Ein erster Blick in die Open AteliAirs im AtelierFrankfurt
Quelle: AtelierFrankfurt©

Künsterhilfe vor Ort

Kunstvoll shoppen

Kunstmärkte und offene Ateliers

Kulturlandschaft und Kulturschaffende sind von der Corona-Krise schwer getroffen worden. Nach und nach haben sich in diesen Monaten Menschen und Institutionen Gedanken darüber gemacht, wie man den Betroffenen helfen kann. Eine der banalsten Lösungen: Künstler*innen Kunstwerke abkaufen. Zumindest an zwei Orten ist dies in den nächsten Tagen und Wochen recht einfach möglich. Das AtelierFrankfurt lädt vom 7. bis 9. August zu einem corona-affinen »Open AteliAir« ein. Drei Tage lang stellen Künstler*innen des Atelierhauses im Innenhof und drumherum ihre Kunst aus und zum Verkauf. Dazu gibt es Führungen durch das Haus und ausgewählte Ateliers. Alles corona-affin organisiert. Gleiche Idee, etwas anderes Konzept im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden. Der Kunstverein stellt eine Woche später in seinem »Mindest-Abstand-Kunstmarkt« Künstler*innen aus der Stadt vom 13. bis 23. August seine Räume zehn Tage lang zur Verfügung, damit sie darin ebenfalls ihre Kunst aus- und zum Verkauf stellen können. Die Plätze wurden ausgeschrieben und dann verlost. Zwei Ideen – Zur Nachahmung empfohlen. Und da und dort offenbar auch schon in Angriff genommen. Fortsetzung folgt an dieser Stelle … (loe.).

AtelierFrankfurt©
Die Magie des Ortes
Quelle: Barbara Walzer©

Das Festival | Sommerwerft

Gedimmt und gechillt

Sommerfestival in Limited Edition

Straßentheater, Gaukler, fahrendes Volk – Es gab und gibt viele Namen für jene Künstler*innen, welche der Frankfurter Verein Protagon und das liebenswert alternative Theater Antagon einmal im Jahr auf ihrer »Sommerwerft« am Mainufer versammeln. Ob Theater, Musik, Lyrik, Improvisation oder Poetry Slam – Die Akteur*innen, die hier zu Gast sind, stammen nicht nur aus ganz Europa, sondern ziehen übers Jahr hinweg auch selbst quer durch den Kontinent (und nicht nur durch diesen), treten in vielen Städten und auf sehr vielen Festivals, Straßen und Plätzen auf. Zumindest normalerweise. Im Jahr 2020 hingegen ist natürlich alles ein wenig anders. Das Festival ist überschaubarer: Statt Tausenden nur einige Hundert Besucher*innen. Ebenso das Programm: Statt einem Feuerwerk nur einige ausgewählte Theater-, Musik- und Slam-Gruppen.

So lebt das Festival im 30. Jahr von Antagon diesmal von einer Imagination der ganz besonderen Art. Vom Zauber der Erinnerung und einigen sorgfältig inszenierten Kostproben; vielfach von Künstler*innen präsentiert, die diesmal nicht von ganz so weit herkommen. Noch immer sind die Programme so bunt wie dieses fahrende Volk, aber diesmal nicht ganz so laut, schrill, farbig. Es dominieren diesmal die leisen, stillen (Zwischen-) Töne, die man in den letzten Jahren auch schon kannte, wenn einmal eine nächtliche asiatische Geh-Performance das Gelände durchstreifte oder eine nachdenkliche Songwriterin das kleine Beduinenzelt im Herzen dieses sehr alternativen Rummel- und Tummelplatzes bespielte. Auch die Flohmärkte an den Sonntagen sind beschaulicher – aber immer noch noch echte Flohmärkte, wie sie selten geworden sind. Sicher auf seine Art das faszinierendste Sommerfestival, das die Stadt zu bieten hat. In diesem Jahr allerdings in einer Limited Edition – alles einige Nummern kleiner und aktuell auch nur für 800 Besucher*innen, die gleichzeitig auf dem Gelände sein dürfen … (vss.).

Der Termin: Sommerwerft + 24.07. bis 09.08.2020 | Der Ort: F + Weseler Werft am nordöstlichen Mainufer zwischen Literaturhaus und EZB | 2020 als Sommerwerft light: mit Sicherheitskonzept, beschränktem Zugang und Online-Übertragungen - ohne Zelte diesmal, aber weiterhin mit Open Air-Theater, Singers & Songwriters und Flohmarkt. Montags bis mittwochs allerdings als mobile Version in der Region oder in Frankfurter Stadtteilen |  Überblick und Programm: Sommerwerft | Mehr dazu auf urban shorts: Theater am Fluss

Barbara Walzer©
Mahatma und Fara Diba - bald Frankfurter*innen
Quelle: Cornelia F Ch Heier©

Kunst im öffentlichen Raum

Viel Kunst an vielen Wegrändern

Künstler*innen bespielen Städte und Wälder

In Corona-Zeiten hat Kunst mit Abstand und draußen Konjunktur. Da passt die Aktionskunst der Frankfurterin Cornelia F Ch Heier bestens in die Zeit, obwohl sie eigentlich »nur« die Fortsetzung von Aktionen aus vergangenen Jahren ist. Schon seit Jahren bespielt die Künstlerin in der Reihe »Signalement« die Frankfurter Innenstadt mit Plakaten. Auf Plakatwänden und Litfaßsäulen, welche ihr in der werbearmen Sommerzeit vom Außenvermarkter Ströer zur Verfügung gestellt werden. In der diesjährigen Serie sind großformatig reduzierte Gesichter mehr oder minder prominenter Persönlichkeiten zu sehen. Berühmte Köpfe wie Mahatma Gandhi, Fara Diba oder Charlie Chaplin, starke Frauen wie Beate Uhse, Simone Signoret oder Golda Meir, gefürchtete Männer wie Goebbels, Xi Jingping oder der sudanesische Ex-Diktator al-Baschir. Heier will den Stadtraum bespielen wie eine große Galerie, zugänglich aber für viele Menschen, die sonst nur selten mit Kunst in Berührung kommen. Und in Corona-Zeiten sicher auch für viele andere. Heiers Kunst ist übrigens zeitlos. Ohne Anfang und ohne Ende. Wenn die Flächen wieder vermietet sind, verschwindet ihre Kunst wieder …

Heier ist nicht die einzige, die in diesen Tagen Kunst im öffentlichen Raum macht. Manche dieser Kunst ist dabei extrem beständig. Wie etwa die überdimensionalen Menschenlandschaften von Nikolaus Nessler, der im Frankfurter Hauptbahnhof zwei S-Bahn-Abgänge schon seit Jahren mit Landkarten und Stadtplänen bespielt hat, auf welchen Städte- und Straßennamen durch menschliche Namen aus aller Welt ersetzt sind. Manche allerdings sind auch flüchtig. Wie etwa die Zeichnungen, welche namentlich unbekannte Künstler auf den Pflastern der Zeil Tag für Tag mit Kreide neu auftragen. Teils wirklich Tag für Tag, weil sie des Nachts von der Straßenreinigung wieder entfernt werden. Doch nicht nur Städte werden bespielt. In Darmstadt wirkt derzeit die international renommierte Residence-Künstlerin Regina Frank im Rahmen der Projektes Kultur einer Digitalstadt. Neben digitalen Projekten arbeitet auch sie an Kunstwerken im öffentlichen Raum. In ihrem Falle im Wald bei Darmstadt. Eines haben alle diese Werke gemein: Sie werden auch im Falle eines neuerlichen Lockdown zu sehen sein. Oder auch nicht. Denn noch eines haben alle diese Werke gemein: Sie sind auf unterschiedliche Weise flüchtig im Raum … (loe.).

Cornelia F Ch Heier©
Viel Platz im Hafen 2
Quelle: Catalina Somolinos©

Orte mit Auslauf | Hafen 2

Sheep and Screans

Subkulturelles Biotop - auch in Corona-Zeiten

Sie gehörten zu den letzten Kultur- und Gastro-Orten, die in den frühen Corona-Tagen noch offen haben durften. Und sie gehörten zu den ersten semi-gastronomischen Kulturorten, die wieder öffnen durften. Wo anders schließlich als im Offenbacher Kultur-Biotop »Hafen 2« gibt es sonst Kultur und Chillen mit so viel Auslauf? Weite und Freiraum waren nämlich schon immer dessen Markenzeichen – im übertragenen Sinne und auch wortwörtlich. Das gilt für das Programm: von den vielen fremdsprachigen Filmen (die schon seit Wochen wieder ihr Publikum haben) bis zu den coolen Singern und Songwritern (die nun seit Mitte des Jahres auch wieder vereinzelt auftreten dürfen). Und es gilt für das Ambiente. Nicht von ungefähr tummeln sich hier im Sommer Familien und Freidenkende, um im gepflegt-alternativen Ambiente eben diese Filme und Konzerte zu genießen oder die Kids im ausufernden Sandkasten und bei Schafen und Hühnern spielen zu lassen.

Möglich macht es der in der Region wohl einmalige Open-Air-Kino- und Konzertsaal mit echten Tieren, viel Kinder-Freifläche und dem chilligen Blick aufs Wasser. Das kleine Café auf einer Brache im sich wandelnden Hafen kann so gerade in diesem (Corona-) Sommer punkten, auch mit viel freiem Grün und dünigem Sand, mit locker gestellten Bierbänken, beweglichen Sonnen-Stühlen und Platz für Picknickdecken. Alles übrigens gepaart mit viel Engagement für Migrant*innen und Flüchtlinge. Apropos Engagement: In diesem Jahr hofft »der Hafen« selbst auf das besondere Engagement seiner Fan-Gemeinde. Die Filme finden zwar statt, fielen aber lange als Haupteinnahmequelle bei mühsam Kosten deckenden 100 Plätzen praktisch weg. Erst seit einigen Wochen spülen mittlerweile erlaubte 250 Gäste wieder etwas mehr Geld in die Kassen. Konzerte waren – auch wegen vieler Tournee-Absagen – lange praktisch komplett auf den Herbst verschoben (Mittlerweile finden auch sie vereinzelt wieder statt). So startete der Hafen im Frühjahr einen Spenden-Aufruf, um über die Runden zu kommen und das alternative Idyll im bau boomenden Hafen zu erhalten. Vor allem im Sommer ist er ein echter Place-to-be. Und bei Nicht-Sommer geht es in den Schuppen nebenan. Nur auf eines muss man in diesem Sommer im Hafen wirklich verzichten: auf die üblichen Live-Übertragungen von Fußball-WM und -EM. Doch dies liegt nicht an der Hafen-Crew …. (vss.).

Catalina Somolinos©
Alles auf Abstand auf der Sommerwerft
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Kultur in Corona-Zeiten

Gemeinsam draußen dabei

Sommer-Festivals mit neuen Konzepten

Viele Festivals werden diesen Sommer abgesagt oder verschoben. Vielfach haben Städte dafür Gemeinschafts-Festivals initiiert. Und einige wenige Akteure wagen es trotzdem, Corona zu trotzen … 

[> Beitrag auf eigener Seite lesenFür viele Menschen in Frankfurt und in der Region ist es das Sommerfestival schlechthin. Die »Sommerwerft«, die jedes Jahr das Ufer des Mains im Schatten der EZB mit ihrem alternativen Straßen-Theater-Festival mit Tausenden Menschen und Dutzenden Ensembles aus aller Welt verzaubert und mit Theatern, Gauklern, Performance- und Impro-Künstler*innen sowie viel fahrendem Volk gegen den Mainstream anspielt. Lange war auch dieses Festival in diesem Sommer fraglich. Doch das ausrichtende Antagon-Theater stemmte sich erfolgreich gegen alle Corona-Widrigkeiten. Wenn auch mit etwas verändertem Konzept. Statt zwei Wochen allein das Ufer zu bespielen, ist man dort nur elf Tage rund um die Wochenenden präsent – diesmal mit Einlass und Sicherheitsvorkehrungen. Aber trotzdem mit spektakulärem Theater, Poetry Slams oder Singers und Songwriters. Und für die, die es nicht vor Ort sehen können, gibt es diesmal ein Streaming. Montags bis mittwochs ziehen die fahrenden Theater-Leute in die Region, treten auf Plätzen in Darmstadt, Offenbach oder Wiesbaden auf. Und hier wie dort gilt: Eintritt zwar frei, Zutritt aber nur bedingt …

In der Tat ist die Sommerwerft fast das einzige wirklich große Festival dieser Art in der Region, das sich erfolgreich gegen die Krise stemmt. Lediglich die Lichter-Sommerkinos ziehen noch mit zwei Ausgaben für insgesamt zumindest 500 Menschen in Frankfurt und Rüsselsheim nach. Andere Schwergewichte wie der ebenso legendäre Stoffel in Frankfurt oder das Open Ohr in Mainz mussten passen. Manche wie etwa die Burgfestspiele in Bad Vilbel versuchen es mit einem arg reduzierten Programm oder wie der Stoffel und das Kurzfilmfestival Shorts at Moonlight zumindest mit einer Online-Version 2020. Statt der vielen großen Festivals machen viele Städte in der Region mittlerweile gemeinschaftliche Open Airs, auf denen mehrere, sonst auch konkurrierende Akteure sich mit Hilfe ihrer Stadt eine Bühne teilen. Ganz besonders aktiv ist Mainz. Die Gutenberg-Stadt hat gleich zwei Bühnen: die Kulturbühne auf der Zitadelle und die Kulturgärten im KUZ und im Schloss. Hinter beiden stehen neben der Stadt auch der Frankfurter Hof und das Kulturzentrum KUZ. Halb Stadt, halb Kulturverein: In Oberursel hat der Verein Kunstgriff erneut eine leicht modifizierte Version des Orscheler Sommers mit viel Hilfe der Stadt auf die Beine gestellt und bespielt diesmal vor allem den Hof einer Schule und einige andere Orte mit Kino, Musik und Poetry Slam. Ähnlicher Ansatz: In Rüsselsheim hat das Kulturzentrums »das Rind« mit der Kulturbühne für die Stadt im Adamshof (im Opel-Altwerk) für fünf Wochen ein Open-Air-Festival auf die Beine gestellt. Ab Anfang August findet dort übrigens auch das Sommerkino statt, veranstaltet von der Crew des Lichter Filmfests aus Frankfurt. Ein paar Nummern kleiner, aber mit der gleichen Idee findet in Offenbach in den Parkside Studios das Parkside im Hof-Festival mit Filmen und Konzerten statt, an dem sich auch Lederpalast, Rebell(i)sche Studiobühne, Filmklubb oder afip beteiligen. Neben diesen Ersatz-Festivals – teils sogar mit freiem Eintritt, aber fast immer mit Online-Ticketing und eingeschränktem Zutritt – sind es die eher kleinen Festivals, die es trotz Corona versuchen. Dazu gehören in Frankfurt die Dramatische Bühne im Grüneburgpark und die Comoedia Mundi am Main oder in Wiesbaden der Impro-Sommer und Poesie im Park. Jetzt müssen nur noch Wetter und Virus mitspielen. Wobei letzteres genauer gesagt eigentlich heißt: die Menschen. Denn von ihrem Verhalten wird abhängen, ob diese Festivals alle in diesem Sommer wie geplant stattfinden können … (vss.  Artikel aktualisiert • 07.08.2020)

Barbara Walzer (bw.)©
Großes Kino im Filmmuseum
Quelle: Uwe Dettmar / DFF©

Kultur in Corona-Zeiten

Kino-Sommer – völlig offen

Kinos sind wieder offen - Zukunft auch

Viele Kinos haben wieder geöffnet. Doch es ist nicht einfach. Für sie und für ihre Besucher*innen … 

[> Beitrag auf eigener Seite lesenEs ist schon irgendwie das sprichwörtliche »ganz große Kino«: Mitten im Sommer und pünktlich zu den Sommer-Ferien hat die hessische Landesregierung die berüchtigte Fünf-Quadrat-Meter-Regel für Kinos (und auch für Theater) aufgehoben. Pünktlich also zu jener Zeit, in der normalerweise eh kaum jemand ins Kino geht und viele Betreiber*innen vor allem der kleinen Programm-Kinos analog zu den Theaterhäusern eigentlich auch gleich eine sommerliche Spielpause einleiten könnten. Ab Mitte Juli müssen also nun nicht mehr fünf Quadratmeter Raum um jeden Sitzplatz freigehalten werden. Lediglich die obligatorischen eineinhalb Meter Abstand zu Neben-Mann oder -Frau, den oder die man/frau nicht näher kennt, sind weiterhin einzuhalten. Womit einem üppigen Kino-Sommer eigentlich nichts mehr im Wege stünde … Außer eben: siehe oben … Und auch das mit den eineinhalb Metern wird die Ränge nicht bersten lassen …

Doch wie dem auch sei: Theoretisch und auch praktisch sind die Kinos in der Region wieder offen. Nicht alle, aber doch die meisten von ihnen. Denn die Mieten laufen weiter. Und irgendwie wollen – und müssen – die Betreiber*innen auch Präsenz zeigen nach bereits drei kino-losen Monaten. In Frankfurt etwa haben das Kino im Filmmuseum und das legendäre Mal sehn im Nordend schon seit Ende Juni die Pforten geöffnet. Weitere Häuser wie Harmonie, Cinema oder das Filmforum Höchst haben Anfang Juli nachgezogen. Und auch deren aktuelle Juli-Programme können sich sehen lassen. »Undine« etwa – frisch von der Berlinale – läuft auf gleich mehreren Leinwänden. Im Mal sehn sieht man außerdem »Wir Eltern« und »Siberia« sowie die kleinen Perlen »Als wir tanzten« und »Paris Calligrammes«. In den Arthouse-Kinos Cinema und Harmonie reicht die Palette von der »Perfekten Kandidatin« über »Die schönsten Tage eines Lebens« bis zu »Känguru-Chroniken«. Das Filmmuseum setzt dieser Tage vor allem auf große Namen von Fassbinder über Michel Piccoli und Anna Karina bis Godard. Ebenso das Filmforum mit Fellini, das allerdings tatsächlich dann Mitte Juli in die Sommerferien geht. Apropos. Im Gegenzug kommt Anfang August das Naxoskino in der Naxoshalle zurück. Ob sich nun auch wieder die Zuschauer*innen sehen lassen und die Säle füllen, wird sich zeigen. Viel bedarf es in diesem Sommer zumindest nicht dazu. Das Mal sehn etwa wird auch mit den neuen Regeln kaum über zwei Dutzend Plätze hinauskommen (weswegen es nun auch öfter mehrere Vorstellungen am Abend gibt). Größere Säle, etwa in Harmonie oder Cinema, könnten nun aber schon auf einige Dutzend Besucher*innen kommen. Man darf also nun gespannt sein, wie weit die neue Freiheit um die Sitze die Kinos und ihre Besitzer*innen tragen. Denn eins ist auch klar: Rentabel Kino-Machen geht anders … (vss.).

Uwe Dettmar / DFF©
Shorts at Moonlight - abgetaucht und online wieder aufgetaucht
Quelle: sam©

Kultur in Corona-Zeiten

Zwischen-Zeiten-Kultur

On- / Offline - die Mehr-Kanal-Kulturen

Der Kultur-Sommer ist ein schwieriger. Viele Häuser und Akteur*innen suchen ihren Platz darin. Manche versuchen es abgespeckt offline, andere irgendwie online, manche setzen auf Mehr-Kanal-System … Ein kleiner Überblick. 

[> Beitrag auf eigener Seite lesen] Es ist viel Bewegung in den Kulturlandschaften an Rhein und Main. Sollen sollen die Häuser und Kulturschaffenden schon wieder ziemlich viel. Dürfen dürfen sie allerdings bisher noch lange nicht alles. Vor allem letzteres ist gar nicht so einfach für Kulturschaffende. Insofern erleben wir zur Zeit noch immer eine Kulturlandschaft zwischen den Zeiten und mit vielen Experimenten. Große Häuser wie die beiden Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden setzten bis zu ihren Sommerferien etwa auf ein Mehr-Kanal-System. Sie öffneten vorsichtig ihre Bühnen für einen Re-Start, experimentierten mit ersten Aufführungen, mit selektiv-ausgedünntem Publikum und eben solchen Ensembles. Auf den Bühnen werden corona-affine Stücke gegeben, aber auch verstärkt nachgedacht über Monologe oder über aufgeteilte Orchester. Daneben führten diese Häuser ihre Corona-Online-Angebote fort. Darmstadt etwa seine »Tägliche Dosis«, seine Lesungen von Mitgliedern des Ensembles und sogar einen »Theater-Lieferservice«.

Nicht alle Häuser und Festivals gingen so weit wie die beiden Staatstheater. Manche haben wie der Frankfurter Mousonturm nach Wochen der virtuellen Parallelkultur im »Digitalen Mousonturm« schlicht beschlossen, sich ohne reales Theater in den Urlaub und die Sommerpause zu verabschieden. Vielleicht ohnehin das Beste, was Theatermacher*innen in diesen Zeiten tun können. Andere – vor allem Festivals – wiederum wie die Burgfestspiele Bad Vilbel wollen zumindest Flagge zeigen und setzen auf ein abgespecktes Programm. Oder sie bespielen wie das kultige Kurzfilmfestival Shorts of Moonlight »nur« den corona-affinen zweiten Kanal und verwandeln sich kurzerhand in ein Online-Festival. Letzteres garantiert – den Erfahrungen bisheriger Vorläufer in diesem Jahr folgend – zumindest neue Zuschauer-Rekorde. Denn egal, wie es die offline spielenden Häuser und Festivals drehen und wenden. Ihr größtes Problem ist das Publikum. Es muss auf Distanz gehalten werden – von den Bühnen und von sich selbst. Das muss mit viel Aufwand organisiert werden. Und sorgt auch dann noch für Einbussen. Zum Beispiel bei den Kinos; selbst bei modernen Exemplaren wie im Filmmuseum, wo es großzügige Zugangswege, Platz im Kinosessel und keine Berührungspunkte mit Schauspieler*innen auf der Leinwand gibt. Doch wegen Corona dürfen statt 131 nur zwei, drei Dutzend Personen in den Kinosaal. Das deckt kaum die Kosten. Doch das größere Problem (für die Kosten gibt es Hilfs-Programme): Mit den paar Leuten kommt auch keine Kino-Atmosphäre auf. Nun haben Häuser wie das Filmmuseum noch die Möglichkeit für Online-Angebote, die sie ebenfalls weiterhin fortsetzen werden. Kleine Programmkinos haben diese Möglichkeit kaum. Trotzdem öffnen auch viele von ihnen, um über den Sommer präsent zu sein. Und spielen dann wie etwa das Mal seh’n in Frankfurt vor knapp zwei Dutzend Leuten. Bleibt nur auch hier, zahlreiche Doppel-Vorstellungen einzuplanen und anzubieten. Einen Trend für den Sommer macht derzeit die Centralstation in Darmstadt vor. Die recht großzügige Bühnen- und Konzert-Location nimmt neben eigenen Künstler*innen im neuen Programm »Null auf 100« auch kleinere Häuser und Gruppen huckepack und stellt ihnen ihre Bühnen zur Verfügung. Gäste sind unter anderen das TheaterGrüneSosse aus Frankfurt oder das theater die stromer aus Darmstadt. Eine ähnliche Idee verfolgt das Capitol in Offenbach, das mit dem »Kleinen Kultursalon« einen seiner Räume anderen Akteuren öffnet. So oder so – es ist nicht nur eine Zwischen-den-Zeiten-, sondern irgendwie auch einen Zwischen-allen-Stühlen-Kultur in diesem Sommer. Und spannender als dieser Sommer wird nur noch der Herbst, der in der Regel in der Kultur bereits im Spätsommer beginnt – wenn er den dieses Jahr beginnt … (vss.).