Das 1822-Forum: ein Klassiker der Fahrgasse - leider gerade nur von außen zu besichtigen
Quelle: Hans-Jürgen Herrmann©

Outdoor | Fahrgasse

Kunst im Schaufenster

Frankfurt bescheidene Galerien-Szene

Die Fahrgasse ist so etwas wie das Herz der Frankfurter Galerien-Szene. Und in diesen Corona-Tagen einer der wenigen Orte in der Stadt, um Kunst nicht nur digital zu sehen. Leider muss man sagen, dass »die Szene« daraus herzlich wenig macht – ganz besonders in diesen Tagen. Immerhin: Drei, vier Orte geben zumindest Anlass, in den so kunst-freien Lockdown-Wochen hier doch einmal vorbeizuschauen. Allen voran – nicht nur geographisch, wenn man vom Main her kommt – die Galerie Brigitte Maurer. Die Doyenne dieser Kunst-Straße belegt immer wieder, dass man auch mit konservativer Kunst innovativ-anspruchsvolle Akzente setzen kann. In vergangenen Jahren ließ sich dies oft an fein-kunstvollen Papierarbeiten sehen, für die sie ein besonderes Händchen zu haben scheint. Eine ähnlich haptisch-sinnliche Note strahlen allerdings auch jene Holzarbeiten von Aja von Loeper, Joseph Stephan Wurmer und Paul Diestel aus, die als »Konturen der Natur« noch bis Januar bei Maurer zu sehen sind.

Den Gegenpol im wahrsten Wortsinn bildet künstlerisch und am anderen Ende der Straße wie so oft Andreas Greulich. Man muss das, was er zeigt, nicht mögen. Aber man muss ihm Respekt zollen, immer wieder eigenwillige Künstler*innen zu präsentieren, die offenbar auch ihre Kundschaft finden. In diesen Wochen etwa sind es die grell-extravaganten Arbeiten von Tessa Wolkersdorfer. Doch damit ist man fast schon durch mit dem, was man für eine geballte Galerien-Szene unweit des Museumsufers erwarten würde. Während neben Maurer und Greulich sonst sehr viel einfallslose Gebrauchs-Kunst die Straße füllt, gibt es wenigstens noch drei, vier »Outsider«, welche den Ort immer wieder zumindest beleben und so etwas wie »Szene« ausstrahlen. In diesen Tagen sind allerdings zwei davon – das 1822-Forum und der Mixer – leider geschlossen beziehungsweise haben die Räume wenig originell untervermietet. Einzig dort, wo die Kunst selbst nur Untermieter ist, gibt es etwas zu sehen. Das »Maria«, deren Besitzerin eigentlich Mode verkauft, hält sich wieder einmal eine Wand für originelle Zeichnungen frei. Und das »YokYok«, das kleine Kunst-Kiosk, ist zur Schaufenster-Galerie mit Getränke-Verkauf mutiert. Immerhin: Zumindest das Quartett aus Maurer, Greulich, Maria und YokYok lohnt einen Abstecher in diesen sonst so wenig kunstvollen Tagen. Und dies galt und gilt sowohl in den frühen Advents-Tagen wie auch danach, wenn man zumindest durch die großen Schaufenster noch einiges an Kunst auf engem Raum erhaschen kann … (vss.).