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Quelle: Tanzplattform©

Tanzfestival Rhein-Main

Tanz trotz(t) Corona

... zumindest ein bisschen

Manchmal ist die Situation schon absurd. Das gesamte Jahr hinweg haben die Macher*innen der Tanzplattform RheinMain darauf hingearbeitet, am Freitagabend ihr jährliches, zweiwöchiges Tanzfestival zu eröffnen. Die Eröffnung – sie zumindest wird irgendwie stattfinden. Wenn auch mit deutlich reduzierten Zuschauern und einem anderen Stück, da das ursprünglich geplante Ensemble aus Frankreich nicht anreisen konnte. Neu dafür: der »New Ocean Sea Circle«, der »nur« aus Köln kommen musste. Danach jedoch werden aus zwei Wochen zwei Tage. Ein Mini-Festival sozusagen – mit immerhin noch rund einem halben Dutzend Stücken. Höhepunkt ist und bleibt Doris’ Uhlichs »Habitat«, das an beiden Tagen zu sehen sein wird. Bereits am Sonntag schließt das Festival per Lockdown wieder. »Body Boom Boom Brain« heißt das letzte Stück an diesem Abend, in diesem Jahr (loe.).


Kunsthalle Darmstadt - viel Platz zur Zeit nicht nur draußen
Quelle: Kunsthalle Darmstadt©

Ausstellungen

Kunst mit Konzept

Viel Platz in Ausstellungsräumen

Zu den Orten, die man in Corona-Zeiten noch empfehlen könnte, gehören eigentlich viele Museen und diverse Ausstellungsräume. Sie punkten mit viel Platz, Hygiene-Konzepten und – leider – wenig Besucher*innen. Manche sogar noch mit guten Ausstellungen. Zu besichtigen aber wohl erst wieder im Dezember – wenn überhaupt noch mal dieses Jahr …  

Museen und Ausstellungsräume haben im Corona-Jahr einen schweren Stand. Hört man sich um, lag der Besuch die meiste Zeit bei etwa 20 bis 30 Prozent gegenüber »normal«. Wenn man mal geöffnet haben durfte. Ein wenig paradox ist die Situation schon. Bei aller Vorsicht einer solchen Aussage: Aber gerade viele Museen und Ausstellungsräume gehören eigentlich wohl zu den eher sicheren (Kultur-) Orten in der Region. Zum einen bieten gerade Museen und große Ausstellungsräume wie die Museen Angewandte und Moderne Kunst in Frankfurt, das Museum Wiesbaden oder die Kunsthalle Darmstadt per se viel Platz durch ihre weiten, großzügigen Räume. Zum anderen sorgt das ausgedünnte Publikum in den auch sonst selten überlaufenen Kunsttempeln für viel Freiraum. Vor allem aber haben die Häuser mittlerweile ausgefeilte Hygiene-Konzepte, die sicher mehr Sicherheit verheißen, als dies in den Sommerwochen auf Opern- oder Friedberger Plätzen in Frankfurt der Fall war. Einzig Lüften ist häufig ein Problem.

Punkten können – oder konnten – derzeit neben den genannten Häusern etwa die gleichsam tierische und allzu menschliche Dreier-Schau »Artentreffen« in Wiesbaden, Offenbach und Rüsselsheim sowie einige sehr unterschiedliche Highlights in Darmstadt (»Tomàs Saraceno«), Bad Homburg (»Was ist Natur?«) oder Frankfurt (»Die weibliche Seite Gottes«), wobei im Bad Homburger Sinclair Haus tatsächlich der Platz recht eng ist. Aber auch kleinere Räume wie etwa die Ausstellungshalle, das Heussenstamm oder die Galerie Peter Sillem (einer der wenigen Orte, die im November offen haben) in Frankfurt sind oder wären durchaus empfehlenswert. Denn was für viele Museen gilt, stimmt häufig auch für diese Orte. Zwar haben sie per se weniger Platz, dafür aber schon immer auch deutlich weniger Besucher*innen. Das Heussenstamm etwa hatte zuletzt mit seinen Ausstellungen einige Dutzend Besucher*innen pro Tag unter der Woche. Kleine Galerien etwa rund um die Frankfurter Fahrgasse, in die eigentlich noch weniger Menschen passen (würden), begrüßen ihre Gäste ohnehin meist nur »per Handschlag« (was in diesem Falle natürlich als Redewendung gemeint ist); und zwar völlig unabhängig von Corona. Zudem gelten auch dort Hygienekonzepte, sind etwa Maskentragen und Desinfektionsmittel Standard. Gerade »die Fahrgasse«, wo auch um November manche Galerien als Einzelhändler offen bleiben, hat übrigens ganz gute Voraussetzungen: viele Räume nebeneinander und viel Platz in der Straße dazwischen. Beschränkungen ab einer bestimmten Zahl von Besucher*innen gelten übrigens bei allen genannten Häusern. Allerdings sind in diesem Herbst noch nirgendwo Schlangen gesichtet worden … (sfo.).

Kunsthalle Darmstadt©
Das Filmmuseum - Zentrum und Spielort zahlreicher Festivals
Quelle: Barbara Walzer©

Die Region | Filmfestivals

Nonstop-Filmfest FrankfurtRheinMain

Keine Berlinale - aber über 50 Filmfestivals in der Region

Wer in Deutschland an Filmfestivals denkt, denkt zuerst an die Berlinale. Mit Cannes und Venedig spielt sie – Corona hin, Corona her, ob offline oder online – in der ersten Reihe europäischer Festivals und misst sich zuweilen gar mit Hollywood und seinen Oscars. FrankfurtRheinMain hingegen kann nichts derartiges aufweisen. Oder doch? FrankfurtRheinMain besitzt zwar keine Berlinale, ist aber wohl die Region in Deutschland und vielleicht sogar in Europa mit den meisten einzelnen Festivals überhaupt. Über 50 Filmfeste stehen im Laufe des Jahres im Kalender – im Schnitt eines pro Woche. Die Palette reicht von relativ großen Akteuren wie Lichter und Nippon Connection in Frankfurt oder GoEast und exground in Wiesbaden bis hin zu den »Exoten« wie Reflekta oder gar dem Putzfilmfestival, das 2018 Premiere hatte.

Besonders auffällig sind viele internationale Festivals, vom panafrikanischen Africa Alive im Januar bis zum italienischen Verso Sud im Dezember. Dazwischen geht es locker in zwei Dutzend Festivals um die Welt: von Japan (Nippon Connection) über China (Golden Trees), Korea (Project K) und Indien (New Generations), Europa und den Nahen Osten (GoEast, Jüdische Filmtage oder das Türkische Filmfestival), eben Afrika (Africa Alive) bis hin auf den amerikanischen Doppelkontinent. Letzterer steht richtig weit vorne. Die Dias de Cine beleuchten gleich ganz Lateinamerika, mehrere Länder wie Brasilien (CineBrasil) oder Cuba (Cuba im Film) und sogar die Dominikanische Republik haben eigene Festivals. Und manchmal gibt es wie 2019 bei exground noch einen Festivalschwerpunkt wie Brasilien op top. Nicht von ungefähr kann FrankfurtRheinMain auch mit vielen Orten aufwarten, die Originalfilmreihen im Programm haben. Doch die Palette reicht auch quer durch Generationen und Geschlechter: vom Europäischen Filmfestival der Generationen und dem Frauenfilmfestival Remake über das Queer Filmfest Weiterstadt und die Homonale Wiesbaden bis zu den vielsprachigen Jugendfestivals Lucas, visionale, Cinéfête oder Britfilms. Ganz eigen ist auch die Landschaft für Kurzfilme vom kleinen Waldfestival in Weiterstadt über die Shorts at Moonlight bis zu den Rüsselsheimer Filmtagen. Und seit 2018 gibt es neben dem Urgestein der Animationsfilmszene, dem Internationalen Trickfilm Wochenende Wiesbaden, auch noch das neue, fast jugendliche Pendant Sweat & Tears in Frankfurt. Ach ja. Noch gar nicht erwähnt sind die sommerlichen Freiluftkinos wie der Lichter-Ableger Freiluftkino Frankfurt, die Filmtage in den Reisinger Anlagen in Wiesbaden, das Open Air-Programm im Hafen 2 in Offenbach oder der Filmsommer in Mainz. Und wem das nicht reicht, der findet an den Rändern der Region mehr: bei den Openeyes in Marburg, dem Dokfest in Kassel, dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen oder dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Kurzum: FrankfurtRheinMain ist eigentlich von Januar bis Dezember ein einziges großes Nonstop-Filmfestival. Für eine Berlinale wäre wohl gar kein Platz mehr frei im regionalen Festivalkalender … (vss.).