Das 1822-Forum: ein Klassiker der Fahrgasse
Quelle: Hans-Jürgen Herrmann©

Orte & Menschen | Fahrgasse

Kunst im Schaufenster

Frankfurts bescheidene Galerien-Szene

Die Fahrgasse ist so etwas wie das Herz der Frankfurter Galerien-Szene. Und sie war auch im tiefsten Lockdown einer der wenigen Orte in der Stadt, um Kunst nicht nur digital zu sehen. Leider muss man sagen, dass »die Szene« daraus manchmal wenig macht. Immerhin: Drei, vier Orte geben immer wieder Anlass, einmal vorbeizuschauen. Allen voran – nicht nur geographisch, wenn man vom Main her kommt – die Galerie Brigitte Maurer. Die Doyenne dieser Kunst-Straße belegt ein ums andere Mal, dass man auch mit konservativer Kunst innovativ-anspruchsvolle Akzente setzen kann. In vergangenen Jahren ließ sich dies oft an fein-kunstvollen Papierarbeiten sehen, für die sie ein besonderes Händchen zu haben scheint. Eine ähnlich haptisch-sinnliche Note strahlten auch jene Holzarbeiten von Aja von Loeper, Joseph Stephan Wurmer und Paul Diestel aus, die als »Konturen der Natur« zuletzt bei Maurer zu sehen waren. Und seit einigen Tagen wird es mit Tatiana Urbans »Phytopoetik« fast (vor-) frühlingshaft.

Den Gegenpol im wahrsten Wortsinn bildet künstlerisch und am anderen Ende der Straße wie so oft Andreas Greulich. Man muss das, was er zeigt, nicht mögen. Aber man muss ihm Respekt zollen, immer wieder eigenwillige Künstler*innen zu präsentieren, die offenbar auch ihre Kundschaft finden. Anfang des Jahres etwa waren es die grell-extravaganten Arbeiten von Tessa Wolkersdorfer. Doch damit ist man fast schon durch mit dem, was man für eine geballte Galerien-Szene unweit des Museumsufers erwarten würde. Während neben Maurer und Greulich sonst sehr viel einfallslose Gebrauchs-Kunst die Straße füllt, gibt es wenigstens noch drei, vier »Outsider«, welche den Ort immer wieder zumindest beleben und so etwas wie »Szene« ausstrahlen. Zwei davon sind das 1822-Forum und der »Mixer«. Beide hatten in Lockdown-Zeiten auch mal mit Schaufensterausstellungen experimentiert oder die Räume – wenn auch nicht immer originell – halb künstlerisch untervermietet. Auch bei ihnen lohnt es, immer wieder mal einen Blick reinzuwerfen – in die Räume, so möglich, oder zumindest in die Schaufenster. Im Mixer etwa startet dieser Tage auch Frühjahrsprojekt zur Frage von Kunst und Markt mit Ausstellungen und Symposium.

Und auch dort, wo die Kunst selbst nur Untermieter ist, gibt es immer wieder etwas zu sehen. Das »Maria«, deren Besitzerin eigentlich Mode verkauft, hält sich immer wieder einmal eine Wand für originelle Zeichnungen frei. Und das »YokYok«, das kleine Kunst-Kiosk, schwankte in diesen Wochen zwischen Kiosk mit Kunst und Schaufenster-Galerie mit Getränke-Verkauf. Immerhin: Zumindest das Sextett aus Maurer, Greulich, 1822, Maria, Mixer und YokYok lohnt oft einen Abstecher. Egal, ob man im Kunst-Winter durch die großen Schaufenster noch einiges an Kunst auf engem Raum erhaschen konnte – oder wenn sie in diesen Tagen nach und nach auch ihre Pforten wieder für einzelne kleine Kunst-Dates öffnen. Und manchmal findet sich ja auch dazwischen dann doch noch das eine oder andere Kunstwerk … (vss.).