Frankfurt | Fotograph

Indien. Drei Städte.

Impressionen von Aroon Nagersheth

Es sind nicht die typischen bunten Bilder, die man sonst so kennt von Indien. Die farbigen Kleider der Frauen, die ebensolche bunte Pracht der Obst- oder der Gewürzstände auf den Märkten. Der indischstämmige urfrankfurter Fotograf und Social Medialist Aroon Nagersheth hat seine Impressionen aus drei Städten seiner zweiten Heimat Indien ganz bewusst schwarz-weiß gelassen. Delhi, Mumbai und Ahmedabad sowie die Menschen in diesen drei Städten wirken dadurch für einmal faszinierend unexotisch. Authentisch – wie dies heute so gerne heißt. Urban shorts zeigt einen Ausschnitt seiner Ausstellung, die kürzlich im Kunstkiosk YokYok in der Frankfurter Fahrgasse zu sehen war (vss.).

©
BlackRock - ein Film und ein Buch (Bild: Ausschnitt Buchcover)
Quelle: Campus Verlag©

Global.21 | Welt-Wirtschaft

Die Macht des schwarzen Felsens

Die (un)heimliche Geld-Weltmacht BlackRock

BMW und Daimler, E.ON und RWE, die Allianz und die Deutsche Bank, Bayer und BASF, die Telekom und SAP, Adidas oder Beiersdorf. Es ist die Crème de la crème der deutschen Wirtschaft. Und BlackRock? Noch nie gehört? BlackRock gehören große Teile aller dieser Unternehmen. BlackRock gehört ein großer Teil der deutschen Wirtschaft. Man könnte auch sagen: BlackRock gehört der größte Anteil an der deutschen Wirtschaft. Und so wie in Deutschland sieht es fast auf der ganzen Welt aus. Der US-Konzern BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt, stellt alle großen und bekannten Banken weit in den Schatten. Wobei: Auch an ihnen ist BlackRock beteiligt, sie sind Teil dieses weltumspannenden Imperiums.

BlackRock? Noch nie gehört? Tatsächlich ist BlackRock trotz dieser weltumspannenden Macht fast unbekannt. Eine heimliche, ja unheimliche Geld-Macht. Dass man so wenig über BlackRock weiß, liegt (auch) daran, dass so wenige Medien und Journalist*innen über den Konzern berichten. Einer der wenigen Filme stammt von ZDF-Journalist Tom Ockers. Für »BlackRock – die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns« hat er mit vielen Menschen gesprochen, die ein bisschen mehr wissen über dieses Herzstück der weltweiten Finanzbranche. Auch mit Heike Buchter. Die Wirtschaftsjournalistin ist wohl die einzige, die bisher ein Buch über diesen Konzern geschrieben hat. Für »BlackRock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld« hat sie diesen Konzern porträtiert, um nicht zu sagen: seziert. In zwei spannenden Wirtschaftsreportagen haben Ockers und Buchter hinter die Kulissen dieses Kolosses geschaut, so weit dies möglich ist. Sie beschreiben dessen Bosse und ihre Beteiligungen. Und ein Computersuperhirn mit dem zauberhaften Namen »Aladdin«, das diesen Konzern steuert. Und damit die wohl größte Geldmenge aller Zeiten: sechs Billionen Dollar. Das Doppelte, also 12 Billionen Dollar, ist der »schwarze Felsen« selbst Buchters Recherchen zufolge schwer. Das Ergebnis: Sie interessierte sich für eine Macht, für die sich vielleicht auch sehr bald noch einige andere interessieren sollten, wenn nicht müssten … Denn: »Was für Gefahren ein solcher Koloss birgt, wissen selbst Experten nicht« (vss.).


Produziert für die »Dritte Welt«: Minipackungen zu Maxipreisen
Quelle: 3sat©

Global.21 | Welt-Wirtschaft

Geschäfte mit der Armut

Konzerne, Dritte Welt, maximierte Gewinne

Die globalen Konsum- und Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Unilever stoßen in Europa und Nordamerika zunehmend an ihre Grenzen. Die traditionellen Märkte sind buchstäblich gesättigt. Neue Umsätze und Gewinne lassen sich nur noch mit wenigen, oft öko- und nischenartigen Trends generieren. Auszeichnungen wie »Mogelpackung des Jahres« oder kritische und aufmerksame Verbraucher tun ihr Übriges, von den Preiskämpfen der Discounter ganz zu schweigen. Doch die Konzerne sind Aktiengesellschaften. Und die Logik dieses Marktes erfordert Wachstum, um Anleger und Analysten zufriedenzustellen.

Vor diesem Hintergrund haben die Konzerne die Schwellen- und Entwicklungsländer entdeckt. Und vor allem deren arme Einkommensschichten. In Brasilien und Kenia gelten jeweils über 40 Millionen Menschen als arm, haben nur ein, zwei oder drei Euro am Tag zum Leben. Was gemessen an noch ärmeren Ländern viel ist – und sie zur idealen Zielgruppe macht. Ein, zwei Euro sind zu wenig, um Vorräte einzukaufen. Die Antwort der Konzerne: Minipackungen. Und das zu Maxipreisen – und mit entsprechenden Gewinnmargen. Zumal nicht selten diese teuren Fertig-Lebensmittel trotzdem billiger sind als einheimische Früchte oder Gemüsesorten, die immer häufiger nur noch für den Export angebaut werden. Zusätzliche Crux: Fertigprodukte fördern oft Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes – und machen nicht selten auch noch abhängig. Ein zwiespältiges Geschäft mit zahlreichen Folgekosten und Folgegewinnen – aufgezeichnet in einer eindrücklichen Reportage von Joachim Walther … (sfo.).


-
Quelle: Iwan Baan / DAM©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [1]

Bengal (Main) Stream?

Bauen gegen Unwetter und Überschwemmungen

Der Klimawandel stellt Architekt*innen weltweit vor neue Herausforderungen. Steigende Meeresspiegel, vermehrte Unwetter sowie sich ausbreitende Hitze und Trockenheit erfordern zunehmend ein anderes Bauen. Dies gilt mittlerweile für fast alle Teile der Welt. Und zumal dann, wenn auch gleichzeitig Ressourcen, Energieverbrauch oder Kosten im Blick gehalten werden müssen. Das führt immer stärker dazu, Anleihen in Regionen und Ländern zu nehmen, in welchen die scheinbar neuen klimatischen Bedingungen schon länger »zu Hause« sind. Eines dieser Länder ist Bangladesh. Das südasiatische Land am Rande des Indischen Ozeans mit vielen tief gelegene Regionen, zahlreichen großen Flüssen und ausgedehnten sommerlichen Monsunregen hat schon immer mit Unwettern und Überschwemmungen zu kämpfen. Außerdem liegen die Temperaturen nicht nur im Sommer oft um die 30 Grad in diesem obendrein stark bevölkerten Land.

Das erfordert in diesem Land und in seiner nur zwei Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hauptstadt Dhaka zunehmend ein neues Denken beim Bauen. Da die Grundprobleme in diesem Lande aber eben keineswegs neu sind, orientiert sich eine jüngere Generation von Architekt*innen immer mehr an einem Mix aus neuem und aus traditionellem Bauen. Die vielschichtige Ausstellung »Bengal Stream« (aktuell im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt) und das sehr umfangreiche, begleitende Katalog-Buch geben einen Überblick über das Schaffen der Architekt*innen. In einer sehr dichten Schau geht es um innovative Ideen, um Gebäude und Menschen vor Hitze, Unwettern und Überschwemmungen zu schützen. Gebäude – sowohl im Großen wie im Kleinen – werden durch zerklüftete Fassaden oder kleine Fenster gegen die starke Sonneneinstrahlung abgeschattet. Höfe, Wasseranlagen und durchlässige Materialien sorgen für natürliche Klimatisierung, ebenso wie vertikale Durchlüftungen oder begrünte Dächer. Zugleich werden neue mit traditionellen Materialien gemischt, Beton etwa mit Bambus und Ziegel, welche beide in der Region reichlich vorhanden sind. Sehr präsent ist der Wechsel zwischen geschützten und abgeschatteten zu offenen und lichten Bereichen, die einen Gebrauch der Räume je nach Tageszeit und Nutzung zulassen. Der Gang führt durch Moscheen (die aus Platzmangel in die Vertikale gebaut sind) über Schulen (von denen einige in ländlichen Gebieten wie parkhausartige Trutzburgen aussehen und auch gleich Schutzraum gegen Zyklone sind) bis hin zu Wohnhäusern in Stadt und Land. Auffällig der Low-Cost-Gedanke (zumindest bei vielen vorgestellten Projekten): natürliche Klimatisierung statt Klimaanlage oder eben der bewusste Mix aus günstigen neuen und einheimischen Materialien. Eine Ausstellung und ein Katalog regelrecht wie ein Baukasten oder ein Labor für das Bauen in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels – in Bangladesh wie in vielen anderen Teilen dieser Welt … (vss.).


Die Arcadia School in der Nähe von Dhaka
Quelle: Iwan Baan / DAM©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [2]

Schwimmende Klassenzimmer

Eine hydraulische Schule auf leeren Fässern

Eines der größten Probleme im südasiatischen Bangladesh ist das oft tiefliegende und angesichts des Klimawandels im stärker von Hochwasser bedrohte Land. Die Hauptstadt Dhaka liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel, entlang des Flusses Buriganga. Während des sommerlichen Monsuns kann dann schon mal ein Drittel der Stadt unter Wasser stehen. Besonders hart allerdings trifft es immer wieder die Ortschaften um Dhaka herum. Alipur etwa ist eine im Zuge der Verlegung traditioneller Gerbereien und anderer Industriegebiete ins Umland entstandene kleine Ortschaft. Die neue Industrie nimmt oft die wenigen guten Plätze. Weite Teile rund um den Ort ist ständig vom Hochwasser bedroht. So kam man für eine privat durch eine in Großbritannien lebende bengalische Lehrerin initiierte Schule auf die Idee schwimmender Klassenzimmer. Die Bausubstanz besteht ausschließlich aus dem in der Region reichlich vorhandenen, günstigen und sehr vielseitigen Bambus, der komplett auf leeren Fässern ruht. Wenn das Wasser in der Monsunzeit von Mai bis September die Schule langsam einschließt, beginnt diese langsam, aber sicher auf dem Wasser zu schwimmen. Der traditionelle Bambus trotzt derweilen Regen und Stürmen, sodass die vier Klassenräume, die durch eine offene Veranda miteinander verbunden sind, fast das ganze Jahr genutzt werden können. Entworfen wurde die Schule vom Neffen der Lehrerin, Saif Ul Haque Sthapati, welcher in Dhaka als Architekt arbeitet (red./dam.).


Im Inneren des Friendship Centres. Im Hintergrund der Rand des Dammes.
Quelle: Iwan Baan©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [3]

Wie eine tiefer gelegte Insel

Friendship Centre im Inneren einer Dammanlage

Auch das tiefliegende Land im ländlichen und landwirtschaftlichen Gaibandha ist immer wieder von Hochwasser bedroht. Das war auch das Hauptproblem beim Friendship Centre, das noch dazu mit recht kleinem Budget gebaut werden musste. Ein Erhöhen der Anlage um zweieinhalb Meter, damit sie über dem Hochwasserspiegel liegt, war deshalb keine Option. Die erdbebengefährdete Gegend und die geringe Belastbarkeit des schluffigen Bodens kamen dazu. Die Lösung: Die Anlage wurde komplett von einem Damm von zweieinhalb Metern Höhe umbaut und wurde quasi in dieses künstliche Plateau einbeschrieben. Das Gebäude aus traditionellem Ziegel der Region konnte somit direkt auf den bestehenden Boden gebaut werden und schließt nach oben mit dem Damm ab. Im Inneren der Anlage fangen eine Reihe von Maßnahmen die klimatischen Herausforderungen auf. Gegen die sommerliche Hitze setzt der Entwurf auf natürliche Belüftung und Kühlung, was durch (Zwischen-) Höfe und kühlende Teiche sowie die Bedeckung der Dächer mit Erde und Gras ermöglicht wird. Die Menschen können somit zwischen Innen- und Außenräumen wechseln. Auch der natürliche, ausgleichende Baustoff trägt seinen Teil bei. Regenwasser und Oberflächenabfluss werden zudem in einem Netzwerk aus Innenbecken gesammelt; der Überschuss wird in einen ausgehobenen Teich gepumpt, der auch zum Fischen genutzt wird. Die Architektur selbst ist von den Überresten buddhistischer alter Klöster inspiriert sowie von der Siedlung Mahasthan aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, die sich unweit des Geländes befindet. Strenge Geometrie einerseits und gebrochene Formen andererseits koexistieren in dem Komplex und bilden nüchterne und meditative Räume (red./dam.).


Simulation der Arte-Dokumentation »Unter Wasser« zeigt drohende Gefahr für New York
Quelle: Arte France / © Georama TV©

Urban.21 | Klima 2019/2039

Land unter: Metropolen in Gefahr?

Erderwärmung und steigende Pegel bedrohen Megacitys

New York, Istanbul, Singapur. Aber auch London, Paris, Amsterdam. Viele Metropolen weltweit liegen am Wasser. Wie die beeindruckende Arte-Dokumentation »Unter Wasser: Megacitys in Gefahr« zeigt, könnten für sie die Erderwärmung und steigende Pegel bald schon mehr sein als ein abstraktes Klima-Problem in ferner Zukunft. Gefahr droht diesen Städten von mehreren Seiten. Schon heute setzen durch den Klimawandel mit ausgelöste Flutwellen, Hurrikans oder Überschwemmungen Städte wie New York, Bangkok oder New Orleans unter Druck oder zuweilen tatsächlich unter Wasser. Da aber viele dieser Städte zugleich auch noch absinken, weil durch Erosion, abgesogenes Wasser oder »Bodenverflüssigungen« an Meeren und Flüssen der Boden nachgibt und rundum die Pegel steigen, wächst der Druck durch die Naturkatastrophen noch weiter. Manche Experten glauben bereits, dass der Mensch diese Metropolen irgendwann wird verlassen müssen, sofern er nicht rechtzeitig gegensteuert.

Wie dramatisch die Situation werden könnte, hat vor einiger Zeit auch der Fernsehsender euronews gemeinsam mit der Organisation Climate Central in drastischen Simulationen dargestellt. Sie zeigen Metropolen bei einer Erderwärmung um zwei beziehungsweise um vier Grad. Während London (> Simulation) und Shanghai (> Simulation) bereits bei plus zwei Grad langsam zu Seenplatten mutieren und in New York (> Simulation) ab vier Grad der Broadway zum Canale Grande wird, könnte sich das südafrikanische Durban (> Simulation) dann allerdings bereits in Atlantis umbenennen. Doch das Problem betrifft nicht nur ferne Metropolen. Das Recherchekollektiv correctiv hatte kürzlich anhand von Daten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen aus den letzten Jahrzehnten berichtet, dass der Meeresspiegel der Nordsee dort messbar steige und dass ein guter Teil dessen auf die Klimaerwärmung zurückgehe. Und dass der Trend zunehme. Stieg im 20. Jahrhundert das Meer offenbar bestenfalls alle drei Jahre um einen Zentimeter, so braucht es dafür heute noch gut zwei Jahre. Ende des Jahrhunderts sollen die Pegel aktuell einen halben Meter höher stehen als heute … (vss.).