Virtual Artist | Niko Neuwirth

Über den Dächern einer Stadt

Suburban-subversive Baustellen-Betrachtungen

Niko Neuwirth ist ein Spezialist für die ungewöhnlichen Fälle und Fotografien. Für »Facing Europe« reiste er mehrfach quer durch Europa und fotografierte Menschen, die ihm begegneten. Sein neuestes Projekt ist Frankfurt. Genauer: die Baustelle(n) Frankfurt(s). Nachts begibt er sich auf die Dächer der Stadt und ihrer Baustellen. Je höher, desto besser. Und er sucht die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (können). Neue Blick- und Stadtlandschaften tun sich auf. Gerüste, Mülltonnen und Straßenmarkierungen bekommen einen künstlerischen Mehrwert. »Nachts über Frankfurt« ist ein urbanes und künstlerisches Projekt zugleich. Und in gewisser Weise – trotz der schwindelnden Höhen, in denen es entsteht – ein suburbanes und subversives. Urban shorts, das urban-kulturelle Magazin, dokumentiert 20 Momentaufnahmen aus den nächtlichen »Beutezügen« – persönlich »eingerahmt« durch den Künstler. Und: Urban shorts und Niko Neuwirth setzen diese Betrachtungen der Stadt mittels ihrer Baustellen fort. Im Laufe des Sommers werden weitere Bilder auftauchen. Lose und in lockerer Folge – so wie ihr Fotograf selbst immer wieder auf den Baustellen der Stadt erscheint und mit seiner ungewöhnlichen »Bildbeute« wieder entschwindet … (vss.).

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Alles hat noch eine andere Seite
Quelle: jip Film & Verleih©

Der Film | Druga strana svega

Die andere Seite von allem

70 Jahre gelebte Geschichte Jugoslawiens

Eine Tür und eine politisch engagierte Professorin spielen die Hauptrollen in diesem Film. Die Tür befindet sich mitten in einer einstmals großen Bürgerwohnung von Belgrad. Einstmals. Denn 1946/47 wurde sie verschlossen. Und trennte fortan zwei Teile der Wohnung voneinander. Titos Kommunisten hatten den Eltern der späteren Professorin Srbijanka Turajlić beschieden, dass ihnen zwei Räume zum Leben zu reichen haben – mit Kindern und Tante. Der Film erzählt die Geschichte Jugoslawiens. Eine Geschichte von Teilung und Miteinander. Nicht als historische Dokumentation, sondern als Geschichte dieser Wohnung und dieser Frau. Er erzählt von der Zeit unter Tito, von Umbrüchen und Umstürzen, von Serbien und dem Krieg auf dem Balkan, von der Oppositionellen und kurzzeitigen Ministerin Srbijanka Turajlić. Er erzählt von Treffen mehr oder minder oppositioneller Freunde in der Wohnung, vom Zerbrechen von Freundschaften während des Balkankrieges, von der Nachbarschaft zur mittlerweile 90jährigen Proletarierin Nada, die sieben Jahrzehnte »auf der anderen Seite« lebte. »Die andere Seite von allem« – das Synonym für vieles in dieser Geschichte. »Die andere Seite von allem« ist allerdings aus vielerlei Gründen keine historische Dokumentation. Zu nahe ist die Regisseurin immer wieder an dieser Wohnung und an dieser Frau. Es ist – die Wohnung ihrer Eltern und es ist ihre eigene Mutter, an deren Leben sie die Geschichte Jugoslawiens erzählt. Nicht nur des Staates, sondern auch der Idee Jugoslawien. Eine außergewöhnliche Innensicht, die aus dieser Dokumentation allerdings nicht weniger, sondern mehr als eine historische Dokumentation macht. Ein Stück gelebte und zum Teil auch nicht gelebte Geschichte. Faszinierend dicht und nahe an den Menschen, nicht nur an der eigenen Mutter. Ein tiefer Einblick in 70 Jahre der Geschichte des Balkans, der Idee Jugoslawien und einer Familie mitten auf diesem Kontinent (vss.).

Der Kurzfilm des Monats

The long way up

Smith & Foulkes' Bestatter-Hommage

Urban shorts verleiht jeden Monat in seiner urban shorts selection den urban shorts award. In diesem Monat haben sich Jury und Redaktion entschieden, anlässlich der 20. Ausgabe des »Internationalen Trickfilm Wochenendes« in Wiesbaden den Kurzfilm des Monats zeitgleich mit diesem Festival auszuwählen und zu präsentieren. Die Wahl fiel dabei auf »This Way Up«, der auch in dessen Eröffnungsgala zu sehen war. Ähnlich dem ewig jungen Trickfilm-Genre persifliert diese genau zehn Jahre alte wundervolle Animationsarbeit von Smith & Foulkes ein ewig junges Alltags-Genre: das Bestatten oder genauer die liebe- und zuweilen leidvolle Arbeit zweier Bestatter. Trotz – oder vielleicht gerade wegen des Themas – ein hinreißend schöner Film. Und vielleicht ein faszinierendes Beispiel für »Langlebigkeit«: eines Festivals und eines Genres – welches auch immer … (uss.).

Virtual Artists | Urban Sketching

Momente. Menschen. MainStreams.

Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichnung.

»Wir zeigen die Welt. Zeichnung für Zeichung!«. So lautet das Motto der Urban Sketcher, einer weltweit stetig wachsenden Gemeinschaft von Zeichnern und Zeichnerinnen. Eine Gruppe Frankfurter Urban Sketchers hat das Motto aufgenommen und versucht in diesem Jahr, ihrer Stadt und dem Lebensgefühl der Main-Metropole zeichnerisch auf die Spur zu kommen. »Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichung!« ist seit Sommer 2017 das Motto der Künstler/innen Katharina Müller (Kamü), Catalina Somolinos und Ivo Kuliš. Gemeinsam und jeder für sich erkunden sie die Stadt und suchen nach interessanten Monumenten, Menschen und Momenten in der Main-Metropole. Urban shorts dokumentiert die Arbeit dieser Gruppe. Wir präsentieren in den kommenden Monaten Zeichnungen, welche die Künstler/innen Woche für Woche in dieser Stadt und von dieser Stadt angefertigt haben. Die Reihe wird fortgesetzt (red.).

Neue Opern- und Bühnenbauten in Europa

Landmarken und Millionengräber

DAM blickt auf (andere) Neubauten und Sanierungsfälle

Frankfurt hat derzeit mit den Städtischen Bühnen und dem Kulturcampus – fast schon im wahrsten Wortsinn – zwei große »Kulturbaustellen«. Oder hätte sie zumindest gerne – wenn man denn schon so weit wäre. Vor allem rund um die Zukunft der Städtischen Bühnen ist noch vieles offen und wird weiterhin munter und vieles diskutiert. Vor diesem Hintergrund wirft derzeit das Deutsche Architekturmuseum DAM gleich mehrere sehr informative Blicke auf andere derartige Projekte in Europa – aus den letzten Jahren und aus der Gegenwart. Das DAM blickt dabei auf spektakuläre und die Silhouette ihrer Städte oder einzelner Viertel prägende Neubauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg, die Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie in Stettin oder die Opèra de Lyon. Es blickt auf interessante Konversionsprojekte, etwa das Theater im (namensgebenden) ehemaligen Kraftwerk Mitte oder die neuen Theater und Oper Kopenhagens im Hafen und auf ehemaligem Militärgelände. Und es zeigt auch viel beachtete Sanierungen wie die Staatsoper unter den Linden und (scheinbar) »Never-Ending-Stories« wie die Bühnen Köln, deren geplante Wiedereröffnung mal kurz von 2015 auf 2022 verschoben wurde. Und es zeigt nicht nur bei diesem Projekt, wie sich Baukosten zuweilen »entwickeln«. In Köln etwa von ursprünglich 253 auf nunmehr (wohl mindestens) 545 bis 570 Millionen Euro. Apropos Baukosten: Als Herzstück der Ausstellung haben die DAM-Experten auch schon mal mehrere Szenarien für die Städtischen Bühnen durchgerechnet – inklusive »zu erwartender Preissteigerungen« … (loe.).

Urban Sketchers unterwegs

Einige Tage in … Porto

Sketchers sehen die portugiesische Stadt

Einmal im Jahr trifft sich die weltweite Urban Sketchers Community in einer Metropole dieser Welt. Für wenige Tage wird diese Stadt zum Mittelpunkt und zum Studio dieser begeisterten ZeichnerInnen. Sie kommen zusammen, um andere ZeichnerInnen zu treffen, um dazuzulernen, um die Stadt zu erleben – und natürlich um zu zeichnen. 2018 war dieses Mekka die portugiesische Küstenstadt Porto, zweitgrößte Metropole des Landes. In der Urban shorts Artist-Section »Out of the Box« zeigen einige Urban Sketchers aus FrankfurtRheinMain eine kleine Nachlese dieser Reise. Mehr über diesen Trip und die Philosophie dieser Treffen im nachfolgenden Text der Frankfurter Urban Sketcherin Gabi Wührmann, in dem sie einen Einblick in die Tage in Porto gibt (red.).