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Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Musik | Songs, so wrong

Von Akkorden und Dissonanzen

Bilder von Musikern und Texte von Missverständnissen

»Don’t let me be misunderstood« heißt es in einem alten Song von Santa Esmeralda. »Don’t let me be misunderstood« könnte auch mancher Song selbst in die Welt hinausschreien. Oft werden Songs missverstanden. Weil sich jemand schlicht verhört. Weil er oder sie der Sprache nicht mächtig sind. Weil sie nur dem Refrain und nicht dem Rest zuhören … Was in der Musikgeschichte schon alles missverstanden wurde oder was man so missverstehen konnte – Dem spürt seit Jahren der Frankfurter Autor und Musikspezialist Michael »Ted« Behrendt nach. In »I don’t like Mondays. Die 66 größten Songmissverständnisse« führt er in die hohe Kunst des Songmissverstehens ein; einschließlich zahlreicher Vereinnahmungen durch Politiker, Werbetexter oder Fans sowie unzähliger sonstiger Merkwürdigkeiten, etwa der in Kriegszeiten plötzlich auf Schwarzen Listen aufgetauchten und nicht mehr gespielten Songs. »I don’t like Mondays« ist eine ganz eigene Geschichte der Musik und ein tiefer Blick in die Psyche von Fans und der Gesellschaft. Urban shorts dokumentiert in loser Folge einige exemplarische Missverständnisse und Merkwürdigkeiten. Und beginnt mit »We are the Champions« – bei dem das Missverständnis darin besteht, dass niemand sicher weiss, wie es wirklich gemeint war oder gemeint gewesen sein könnte. Illustriert wird die Reihe mit Fotos der Frankfurter Fotografin Barbara Walzer, die Musiker auf den Bühnen oder in den Straßen der Mainmetropole zeigen. Noch mehr Musiker-Fotos finden sich auch in der fünften Folge ihrer Reihe »Gesichter Frankfurts« (red.).

Barbara Walzer (bw.)©
Universität Frankfurt Hörsäle
Quelle: DAM / Norbert Miguletz©

Architektur | Frankfurt

Der Universitätsbaumeister

Frankfurt und das Erbe Ferdinand Kramers

»Ferdinand Kramer war ein sozialer Mensch. Er hat Häuser gebaut, die vor allem anpassungsfähig sein sollten. Anpassungsfähig an die Ansprüche, die die Menschen an sie stellten.« Der Satz stammt von Philipp Sturm, einem der Kuratoren, die für das Deutsche Architekturmuseum die erste umfassende Werkschau und das begleitende Katalog-Buch über den Baumeister der Frankfurter Nachkriegsuniversität in Bockenheim erstellt hatten. Klar, funktional und schnörkellos war dessen Stil. Irgendwie passend zur Art der Horkheimers und Adornos, die in jener Zeit die Frankfurter Universität geprägt haben. Zugleich war Kramer damit ein führender Vertreter des »Neuen Frankfurts« rund um Stadtbaumeister Ernst May. Ein Stil, der viel erreichte, aber der gerade in Kramers Arbeiten nicht unumstritten war.

Der Zeitpunkt der Ausstellung fiel allerdings auch in eine Zeit, in der in Frankfurt einige Kramer-Bauten wieder abgerissen werden. Er baue nur für 30 Jahre, ist einer der bekanntesten Sätze, die Kramer zugeschrieben werden. Sie kennzeichneten eben jenen funktionalen und veränderlichen Baustil. Doch zugleich zeigen sie auch die Crux an seinen Bauten auf – und bringen sie heute auf eine ganz neue Art wieder in die Diskussion. Nachdem die Universität mittlerweile ihr neues Domizil im Westen der Stadt gefunden hat, soll am alten Platz der »Kulturcampus« entstehen, eine neue Mischung aus Wissenschaft, Kultur und Wohnen. Und Kramers Bauten? Um sie ist eine neue Debatte entbrannt. 30 Jahre haben sie längst überstanden. Doch nicht jeder Bau lässt sich wandeln. Manche sollen bleiben. Manche mussten, manche müssen weichen. Im Gespräch auf urban shorts reflektierten die Kuratoren das Werk und die Zukunft der Bauten Ferdinand Kramers. Zur Erinnerung und zur Diskussion (cfr.).


Film »Banyan Tree Lounge« (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden)
Quelle: Courtesy and ©: The artists©

Medien | Digitale Demenz

Wenn Computer für uns denken

Prof. Manfred Spitzer über die digitale Schattenseite

»Unser Gehirn kann eines nicht: nicht lernen«, sagt der renommierte Psychiater und Psychologe Prof. Manfred Spitzer. Wenn es nicht gefordert werde, baue es ab. Deshalb sind für Spitzer die vielen digitalen Helfer der heutigen Zeit vom Smartphone über den Computer bis zum Navigationssystem oft mehr Fluch als Segen, vor allem für Kinder. Wer etwa nicht mehr mit dem Gehirn durch eine Stadt navigiere, könne dies irgendwann nicht mehr. Umgekehrt haben Studien vor einigen Jahren ergeben, dass Londoner Taxifahrer durch die tägliche Schulung ein vergrößertes »Navigationsmodul« im Gehirn hatten. Ob dies heute noch so ist, ist leider nicht ermittelt. Welche Bedeutung ein solches vergrößertes Modul besitzt, erklärt Spitzer an einem Beispiel. Menschen, die zweisprachig aufwachsen und dies auch ihr Leben lang praktizieren, können eine Demenz um über fünf Jahre verzögern. Kurioserweise ist die Demenz bei ihnen zwar vorhanden. Doch durch die – vereinfacht gesprochen – doppelte Zahl von Synapsen im Kopf für zwei Sprachen stehen dem Gehirn doppelt so viele Umwege zur Verfügung, um den schleichenden Gehirnausfall bei Demenz zu umgehen. »Digitale Demenz« – wie die Fachwelt diesen Abbau durch Technik nennen – betrifft übrigens auch die soziale Kompetenz. Auch Empathie etwa werde im Gehirn gesteuert und entsprechend verkleinere sich der zuständige Teil des Gehirns, wenn die realen Kontakte abnähmen oder gar nicht erst vorhanden wären. »Wie«, so Spitzer, »sollen Acht- oder 13-Jährige Empathie oder das Dekodieren von Mimik, Gestik oder Sprachmelodie auf den affektiven Gehalt hin erlernen, wenn bei virtuellen Sozialkontakten niemand da ist?« (sfo.).

Architektur | Steinzeitzeugen

Brutal und/oder schön

Beispiele des Brutalismus

Courtesy and ©: The artists©
Eine Kirche oder Fort Knox? Claude Parent / Paul Virilio: Sainte-Bernadette du Banlay in Nevers (Frankreich)
Quelle: Bruno Bellec 2008 / DAM©

Urban21 | Brutal (oder) schön?

»Rettet die Betonmonster«

»SOSBrutalismus« - Aktion, Ausstellung, Essay

»SOS Brutalismus« ist eigentlich in vielfacher Hinsicht ein faszinierendes Wortspiel. Der »Brutalismus« bezeichnet jenen Baustil der 50er bis 70er Jahre, der seinerseits nach dem »béton brut« benannt ist. Das ist zwar zuerst einmal das französische Wort für »Sichtbeton« und zelebriert quasi den Stil jener puren, scheinbar nackten Betonbauten. Doch es korrespondiert natürlich auch mit dem Wort »brutal«, der rohen und für viele Betrachter hässlichen Facette, die vor allem in den späteren Bauten zum Tragen kam. Und damit dem Grund, warum viele der Gebäude bereits aus den Städten weichen mussten oder aktuell von der Abrissbirne bedroht sind. Nicht selten zu Unrecht, meinten die Macher der Kampagne »SOS Brutalismus« und machten sich an eine Neudefinition und Neubewertung des Brutalismus’, inklusive dem daraus abgeleiteten Aufruf »Rettet die Betonmonster«. Herausgekommen sind eine bemerkenswerte Internetpräsenz und eine (Wander-) Ausstellung, die zugleich ein Anstoß zu einer Debatte wie auch – wohl wider alles Erwarten – faszinierende ästhetische Inszenierungen sind. Und die an der einen oder anderen Stelle auch deutlich machen, dass es nicht selten auch ökonomisch und ökologisch sinnvoller sein könnte, die Bauten stehen zu lassen und neue Nutzungen für sie zu finden. Die Ausstellung »SOSBrutalismus« ist 2017/2018 zuerst in Frankfurt und in Wien zu sehen ist. Das Internetportal »SOSBrutalismus« dokumentiert derweil fortlaufend längst über 1000 dieser widersprüchlichen Bauten in aller Welt. Und beide rufen damit zu deren Erhaltung auf – sofern die Bauten überhaupt noch stehen … Urban shorts begleitet Aktion und Ausstellung(en) mit einem kleinen Auszug aus dieser Internetpräsenz (»Brutal schön – Beispiele des Brutalismus«) und mit dem Essay »Brutalismus neu entdecken« des Ausstellungs-Kurators Oliver Elser, in dem er eine neue Definition und einen eigenen Stellenwert für die Architektur des Brutalismus anstrebt … (vss.).


Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen
Quelle: bw©

Literaturszene | Indonesien

Die weiblichen Stimmen der 17.000 Inseln

Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen

Von kulinarischen Spezialitäten und exotischen Urlaubsparadiesen Indonesiens hat man hierzulande häufig schon gehört, die Literatur des weltgrößten Inselstaates ist hingegen weitgehend unbekannt.  Fast noch unbekannter ist die starke Rolle der Schriftstellerinnen des Landes. Ihre Werke sind mittlerweile fast so bunt und vielfältig wie die 17.000 Inseln, aus denen der Riesenstaat in Südostasien besteht. Die Frauen fast aller Altersgruppen spielen mit verschiedenen Zeitebenen, den vielen Kulturen und Schattenkulturen, der Aufarbeitung unterschiedlicher, oft belasteter historischer Epochen und den alltäglichen Problemen der Genderfragen und der Korruption, aber auch der Liebe und des einfachen Lebens. Ein kleiner Ausschnitt dieser Werke ist auch auf Deutsch erschienen. Sabine Müller hat sich für urban shorts einmal genau diese Bücher angesehen (vss.).