Virtual Artists | Ina Holitzka

Baustellen-Metamorphosen

Die Baustelle(n) Frankfurt(s) als Projektionsfläche

Nichts boomt in Frankfurt wohl derart wie das Bauen. Ob Ostend, Gallus oder Innenstadt – Überall werden permanent neue Büro- und Wohnblöcke aus dem Boden gestampft. Manche Teile der Stadt sehen aus wie eine einzige Großbaustelle. Vor allem jenes Ostend. So musste die Frankfurter Künstlerin Ina Holitzka im dortigen Atelier Frankfurt nur aus dem Fenster schauen, um die Projektionsfläche für ihr großangelegtes Kunstprojekt »Passage« frei Haus geliefert zu bekommen. Wie wohl keine zweite Künstlerin Frankfurts denkt, arbeitet und spielt sie mit der längst Synonym dieser Stadt gewordenen Baustelle. Sie fotografiert, verfremdet, digitalisiert, transformiert und interpretiert, was im wahrsten Wortsinn vor ihren Augen wuchs und wächst. Und macht(e) sich künstlerische Gedanken über das gleichsam manifeste und flüchtige Wesen und Werden dieser Stadt. Projekt trifft sich mit Projektion, Reflektieren mit Reflexion an diesem und auf diesen Ort. Herausgekommen sind neue Welten, faszinierende Landschaften und fast lebende Organismen – spannender als viele der Bauten, welche tatsächlich aus diesen Beton- und Stahl-Fundamenten der Großbaustellen gewachsen sind. Teile der »Passagen« waren im Sommer im Foyer des Medico-Hauses neben dem Atelier Frankfurt zu sehen. Jenes Hauses also, das genau auf diesen gezeigten Fundamenten vor dem Fenster der Künstlerin ruht. Wobei tatsächlich gerade dieses eines der wenigen ist, das etwas anders ist als die vielen gleichen Bauten, die sonst so in diesem bau-boomenden Ostend entstehen … (vss.).

Virtual Artist | Beate Fahrinsland

Museumsrandlandschaften

Die kleinen Details in den großen Museen

Museen am Rande betrachtet – Beate Fahrinsland schaut in den Ausstellungstempeln dieser Welt dorthin, wo eigentlich keiner hinschaut. Auf ein Kabel an der Decke, auf die alten rissigen Polsterbänke, auf den Boden, in die Ecken, Kanten und Ritzen. Rund 100 Museen rund um den Globus hat sie so mit ihrer Kamera bereits durchstreift und »inspiziert«. Mit viel Aufwand hat sie dabei die kleinen Details am Rande der scheinbar großen Kunstwerke ins Licht gerückt. Und damit aus dem zerschlissenen Leder der Polsterbänke, aus verkratzten Fußböden oder einem Kabel an der Decke selbst faszinierende neue Kunstwerke gemacht. In einer Art, die manches gestandene Pendant blass erscheinen ließe. Urbans shorts präsentiert 15 ihrer schwarz-weißen Museumsrandlandschaften … (vss.).

Virtual Artist | Hans-Jürgen Herrmann

Der Mensch in der Kunst

Fotografische Beobachtungen auf Vernissagen

Der Mensch in der Kunst – Darüber sind schon viele mehr oder minder interessante Abhandlungen geschrieben und Gedanken gedacht worden. Seinen ganz eigenen Zugang zu diesem Thema wählt der Frankfurter Fotograf Hans-Jürgen Herrmann. Seit fünf Jahren hält der passionierte Vernissagengänger das Aufeinandertreffen von Kunst und Kunstbetrachtern in den Museen, Galerien und Off spaces vor allem von Frankfurt und Offenbach fotografisch fest. Für sein Facebook-Blog »neuliXt« sind auf diese Art und Weise mittlerweile fast 200 Fotoserien mit rund 1800 Aufnahmen entstanden. Es sind Bilder, die im wahrsten Wortsinn die Menschen in der Kunst zeigen. Aber auch die Menschen mit der Kunst. Und die damit etwas zeigen, was (fast) keine Ausstellungsbesprechung aufzeigt und aufzuzeigen vermag: die Wirkung der Kunst auf die(se) Menschen. Wobei nicht selten Kunst und Kunstbetrachter bei diesen zufälligen Aufeinandertreffen eins werden – für sich, aber oft auch für den Betrachter des Betrachters und des Betrachteten. Nicht selten der Moment zweier erstaunlicher, zuweilen tiefer, zuweilen auch skurriler Symbiosen – und allein für diesen Moment festgehalten. Urbans shorts präsentiert 20 dieser Momente. Ein weiterer kleiner Ausschnitt von 45 Aufnahmen ist 2017 bis kurz vor Jahresende in der Frankfurter Heussenstamm Galerie zu sehen (vss.).

Virtual Artist | Niko Neuwirth

N.N. – Über Dächern

Subversive Baustellen-Betrachtungen

Niko Neuwirth ist ein Spezialist für die ungewöhnlichen Fälle und Fotografien. Für »Facing Europe« reiste er mehrfach quer durch Europa und fotografierte Menschen, die ihm begegneten. Sein neuestes Projekt ist Frankfurt. Genauer: die Baustelle(n) Frankfurt(s). Nachts begibt er sich auf die Dächer der Stadt und ihrer Baustellen. Je höher, desto besser. Und er sucht die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (können). Neue Blick- und Stadtlandschaften tun sich auf. Gerüste, Mülltonnen und Straßenmarkierungen bekommen einen künstlerischen Mehrwert. »Nachts über Frankfurt« ist ein urbanes und künstlerisches Projekt zugleich. Und in gewisser Weise – trotz der schwindelnden Höhen, in denen es entsteht – ein subversives. Urban shorts, das urban-kulturelle Magazin, dokumentiert gut ein Dutzend Momentaufnahmen aus den nächtlichen »Beutezügen«. Und: Urban shorts und Niko Neuwirth setzen diese Betrachtungen der Stadt mittels ihrer Baustellen fort. Im Laufe der Zeit werden weitere Bilder auftauchen. Lose und in lockerer Folge – so wie ihr Fotograf selbst immer wieder auf den Baustellen der Stadt erscheint und mit seiner ungewöhnlichen »Bildbeute« wieder entschwindet … (vss.).

Virtual Artists | Rudolph & Kuberek

Lost Places – Lost Spaces

Auf der Suche nach verlorenen Orten

Ob in der Natur, an einzelnen Orten oder bei anderen Menschen – Die Magie des Morbiden und Vergänglichen übt auf den Menschen eine unbeschreibliche Faszination aus. Dies gilt besonders für alte Gebäude, die aus vielen Gründen nicht mehr genutzt sowie mehr und mehr sich selbst überlassen werden. Fabriken, Häuser, Läden, ganze Plätze – Orte, an denen einst das Leben pulsierte, an denen gewohnt, gearbeitet, gelebt wurde. Und die nun verlassen sind – wartend auf ihre Sanierung, auf Investoren oder schlicht auf den (weiteren) Verfall. Orte, wie sie in der heutigen Zeit als Kehrseite zu (bau-) boomenden und sich rasant verändernden Regionen wie FrankfurtRheinMain gehören – und trotzdem selten wahrgenommen werden.

Diese verlassenen, zuweilen verlorenen, zuweilen verwunschenen Plätze haben es den beiden Frankfurtern Jörg Kuberek und Jörg Rudolph angetan. Immer wieder zieht es sie an jene Orte, die ihre beste Zeit offensichtlich hinter sich haben – und vor der Kamera der beiden Fotografen damit zu besten Motiven werden. Quer durch das Rhein-Main-Gebiet haben Rudolph und Kuberek diese Orte gesucht, gefunden – und festgehalten. Und mit ihren Fotografien damit zugleich einen etwas anderen Reiseführer durch diese Region geschaffen – ein ganz persönlicher Blick in ein Rhein-Main-Gebiet, wo es nicht mehr blüht und boomt, dafür aber auch an diesen Stellen in seiner Morbidität und Vergänglichkeit einen ganz eigenen, faszinierenden Charme hat … Urban shorts dokumentiert in einem kleinen Ausschnitt diese Reise in die Vergangenheit, die als komplette Ausstellung in diesen Tagen auch in der Frankfurter Naxoshalle zu sehen war. Am idealen Ort für diese fotografische Reise zu den vergehenden Plätzen der Region. Fast hatte man den Eindruck, als verschmolzen in der alten ehemaligen Industriehalle (realer) Ort und (gezeigte) Orte miteinander … (vss.).