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Ausschnitt Buchcover
Quelle: eoVision©

Buch des Monats | März

Mehr als 1000 Worte …

Städte erzählen (ihre) Geschichte

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Dies gilt ganz besonders für das »Buch des Monats | März«. In »Cities. Brennpunkte der Menschheit« (Bildstrecke) erzählt der Wiener Verlag eoVision die Geschichte von Städten anhand von Satelliten-Aufnahmen aus dem Weltraum. Teils sind es einfach wunderschöne Fotos wie die von Sydney, Wladiwostok oder Hongkong (letzteres ist sowohl das Titelbild des Buches wie auch der aktuellen Ausgabe von urban shorts im März 2017). Teils sind es erschreckende Bilder, wenn sie die Ausmaße von tief in die Natur oder das Leben eingreifenden Strukturen in Minen- oder Industriestädten zeigen.  Teils erzählen sie einfach Geschichte, wenn sie die wechselvollen Episoden gewachsener Metropolen wie Peking und Damaskus oder aber das Aussterben einer ganzen Stadt nach dem Unglück von Tschernobyl oder dem Verlust wichtiger Handelsrouten dokumentieren.

EoVision hat 131 teils doppelseitige Aufnahmen aus dem Weltraum zu einem beeindruckenden Bildband vereint. Ein Band, der teilweise einfach schön, fast immer informativ, teilweise auch erschreckend, manchmal sogar alles alles in einem ist. Auf jeden Fall ist der Band mehr als ein »Coffee table-Buch«. Nicht nur, weil viele Bilder tatsächlich mehr als Worte ein jeweils eigenes Stück Urbanität erzählen und dokumentieren. Weil der Betrachter zuweilen auch tief in die Bilder eintauchen und vielleicht noch mehr Geschichten und Details entdecken kann. Auch, weil der Band noch ergänzt wird um einige sorgsam ausgewählte Texte über Aufstieg und Niedergang von Städten, über Formen, Farben und Strukturen, über sehr unterschiedliche Funktionen, aber auch über das »Lebewesen Stadt« (der vielleicht interessanteste Beitrag über grüne Lungen, Verkehrsadern und regelrechten Magengeschwüren), über ungewöhnliche Städte und über die Zukunft von Städten. Die Bandbreite reicht dabei von den großen Megacities und sogenannten Agglomerationen mit ihren bis zu 50 Millionen Menschen auf immer engerem Raum bis hin zu Rentner- und buchstäblich ausgestorbenen Städten. Der Band lässt jede Stadt wie ein offenes Buch erscheinen und ist selbst ein beredtes Geschichtsbuch der Menschheit … (sfo.).

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Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen
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Literaturszene | Indonesien

Die weiblichen Stimmen der 17.000 Inseln

Entdeckungsreise zu Indonesiens Schriftstellerinnen

Von kulinarischen Spezialitäten und exotischen Urlaubsparadiesen Indonesiens hat man hierzulande häufig schon gehört, die Literatur des weltgrößten Inselstaates ist hingegen weitgehend unbekannt.  Fast noch unbekannter ist die starke Rolle der Schriftstellerinnen des Landes. Ihre Werke sind mittlerweile fast so bunt und vielfältig wie die 17.000 Inseln, aus denen der Riesenstaat in Südostasien besteht. Die Frauen fast aller Altersgruppen spielen mit verschiedenen Zeitebenen, den vielen Kulturen und Schattenkulturen, der Aufarbeitung unterschiedlicher, oft belasteter historischer Epochen und den alltäglichen Problemen der Genderfragen und der Korruption, aber auch der Liebe und des einfachen Lebens. Ein kleiner Ausschnitt dieser Werke ist auch auf Deutsch erschienen. Sabine Müller hat sich für urban shorts einmal genau diese Bücher angesehen (vss.).

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Quelle: scs / eoVision©

Wieder gelesen | Die Erde von oben

Menschenlandschaften

eoVision dokumentiert den »Human Footprint«

Die Aufnahmen (s. Bildstrecke) sind unheimlich schön – im doppelten Wortsinn. Einige der Bilder sehen aus wie moderne Kunst. Und in der Tat ist das, was man sieht, künstlich. Und von Menschen geschaffen. Doch diese Menschen waren keine Künstler, ihre Werke nicht wirklich künstlerisch. Eher im Gegenteil. Und das macht die Aufnahmen zugleich ganz schön unheimlich. Der Wiener Verlag eoVision dokumentierte in seinem einzigartigen Bildband »Human Footprint« mit fantastischen Satellitenaufnahmen das menschliche Handeln auf der Erde. Die Art und Weise, wie dieser Mensch in den Planeten eingreift, ihn gestaltet und zugleich auf ewig seinen Fußabdruck dort hinterlassen dürfte. Die Bilder aus 480 bis 680 Kilometern Höhe gleichen tatsächlich modernen Kunstwerken, sind aber nichts anderes als gewaltige Rohstoffminen, künstliche Stadtanlagen oder vor sich hin rostende Schiffsfriedhöfe von oben betrachtet. Und sie erzeugen damit beim Betrachter gleichermaßen Faszination wie Irritation. Urban shorts dokumentiert eine kleine Auswahl dieser insgesamt 127 in jeder Hinsicht eindrucksvollen Bilder (sfo.).

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Mitten in Frankfurt
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Buch des Monats | August

Städte sind für Menschen da

Jan Gehl und das menschliche Maß urbaner Entwicklung

Wohl nur wenige Menschen kämen auf die Idee, Venedig als Prototyp einer modernen Stadt zu sehen. Doch für Städteforscher Jan Gehl ist die alte Lagunenstadt am Mittelmeer die Blaupause für eine moderne Metropole. Nein, nicht wegen der Gondeln (wobei sich die in Frankfurt sicher auch ganz gut machen würden), sondern wegen der dichten Bebauung, der kurzen Wege, einer weitgehend gemischten Nutzung der Viertel und dem naturgemäß fehlenden Autoverkehr. Alles das macht für ihn eine »Stadt nach menschlichem Maß« aus.

Gehl beschäftigt sich seit rund 50 Jahren mit Stadtentwicklung und hat wesentlich dazu beigetragen, dass seine Heimatstadt Kopenhagen bereits in den 60er Jahren mit dem begonnen hatte, was wir heute als »Nachhaltige Stadt« fast alle für erstrebenswert halten. Vor diesem Hintergrund hat sein Ruf nach dem »menschlichen Maß« Gewicht. Ein Maß, das jahrhundertelang in der Entwicklung von Städten selbstverständlich war. Erst mit deren sehr schnellem Wachstum, der Professionalisierung der Stadtplanung, einer im 20. Jahrhundert zusehends funktionalen Aufteilung des Stadtraums und dem befremdlichen Ruf nach der autogerechten Stadt ist der Mensch aus dem Blick geraten.

»Bauliche Einladungen« und Nutzungsmuster hängen seiner Erfahrung nach unmittelbar zusammen. Wenn es Flächen und Wege für Fußgänger und Radfahrer gibt, die zu verschiedenen Aktivitäten einladen, wenn sich nicht monoton gestaltete Gebäude nach außen abschotten, sondern erfassbar und abwechslungsreich fürs Auge sind und auch Erlebnisse ermöglichen, dann wird der Raum zur Stadt für die Menschen. In Gehls Buch lerne ich mehr über qualitätvolle Dichte, über die Art und Weise, wie die Stadt zugleich sicher und gesund wird, über Proportionen und Perspektiven – und weshalb es normal ist, dass ich alles über dem fünften Stock eines Hauses erst mal nicht wahrnehme. Gehl gibt in seinem Buch vielfältige und wertvolle Impulse für alle, die sich an der gerade aktuell so wichtigen Debatte über die Zukunft wachsender Städte wie Frankfurt beteiligen und die diese mitgestalten wollen. Und dies nicht nur als Städteplaner (pem.).

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Standardwerk | Frankfurt und seine Migranten

Global City seit dem Mittelalter

Ernst Karpf über 700 Jahre Migrationsgeschichte

Fast jedes Jahr muss Frankfurt seine Prognosen korrigieren. Erst kürzlich wurde die Zahl von 700.000 Einwohnern überschritten. 2020 sollten es 725.000 sein. Nach neuesten Schätzungen erreicht man diese Zahl bereits 2016. Doch auch wenn die Situation zurzeit besonders dynamisch ist, war Frankfurt schon immer ein Ort des Ankommens. Schon vor ausländischen Bankern, Asylbewerbern und Flüchtlingen kamen in den 60er Jahren Gastarbeiter. Davor waren es deutsche Flüchtlinge nach den beiden Weltkriegen. Und in den Jahrhunderten zuvor Kaufleute und christliche Glaubensflüchtlinge, im Mittelalter jüdische Einwanderer und die Menschen aus dem Umland.

»Eine Stadt und ihre Einwanderer« heißt denn auch reichlich unspektakulär das Buch von Ernst Karpf. Auf über 400 Seiten lässt er 700 Jahre Migrationsgeschichte in die Mainmetropole anschaulich an einem vorbeiziehen und porträtiert Frankfurt im Herzen Deutschlands vielleicht als die Einwandererstadt schlechthin hierzulande. Dabei beschreibt er nachdrücklich, wie sehr der stete Zustrom die Stadt geprägt und ihr letztlich auch immer genutzt hat. So wäre sie sicher nicht das geworden, was sie heute ist, ohne ihre Einwanderer. Kurios am Rande: Genauso alltäglich wie die Einwanderung waren seit Jahrhunderten die Angst vor Überfremdung und die steten Debatten um die richtige Integration (cfr.).

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Buch des Monats | Juli

Teppich und Pritsche statt Couch

Stefan Orths Couchsurfing im Iran

Wie macht man Couchsurfing in einem Land, in dem es das eigentlich gar nicht gibt? Stefan Orth hat ganz privat den Iran bereist. Ein Land, dessen Menschen zwar zu den herzlichsten der Welt gehören, dessen Regime aber immer noch sehr genau über die Menschen zu wachen versucht. Seine Reise glich mithin einer Undercover-Mission. Viele private Gastgeber bekamen Fantasienamen. Nur die Geschichten sind echt. Geschichten von Pritschen und Teppichen statt Betten und Sofas. Und überraschende Geschichten von Bikini-Parties oder Schmugglerbussen (vss.).

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Das Modell für die etwas weitere Reise ...
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Buch des Monats | November

Wo liegt die Schweiz, oder war es Schweden?

Per J. Andersson über eine Reise für die Liebe

Kaum zu glauben, dass die Geschichte »Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden« von Per J. Andersson wahr ist. Doch nach Lektüre des Buches ist sich der Leser ebenso sicher wie die Hauptfigur Pikay, alles zu schaffen, wenn man nur an sich und an seine Bestimmung glaubt. Pikay wird nämlich bei seiner Geburt prophezeit, dass er sich in eine weiße Frau aus einem fernen Land verlieben wird. Und die Prophezeiung sollte aufgehen …

Pikay stammt aus den ärmsten Verhältnissen des indischen Dschungels. Er erzählt seine Lebensgeschichte in zwei Teilen. Zuerst schildert er sein Leben als »Unberührbarer« und nimmt dabei den Leser mit in eine sehr berührende und aufwühlende Gefühlswelt. Eingebettet in die Geschichte Indiens der 60er und 70er Jahre und dessen Suche nach einer modernen politischen Führung sowie den Einflüssen aus der westlichen Welt und der Hippie-Kultur, schildert Andersson das gnadenlose Kastensystem, aber auch dessen Möglichkeiten und Schlupflöcher. Pikay gelingt es, sich in Delhi einen Namen als Porträtzeichner zu machen. Sein größter Erfolg ist die Einladung, Indira Gandhi zu porträtieren. Schließlich trifft er 1975 die Schwedin Lotta, die sich mit Freunden auf einer Indienreise befindet. Pikay verliebt sich in sie und ist sich sicher, dass dies die Frau ist, die ihm bei seiner Geburt prophezeit wurde. Als Lotta nach einer gemeinsamen Zeit wieder nach Schweden zurückkehrt, beschließt Pikay ihr zu folgen. Mangels finanzieller Möglichkeiten mit dem Fahrrad. Auf einem alten Damenfahrrad macht er sich auf die über 7.000 Kilometer lange Reise.

Der zweite Teil des Buches schildert seine Reise durch Indien, Afghanistan, den Iran, die Türkei, Österreich, Deutschland, Dänemark und Schweden. Viele Klippen gilt es zu umschiffen, die er mit Hilfe seiner zahlreichen westlichen Freunde aus einem Hippiecafé in Dehli und deren Tipps, aber auch mittels seiner urteilslosen Neugier auf Menschen meistert. Er erzählt von der unermüdlichen Gastfreundschaft der Orientalen, die selbst nichts haben, ihm aber helfen zu überleben – und von der ungewohnten Distanziertheit und Kälte der Menschen im Westen Europas. Asien versus Europa, Liebe versus Kopf, tiefes, unerschütterliches Vertrauen versus Status und Macht. Pikay legt den Finger auf die Unterschiede zwischen Ost und West wie auf eine Wunde. Und Pikay schafft es. Er erreicht Boras in Schweden und seine Lotta, er findet ein neues Leben, sein Leben. Ruhig und in tiefem Glauben daran, dass alles möglich ist (loe.).