Frankfurt | Fotograph

Indien. Drei Städte.

Impressionen von Aroon Nagersheth

Es sind nicht die typischen bunten Bilder, die man sonst so kennt von Indien. Die farbigen Kleider der Frauen, die ebensolche bunte Pracht der Obst- oder der Gewürzstände auf den Märkten. Der indischstämmige urfrankfurter Fotograf und Social Medialist Aroon Nagersheth hat seine Impressionen aus drei Städten seiner zweiten Heimat Indien ganz bewusst schwarz-weiß gelassen. Delhi, Mumbai und Ahmedabad sowie die Menschen in diesen drei Städten wirken dadurch für einmal faszinierend unexotisch. Authentisch – wie dies heute so gerne heißt. Urban shorts zeigt einen Ausschnitt seiner Ausstellung, die kürzlich im Kunstkiosk YokYok in der Frankfurter Fahrgasse zu sehen war (vss.).

Neue Opern- und Bühnenbauten in Europa

Landmarken und Millionengräber

DAM blickt auf (andere) Neubauten und Sanierungsfälle

Frankfurt hat derzeit mit den Städtischen Bühnen und dem Kulturcampus – fast schon im wahrsten Wortsinn – zwei große »Kulturbaustellen«. Oder hätte sie zumindest gerne – wenn man denn schon so weit wäre. Vor allem rund um die Zukunft der Städtischen Bühnen ist noch vieles offen und wird weiterhin munter und vieles diskutiert. Vor diesem Hintergrund wirft derzeit das Deutsche Architekturmuseum DAM gleich mehrere sehr informative Blicke auf andere derartige Projekte in Europa – aus den letzten Jahren und aus der Gegenwart. Das DAM blickt dabei auf spektakuläre und die Silhouette ihrer Städte oder einzelner Viertel prägende Neubauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg, die Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie in Stettin oder die Opèra de Lyon. Es blickt auf interessante Konversionsprojekte, etwa das Theater im (namensgebenden) ehemaligen Kraftwerk Mitte oder die neuen Theater und Oper Kopenhagens im Hafen und auf ehemaligem Militärgelände. Und es zeigt auch viel beachtete Sanierungen wie die Staatsoper unter den Linden und (scheinbar) »Never-Ending-Stories« wie die Bühnen Köln, deren geplante Wiedereröffnung mal kurz von 2015 auf 2022 verschoben wurde. Und es zeigt nicht nur bei diesem Projekt, wie sich Baukosten zuweilen »entwickeln«. In Köln etwa von ursprünglich 253 auf nunmehr (wohl mindestens) 545 bis 570 Millionen Euro. Apropos Baukosten: Als Herzstück der Ausstellung haben die DAM-Experten auch schon mal mehrere Szenarien für die Städtischen Bühnen durchgerechnet – inklusive »zu erwartender Preissteigerungen« … (loe.).


Sommerwerft, Jil Sander, Ausstellungen von und Ateliers für regionale Künstler*innen
Quelle: Barbara Walzer / Hans-Jürgen Herrmann©

Urban:ist | Starke Partner [0]

Die starken stillen Partner

Kunst- und Kulturförderer in der Region

Kulturfonds, Dr. Marschner, Heussenstamm, Radar – Vier Institutionen in FrankfurtRheinMain, die nur wenigen Menschen in Stadt und Region bekannt sind. Bekannter hingegen sind das Tanzfestival RheinMain, die Sommerwerft oder die Maifestspiele, das Museum Angewandte Kunst, die HfG in Offenbach oder das Atelierhaus Basis in Frankfurt. Und sicher ist der eine oder die andere schon einmal in der Heussenstamm-Galerie nahe der Frankfurter Paulskirche gewesen oder zumindest daran vorbeigelaufen. Sie alle wurden und werden immer wieder direkt und indirekt von diesen meist stillen, aber auch starken Partnern im Hintergrund gefördert – vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, von der Dr. Marschner-Stiftung in Frankfurt und Offenbach, von der Heussenstamm-Stiftung für Frankfurter Künstler*innen sowie von der Leerstands-Agentur Radar, die im wahrsten Wortsinn Freiräume für Kultur rekrutiert. Manche Großprojekte wie die regionweite Tanzplattform oder die viel beachtete Ausstellung »Jil Sander« stemmen solche Partner auch gemeinsam.

Urban shorts wird künftig in loser Folge solche starken und meist stillen Partner in der Region vorstellen. Große Fonds und Stiftungen wie den Kulturfonds und die Marschner-Stiftung, die auch große und mittlere Projekte finanzieren, aber auch viele kleine Einrichtungen, die weniger mit Geld als mit Räumen, Ausstellungen oder sonstiger Unterstützung Künstler*innen und Kreativen ihr Schaffen manchmal sogar erst ermöglichen. Zum Auftakt der Reihe, die auch explizit Förderer von bürgerschaftlichem Engagement einschließen soll, geht es um den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Der Fonds mit einem Fördervolumen von jährlich sieben Millionen Euro ist mittlerweile selbst einer der wichtigsten Kulturakteure und auch einer der größten »Geldtöpfe« in der Region. Einst zur Sichtbarmachung von deren »Leuchttürmen« gegründet, hat er in den letzten Jahren immer mehr auch kleinere Projekte gefördert und damit auch zum Leben und Überleben vieler Künstler*innen und Kreativen in der Region beigetragen. In dieser wie in den weiteren Folgen wird es darum gehen, was eine solche Institution leistet, was sie fördert, wo sie unterstützen kann – und auch wo nicht. Dies soll es vor allem kleineren Einrichtungen und einzelnen Kulturschaffenden ermöglichen, für ihre Arbeit die richtigen Ansprechpartner zu finden. Die einzelnen Folgen werden etwa in monatlichem Abstand erscheinen (vss.).

Barbara Walzer / Hans-Jürgen Herrmann©
Am 14.10. ist der Kulturfonds auch Thema der Frankfurter bootsgespräche
Quelle: Barbara Walzer / RAY / Blickachsen / Nippon C. / Kulturfonds / Mousonturm / us©

Serie • Starke Partner [1]

Aus der Tiefe der Region

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain

»Im Mousonturm müssen wir Projekte, Produktionen und Programme immer aus verschiedenen Quellen finanzieren. Nicht selten gibt es da freundliche Absagen, wird man von einer Stiftung zur anderen, von einem Geldgeber zum nächsten verwiesen. Die öffentliche Hand, die eigentlich langfristig Mittel für Kultureinrichtungen zur Verfügung stellen müsste, hofft oft, dass Projektförderungen von Stiftungen die Löcher stopfen. Da hat der Kulturfonds, gerade unter dem jetzt scheidenden Geschäftsführer Helmut Müller, aktiv Zeichen gesetzt für eine strukturell verantwortliche Kulturförderung. Ohne ihn wären eine Tanzplattform RheinMain und ein Festival Ende Oktober in vier Städten nicht denkbar. Auch weil der Fonds wie in diesem Fall Dauerhaftes angeschoben, immer wieder selbst andere Partner mit ins Boot geholt und damit Verantwortung übernommen hat«. 

Matthias Pees, Intendant des Frankfurter Mousonturm, weiß, warum er den Kulturfonds derart lobt. Die Tanzplattform RheinMain und das jährliche Festival in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach ist mittlerweile das größte Projekt des Fonds und trägt damit maßgeblich auch zum Bestand des freien Künstlerhauses im doppelten Schatten der Frankfurter Bühnen und auch der Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden bei. Zugleich ist es ein Paradebeispiel, wie der Kulturfonds funktioniert und arbeitet. Einst zur Sichtbarmachung der »Leuchttürme« der Region gegründet und lange Zeit vor allem mit Projekten wie Romantikmuseum oder »Phänomen Expressionismus« identifiziert, wirkt der Fonds mittlerweile breiter und tiefer in der Region und auch in die Region hinein. Die Tanzplattform verbindet nicht nur staatliche und freie Häuser in mehreren Städten (neben Mousonturm noch das Staatsballett an den beiden Staatstheatern). Sie schickt sich auch an, Rhein-Main in der ersten Reihe der Tanzregionen in Deutschland zu platzieren – und zwar mit Ressourcen, die in der Region selbst zu Hause sind, in Verbindung mit internationalen Akteuren. Hinzu kommt eine Tiefenwirkung mit einem Ensemble Mobile in die Region hinein sowie mit Ankern weit in die freie Szene und in den populären Tanz. Somit profitieren auch viele freie Gruppen und Akteure in der Region.

Längst ist der Fonds, dessen Führung dieser Tage von Helmut Müller auf Karin Wolff übergeht, selbst einer der wichtigsten Kulturakteure und einer der größten »Geldtöpfe« für Kulturförderung in der Region. Neben den traditionellen Leuchttürmen wie Städel, Mathildenhöhe & Co. entstehen durch den Fonds immer mehr neue Leuchtturmprojekte. Neben der Tanzplattform etwa die neue »dreifache Fototriennale«, die im Wechsel dreier etablierter Festivals in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt entsteht. Überhaupt ist dies auch ein Schlüssel zu Fördermitteln des Fonds. Chancen hat, wer regionale Partner zusammenbringt oder seine Idee in die Region erweitert. Exemplarisch das »Meidner-Projekt«, das an drei Orten dem »regionalen« Künstler Ludwig Meidner gewidmet war, oder die »Shorts of Moonlight«, die neben Höchst nun auch eine Dependance im Rheingau haben. Womit die Region zugleich sichtbar und vernetzt wird, und Projekte möglich werden, die kleinere Kommunen nicht stemmen könnten. Durch die Tiefe in Projekten und in die Region hinein kommt ein Teil der jährlich sieben Millionen Fördergelder (je zur Hälfte aus Kommunen und vom Land Hessen) auch vielen Künstler*innen und Kreativen direkt zu Gute. Zwar fördert der Fonds weder Institutionen dauerhaft noch Künstler*innen einzeln, wohl aber viele Festivals, die ihrerseits vielfach mit regionalen Akteuren arbeiten. Dazu gehören etwa Implantieren, Poesie im Park (Wiesbaden) oder das Sprungturm-Festival (Darmstadt). Auch viele regionale Filmfestivals erhalten Geld. Wichtige Kriterien sind allerdings öffentliche oder gemeinnützige Partner und im besten Falle weitere Förderer, da der Fonds selten als alleinige Geldgeber auftritt. Etwas im Argen liegt vielleicht im Moment am ehesten die Förderung kleinerer (Einzel-) Ausstellungen, da sie schwer ins Raster des Fonds passen. Allerdings profitieren auch diese von Projektgeldern, wie sie etwa der Kunstraum Eulengasse für ein Austauschprogramm mit einem Kunstverein in Münster-Altheim erhielt. Einzig die (noch) nicht flächendeckende Ausbreitung des Fonds setzt hier Grenzen. So fehlen etwa Mainz oder der Rheingau-Taunus-Kreis auf der Kulturfonds-Landkarte. Daneben unterstützt der Fonds selbst Initiativen wie die Crowdfunding-Plattform »Kulturmut« oder die Aktion »Kunstvoll« gemeinsam mit Schulen, von denen auch wiederum Künstler*innen profitieren (können). Und auch auf ungewohntes Terrain wagt sich der Fonds zuweilen vor. In diesem Jahr förderte er erstmals mit einer fünfstelligen Summe ein Theaterzelt auf der Sommerwerft, dem beliebten alternativen Frankfurter Straßentheaterfestival am Main. Das allerdings war wohl bisher auch der größtmögliche Kontrast zu den einstigen Leuchttürmen Romantikmuseum oder »Phänomen Expressionismus« … (vss.).

Nachgeschaut

L’ Égypte Empathique

Denis Dailleux: Égypte + Mères et Fils

 

Empathie ist etwas, das selten geworden ist in der Kunst unserer Tage. Der französische Fotograf Denis Dailleux jedoch zelebriert geradezu diese alte menschliche Tugend in und mit seinen Fotos aus Ägypten. Auf ungewöhnliche Art und Weise hat er sich den Menschen in Kairo und in diesem Land genähert – und sie nicht selten in gleichsam alltäglichen und erstaunlich persönlichen Momenten festgehalten. Menschen in einem Bahnhof ebenso wie mit ihren Tieren auf dem Land. Sogar in Räumen, in denen der Mensch allgegenwärtig ist, ohne selbst im Bild zu sein. Noch deutlicher wird die Empathie, mit welcher Dailleux an seine Arbeit geht und welche gleichermaßen die Menschen in seinen Fotografien auszeichnet, in seiner kleinen Kabinett-Serie »Mères et Fils«. Sie zeigt – wie der Titel schon sagt – Mütter und ihre Söhne. Und mehr noch: ein inniges, fast zärtliches Verhältnis zwischen diesen beiden. Umso erstaunlicher, da es sich bei den Söhnen um junge Männer handelt, die als Bodybuilder ihre eigene Stärke inszenieren – und mit ihrer Hinwendung zu ihren Müttern die (emotionale) Stärke dieser Frauen erst recht unterstreichen. Zwei ungewöhnliche Serien von Bildern. Kurze Momente der Empathie und Intimität in einer immer unpersönlicheren und schnelllebigeren Welt (vss.).