Gambia machen lassen. Dorthin verschlägt es ihn regelmäßig, weil er dort eine Schule unterstützt. Angefangen hat das um 2010/2011 herum, sagt er. Damals ist er mit einem Sack voll Trinkgeld in das westafrikanische Land gereist, auf der Suche nach einem Projekt, das er unterstützen konnte. Am liebsten etwas mit Kindern. So ist er bei der Jalangban Nursey School ein paar Kilometer hinter Brikama gelandet und hat seitdem eine Mauer um das Schulgelände sowie ein neues Dach mitfinanziert, und hat dabei geholfen, die Einrichtung zu einer Ganztagsschule zu machen. Nur vor Ort könne man wirklich helfen, indem man sich auf Land und Leute einlässt, sagt Gries. Für ihn sei das die einzige Alternative für die fehlgeleitete Entwicklungshilfe mit öffentlichen Geldern.

Genauso einfach wie sein Konzept für die private Entwicklungshilfe ist sein Konzept für den Orange Beach. Es ist ein einfacher Ort für die einfachen Leute. Ein Ort, wohin »der Frankfurter« und »die Frankfurterin« gerne rausfahren und einfach sein können. Geld nimmt Gries vor allem mit Konzerten ein, die regelmäßig sonntags stattfinden, und mit privaten Buchungen für Betriebsfeiern, Hochzeiten und was es sonst für Anlässe zum Feiern gibt. Was er an Equipment da hat, kann genutzt werden. Außerdem sind die Gruppen frei, die Fläche zu nutzen, wie sie möchten – ob mit feinen weißen Tischdecken oder einem Parcours für Trinkspiele. »Beim Olaf« ist beinahe alles möglich. Ihm geht es um die Menschen – hier ebenso wie in Gambia. Oder, wie es ein Stammgast einmal einem Fernsehsender gesagt hat: »Egal wer hier reinkommt. Der Olaf behandelt jeden gleich …«. Hier, in seiner kleinen Strand-Oase am Griesheimer Mainufer … (ojs.).

Olaf Gries©
Das Fein - ein Wasserhaus der neuen Art
Quelle: Catalina Somolinos©

Orte + Menschen | Kult und Kulturgut

Neues Trinken in alten Mauern

Frankfurt und seine wiederbelebten Wasserhäuschen

Über Jahrzehnte gehörte das Wasserhäuschen in Frankfurt zum Alltag, ein sozialer Ort, an dem alle Generationen und Milieus aufeinandertreffen. Wo es menschelt und der Büdchenbesitzer schon weiß, wie viele Biere oder Schokoriegel man abends so kaufen will. Doch gerade das wollten viele Menschen irgendwann nicht mehr und haben die Anonymität eines Supermarktes oder einer Tankstelle vorgezogen. Am Büdchen strandeten nur noch die, die man lieber nicht treffen wollte. »Büdchensterben« nannte man das dann irgendwann. Doch was da starb, waren nicht nur ein paar Steine. In Zeiten, in denen über Zusammenhalt, Integration und Partizipation viel diskutiert wird, war am Büdchen eigentlich genau das gelebt worden. Und dies ist keineswegs nur als Wasserhäuschen-Romantik zu verstehen. Vielerorts ist der Büdchen-Alltag auch rauh und traurig. Wie das Leben in der Großstadt eben. Und gerade das schätz(t)en die Menschen.

So war und ist es nicht verwunderlich, dass die Frankfurter Wasserhäuschen eine Renaissance erlebten. Wenn auch da und dort in der zuweilen etwas feineren Variante: wie eben wortwörtlich das »Fein« oder etwas abgespacter auch das »Gude« im Nordend. Das eine, die kleine feine Plüsch-Oase mit der oft sehr kreativen Kuchenauswahl in der lauschigen Wallanlage. Das andere der (großflächige) Viertel-/ Kaltgetränke-Treff an der Hauptverkehrsachse.  Und mit der Renaissance wurde das Kulturgut plötzlich auch Kult. Vereine und Initiativen entstanden rund um die Wasserhäuschen. Die »Linie 11« etwa, die 2017 sogar den »1. Frankfurter Wasserhäuschentag« feierte. Was vor Jahren zunächst als Aktion einiger Frankfurter Jungs im besten Partyalter startete, ist heute nach sieben Jahren ein ordentlicher kleiner Verein, der als Experte in Sachen »Wasserhäuschen« gefragt ist. Die »Linie 11« hat den Kult nicht unwesentlich mitbegründet und setzt sich für den Erhalt sowie die Pflege eines vom Aussterben bedrohten Frankfurter Kulturgutes ein. Und das Engagement kommt von Herzen – nicht nur, wenn von der legendären gemischten Tüte oder von dem einzigartigen Charme der so ganz unterschiedlichen Büdchen geschwärmt wird. Ob die interaktive Wasserhäuschen-Karte, das erste Wasserhäuschen-Infomobil der Welt oder die Vernetzung der Büdchen-Betreiber: Die Macher haben immer wieder frische Ideen, um die Menschen der Stadt für ihre Traditionshäuschen zu begeistern.

Begonnen hat alles übrigens um die letzte Jahrhundertwende, als Frankfurt schon einmal boomte. Sauberes Wasser kam damals nicht aus dem Hahn, sondern eben vom Wasserhäuschen, für das die Stadt gesorgt hat. Heute ist es längst als Treffpunkt und kleiner Laden »um die Eck« wiederentdeckt worden und Teil einer neuen Kultur des urbanen Zusammenlebens. Viele alt eingesessene – wie das Jöst-Häuschen im Osthafen – und auch neue Büdchen mit kreativen Geschäftsideen gehören mittlerweile fest zum Leben im Quartier mit dazu. Genauso wie der Kult um sie, wie es die »Linie 11« oder auch die einmal im Jahr auf Tour gehenden Jungs und Mädels vom »Trinkhallen Hopping« pflegen. Um es mit der »Linie 11« zu sagen: »Wir lieben Wasserhäuschen«. Und sie stehen damit offenbar längst nicht mehr alleine – am Wasserhäuschen … (pem.).

Agenda | Mehr Sichten

Viel für Aug’ & Ohr

Festivals & Co. in Frankfurt & RheinMain

 

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Künstler satt – auf den zahlreichen Festivals in der Region | (c) Barbara Walzer

Die Agenda »Viel für Aug’ & Ohr« ist eine Auswahl interessanter Festivals für Filme, Lesungen, Musik und Performances, die in Frankfurt und Umgebung in Kürze und in den kommenden Monaten stattfinden | Die Auswahl vereint vor allem Veranstaltungen aus dem Bereichen Avantgarde und Off Spaces und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit | Die Agenda wird Ihnen präsentiert von urban shorts und dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain | Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Randspalte oder weiter unten bei »Mehr Agenden«

 

Aktuelle und kommende Festivals 

Bis 19.09.2018 | Filmsommer Mainz | MZ + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: Filmsommer

Bis 23.09.2018 | Klimagourmet-Woche 2018 | FrankfurtRheinMain + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: Klimagourmet

Bis 23.09.2018 | Grenzenlos Kultur| Inklusives Theaterfestival | MZ + Staatstheater + Gutenbergplatz / Tritonplatz | Mehr Infos: grenzenloskultur (us)

Bis 23.09.2018 | Digitale Stadt im Fokus der Kunst | Reihe Positionen 2018 | DA + F + WI + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: Positionen

Bis 30.09.2018 | Werkschau Lucrecia Martel | Filme der argentinischen Regisseurin | F + Filmmuseum + Museumsufer | Mehr Infos: DIF

Bis 30.09.2018 | Implantieren2018 | Performance-Festival | F + OF + HU + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: implantieren2018 (us)

Bis 14.10.2018 | Young Georgian Characters | F + Atelierfrankfurt + Schwedlerstr. 1-5 | Mehr Infos: Atelierfrankfurt

Bis 20.10.2018 | RAY 2018 Extreme | Fototriennale in Rhein-Main | FrankfurtRheinMain + an verschiedenen Orten im Rhein-Main-Gebiet | Mehr Infos: RAY2018 (us)

Bis 05.11.2018 | Femmes Totales Filmtour No. 2 | Reihe Filme von Frauen | F + Orfeos Erben + Hamburger Allee 45 | Mehr Infos: Kinothek

31.08. bis 2019 | Eine Stadt wie Frankfurt | Saisonschwerpunkt | F + Mousonturm und andere Orte in Frankfurt | Mehr Infos: Mousonturm (us)

20.09. bis 27.09. | Lucas – Festival für junge Filmfans | F + WI + OF + an verschiedenen Orten | Mehr Infos: Lucas

 

Falls Sie an dieser Stelle eine besondere Veranstaltung aus FrankfurtRheinMain vermissen, teilen Sie uns dies bitte über das Kontaktformular unten kurz mit. Die Kalender werden ständig aktualisiert.