Virtual Artist | Niko Neuwirth

Über den Dächern einer Stadt

Suburban-subversive Baustellen-Betrachtungen

Niko Neuwirth ist ein Spezialist für die ungewöhnlichen Fälle und Fotografien. Für »Facing Europe« reiste er mehrfach quer durch Europa und fotografierte Menschen, die ihm begegneten. Sein neuestes Projekt ist Frankfurt. Genauer: die Baustelle(n) Frankfurt(s). Nachts begibt er sich auf die Dächer der Stadt und ihrer Baustellen. Je höher, desto besser. Und er sucht die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (können). Neue Blick- und Stadtlandschaften tun sich auf. Gerüste, Mülltonnen und Straßenmarkierungen bekommen einen künstlerischen Mehrwert. »Nachts über Frankfurt« ist ein urbanes und künstlerisches Projekt zugleich. Und in gewisser Weise – trotz der schwindelnden Höhen, in denen es entsteht – ein suburbanes und subversives. Urban shorts, das urban-kulturelle Magazin, dokumentiert 20 Momentaufnahmen aus den nächtlichen »Beutezügen« – persönlich »eingerahmt« durch den Künstler. Und: Urban shorts und Niko Neuwirth setzen diese Betrachtungen der Stadt mittels ihrer Baustellen fort. Im Laufe des Sommers werden weitere Bilder auftauchen. Lose und in lockerer Folge – so wie ihr Fotograf selbst immer wieder auf den Baustellen der Stadt erscheint und mit seiner ungewöhnlichen »Bildbeute« wieder entschwindet … (vss.).

Fotograph | Barbara Walzer

Die 720.000 Anderen

Gesichter Frankfurts (5) | Musik-Edition

Die »Gesichter Frankfurts« sind ein Fotoprojekt der Frankfurter Fotografin Barbara Walzer. Die Aufnahmen sind entstanden auf zahllosen Streifzügen durch die Mainmetropole. Sie zeigen Menschen aus dem Leben, aus verschiedenen Kulturen, Berühmte und Unbekannte, Wichtige und scheinbar Wichtige. Es sind keine Studioaufnahmen, nichts daran ist inszeniert. Die Stadt, sie scheint das Studio dieser außergewöhnlichen Stadtstreicherin zu sein scheint. »Diese Menschen«, so Walzer, »suche ich nicht. Sie suchen mich. Sie sind einfach da. Im selben Moment wie ich … «. Die Serie wächst übrigens genauso wie die Stadt. Die erste Folge hieß im Jahr 2015 noch »Die 700.000 Anderen« … (jjk.).

Virtual Artists | Rudolph & Kuberek

Lost Places – Lost Spaces

Auf der Suche nach verlorenen Orten

Ob in der Natur, an einzelnen Orten oder bei anderen Menschen – Die Magie des Morbiden und Vergänglichen übt auf den Menschen eine unbeschreibliche Faszination aus. Dies gilt besonders für alte Gebäude, die aus vielen Gründen nicht mehr genutzt sowie mehr und mehr sich selbst überlassen werden. Fabriken, Häuser, Läden, ganze Plätze – Orte, an denen einst das Leben pulsierte, an denen gewohnt, gearbeitet, gelebt wurde. Und die nun verlassen sind – wartend auf ihre Sanierung, auf Investoren oder schlicht auf den (weiteren) Verfall. Orte, wie sie in der heutigen Zeit als Kehrseite zu (bau-) boomenden und sich rasant verändernden Regionen wie FrankfurtRheinMain gehören – und trotzdem selten wahrgenommen werden.

Diese verlassenen, zuweilen verlorenen, zuweilen verwunschenen Plätze haben es den beiden Frankfurtern Jörg Kuberek und Jörg Rudolph angetan. Immer wieder zieht es sie an jene Orte, die ihre beste Zeit offensichtlich hinter sich haben – und vor der Kamera der beiden Fotografen damit zu besten Motiven werden. Quer durch das Rhein-Main-Gebiet haben Rudolph und Kuberek diese Orte gesucht, gefunden – und festgehalten. Und mit ihren Fotografien damit zugleich einen etwas anderen Reiseführer durch diese Region geschaffen – ein ganz persönlicher Blick in ein Rhein-Main-Gebiet, wo es nicht mehr blüht und boomt, dafür aber auch an diesen Stellen in seiner Morbidität und Vergänglichkeit einen ganz eigenen, faszinierenden Charme hat … Urban shorts dokumentiert in einem kleinen Ausschnitt diese Reise in die Vergangenheit, die als komplette Ausstellung in diesen Tagen auch in der Frankfurter Naxoshalle zu sehen war. Am idealen Ort für diese fotografische Reise zu den vergehenden Plätzen der Region. Fast hatte man den Eindruck, als verschmolzen in der alten ehemaligen Industriehalle (realer) Ort und (gezeigte) Orte miteinander … (vss.).

Virtual Artists | Urban Sketching

Momente. Menschen. MainStreams.

Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichnung.

»Wir zeigen die Welt. Zeichnung für Zeichung!«. So lautet das Motto der Urban Sketcher, einer weltweit stetig wachsenden Gemeinschaft von Zeichnern und Zeichnerinnen. Eine Gruppe Frankfurter Urban Sketcher hat das Motto aufgenommen und versucht in diesem Jahr, ihrer Stadt und dem Lebensgefühl der Main-Metropole zeichnerisch auf die Spur zu kommen. »Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichung!« ist seit Sommer 2017 das Motto der Künstler/innen um Katharina Müller (Kamü) und Ivo Kuliš. Gemeinsam und jeder für sich erkunden sie die Stadt und suchen nach interessanten Monumenten, Menschen und Momenten in der Main-Metropole. Urban shorts dokumentiert die Arbeit dieser Gruppe. Wir präsentieren in den kommenden Monaten Zeichnungen, welche die Künstler/innen gemeinsam mit einigen Gastzeichner(inne)n aus der Region Woche für Woche in dieser Stadt und von dieser Stadt angefertigt haben. Die Reihe wird ständig fortgesetzt (red.).

Virtual Artist | Hans-Jürgen Herrmann

Der Mensch in der Kunst

Fotografische Beobachtungen auf Vernissagen

Der Mensch in der Kunst – Darüber sind schon viele mehr oder minder interessante Abhandlungen geschrieben und Gedanken gedacht worden. Seinen ganz eigenen Zugang zu diesem Thema wählt der Frankfurter Fotograf Hans-Jürgen Herrmann. Seit fünf Jahren hält der passionierte Vernissagengänger das Aufeinandertreffen von Kunst und Kunstbetrachtern in den Museen, Galerien und Off spaces vor allem von Frankfurt und Offenbach fotografisch fest. Für sein Facebook-Blog »neuliXt« sind auf diese Art und Weise mittlerweile fast 200 Fotoserien mit rund 1800 Aufnahmen entstanden. Es sind Bilder, die im wahrsten Wortsinn die Menschen in der Kunst zeigen. Aber auch die Menschen mit der Kunst. Und die damit etwas zeigen, was (fast) keine Ausstellungsbesprechung aufzeigt und aufzuzeigen vermag: die Wirkung der Kunst auf die(se) Menschen. Wobei nicht selten Kunst und Kunstbetrachter bei diesen zufälligen Aufeinandertreffen eins werden – für sich, aber oft auch für den Betrachter des Betrachters und des Betrachteten. Nicht selten der Moment zweier erstaunlicher, zuweilen tiefer, zuweilen auch skurriler Symbiosen – und allein für diesen Moment festgehalten. Urbans shorts präsentiert 20 dieser Momente. Ein weiterer kleiner Ausschnitt von 45 Aufnahmen ist 2017 bis kurz vor Jahresende in der Frankfurter Heussenstamm Galerie zu sehen (vss.).

Virtual Artist | Beate Fahrinsland

Museumsrandlandschaften

Die kleinen Details in den großen Museen

Museen am Rande betrachtet – Beate Fahrinsland schaut in den Ausstellungstempeln dieser Welt dorthin, wo eigentlich keiner hinschaut. Auf ein Kabel an der Decke, auf die alten rissigen Polsterbänke, auf den Boden, in die Ecken, Kanten und Ritzen. Rund 100 Museen rund um den Globus hat sie so mit ihrer Kamera bereits durchstreift und »inspiziert«. Mit viel Aufwand hat sie dabei die kleinen Details am Rande der scheinbar großen Kunstwerke ins Licht gerückt. Und damit aus dem zerschlissenen Leder der Polsterbänke, aus verkratzten Fußböden oder einem Kabel an der Decke selbst faszinierende neue Kunstwerke gemacht. In einer Art, die manches gestandene Pendant blass erscheinen ließe. Urbans shorts präsentiert 15 ihrer schwarz-weißen Museumsrandlandschaften … (vss.).

Urban21 | Urban Sketching

Städte. Skizzen. Sichten.

Eine Bewegung und zwei Ausstellungen

Am Anfang – wenn auch keineswegs ganz am Anfang – stand 2007 der in den USA lebende spanische Zeichner und Journalist Gabi Campanario. Für die »Seattle Times« näherte er sich damals bereits einmal in der Woche zeichnerisch und journalistisch einem Ort, einem Thema oder einem Ereignis, das er auf diese vorerst ungewohnte Art und Weise versuchte, aufzunehmen, einzufangen und zu dokumentieren. Da Campanario mit dieser Idee allerdings schon damals nicht so ganz allein stand, sondern rund um den Globus durchaus zahlreiche Menschen bereits versuchten, auf die gleiche Art und Weise ihre Städte und ihre Umgebung zu erkunden und zu erfassen, entstand um Campanario herum rasch eine neue Bewegung, die sich den Namen »Urban Sketchers« gab. Herzstück ist der »Urban Sketchers Blog«, auf dem 100 »Blogkorrespondenten« weltweit publizieren.

Zehn Jahre später ist »Urban Sketching« – ob organisiert oder unorganisiert – eine weltweite und ständig wachsende Gemeinschaft, die über das World Wide Web miteinander vernetzt ist, dort ihre Idee(n) und Zeichnungen teilt und verbreitet, aber deren Mitglieder auch untereinander sich immer wieder in Gruppen treffen, miteinander diskutieren und zeichnen. Neben einer neuen, eigenen Sicht auf die Dinge steht für sie oft auch das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Allein im RheinMain-Gebiet hat das Urban Sketching mittlerweile eine dreistellige Zahl mehr oder minder organisierter Anhänger, die zuletzt auch durch zwei außergewöhnliche Ausstellungen auf sich aufmerksam machten. In Mainz präsentierten zehn organisierte Urban Sketcher aus der Region Werke der letzten Jahre, die nicht nur vor Ort, sondern auch bei zahlreichen (auch gemeinsamen) Reisen rund um den Globus entstanden sind. Parallel dazu zeigte die renommierte Frankfurter Urban Sketcherin Katharina Müller (Künstlername: Kamü) einige sehr feine Zeichnungen von ihren Reisen nach Osteuropa. Beiden Ausstellungen gemein war die hohe zeichnerische Klasse, mit welcher es den Künstler(inne)n immer wieder gelingt, nicht nur einfach Orte und Menschen abzubilden, sondern auch ein Stück weit das Lebensgefühl dieser Orte und Menschen und damit auch der Zeit und Gesellschaft von heute einzufangen. Urban shorts dokumentiert in einer Galerie anhand von 15 ausgewählten Zeichnungen die beiden Ausstellungen (vss.).