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Da hilft wirklich nur noch ein geniales Ordnungsschema
Quelle: Hans-Jürgen Herrmann©

Bücher & Menschen [3] | Antiquariat Rüger

Der Mann mit den Unterschriften

Spezialist für signierte Bücher – und einiges mehr

Es ist still im Antiquariat von Wolfgang Rüger. Der Lärm des Verkehrs, der sich auf der vielbefahrenen Dreieichstraße in Sachsenhausen seinen Weg sucht, ist in den beiden Geschäftsräumen, die er selbst gerne als Showrooms bezeichnet, kaum wahrzunehmen. Regale reihen sich aneinander und reichen bis fast zur Zimmerdecke. Tausende Bücher sind dort nach Themen einsortiert – insgesamt 45.000 Titel aus 87 Sachgebieten. Die zahlreichen Exemplare stehen aufgereiht in den Regalen oder sind verpackt in Kartons und insgesamt auf drei Etagen verteilt. Alles ist beschriftet. Ordnung zu halten, erzählt er, sei für einen Antiquar das Wichtigste – um selbst den Überblick zu behalten.

Auch vor den Regalen türmen sich kleinere Bücherstapel. Jeder Zentimeter Platz wird genutzt. Dort, wo an den Wänden noch freie Flächen vorhanden sind, hängen Schwarz-Weiß-Fotografien verschiedener Autoren, die teils signiert sind. Womit wir schon beim Markenzeichen von Wolfgang Rüger wären. Einen Schwerpunkt im Sortiment bilden signierte Erstauflagen – aktuell mehr als 5000 Stück an der Zahl. Wahrscheinlich mehr als jeder andere Antiquar in der Stadt. In den vergangenen Jahrzehnten hat er stets den persönlichen Kontakt zu den Autoren gesucht und die Bücher selbst signieren lassen, darunter auch solche, die mittlerweile mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurden. Vor allem die Buchmesse bot ihm Gelegenheit dafür. Aber auch bei vielen Lesungen in der Stadt sah man ihn vor Corona immer wieder hinterher am Signiertisch. So kann er, wie er sagt, für deren Authentizität garantieren und von seinen Eindrücken auf der Messe erzählen.

Das Geschäft sieht der Inhaber als Allgemeines Antiquariat mit verschiedenen Schwerpunkten wie Literatur, Kunst, Architektur, Fotografie, Lyrik, Kinderbücher, Reiseliteratur, Film, Theater, Judaica, fremdsprachliche Literatur oder Publikationen über Frankfurt. Gerade noch so im alten Jahrtausend, im Oktober 1999, eröffnete Rüger vor über 21 Jahren den Laden und ist heute noch einer von wenigen in der Stadt, die antiquarische Bücher auch analog zum Verkauf anbieten. Die Betonung liegt auf »auch« – denn, so räumt er ein, Handel mit antiquarischen Büchern zu betreiben, lasse sich nicht mehr ohne das Internet verwirklichen. Der Kontakt zu den Kunden ist ihm sehr wichtig. Laufkundschaft, die spontan vorbeischaut, sei aber seltener geworden. Seit ein paar Jahren öffnet Rüger nur noch an drei Tagen pro Woche oder nach Vereinbarung seine Türen – das habe sich eingespielt. Die anderen Tage nutzt er, um sich zum Verkauf stehende Bibliotheken anzuschauen oder um neu erworbene Bücher zu sortieren. Der Handel hat sich für Rüger zwar verändert, die Leidenschaft für Bücher – das ist ihm anzumerken – ist geblieben … (alf.)