Ob See oder Schwimmbad - Hauptsache nass
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Bäder und Seen in Rhein-Main

Bäder rauf und runter

Gabi Schirrmachers Buch »Public Swimming«

Noch gestern war ich bei knapp 30 Grad im Business-Outfit kurz vorm Siedepunkt. Doch heute will sich so richtiges Ausflugs-Badewetter nicht einstellen. Also ziehe ich bei frischer Brise meine Bahnen im bewährten Hausener Schwimmbad, plaudere mit meinem Lieblingsbademeister – und beginne anschließend, in meinem Neuerwerb zu blättern: Gabi Schirrmachers »Public Swimming«. Die sympathische Autorin und Herausgeberin ist Designerin, Beraterin – und seit Jahren passionierte Schwimmerin.

Schon beim kurzen Kennenlernen während ihrer Buchvorstellung sagte sie lachend: »Ich habe heute schon so viele Schwimmerinnen kennengelernt, toll!«. Beruhigend, denn ich kam mir bislang mit meiner hoffnungslosen Schwimmsucht immer etwas nerdig vor. Das verflog schnell bei der Präsentation – und mit dem Buch. Darin stellt Schirrmacher über 50 Frei- und Naturbäder sowie Badeseen in der Rhein-Main-Region vor. Schlicht-schön, funktional und mit ganz vielen Fotos von Günther Dächert. Plus großer Karte. Zu jedem der vorgestellten Orte gibt es ein Kurzprofil, Zahlen und Fakten, einen maßstabsgerechten Geländeplan, Infos zur Anfahrt und zusätzliche Tipps vom passenden Restaurant bis hin zum nahegelegenen Sightseeing-Highlight. Auch eine Suche nach Wasser- und Rutschentyp oder Bahnlänge ist möglich. Man merkt: Da weiß eine genau, wovon sie schreibt. Genau das richtige Handbuch für Kurzurlaube in diesem Sommer (pem.).

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Menschen im Museum
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Orte + Menschen | Museum Angewandte Kunst

Entstaubt, durchgelüftet, durchgestartet

»Neuer Besen« Matthias Wagner K

Als das Frankfurter Museum Angewandte Kunst vor gut 25 Jahren eingeweiht wurde, feierte man vor allem die weiße und weite Architektur Richard Meiers. Doch Orientteppiche, Buddhas und Mingvasen – so sehr sie ihren Reiz haben mögen – überzogen das Haus im Laufe der Jahre gewaltig mit imaginärem Staub. Und damit verfiel es am Rande des Museumsufers in einen dunklen Dornröschenschlaf. Rechtzeitig zum Jubiläum 2015 aber kam mit Matthias Wagner K ein neuer Direktor. Und der bekennende Workaholic mit der Wohnung direkt neben dem Museum (seine Frau kennt von ihm vor allem den Satz: »Ich geh’ mal kurz runter«) entstaubte es gewaltig und lüftete kräftig durch. Lichter, weiter und präsenter wirkt es seither. Und vor allem moderner: mit markanten und trotzdem nicht anbiedernden Ausstellungen zu Hipstern, Hamstern und Mobiltelefonen oder einer viel beachteten Partizipation an der Fototriennale RAY. Und während der Vorgänger noch aus Märchenbüchern vorlas, machte Wagner K das Haus zum Festivalzentrum der Bewegtbildbiennale B3. Nicht alles passte perfekt (etwa Stefan Sagmeisters reichlich überzogene »Happy Show«). Doch meist hatte Wagner K einen sehr guten Griff. Im vergangenen Sommer lud er zu einer großen Tour durch die Kulturgeschichte des Picknicks oder in die mehrdimensionalen Comicwelten des Marc-Antoine Mathieu. Und im Herbst wagte er sich noch weiter und räumte das entstaubte Haus einmal komplett für eine raumgreifende erste Museumsschau mit der (Mode-) Designerin Jil Sander. Jil Sander im Museum Angewandte Kunst – quasi zwei Stil- und Designikonen unter sich. Und kaum schloss Sanders »Flaggship Museum« seine Pforten, ist das Haus in diesem Frühsommer schon wieder eines der Zentren der Fototriennale RAY 2018. Lange stand das MAK im Schatten des MMK auf der anderen Main-Seite. Doch während dort Kreativität mittlerweile vor allem darin besteht, Moderne von 1 bis 3 zu nummerieren, schickt sich Wagner K an, sein Haus kreativ in die Zukunft zu führen. Es lohnt sich, wieder hineinzuschauen. Das modernere Museum scheint das Ufer gewechselt zu haben … (vss.).

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Das Musée des Civilisations d'Europe et de la Méditerranée
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Welt-Orte | Das MuCEM in Marseille

Mediterrane Moderne pur

Das Musée des Civilisations d'Europe et de la Méditerranée

Laut, dreckig und gewalttätig. Das ist das Bild von Marseille. Doch die Hafenmetropole hat auch ein modernes Gesicht. Besonders die Touristen, die auf riesigen Kreuzfahrtschiffen in die Stadt einlaufen, sehen zuerst das brandneue Einkaufszentrum neben den Docks. Wie der Name »Les Terrasses du Port« verspricht, wartet dort eine riesige Besucherterrasse mit atemberaubendem Blick aufs Meer. Mindestens ebenso atemberaubend – wenn auch nicht auf den ersten Blick – ist das ebenfalls neue MuCEM. Das 2013, als Marseille Kulturhauptstadt war, eingeweihte »Musée des Civilisations d’Europe et de la Méditerranée (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers)« ist mittlerweile ohne Zweifel das kulturelle und architektonische Highlight der schillernden Mittelmeermetropole.

Um dorthin zu gelangen, muss man allerdings ein wenig laufen. Oder man nimmt den Bus. Von dem es allerdings nur einen dorthin gibt. Und der fährt auch nicht sehr oft. Aber der Weg lohnt sich. Zuletzt hatte die Picasso-Ausstellung im Frühjahr und Sommer 2016 mehr als 210.000 Besucher ins MuCEM gelockt. Doch allein das perfekt in den Hafen und die Umgebung integrierte Bauwerk von Rudy Riciotti ist schon eine Tour an diesen Ort wert. Wer nur einen spektakulären Spaziergang machen will, muss nichts bezahlen. Auf dem teilweise von der Außenstruktur bedeckten Dach des bauklotzförmigen MuCEM gibt es eine schattige Terrasse mit Café. Von überall bietet die rund ums Gebäude führende Fassade mit ihren geschwungenen Formen ganz besondere Ausblicke: auf den Hafen, aufs Meer und auf die alte Festung der Stadt …

Von der Dachterrasse führt eine 130 Meter lange Fußgängerbrücke zum Fort St. Jean, jener Festung aus dem 12. Jahrhundert, die an Jaffa bei Tel Aviv erinnert. Was in Marseille besonders beeindruckt, ist die Harmonie zwischen der historischen Festung und dem modernen Museum. Der alte Wehrbau ist dabei heute auch immer wieder Ausstellungsraum. Derzeit ist dort bis Januar 2017 eine Foto-Show mit dem richtungweisenden Titel »Albanien, 1207 Kilometer im Osten« zu sehen. Daneben gibt es den mediterranen Garten, in dem Granatäpfel und andere besondere Pflanzen wachsen. Einer der Eingänge des MuCEM führt von der Festung zurück Richtung Stadt. Wenige hundert Meter weiter kann man den alten Hafen für 50 Cents auch mit einem Boot überqueren, so dass man direkt zu den Cafés und Restaurants am Place d’Estienne d’Orves gelangt. Lange gestritten wurde übrigens um das »Hard Rock Café« an dieser historischen Stelle … 

Hier – im Herzen der Stadt – präsentiert sich Marseille mittlerweile immer mehr als eine moderne Metropole. Sogar der Bahnhof Saint-Charles ist hell und modern saniert. Die Gewalt, sie findet vor allem in den Randbezirken statt. Dennoch bleibt Marseille eine laute und schmutzige Stadt – aber vielleicht gehört das einfach zum südländischen Charme dazu … (lys.).

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Unvollkommene Perfektion
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Welt-Orte | Das MUDE in Lissabon

Design im verwundeten Haus

Museum für Design, Mode - und Veränderung

Braucht Museales glatte Wände, liebt nur die Off-Kultur es rauh und unverputzt? In Lissabon sieht man das anders. Wer im Zentrum der Stadt hinter der übergroßen Praça do Comércio den klassizistischen Arco do Triunfo durchquert, streift auf der Rua Augusta ein prächtiges Haus aus den 1920er Jahren: das MUDE, das Museum für Design und Mode.

»Mude« steht portugiesisch für »Veränderung«. Und bezeichnender könnte ein Name nicht sein. Das verwundete Innere der Räume ist zunächst ein Schock und krasser Gegensatz zur vollendeten Gestaltung der Objekte. Die ästhetischen Wunden sind Konzept und Thema zugleich. Sie resultieren aus der Geschichte der früheren Handelsbank BNU und dessen Architekten und (Neu-)Gestalters in den 60ern, Christano da Silva. Das MUDE provoziert dadurch eine auch kritische Auseinandersetzung mit Architektur, Design, Kultur und Geopolitik im urbanen Raum.

Nach dem damaligen Auszug der Bank begann ein Investor mit der Sanierung. Doch abgeschreckt durch die Auflagen des Denkmalschutzes wurde das bereits inwändig demontierte Gebäude an die Stadt übergeben. Das Museum richtete sich 2009 mit internationalen Design-Schätzen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart von Le Corbusier über Christian Dior und Yves Saint Laurent bis Arne Jacobson und Tom Dixon im Provisorium ein. Vor allem die riesige Schalterhalle ist unglaublich. Über dem elegant-bombastischen Tresen offene Leitungsschächte und Decken, unverputzte Wände, nackter Raum. Sehenswert auch das seitliche Treppenhaus mit seiner kühlen Klarheit und Pracht im Art Deco. Dazu unbarmherziges Neonlicht, das rohe Betondecken anstrahlt. Und im ersten Stock der mondäne frühere Konferenzraum der Bank.

Von den insgesamt acht Etagen werden bislang erst die unteren bespielt: neben der festen Schau und Wechselausstellungen ist hier auch der Designnachwuchs verortet. Doch auch wegen all der architektonischen Details lohnt ein ausgiebiger Blick über die gezeigten Objekte hinaus. Das MUDE jongliert so mit unseren Sehgewohnheiten und -erwartungen – und füttert gleichermaßen alle Sinne (pem.).

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Idylle und Moderne: Das neue Lyon vom Wasser betrachtet
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Welt-Orte | Lettre de Lyon (lys.)

Dinostrudel. Viel Hafen. Knallfarben.

Lyon baut sich ein neues modernes Vorzeigeviertel

Von Weitem wirkt es ein wenig wie ein riesiger stählerner Dinosaurier, der sich der Stadt nähert: das Musée des Confluences des Wiener Star-Architekten Wolf Prix von Coop Himmelb(l)au. Nicht allen in Lyon gefällt das Monster-Museum – nicht nur, weil es fast 10 Jahre zu spät fertig geworden ist und 500 Prozent teurer war als geplant. Prix dagegen ist so stolz auf sein Werk, dass er fast auf dem Autobahnzubringer überfahren worden wäre, als er bei der Einweihung ein Selfie machen wollte. Der Coop Himmelb(l)au-Mitbegründer beschreibt das Musée des Confluences gern als »Strudel«. In der Architektur will er das Wasser von Rhône und Saône widerspiegeln, denn das Museum steht genau am Zusammenfluss (frz. Confluence)  und nimmt den gesamten Platz der Spitze der Presqu’île (Halbinsel) ein. Prix verteidigt den Preis übrigens damit, dass es immer noch billiger sei als zwei französische Kampfflugzeuge – und viel sinnvoller. 

Der moderne metallische Prunkbau ist das Vorzeigeobjekt im Vorzeigeviertel Confluence, das jetzt zu zwei Dritteln fertiggestellt ist. Früher waren hier Hafenanlagen und Markthallen, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt wurden, und heruntergekommene Wohnungen hinter dem Bahnhof Perrache. In der Nähe wird jetzt ein Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert, in dem bis 2009 Häftlinge unter katastrophalen Bedingungen lebten, in eine Uni umgebaut. Bis 2025 sollen 16.000 Menschen an der Confluence wohnen. Neben den teuren, schicken Lofts mit Dachterrassen und Blick aufs Wasser gibt es auch Sozialwohnungen wie im 2012 fertiggestellten Gebäude der Pariser Architektin Emmanuelle Colboc in der Rue Denuzière. Ein paar hundert Meter weiter ist das Einkaufszentrum Confluence  – durch das der Zug nach St. Etienne fährt – mit einem kleinen künstlichen Hafen und der Place nautique.

Die Lyoner gehen gerne entlang der Saône spazieren – auch ein Vaporetto fährt vom Stadtzentrum zur Confluence. Die Hafenarchitektur sorgt dafür, dass alles direkt am Fluss liegt: das in einer alten Zuckerfabrik untergebrachte Ausstellungsgebäude Sucrière ebenso wie die Agentur GL Events oder die Redaktion von euronews; letztere in einem knallgrünen Würfel der Architekten Jakob+MacFarlane, die auch noch einen orangen Pavillon an die Confluence gestellt haben. Das Gebäude von GL Events hat die Französin Odile Decq konzipiert. Decq hat Paris, Wien, New York und Düsseldorf den Rücken gekehrt, um ihre 2014 gegründete Architekturschule in Lyon anzusiedeln. Die Studenten lernen – zur Zeit noch von Brachland umgeben – hinter Glasfassaden in einem umgebauten Teil der alten Markthallen. Richtig trendy sind übrigens auch noch die Leihfahrräder, die in Lyon Velov genannt werden und bereits einige Jahre vor den Pariser Velib installiert wurden. Und Sinn machen sie hier auch noch. Wer im Auto die Confluence erreichen will, wo auch die Regionalverwaltung in einem Betonklotz ihren Sitz hat, bleibt öfter mal im einspurigen Verkehr stecken. Und die Tram fährt auch nur bis etwa 23 Uhr (lys.).  

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Echter Flohmarkt auch in Frankfurt: im Juli und August auf der Sommerwerft
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Welt-Orte | Feriköy

Lieber Läuse als Flöhe

Der Istanbuler Flohmarkt Feriköy

Als ich vor einigen Monaten bei meiner Schwester in Berlin war, besuchten wir auch den berühmten Flohmarkt am Mauerpark. Na ja, kann frau da als Istanbulerin nur sagen. So ein richtiger Flohmarkt sieht bei uns anders aus. Zum Beispiel, wenn ich mich sonntags mal nach Feriköy verirre. Wobei: Nach Feriköy muss frau sich schon verirren. Dort wird derzeit viel und wild gebaut. Das ganze Viertel gleicht einer Baustelle. Ein Stadtplan? Völlig unsinnig, um sich hier zurechtzufinden. Stimmt eh` nichts mehr …

Doch mittendrin in dieser Mischung aus Bauwüste und Baustelle stolpert frau plötzlich über ein gewaltiges Sperrmülllager. Ein etwas ramponierter Sekretär aus der Zeit der späten Osmanen steht da neben einem Ikea-Regal, echte Orientteppiche neben der Plastikrührschüssel, ein Fleischwolf und ein Teeservice, von dem bereits ein Sultan getrunken haben könnte, alte Uhren, Postkarten, Krummsäbel … Es sieht so aus, als ob die fast durch die Bank privaten Händler und Händlerinnen gerade all das wegwerfen, was sie in ihren neuen Appartements nicht brauchen. Nur, dass die Leute nicht ganz zu den Appartements passen … Allerdings: Die Profis, die von einem Markt zum anderen ziehen, sieht man hier kaum.

Es ist der »Bitpazari« von Feriköy. Der »Läusemarkt«, wie hierzulande der Flohmarkt heißt. Und eigentlich hat er hier einen guten Platz. Feriköy war früher das Viertel der Griechen, Armenier und Levantiner. Früher, lange bevor die Bagger kamen. Benannt ist es nach einem alten französischen Kaufmann aus dem 19. Jahrhundert, dem Monsieur Feri. Der Geist dieser Zuwanderer und alten ehrlichen Händler scheint hier sonntags noch einmal aufzuleben. Während drumherum das Grau des Betons dominiert, geht es hier bunt zu. Und anders als am Mauerpark muss man hier gar nicht großes Glück (oder Geld) haben, um noch eine alte Taschenuhr, vergilbte Postkarten oder das originale Teetässchen zu finden … Für mich gilt: Lieber Läuse als Flöhe (hak.).