Urban Artists | Ina Holitzka

Baustellen-Metamorphosen

Die Baustelle(n) Frankfurt(s) als Projektionsfläche

Nichts boomt in Frankfurt wohl derart wie das Bauen. Ob Ostend, Gallus oder Innenstadt – Überall werden permanent neue Büro- und Wohnblöcke aus dem Boden gestampft. Manche Teile der Stadt sehen aus wie eine einzige Großbaustelle. Vor allem jenes Ostend. So musste die Frankfurter Künstlerin Ina Holitzka im dortigen AtelierFrankfurt nur aus dem Fenster schauen, um die Projektionsfläche für ihr großangelegtes Kunstprojekt »Passage« frei Haus geliefert zu bekommen. Wie wohl keine zweite Künstlerin Frankfurts denkt, arbeitet und spielt sie mit der längst Synonym dieser Stadt gewordenen Baustelle. Sie fotografiert, verfremdet, digitalisiert, transformiert und interpretiert, was im wahrsten Wortsinn vor ihren Augen wuchs und wächst. Und macht(e) sich künstlerische Gedanken über das gleichsam manifeste und flüchtige Wesen und Werden dieser Stadt. Projekt trifft sich mit Projektion, Reflektieren mit Reflexion an diesem und auf diesen Ort. Herausgekommen sind neue Welten, faszinierende Landschaften und fast lebende Organismen – spannender als viele der Bauten, welche tatsächlich aus diesen Beton- und Stahl-Fundamenten der Großbaustellen gewachsen sind. Teile der »Passagen« waren bereits im Foyer des Frankfurter Medico-Hauses neben dem AtelierFrankfurt zu sehen. Jenes Hauses also, das genau auf diesen gezeigten Fundamenten vor dem Fenster der Künstlerin ruht. Wobei tatsächlich gerade dieses eines der wenigen ist, das etwas anders ist als die vielen gleichen Bauten, die sonst so in diesem bau-boomenden Ostend entstehen. Im Juni waren diese und weitere Werke der Künstlerin in der Offenbacher Galerie Sight zu sehen. Ausgewählte Werke sind dort derzeit zudem in der Gruppen-Ausstellung »Artist Positions 2020« zu sehen (vss.).

»Urban Artists« ist die Reihe virtueller Ausstellungen regionaler Künstler*innen mit urbanen Themen, von denen Werke derzeit in der Region zu sehen sind. Sie wird ergänzt durch die Reihe »Virtual Artists« mit virtuellen Ausstellungen solcher Künstler*innen | Mehr Virtual Artists: Galerie(n) | Mehr zu Ina HolitzkaWebsite  + Passage (Webkatalog) + Galerie Sight

Virtual Artists | Fotoprojekt

Mein(junges)RheinMain

72 Perspektiven aus und auf RheinMain

Politik wird in der Regel von Menschen mehr oder minder weit jenseits ihrer zweiten Lebensdekade gemacht. Doch die von diesen Menschen gemachte Politik betrifft auch die Jugendlichen, welche als »kommende Generationen« gerne zum Ziel solcher Politik ausgegeben werden. Da wäre es doch zuweilen hilfreich, sich die Welt einmal mit den Augen jener jungen Generation anzusehen, zumindest jener, die bereits in der politischen Tür steht.

In dem außergewöhnlichen Fotoprojekt »MeinRheinMain« haben Politiker und andere Menschen dazu die Möglichkeit. Im Rahmen der Fototriennale RAY initiierte im Sommer 2018 der Kulturfonds Frankfurt RheinMain einen Workshop, in dem 72 Jugendliche aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg mit professioneller Anleitung und ebensolchen Kameras ihr RheinMain festhalten konnten. Herausgekommen ist eine fotografische Momentaufnahme einer Region und einer Generation. Eine Mischung aus Leben und Lebensgefühl(en), zusammengesetzt aus Statements, Beobachtungen, Visionen, Irritationen und zuweilen auch einfach nur künstlerischen Impressionen. Die Qualität vieler Aufnahmen steht dabei der Qualität vieler Ausstellungen der sommerlichen Triennale keineswegs nach. Was allerdings auch angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Fotografie(renden) in der heutigen Zeit kaum überraschend kommt. Davon überzeugen kann man sich im Buch »MeinRheinMain« und auf der gleichnamigen Webseite. Urban shorts zeigt mit freundlicher Genehmigung des Kulturfonds eine kleine Auswahl aus dieser Momentaufnahme (vss.).

Virtual Artists | Barbara Walzer

Die 750.000 Anderen

Gesichter Frankfurts (6) | Schwarz-Weiß-Edition

Die »Gesichter Frankfurts« sind ein Fotoprojekt der Frankfurter Fotografin Barbara Walzer. Die Aufnahmen sind entstanden auf zahllosen Streifzügen durch die Mainmetropole. Sie zeigen Menschen aus dem Leben, aus verschiedenen Kulturen, Berühmte und Unbekannte, Wichtige und scheinbar Wichtige. Es sind keine Studioaufnahmen, nichts daran ist inszeniert. Die Stadt, sie scheint das Studio dieser außergewöhnlichen Stadtstreicherin zu sein scheint. »Diese Menschen«, so Walzer, »suche ich nicht. Sie suchen mich. Sie sind einfach da. Im selben Moment wie ich … «. Die Serie wächst übrigens genauso wie die Stadt. Die erste Folge hieß im Jahr 2015 noch »Die 700.000 Anderen« … (red.).

Virtual Artists | Niko Neuwirth

N.N. – Zwischen Häusern

Subversive Baustellen-Betrachtungen (2)

Niko Neuwirth ist ein Spezialist für ungewöhnliche Fälle und Fotografien. Für »Facing Europe« reiste er mehrfach quer durch Europa und fotografierte Menschen, die ihm begegneten. Sein aktuelles Projekt ist Frankfurt. Genauer: die Baustelle(n) Frankfurt(s). Nachts begibt er sich auf Baustellen und auf die Dächer der Stadt. Je höher, desto besser. Und er sucht die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (können). Neue Blick- und Stadtlandschaften tun sich auf. In der Stadt, die längst eine permanente Baustelle geworden ist. »Nachts über Frankfurt« ist ein urbanes und künstlerisches Projekt zugleich. Und in gewisser Weise – trotz der teils schwindelnden Höhen, in denen es entsteht – ein subversives. Urban shorts, das urban-kulturelle Magazin, dokumentiert erneut einige dieser Momentaufnahmen aus den nächtlichen »Beutezügen«. Und: Urban shorts und Niko Neuwirth werden auch weiterhin diese Betrachtungen der Stadt mittels ihrer Baustellen fortsetzen. Im Laufe der Zeit werden weitere Bilder auftauchen. Lose und in lockerer Folge – so wie ihr Fotograf selbst immer wieder auf den Baustellen der Stadt erscheint und mit seiner ungewöhnlichen »Bildbeute« wieder entschwindet … (vss.).

Virtual Artist | Hans-Jürgen Herrmann

Der Mensch in der Kunst

Fotografische Beobachtungen auf Vernissagen

Der Mensch in der Kunst – Darüber sind schon viele mehr oder minder interessante Abhandlungen geschrieben und Gedanken gedacht worden. Seinen ganz eigenen Zugang zu diesem Thema wählt der Frankfurter Fotograf Hans-Jürgen Herrmann. Seit fünf Jahren hält der passionierte Vernissagengänger das Aufeinandertreffen von Kunst und Kunstbetrachtern in den Museen, Galerien und Off spaces vor allem von Frankfurt und Offenbach fotografisch fest. Für sein Facebook-Blog »neuliXt« sind auf diese Art und Weise mittlerweile fast 200 Fotoserien mit rund 1800 Aufnahmen entstanden. Es sind Bilder, die im wahrsten Wortsinn die Menschen in der Kunst zeigen. Aber auch die Menschen mit der Kunst. Und die damit etwas zeigen, was (fast) keine Ausstellungsbesprechung aufzeigt und aufzuzeigen vermag: die Wirkung der Kunst auf die(se) Menschen. Wobei nicht selten Kunst und Kunstbetrachter bei diesen zufälligen Aufeinandertreffen eins werden – für sich, aber oft auch für den Betrachter des Betrachters und des Betrachteten. Nicht selten der Moment zweier erstaunlicher, zuweilen tiefer, zuweilen auch skurriler Symbiosen – und allein für diesen Moment festgehalten. Urbans shorts präsentiert 20 dieser Momente. Ein weiterer kleiner Ausschnitt von 45 Aufnahmen ist 2017 bis kurz vor Jahresende in der Frankfurter Heussenstamm Galerie zu sehen (vss.).

Virtual Artist | Beate Fahrinsland

Museumsrandlandschaften

Die kleinen Details in den großen Museen

Museen am Rande betrachtet – Beate Fahrinsland schaut in den Ausstellungstempeln dieser Welt dorthin, wo eigentlich keiner hinschaut. Auf ein Kabel an der Decke, auf die alten rissigen Polsterbänke, auf den Boden, in die Ecken, Kanten und Ritzen. Rund 100 Museen rund um den Globus hat sie so mit ihrer Kamera bereits durchstreift und »inspiziert«. Mit viel Aufwand hat sie dabei die kleinen Details am Rande der scheinbar großen Kunstwerke ins Licht gerückt. Und damit aus dem zerschlissenen Leder der Polsterbänke, aus verkratzten Fußböden oder einem Kabel an der Decke selbst faszinierende neue Kunstwerke gemacht. In einer Art, die manches gestandene Pendant blass erscheinen ließe. Urbans shorts präsentiert 15 ihrer schwarz-weißen Museumsrandlandschaften … (vss.).

Virtual Artists | Rudolph & Kuberek

Lost Places – Lost Spaces

Auf der Suche nach verlorenen Orten

Ob in der Natur, an einzelnen Orten oder bei anderen Menschen – Die Magie des Morbiden und Vergänglichen übt auf den Menschen eine unbeschreibliche Faszination aus. Dies gilt besonders für alte Gebäude, die aus vielen Gründen nicht mehr genutzt sowie mehr und mehr sich selbst überlassen werden. Fabriken, Häuser, Läden, ganze Plätze – Orte, an denen einst das Leben pulsierte, an denen gewohnt, gearbeitet, gelebt wurde. Und die nun verlassen sind – wartend auf ihre Sanierung, auf Investoren oder schlicht auf den (weiteren) Verfall. Orte, wie sie in der heutigen Zeit als Kehrseite zu (bau-) boomenden und sich rasant verändernden Regionen wie FrankfurtRheinMain gehören – und trotzdem selten wahrgenommen werden.

Diese verlassenen, zuweilen verlorenen, zuweilen verwunschenen Plätze haben es den beiden Frankfurtern Jörg Kuberek und Jörg Rudolph angetan. Immer wieder zieht es sie an jene Orte, die ihre beste Zeit offensichtlich hinter sich haben – und vor der Kamera der beiden Fotografen damit zu besten Motiven werden. Quer durch das Rhein-Main-Gebiet haben Rudolph und Kuberek diese Orte gesucht, gefunden – und festgehalten. Und mit ihren Fotografien damit zugleich einen etwas anderen Reiseführer durch diese Region geschaffen – ein ganz persönlicher Blick in ein Rhein-Main-Gebiet, wo es nicht mehr blüht und boomt, dafür aber auch an diesen Stellen in seiner Morbidität und Vergänglichkeit einen ganz eigenen, faszinierenden Charme hat … Urban shorts dokumentiert in einem kleinen Ausschnitt diese Reise in die Vergangenheit, die als komplette Ausstellung in diesen Tagen auch in der Frankfurter Naxoshalle zu sehen war. Am idealen Ort für diese fotografische Reise zu den vergehenden Plätzen der Region. Fast hatte man den Eindruck, als verschmolzen in der alten ehemaligen Industriehalle (realer) Ort und (gezeigte) Orte miteinander … (vss.).