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Mehr als tausend Worte …

Städte erzählen (ihre) Geschichte

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. In »Cities. Brennpunkte der Menschheit« erzählt der Wiener Verlag eoVision die Geschichte von Städten anhand von Satelliten-Fotos aus dem Weltraum. Teils sind es – zumindest von oben – einfach wunderschöne Bilder wie das von Hongkong, das das Titelbild des Buches ist. Teils sind es erschreckende Bilder, wenn sie die Ausmaße von tief in die Natur oder das Leben eingreifenden Strukturen in Minen- oder Industriestädten zeigen. Teils erzählen sie einfach Geschichte, etwa von den wechselvollen Episoden einer gewachsenen Metropole wie Peking oder vom Aussterben einer ganzen Stadt nach dem Unglück von Tschernobyl. Urban shorts zeigt eine Auswahl dieser Aufnahmen. Manche einfach schön, manche informativ, manche erschreckend, manche alles in einem. Aber alle dokumentieren ein eigenes Stück Urbanität und (Menschheits-) Geschichte. Urban shorts zeigt einen Auszug der Fotos in oben stehender Bildergalerie … (sfo.).


Delhi wird 2100 wohl die Kapitale des Landes mit den meisten Menschen weltweit sein
Quelle: © Francisco Anzola / CC-BY-SA-2.0 (s.u.)©

Studie zur Weltbevölkerung

Weniger Menschen in der Zukunft

Afrika wächst, aber die Erdbevölkerung schrumpft

Der »Platz auf dem Planeten« wird nach einer neuen Studie bis 2064 mit dann fast zehn Milliarden Menschen immer weniger werden. Doch danach wird die Zahl der Menschen weniger – um eine Milliarde bereits bis Ende des Jahrhunderts. Während Afrika noch wächst, schrumpfen Länder wie Deutschland und vor allem südeuropäische Staaten – und wird Migration wohl eine immer wichtigere Rolle für diese Länder spielen.

[> Beitrag auf eigener Seite lesenFür die Menschheit könnte 2064 das magische Jahr ihrer Geschichte werden. In diesem Jahr sollen fast zehn Milliarden Menschen auf dem Globus leben. Rund zwei Milliarden mehr als heute. Nach jüngsten Berechnungen der renommierten University of Washington (Seattle) soll das dann allerdings der Gipfel der Menschheitsgeschichte sein. Schon bis Ende des Jahrhunderts erwarten die Forscher*innen schon wieder rund eine Milliarde weniger Menschen. Geringere Geburtenraten in vielen Teilen der Welt, bedingt durch mehr Wohlstand, mehr Verhütung und bessere Bildung für Frauen, sollen die Gründe sein. Vor allem in Europa und Asien würden sich Populationen vielfach sogar halbieren, wenn die Länder nicht massiv mit Immigration gegensteuerten. Selbst China – heute mit 1,4 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde – soll auf ziemlich genau die Hälfte schrumpfen. Ähnlich wie viele Länder in Südeuropa, etwa Spanien, Italien oder Portugal, wo dann vielleicht zusammen nur noch 60 Millionen Menschen leben.

In mancherlei Hinsicht werden sich die Verhältnisse auf dem Globus regelrecht umkehren. Die wirtschaftlich schwächeren Regionen in Afrika und Nahost könnten dann mit rund vier Milliarden Menschen (heute 1,6 Milliarden) fast die Hälfte der Erdbevölkerung beherbergen – falls diese nicht massiv in andere Regionen wandern. Folgen würde das restliche Asien, in dem das wirtschaftlich schwächere Indien mit 1,1 Milliarden China abgelöst haben dürfte (laut Prognose dann vor Nigeria mit 800 Millionen). Apropos Wirtschaft: Die USA und China würden sich der Studie zufolge das gesamte Jahrhundert über einen Zweikampf um die stärkste Volkswirtschaft des Planeten liefern; in dem China zeitweise vor den USA liegen soll, bevor es seiner schwindenden Bevölkerung Tribut zollt. In Europa würden von den vier großen Staaten und Volkswirtschaften die migrationsstarken Großbritannien und Frankreich etwa gleichbleiben in Population und in relativer Wirtschaftskraft unter den Top Ten der Welt, Deutschland würde den Platz unter den Top Ten trotz massiven Schwundes von rund 20 Prozent der Bevölkerung halten, aber Italien würde aufgrund des massiven Schwundes kaum so glimpflich wegkommen. Allerdings offenbart die Studie damit auch ihren größten Unsicherheitsfaktor, da in den Berechnungen reale Zuwanderung nur bedingt über mehrere Jahrzehnte vorhergesagt werden könn(t)e. Im Umkehrschluss halten die Forscher*innen übrigens fest, dass gerade die europäischen Staaten ohne Zuwanderung ihre heutige Stellung kaum werden halten können, und legen damit insbesondere eine vorausschauende Migrationspolitik nahe. Und noch eine Folge wird das Szenario haben: 2100 werden mit rund 2,4 Milliarden mehr Menschen über 65 Jahren auf dem Planeten leben als Menschen unter 20 Jahren (rund 1,7 Milliarden). Dies lässt sich allerdings wieder ziemlich sicher vorhersagen … (vss.).

Die Welt im Corona-Schatten [1]

Hunderte Menschen – ein Wasserhahn

Das Leben im südafrikanischen Township Alexandra

 

Ein Wasserhahn in Alexandra, einem südafrikanischen Township bei Johannesburg. So weit, so unspektakulär. Doch in der Siedlung mit ihren vermutlich 400.000 bis 500.000 Menschen teilen sich oft einige Hunderte einen solchen Wasserhahn, ebenso wie ein paar Stunden Strom am Tag oder ein Dutzend Dixie-Toiletten. Die Frankfurter Fotografin Petra van Husen, die selbst drei Jahre in Johannesburg gelebt hat, streifte vor zwei Jahren mehrfach durch die Siedlung, die für viele Weiße noch heute als No-Go-Area gilt. Ihre Fotos erzählen von der Enge, dem Leben und dem Optimismus der Menschen, von Hütten, Hostels und schwieriger Hygiene, von kleinen Läden, Schuhputzern und 80 Kindern in zwei Räumen. Dies alles nur fünf Kilometer von Sandton entfernt, dem teuersten Geschäfts- und Shoppingviertel des afrikanischen Kontinents. Ein Blick in eine Welt, die nicht nur in Zeiten von Corona nachdenklich stimmt … (red.).

Urban.21 | Megacities

Zehn Städte und 300.000.000 Menschen

Tokio, Kairo, Guangzhou - die neuen Mega-Stadtregionen

In Zeiten der Corona-Krise rückt die weltweite Urbanisierung immer mehr in den Blick. Auf der Erde leben heute 7,75 Milliarden Menschen. Mindestens vier Milliarden – mehr als die Hälfte also – in Städten. Und die Urbanisierung treibt immer mehr Menschen vom Land in die wachsenden Zentren. 2050 sollen bereits zwei von drei Menschen dort leben. Städte ist für viele dieser Zentren längst nicht mehr das richtige Wort. Es sind vielmehr Stadtregionen. Egal, ob mit aufragenden Skyscrapern wie in New York oder Tokio oder im dichten traditionellen Häusermeer von Delhi oder Kairo. Allein die Zahl der Millionenstädte liegt nach aktuellen Studien und Berechnungen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union bereits bei rund 500. Darunter rund 30 Megacities und Stadtregionen mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. 1950 waren es mit New York und Tokio gerade einmal zwei.

Über diese Grunddaten und -trends sind sich UN und EU einig. Einzig bei den Definitionen ihrer Mega- und Millionenstädte unterscheiden sie sich. Folgt man der jüngsten Studie der Europäischen Kommission, die 2018 auf der Basis von Satellitenaufnahmen, Geografie- und Populationsberechnungen die bisher umfassendste Datenbank für rund 10.000 Stadtregionen weltweit vorgestellt hatte, leben allein in den zehn größten Städten und Stadtregionen der Welt mittlerweile über 300 Millionen Menschen. Vor allem mit Hilfe der Satellitenaufnahmen wurden die Grenzen der Großstadtregionen vielfach neu gezogen und definiert. Größte Megacity der Welt ist nach diesen Berechnungen das chinesische Guangzhou mit sage und schreibe 46 Millionen Menschen; vor Kairo und Jakarta (38 bzw. 36 Millionen / Berechnung jeweils für 2017/18). Und vor allem für die chinesische Megastadt gilt, dass dies mehr eine Stadtregion als eine Stadt ist. Der Großraum Tokio-Yokohama, der für die UN und bisher auch ganz allgemein als größter Stadtraum der Welt galt, folgt in dieser Analyse knapp dahinter auf Rang 4 mit »nur« 34 Millionen Menschen.

Bemerkenswert an den Zahlen der Europäischen Union: Bis auf Kairo liegen die zehn größten Megacities unserer Tage in Asien mit den vielleicht ohnehin am schnellsten wachsenden urbanen Regionen der Welt. Viele von ihnen scheinen nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Fläche zu wachsen, und viele bereits umliegende Millionenstädte regelrecht aufzusaugen. Neben Guangzhou ist das ebenfalls chinesische Chongqing ein Musterbeispiel dieses rasant wachsenden und sich urbanisierenden Asien. Chongqing gilt laut manchen Studien mittlerweile ebenfalls als größte Stadt der Welt, zumindest nach seiner Fläche. Mit vielen Umlandgemeinden umfasst es bereits 80.000 Quadratkilometer Land (ungefähr die Größe Österreichs) und könnte mit den dort lebenden, bis zu 30 Millionen Menschen locker unter den Top Ten mithalten. Und mit rund 1.000 neuen Bewohnern pro Tag ist es ohnehin die wohl am stärksten wachsende Stadt der Welt. Nimmt man die EU-Berechnungen, würden übrigens vor allem die großen süd- und mittelamerikanischen Metropolen Sao Paulo und Mexico City (beide auch mit mehr als 20 Millionen Einwohnern) damit aus den Top Ten verdrängt. Zu den neuen Mega-Städten würden hingegen Kalkutta, Manila oder Dhaka (Bangladesch) gehören. Apropos: In Europa liegen nur zweieinhalb Städte mit über zehn Millionen Einwohnern: Paris, Moskau und (das zur Hälfte ebenfalls in Asien beheimatete) Istanbul … (vss.).


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Quelle: Iwan Baan / DAM©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [1]

Bengal (Main) Stream?

Bauen gegen Unwetter und Überschwemmungen

Der Klimawandel stellt Architekt*innen weltweit vor neue Herausforderungen. Steigende Meeresspiegel, vermehrte Unwetter sowie sich ausbreitende Hitze und Trockenheit erfordern zunehmend ein anderes Bauen. Dies gilt mittlerweile für fast alle Teile der Welt. Und zumal dann, wenn auch gleichzeitig Ressourcen, Energieverbrauch oder Kosten im Blick gehalten werden müssen. Das führt immer stärker dazu, Anleihen in Regionen und Ländern zu nehmen, in welchen die scheinbar neuen klimatischen Bedingungen schon länger »zu Hause« sind. Eines dieser Länder ist Bangladesh. Das südasiatische Land am Rande des Indischen Ozeans mit vielen tief gelegene Regionen, zahlreichen großen Flüssen und ausgedehnten sommerlichen Monsunregen hat schon immer mit Unwettern und Überschwemmungen zu kämpfen. Außerdem liegen die Temperaturen nicht nur im Sommer oft um die 30 Grad in diesem obendrein stark bevölkerten Land.

Das erfordert in diesem Land und in seiner nur zwei Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hauptstadt Dhaka zunehmend ein neues Denken beim Bauen. Da die Grundprobleme in diesem Lande aber eben keineswegs neu sind, orientiert sich eine jüngere Generation von Architekt*innen immer mehr an einem Mix aus neuem und aus traditionellem Bauen. Die vielschichtige Ausstellung »Bengal Stream« (aktuell im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt) und das sehr umfangreiche, begleitende Katalog-Buch geben einen Überblick über das Schaffen der Architekt*innen. In einer sehr dichten Schau geht es um innovative Ideen, um Gebäude und Menschen vor Hitze, Unwettern und Überschwemmungen zu schützen. Gebäude – sowohl im Großen wie im Kleinen – werden durch zerklüftete Fassaden oder kleine Fenster gegen die starke Sonneneinstrahlung abgeschattet. Höfe, Wasseranlagen und durchlässige Materialien sorgen für natürliche Klimatisierung, ebenso wie vertikale Durchlüftungen oder begrünte Dächer. Zugleich werden neue mit traditionellen Materialien gemischt, Beton etwa mit Bambus und Ziegel, welche beide in der Region reichlich vorhanden sind. Sehr präsent ist der Wechsel zwischen geschützten und abgeschatteten zu offenen und lichten Bereichen, die einen Gebrauch der Räume je nach Tageszeit und Nutzung zulassen. Der Gang führt durch Moscheen (die aus Platzmangel in die Vertikale gebaut sind) über Schulen (von denen einige in ländlichen Gebieten wie parkhausartige Trutzburgen aussehen und auch gleich Schutzraum gegen Zyklone sind) bis hin zu Wohnhäusern in Stadt und Land. Auffällig der Low-Cost-Gedanke (zumindest bei vielen vorgestellten Projekten): natürliche Klimatisierung statt Klimaanlage oder eben der bewusste Mix aus günstigen neuen und einheimischen Materialien. Eine Ausstellung und ein Katalog regelrecht wie ein Baukasten oder ein Labor für das Bauen in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels – in Bangladesh wie in vielen anderen Teilen dieser Welt … (vss.).


Die Arcadia School in der Nähe von Dhaka
Quelle: Iwan Baan / DAM©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [2]

Schwimmende Klassenzimmer

Eine hydraulische Schule auf leeren Fässern

Eines der größten Probleme im südasiatischen Bangladesh ist das oft tiefliegende und angesichts des Klimawandels im stärker von Hochwasser bedrohte Land. Die Hauptstadt Dhaka liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel, entlang des Flusses Buriganga. Während des sommerlichen Monsuns kann dann schon mal ein Drittel der Stadt unter Wasser stehen. Besonders hart allerdings trifft es immer wieder die Ortschaften um Dhaka herum. Alipur etwa ist eine im Zuge der Verlegung traditioneller Gerbereien und anderer Industriegebiete ins Umland entstandene kleine Ortschaft. Die neue Industrie nimmt oft die wenigen guten Plätze. Weite Teile rund um den Ort ist ständig vom Hochwasser bedroht. So kam man für eine privat durch eine in Großbritannien lebende bengalische Lehrerin initiierte Schule auf die Idee schwimmender Klassenzimmer. Die Bausubstanz besteht ausschließlich aus dem in der Region reichlich vorhandenen, günstigen und sehr vielseitigen Bambus, der komplett auf leeren Fässern ruht. Wenn das Wasser in der Monsunzeit von Mai bis September die Schule langsam einschließt, beginnt diese langsam, aber sicher auf dem Wasser zu schwimmen. Der traditionelle Bambus trotzt derweilen Regen und Stürmen, sodass die vier Klassenräume, die durch eine offene Veranda miteinander verbunden sind, fast das ganze Jahr genutzt werden können. Entworfen wurde die Schule vom Neffen der Lehrerin, Saif Ul Haque Sthapati, welcher in Dhaka als Architekt arbeitet (red./dam.).


Im Inneren des Friendship Centres. Im Hintergrund der Rand des Dammes.
Quelle: Iwan Baan©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [3]

Wie eine tiefer gelegte Insel

Friendship Centre im Inneren einer Dammanlage

Auch das tiefliegende Land im ländlichen und landwirtschaftlichen Gaibandha ist immer wieder von Hochwasser bedroht. Das war auch das Hauptproblem beim Friendship Centre, das noch dazu mit recht kleinem Budget gebaut werden musste. Ein Erhöhen der Anlage um zweieinhalb Meter, damit sie über dem Hochwasserspiegel liegt, war deshalb keine Option. Die erdbebengefährdete Gegend und die geringe Belastbarkeit des schluffigen Bodens kamen dazu. Die Lösung: Die Anlage wurde komplett von einem Damm von zweieinhalb Metern Höhe umbaut und wurde quasi in dieses künstliche Plateau einbeschrieben. Das Gebäude aus traditionellem Ziegel der Region konnte somit direkt auf den bestehenden Boden gebaut werden und schließt nach oben mit dem Damm ab. Im Inneren der Anlage fangen eine Reihe von Maßnahmen die klimatischen Herausforderungen auf. Gegen die sommerliche Hitze setzt der Entwurf auf natürliche Belüftung und Kühlung, was durch (Zwischen-) Höfe und kühlende Teiche sowie die Bedeckung der Dächer mit Erde und Gras ermöglicht wird. Die Menschen können somit zwischen Innen- und Außenräumen wechseln. Auch der natürliche, ausgleichende Baustoff trägt seinen Teil bei. Regenwasser und Oberflächenabfluss werden zudem in einem Netzwerk aus Innenbecken gesammelt; der Überschuss wird in einen ausgehobenen Teich gepumpt, der auch zum Fischen genutzt wird. Die Architektur selbst ist von den Überresten buddhistischer alter Klöster inspiriert sowie von der Siedlung Mahasthan aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, die sich unweit des Geländes befindet. Strenge Geometrie einerseits und gebrochene Formen andererseits koexistieren in dem Komplex und bilden nüchterne und meditative Räume (red./dam.).