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Quelle: Katharina Müller (kamü)©

Kultur in Corona-Zeiten

Kultur-Lebbe geht weider …

Online-Ausstellungen, Musik-Streamings, Buch-Lieferungen

Museen, Theater und Kinos gehörten zu den ersten, die in Zeiten von Corona ihre Pforten schließen mussten. Ebenso wie mittlerweile Buchläden oder Literaturhäuser. Doch das ist nicht das Ende der Kultur (Auch wenn es viele Kulturschaffende vor existenzielle Probleme stellt, wozu wir auf der Seite Art(s) berichten). Im Netz präsentieren Museen ihre Sammlungen und streamen Literat*innen ihre Lesungen. Musiker*innen spielen dort ebenfalls auf und erobern sogar die Nachbarschaften. Urban shorts passte deshalb seine Agenda an. In den kommenden Wochen zeigen wir, was Museen zeigen, wo Literat*innen lesen oder Musiker*innen aufspielen. Wir schauen in Media- und Audiotheken nach sehens- und hörenswerten Dokus und Podcasts. Und wir empfehlen noch einmal »unsere« besten Bücher der letzten Jahre. Zusammen mit einer Reihe über kleine Buchläden und Antiquariate, wo man diese bestellen und damit zumindest den Läden und den Literaten beim Überleben helfen kann. (red.).

Katharina Müller (kamü)©
Grant Wood: American Gothic (Ausschnitt)
Quelle: CC0 Public Domain / Art Inst. of Chicago©

Home Stories | World Wide Showroom

Bild-Kunst am Bild-Schirm

Museen öffnen weltweit ihre digitalen Schätze

Grant Woods Gemälde »American Gothic« aus dem ländlichen Amerika der 1930er Jahre ist vielleicht eines der berühmtesten Bilder der Kunstgeschichte. Das Original hängt im Art Institute of Chicago. Die hochwertige digitale Reproduktion ist bereits seit zwei Jahren auch online einsehbar und unter einer Creative Commons-Lizenz auch herunterzuladen und zu bearbeiten. So weit gehen die großen und kleinen Museen weltweit noch nicht überall. Aber in den Tagen von Corona stellen immer mehr Häuser ihre Sammlungen und aktuellen Ausstellungen online, streamen Vernissagen oder weisen eigens noch mal auf ihre oft hochwertigen digitalen Vermittlungsangebote hin. In Frankfurt etwa streamt in dieser Woche passend zum Thema das Museum für Kommunikation die aktuelle Ausstellungseröffnung »#neuland: Ich, wir & die Digitalisierung« als Sneak Preview. Nomen est omen auch an der TU (Technische Universität) Darmstadt. Dort streamte man bereits vergangene Woche die Eröffnung zum »Unwort des Jahres: Klimahysterie«. Diese Woche folgt am Sonntag ein virtueller Rundgang mit Expertengespräch in Anschluss.

Allerdings zeigt sich oftmals sehr deutlich, wer bereits über Expertise im Geschäft der Digitalisierung verfügt. Neben Angeboten wie dem des Art Institute, das 44.000 Werke in hoher Qualität im Netz stehen hat, überzeugen vor allem digitale Zusatzangebote wie die Tutorials des Städel, das damit seit geraumer Zeit seine Ausstellungen begleitet. Das Gleiche gilt für Festivals, die aktuell versuchen, neue Formen in und für die Corona-Zeiten zu finden. Die Fotografie-Biennale in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen bietet virtuelle Rundgänge durch die Ausstellungen an. Virtuell heißt allerdings auch, dass man sich in die Bilder zoomen muss, was nicht immer das reinste Vergnügen ist. Zur Erklärung: Während die Werke des Art Institute aufgrund des Alters meist rechtefrei sind, scheitert bei Ausstellungen etwa mit aktueller Fotografie eine Eins-zu-eins-Reproduktion oft an Rechtefragen. Spannend könnten in diesen Tagen allerdings die Versuche von Filmfestivals sein, online zu gehen. Das »Dok-Fest München« etwa, eines der renommiertesten Dokumentarfilm-Festivals, wird im Mai zum »Dok-Fest München@Home« – auf einer eigenen Plattform mit Tickets und Online-Voting für den Publikumspreis. Ob im Wohnzimmer das passende Film Feeling aufkommt, wird sich zeigen. Immerhin lassen sich so die Gelder und damit auch das Überleben von Künstler*innen und anderen Mitwirkenden sichern. Auch hiesige Festivals wie GoEast denken bereits darüber nach. Allerdings wird dann sorgsam abzuwägen sein, wie mit Rechten und (Eintritts-) Preisen umzugehen sein wird … (vss.).

CC0 Public Domain / Art Inst. of Chicago©
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Quelle: Katharina Müller (kamü).©

Home Stories | Opern und Konzerte

Globale Digital Concert Halls

Die aktuellen Angebote der Opern- und Konzerthäuser

Der weltberühmte Pianist Lang Lang, Sopranistin Olga Peretyatko oder Geiger und Leiter des Zürcher Kammerorchesters Daniel Hope weilten dieser Tage in Berlin. Und trafen sich bei der Gelegenheit spontan mit anderen Stars ihrer Branche im Berliner Konzerthaus, ließen ihre Stimmen erklingen oder griffen in die Saiten und Tasten. Es war fast ein Stehgreifkonzert, das seither einen Monat lang über die Seite des Konzerthauses frei abrufbar ist – ein Tribut der großen Meister*innen an das Publikum zu Hause in Wohnzimmern. Von der Metropolitan Opera in New York über die Wiener Staatsoper bis zur Villa Seligmann in Hannover gehen die großen Häuser weltweit voran und stellen ihre Auftritte in teils großer Zahl ins Netz. Die Berliner Philharmoniker öffnen sogar ihren sonst kostenpflichtigen Digital Concert Hall für einen Monat. Die Musiker*innen der Metropolitan Opera, die ab April kein Geld mehr erhalten, ergänzen dies sogar auf ihrer eigenen Seite mit weiteren Stehgreifkostproben. Manche Häuser stellen ihre Angebote rund um die Uhr zur Verfügung, andere wie die Met oder Staatsoper Wien jeweils am oder für einen Tag. Auch die Künstler*innen werden nicht vergessen. Bei manche wie bei der Villa Seligmann kann man auch direkt spenden (sfo.).

Book. Speed. Dating.

Fünf Minuten Ihrer Zeit

Haruki Murakamis »Birthday Girl«

Es regnet in der japanischen Hauptstadt Tokio, und die junge Frau arbeitet am Abend ihres Geburtstages. Dann wird plötzlich ein erfahrener Kollege krank – und die Frau muss dem Besitzer des Restaurants, den sonst niemand zu Gesicht bekommt, sein Essen bringen. Die Begegnung mit dem alten Herrn ist der zentrale Moment im Buch: »Würden Sie mir fünf Minuten Ihrer Zeit schenken, gnädiges Fräulein? Ich möchte mich mit Ihnen unterhalten.« Gnädiges Fräulein? Unwillkürlich errötete sie. »Ja es wird schon gehen – wenn es nur fünf Minuten sind«. Immerhin bezahlte er ihren Stundenlohn, also konnte von Schenken auch keine Rede sein. Außerdem erweckte der alte Herr nicht den Eindruck, als hätte er etwas Ungebührliches im Sinn …

»Birthday Girl«, der schmale Band von Haruki Murakami mit den Pop-Art-Zeichnungen von Kat Menschik, wirkt auf den ersten Blick wie eines dieser Bücher für unentschlossene Kunden auf der Suche nach irgendeinem Geschenk. Doch die Erzählung über den 20. Geburtstag einer jungen Kellnerin in Tokio ist mehr als das. Murakami beschreibt in »Birthday Girl« einen ganz besonderen Moment im Leben. Einen Moment, den man nicht so schnell vergisst – so wenig wie die Lektüre dieses Buches. Wobei das Besondere an diesem Buch nicht die Geschichte ist, sondern die Atmosphäre, die Murakami für den Leser ausbreitet. Dazu kommen die nur in Rot, Pink und Orange gehaltenen Zeichnungen der Illustratorin, die fast die Hälfte der Seiten einnehmen, und von denen nicht immer ganz klar ist, was sie mit der Geschichte zu tun haben. Ein Buch, das für den Leser ein ebensolches Erlebnis wird wie der Abend für die Frau. Prädikat: Lektüre fürs Leben … (lys.).

Katharina Müller (kamü).©
Simulation der Arte-Dokumentation »Unter Wasser« zeigt drohende Gefahr für New York
Quelle: Arte France / © Georama TV©

Mediathek | Klima 2019/2039

Land unter: Metropolen in Gefahr?

Erderwärmung und steigende Pegel bedrohen Megacitys

New York, Istanbul, Singapur. Aber auch London, Paris, Amsterdam. Viele Metropolen weltweit liegen am Wasser. Wie die beeindruckende Arte-Dokumentation »Unter Wasser: Megacitys in Gefahr« zeigt, könnten für sie die Erderwärmung und steigende Pegel bald schon mehr sein als ein abstraktes Klima-Problem in ferner Zukunft. Gefahr droht diesen Städten von mehreren Seiten. Schon heute setzen durch den Klimawandel mit ausgelöste Flutwellen, Hurrikans oder Überschwemmungen Städte wie New York, Bangkok oder New Orleans unter Druck oder zuweilen tatsächlich unter Wasser. Da aber viele dieser Städte zugleich auch noch absinken, weil durch Erosion, abgesogenes Wasser oder »Bodenverflüssigungen« an Meeren und Flüssen der Boden nachgibt und rundum die Pegel steigen, wächst der Druck durch die Naturkatastrophen noch weiter. Manche Experten glauben bereits, dass der Mensch diese Metropolen irgendwann wird verlassen müssen, sofern er nicht rechtzeitig gegensteuert.

Wie dramatisch die Situation werden könnte, hat vor einiger Zeit auch der Fernsehsender euronews gemeinsam mit der Organisation Climate Central in drastischen Simulationen dargestellt. Sie zeigen Metropolen bei einer Erderwärmung um zwei beziehungsweise um vier Grad. Während London (> Simulation) und Shanghai (> Simulation) bereits bei plus zwei Grad langsam zu Seenplatten mutieren und in New York (> Simulation) ab vier Grad der Broadway zum Canale Grande wird, könnte sich das südafrikanische Durban (> Simulation) dann allerdings bereits in Atlantis umbenennen. Doch das Problem betrifft nicht nur ferne Metropolen. Das Recherchekollektiv correctiv hatte kürzlich anhand von Daten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen aus den letzten Jahrzehnten berichtet, dass der Meeresspiegel der Nordsee dort messbar steige und dass ein guter Teil dessen auf die Klimaerwärmung zurückgehe. Und dass der Trend zunehme. Stieg im 20. Jahrhundert das Meer offenbar bestenfalls alle drei Jahre um einen Zentimeter, so braucht es dafür heute noch gut zwei Jahre. Ende des Jahrhunderts sollen die Pegel aktuell einen halben Meter höher stehen als heute … (vss.).

Arte France / © Georama TV©
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Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Auch Fussball geht weider

Geist(er)reiche Spiele

Bundesliga, Spieltage 26 und 27

Geistreiche statt Geister-Spiele. Dem bisher für seine Sportberichterstattung noch nicht so bekannten Fachblatt »Postillon« ist es zu verdanken, dass im Millionengeschäft Bundesliga nun doch wieder der Ball rollt. Zumindest virtuell. Deutschlands führende Online-Satire-Postille hat Verantwortung übernommen – und spielt die Saison endlich zu Ende. Zumindest schon mal den 26. und 27. Spieltag. Die Spielberichte mit allen Highlights sind auf der Seite des Postillon auf den Tag genau nachlesbar. Höhepunkt des 27. Spieltages übrigens der spielentscheidende und völlig überraschende Elfmeter beim Spiel Freiburg gegen Bremen in der 89. Minute. Vorangegangen war eine 87-minütige Diskussion der Videoschiedsrichter über ein weithin unbeachtetes Vergehen der Bremer in der 2. Minute, welches die Videoschiedsrichter dann kurz vor Schluss dem Schiedrichter zur Entscheidung vorlegten. Überhaupt standen einmal mehr die (Video-) Schiedsrichter im Mittelpunkt. Zum Beispiel beim Spiel Schalke gegen Augsburg, das die Augsburger mit Null zu minus eins gewannen, weil den Schalkern nach Intervention des Videoschiedsrichters ein Treffer aberkannt wurde, den sie gar nicht erzielt hatten … (sfo.).