Das Filmmuseum - Zentrum und Spielort zahlreicher Festivals
Quelle: Barbara Walzer©

Die Film(festival)region

Nonstop-Filmfest FrankfurtRheinMain

Keine Berlinale - aber über 50 Filmfestivals in der Region

Wer in Deutschland an Filmfestivals denkt, denkt zuerst an die Berlinale. Mit Cannes und Venedig spielt sie in der ersten Reihe europäischer Festivals und misst sich zuweilen gar mit Hollywood und seinen Oscars. FrankfurtRheinMain hingegen kann nichts derartiges aufweisen. Oder doch? FrankfurtRheinMain besitzt zwar keine Berlinale, ist aber wohl die Region in Deutschland und vielleicht sogar in Europa mit den meisten einzelnen Festivals überhaupt. Über 50 Filmfeste stehen im Laufe des Jahres im Kalender – im Schnitt eines pro Woche. Die Palette reicht von relativ großen Akteuren wie Lichter (Frankfurt) und GoEast (Wiesbaden) über mittlere Kaliber wie Nippon Connection oder exground bis hin zu den »Exoten« wie Reflekta oder gar dem Putzfilmfestival, das 2018 Premiere feierte.

Besonders auffällig sind viele internationale Festivals, vom panafrikanischen Africa Alive im Januar bis zum italienischen Verso Sud im Dezember. Dazwischen geht es locker in zwei Dutzend Festivals um die Welt: von Japan (Nippon Connection) über China (Golden Trees), Korea (Project K) und Indien (New Generations), Europa und den Nahen Osten (GoEast, Jüdische Filmtage oder das Türkische Filmfestival), eben Afrika (Africa Alive) bis hin auf den amerikanischen Doppelkontinent. Letzterer steht richtig weit vorne. Die Dias de Cine beleuchten gleich ganz Lateinamerika, mehrere Länder wie Brasilien (CineBrasil) oder Cuba (Cuba im Film) und sogar die Dominikanische Republik haben eigene Festivals. Nicht von ungefähr kann FrankfurtRheinMain auch mit vielen Orten aufwarten, die Originalfilmreihen im Programm haben. Doch die Palette reicht auch quer durch Generationen und Geschlechter: vom Europäischen Filmfestival der Generationen und dem Frauenfilmfestival Remake über das Queer Filmfest Weiterstadt und die Homonale Wiesbaden bis zu den vielsprachigen Jugendfestivals Lucas, visionale, Cinéfête oder Britfilms. Ganz eigen ist auch die Landschaft für Kurzfilme vom kleinen Waldfestival in Weiterstadt über die Shorts at Moonlight bis zu den Rüsselsheimer Filmtagen. Und 2018 gab es neben dem Urgestein der Animationsfilmszene, dem Internationalen Trickfilm Wochenende Wiesbaden, auch das neue, fast jugendliche Pendant Sweat & Tears in Frankfurt. Ach ja. Noch gar nicht erwähnt sind die sommerlichen Freiluftkinos wie der Lichter-Ableger Freiluftkino Frankfurt, die Filmtage in den Reisinger Anlagen in Wiesbaden, das Open Air-Programm im Hafen 2 in Offenbach oder der Filmsommer in Mainz. Und wem das nicht reicht, der findet an den Rändern der Region mehr: bei den Openeyes in Marburg, dem Dokfest in Kassel, dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen oder dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Kurzum: FrankfurtRheinMain ist eigentlich von Januar bis Dezember ein einziges großes Nonstop-Filmfestival. Für eine Berlinale wäre wohl gar kein Platz mehr frei im regionalen Festivalkalender … (vss.).

Neue Opern- und Bühnenbauten in Europa

Landmarken und Millionengräber

DAM blickt auf (andere) Neubauten und Sanierungsfälle

Frankfurt hat derzeit mit den Städtischen Bühnen und dem Kulturcampus – fast schon im wahrsten Wortsinn – zwei große »Kulturbaustellen«. Oder hätte sie zumindest gerne – wenn man denn schon so weit wäre. Vor allem rund um die Zukunft der Städtischen Bühnen ist noch vieles offen und wird weiterhin munter und vieles diskutiert. Vor diesem Hintergrund wirft derzeit das Deutsche Architekturmuseum DAM gleich mehrere sehr informative Blicke auf andere derartige Projekte in Europa – aus den letzten Jahren und aus der Gegenwart. Das DAM blickt dabei auf spektakuläre und die Silhouette ihrer Städte oder einzelner Viertel prägende Neubauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg, die Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie in Stettin oder die Opèra de Lyon. Es blickt auf interessante Konversionsprojekte, etwa das Theater im (namensgebenden) ehemaligen Kraftwerk Mitte oder die neuen Theater und Oper Kopenhagens im Hafen und auf ehemaligem Militärgelände. Und es zeigt auch viel beachtete Sanierungen wie die Staatsoper unter den Linden und (scheinbar) »Never-Ending-Stories« wie die Bühnen Köln, deren geplante Wiedereröffnung mal kurz von 2015 auf 2022 verschoben wurde. Und es zeigt nicht nur bei diesem Projekt, wie sich Baukosten zuweilen »entwickeln«. In Köln etwa von ursprünglich 253 auf nunmehr (wohl mindestens) 545 bis 570 Millionen Euro. Apropos Baukosten: Als Herzstück der Ausstellung haben die DAM-Experten auch schon mal mehrere Szenarien für die Städtischen Bühnen durchgerechnet – inklusive »zu erwartender Preissteigerungen« … (loe.).

Barbara Walzer©
Universität Frankfurt Hörsäle
Quelle: DAM / Norbert Miguletz©

Architektur | Frankfurt

Der Universitätsbaumeister

Frankfurt und das Erbe Ferdinand Kramers

»Ferdinand Kramer war ein sozialer Mensch. Er hat Häuser gebaut, die vor allem anpassungsfähig sein sollten. Anpassungsfähig an die Ansprüche, die die Menschen an sie stellten.« Der Satz stammt von Philipp Sturm, einem der Kuratoren, die für das Deutsche Architekturmuseum die erste umfassende Werkschau und das begleitende Katalog-Buch über den Baumeister der Frankfurter Nachkriegsuniversität in Bockenheim erstellt hatten. Klar, funktional und schnörkellos war dessen Stil. Irgendwie passend zur Art der Horkheimers und Adornos, die in jener Zeit die Frankfurter Universität geprägt haben. Zugleich war Kramer damit ein führender Vertreter des »Neuen Frankfurts« rund um Stadtbaumeister Ernst May. Ein Stil, der viel erreichte, aber der gerade in Kramers Arbeiten nicht unumstritten war.

Der Zeitpunkt der Ausstellung fiel allerdings auch in eine Zeit, in der in Frankfurt einige Kramer-Bauten wieder abgerissen werden. Er baue nur für 30 Jahre, ist einer der bekanntesten Sätze, die Kramer zugeschrieben werden. Sie kennzeichneten eben jenen funktionalen und veränderlichen Baustil. Doch zugleich zeigen sie auch die Crux an seinen Bauten auf – und bringen sie heute auf eine ganz neue Art wieder in die Diskussion. Nachdem die Universität mittlerweile ihr neues Domizil im Westen der Stadt gefunden hat, soll am alten Platz der »Kulturcampus« entstehen, eine neue Mischung aus Wissenschaft, Kultur und Wohnen. Und Kramers Bauten? Um sie ist eine neue Debatte entbrannt. 30 Jahre haben sie längst überstanden. Doch nicht jeder Bau lässt sich wandeln. Manche sollen bleiben. Manche mussten, manche müssen weichen. Im Gespräch auf urban shorts reflektierten die Kuratoren das Werk und die Zukunft der Bauten Ferdinand Kramers. Zur Erinnerung und zur Diskussion (cfr.).


Film »Banyan Tree Lounge« (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden)
Quelle: Courtesy and ©: The artists©

Medien | Digitale Demenz

Wenn Computer für uns denken

Prof. Manfred Spitzer über die digitale Schattenseite

»Unser Gehirn kann eines nicht: nicht lernen«, sagt der renommierte Psychiater und Psychologe Prof. Manfred Spitzer. Wenn es nicht gefordert werde, baue es ab. Deshalb sind für Spitzer die vielen digitalen Helfer der heutigen Zeit vom Smartphone über den Computer bis zum Navigationssystem oft mehr Fluch als Segen, vor allem für Kinder. Wer etwa nicht mehr mit dem Gehirn durch eine Stadt navigiere, könne dies irgendwann nicht mehr. Umgekehrt haben Studien vor einigen Jahren ergeben, dass Londoner Taxifahrer durch die tägliche Schulung ein vergrößertes »Navigationsmodul« im Gehirn hatten. Ob dies heute noch so ist, ist leider nicht ermittelt. Welche Bedeutung ein solches vergrößertes Modul besitzt, erklärt Spitzer an einem Beispiel. Menschen, die zweisprachig aufwachsen und dies auch ihr Leben lang praktizieren, können eine Demenz um über fünf Jahre verzögern. Kurioserweise ist die Demenz bei ihnen zwar vorhanden. Doch durch die – vereinfacht gesprochen – doppelte Zahl von Synapsen im Kopf für zwei Sprachen stehen dem Gehirn doppelt so viele Umwege zur Verfügung, um den schleichenden Gehirnausfall bei Demenz zu umgehen. »Digitale Demenz« – wie die Fachwelt diesen Abbau durch Technik nennen – betrifft übrigens auch die soziale Kompetenz. Auch Empathie etwa werde im Gehirn gesteuert und entsprechend verkleinere sich der zuständige Teil des Gehirns, wenn die realen Kontakte abnähmen oder gar nicht erst vorhanden wären. »Wie«, so Spitzer, »sollen Acht- oder 13-Jährige Empathie oder das Dekodieren von Mimik, Gestik oder Sprachmelodie auf den affektiven Gehalt hin erlernen, wenn bei virtuellen Sozialkontakten niemand da ist?« (sfo.).


Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen
Quelle: bw©

Literaturszene | Indonesien

Die weiblichen Stimmen der 17.000 Inseln

Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen

Von kulinarischen Spezialitäten und exotischen Urlaubsparadiesen Indonesiens hat man hierzulande häufig schon gehört, die Literatur des weltgrößten Inselstaates ist hingegen weitgehend unbekannt.  Fast noch unbekannter ist die starke Rolle der Schriftstellerinnen des Landes. Ihre Werke sind mittlerweile fast so bunt und vielfältig wie die 17.000 Inseln, aus denen der Riesenstaat in Südostasien besteht. Die Frauen fast aller Altersgruppen spielen mit verschiedenen Zeitebenen, den vielen Kulturen und Schattenkulturen, der Aufarbeitung unterschiedlicher, oft belasteter historischer Epochen und den alltäglichen Problemen der Genderfragen und der Korruption, aber auch der Liebe und des einfachen Lebens. Ein kleiner Ausschnitt dieser Werke ist auch auf Deutsch erschienen. Sabine Müller hat sich für urban shorts einmal genau diese Bücher angesehen (vss.).