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Was ein Kulturfonds so alles fördert ...
Quelle: us / Barbara Walzer / RAY / Blickachsen / Nippon Connection / Kulturfonds / Mousonturm©

14.10. | Kulturfonds trifft Kulturschaffende

Was machen wir mit dem Geld?

Bootsgespräch mit Karin Wolff und Helmut Müller

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain ist einer der größten »Geldtöpfe« für Kulturförderung in der Region. Wo wird gefördert? Wie verwendet der Fonds seine Mittel? Was haben Künstler*innen und Kreative davon? Und: Geht es »nur« um Geld – oder um mehr bei einem Kulturfonds? Im Frankfurter bootsgespräch »Was machen wir mit dem Geld?« stellen sich der in diesen Tagen scheidende Geschäftsführer Helmut Müller und seine Nachfolgerin Karin Wolff, die vor wenigen Tagen ihre Arbeit aufgenommen hat, den Fragen von Künstler*innen und Kreativen – auf dem Podium und aus dem Publikum. Es geht um einen Blick zurück und um den Blick voraus auf die kommenden fünf Jahre. Es geht um die Rolle der Kunst und der Künstler*innen in der Region und in der Gesellschaft. Es geht darum, wie der Kulturfonds deren Strahlkraft und deren Schaffen fördern und befördern kann. Und sicher auch um die Frage, welche gesellschaftliche Rolle der Fonds hat und welchen Beitrag ein solcher Fonds für Leben und Arbeiten von Künstler*innen in einer immer teurer werdenden Region leisten kann. Kultur zwischen Wertschaffung, Wertschätzung und Wertschöpfung – Darüber diskutieren die Gäste und das Publikum erst in offener Podiums-Runde auf Deck, danach im losen Gespräch an Bar und Reling des Yachtklubs.

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Am 14.10. ist der Kulturfonds auch Thema der Frankfurter bootsgespräche
Quelle: Barbara Walzer / RAY / Blickachsen / Nippon C. / Kulturfonds / Mousonturm / us©

Serie • Starke Partner [1]

Aus der Tiefe der Region

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain

»Im Mousonturm müssen wir Projekte, Produktionen und Programme immer aus verschiedenen Quellen finanzieren. Nicht selten gibt es da freundliche Absagen, wird man von einer Stiftung zur anderen, von einem Geldgeber zum nächsten verwiesen. Die öffentliche Hand, die eigentlich langfristig Mittel für Kultureinrichtungen zur Verfügung stellen müsste, hofft oft, dass Projektförderungen von Stiftungen die Löcher stopfen. Da hat der Kulturfonds, gerade unter dem jetzt scheidenden Geschäftsführer Helmut Müller, aktiv Zeichen gesetzt für eine strukturell verantwortliche Kulturförderung. Ohne ihn wären eine Tanzplattform RheinMain und ein Festival Ende Oktober in vier Städten nicht denkbar. Auch weil der Fonds wie in diesem Fall Dauerhaftes angeschoben, immer wieder selbst andere Partner mit ins Boot geholt und damit Verantwortung übernommen hat«. 

Matthias Pees, Intendant des Frankfurter Mousonturm, weiß, warum er den Kulturfonds derart lobt. Die Tanzplattform RheinMain und das jährliche Festival in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach ist mittlerweile das größte Projekt des Fonds und trägt damit maßgeblich auch zum Bestand des freien Künstlerhauses im doppelten Schatten der Frankfurter Bühnen und auch der Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden bei. Zugleich ist es ein Paradebeispiel, wie der Kulturfonds funktioniert und arbeitet. Einst zur Sichtbarmachung der »Leuchttürme« der Region gegründet und lange Zeit vor allem mit Projekten wie Romantikmuseum oder »Phänomen Expressionismus« identifiziert, wirkt der Fonds mittlerweile breiter und tiefer in der Region und auch in die Region hinein. Die Tanzplattform verbindet nicht nur staatliche und freie Häuser in mehreren Städten (neben Mousonturm noch das Staatsballett an den beiden Staatstheatern). Sie schickt sich auch an, Rhein-Main in der ersten Reihe der Tanzregionen in Deutschland zu platzieren – und zwar mit Ressourcen, die in der Region selbst zu Hause sind, in Verbindung mit internationalen Akteuren. Hinzu kommt eine Tiefenwirkung mit einem Ensemble Mobile in die Region hinein sowie mit Ankern weit in die freie Szene und in den populären Tanz. Somit profitieren auch viele freie Gruppen und Akteure in der Region.

Längst ist der Fonds, dessen Führung dieser Tage von Helmut Müller auf Karin Wolff übergeht, selbst einer der wichtigsten Kulturakteure und einer der größten »Geldtöpfe« für Kulturförderung in der Region. Neben den traditionellen Leuchttürmen wie Städel, Mathildenhöhe & Co. entstehen durch den Fonds immer mehr neue Leuchtturmprojekte. Neben der Tanzplattform etwa die neue »dreifache Fototriennale«, die im Wechsel dreier etablierter Festivals in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt entsteht. Überhaupt ist dies auch ein Schlüssel zu Fördermitteln des Fonds. Chancen hat, wer regionale Partner zusammenbringt oder seine Idee in die Region erweitert. Exemplarisch das »Meidner-Projekt«, das an drei Orten dem »regionalen« Künstler Ludwig Meidner gewidmet war, oder die »Shorts of Moonlight«, die neben Höchst nun auch eine Dependance im Rheingau haben. Womit die Region zugleich sichtbar und vernetzt wird, und Projekte möglich werden, die kleinere Kommunen nicht stemmen könnten. Durch die Tiefe in Projekten und in die Region hinein kommt ein Teil der jährlich sieben Millionen Fördergelder (je zur Hälfte aus Kommunen und vom Land Hessen) auch vielen Künstler*innen und Kreativen direkt zu Gute. Zwar fördert der Fonds weder Institutionen dauerhaft noch Künstler*innen einzeln, wohl aber viele Festivals, die ihrerseits vielfach mit regionalen Akteuren arbeiten. Dazu gehören etwa Implantieren, Poesie im Park (Wiesbaden) oder das Sprungturm-Festival (Darmstadt). Auch viele regionale Filmfestivals erhalten Geld. Wichtige Kriterien sind allerdings öffentliche oder gemeinnützige Partner und im besten Falle weitere Förderer, da der Fonds selten als alleinige Geldgeber auftritt. Etwas im Argen liegt vielleicht im Moment am ehesten die Förderung kleinerer (Einzel-) Ausstellungen, da sie schwer ins Raster des Fonds passen. Allerdings profitieren auch diese von Projektgeldern, wie sie etwa der Kunstraum Eulengasse für ein Austauschprogramm mit einem Kunstverein in Münster-Altheim erhielt. Einzig die (noch) nicht flächendeckende Ausbreitung des Fonds setzt hier Grenzen. So fehlen etwa Mainz oder der Rheingau-Taunus-Kreis auf der Kulturfonds-Landkarte. Daneben unterstützt der Fonds selbst Initiativen wie die Crowdfunding-Plattform »Kulturmut« oder die Aktion »Kunstvoll« gemeinsam mit Schulen, von denen auch wiederum Künstler*innen profitieren (können). Und auch auf ungewohntes Terrain wagt sich der Fonds zuweilen vor. In diesem Jahr förderte er erstmals mit einer fünfstelligen Summe ein Theaterzelt auf der Sommerwerft, dem beliebten alternativen Frankfurter Straßentheaterfestival am Main. Das allerdings war wohl bisher auch der größtmögliche Kontrast zu den einstigen Leuchttürmen Romantikmuseum oder »Phänomen Expressionismus« … (vss.).

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Martha Roslers Fanal 1989 am Time Square | Bild: Martha Rosler, Housing Is a Human Right, Time Square animation 1989. Quelle: Martha Rosler©

02.09.2019 | BOOTSGESPRÄCHE

Die Freiheit nehm’ ich mir

Die Kultur in der Politik - und umgekehrt

Kulturschaffende und Künstler*innen mischen sich mittlerweile immer mehr politisch ein. Sie nutzen ihre Häuser, Bühnen und Stimmen oder gehen raus in die Stadt und auf die Straße. Mit Festivals und Ausstellungen, Demonstrationen, Aufrufen und Kunstaktionen. Kaum eine Institution, kaum eine Künstlergruppe ist noch gänzlich unpolitisch. Auch gegen teils offene und teils subtile Widerstände. Beim Frankfurter bootsgespräch »Die Freiheit nehm’ ich mir: Die Kultur in der Politik – und umgekehrt« diskutieren der Museumsdirektor Matthias Wagner K, der Intendant Matthias Pees, der Fotograf und Aktivist Niko Neuwirth und andere mit Kulturpolitiker Thomas Dürbeck und dem Publikum darüber, wie weit Kunst und Kultur politisch gehen können, dürfen – oder gar müssen. Es geht um die Ausstellung »Contemporary Muslim Fashion«, um Festivals wie »Unfuck my Future« und um Aktionen für Hambacher Forst oder Grüne Lunge. Es geht aber auch um Reaktionen, um Widerstände und um Einflussnahmen von außen auf Kultur und Künstler*innen. Und es geht darum, was und wen man überhaupt erreicht. Die Gäste diskutieren – wie immer bei den bootsgesprächen – miteinander und mit dem Publikum, erst in offener Runde auf Deck, danach im losen Gespräch an Bar und Reling des Yachtklubs ..

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Montags. Am Main. Zum Mitreden.

#bootsgespräche

Was die Region bewegen sollte

Philosophie und Partner der #bootsgespräche

»Bürgergesellschaft« ist ein großes Wort. Und es meint mehr als Repräsentieren und das Halten von Sektgläsern. Vom Städelverein bis zum Ginnheimer Kirchplatzgärtchen – Frankfurt war auf allen Ebenen und schon immer eine Bürgerstadt, in der die Menschen die Dinge selbst in die Hand genommen haben. Das wollen auch die #bootsgespräche: Offene Runden – vor allem zu Kultur und Gesellschaft – für und mit möglichst viele(n) Menschen aus Frankfurt und RheinMain, um über das zu sprechen, was Stadt und Region gerade interessieren sollte oder was es anzupacken gilt. Es geht um Projekte, Positionen und Ideen. Um das, was die Region schöner, lebenswerter, sozialer machen kann. Die #bootsgespräche sollen dabei vor allem Menschen aus und in der Region miteinander ins Gespräch bringen. Bei offenen Gesprächen mit und auf dem Podium sowie anschließend an Bar und Reling. 

Getragen und organisiert werden die #bootsgespräche von mehreren Partnern dieser breiten Frankfurter »Bürgergesellschaft«: dem regionalen Kulturfonds Frankfurt RheinMain, dem Frankfurter Metropolenmagazin urban shorts, dem Frankfurter Yachtklub sowie der Off-Space-Ikone Hans Romanov. #bootsgespräche finden in der Regel auf Booten, bisher vor allem auf dem Yachtklub an der Alten Brücke in Frankfurt, statt. Für die Zukunft sind weitere Boote sowie Orte am Wasser in der Region FrankfurtRheinMain angedacht. Also Orte, die damit auch ein wenig beim Navigieren durch die Themen der Region helfen sollen und die schon immer Menschen einer gerade hier einzigartigen Bürgergesellschaft zusammengebracht haben – auf oder am Wasser, im Herzen der Städte und der Region. Und auf denen sich besonders gut das Besondere an den #bootsgesprächen und dieser Bürgergesellschaft umsetzen lässt: Es wird nicht nur auf dem Podium diskutiert, (fast) von Anfang an sollen auch die Besucher in die offenen Gespräche eingreifen und mitreden – und dies gerne hinterher untereinander fortsetzen. #bootsgespräche finden in loser Folge, aber immer an einem Montag statt …