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Quelle: Pier F©

Ein Markt für nachhaltige Mode

Was trägt man/frau in Zukunft?

Gastbeitrag von Christine Fehrenbach

Es ist so, als würden wir mit einer Lupe auf die Mode-Welt schauen: die Überproduktion, das Fehlen nachhaltiger Standards, die Ausbeutung von Menschen für im doppelten Wortsinn billige Produkte – durch den Einbruch der Modeindustrie in der Corona-Krise wurde noch sichtbarer, was falsch läuft. Sustainable Fashion – nachhaltige Mode – wird damit zunehmend wichtiger und gewinnt für die  Entscheidung der Kund*innen für ein Kleidungsstück an Bedeutung. Immer öfter geht es um das Engagement für eine neue naturverbundene Lebensweise, um Transparenz und Authentizität. In den Mittelpunkt rücken Werte, eine soziale und ökologische Produktion und die Rückverfolgbarkeit der gesamten Produktionskette; von den Rohstoffen über die Textilien bis zum Endprodukt. Labels, die das belegen können, kommen immer besser an bei den Kund*innen.

Outdoor-Produzent Patagonia ist ein Vorreiter für dieses neue Denken. Schon lange praktiziert Patagonia dies mit einer transparenten und sichtbaren Lieferkette, mit Stories auf Websites und in Social Media zu unterschiedlichen Themen rund um ihre Produkte, mit Einbeziehung und Verknüpfung ihrer Kunden, mit der Darstellung ihres Engagements für Umweltgruppen und mit »worn wear«, einer Plattform für gebrauchte Mode. Bisher gibt es wenige große Unternehmen dieser Art. Noch wird der Markt getragen von kleinen Labels und Läden, beispielhaft auch in FrankfurtRheinMain. Der regionale Modehersteller Hess Natur ist eines der Labels. Kleine Läden und ebensolche weitere Labels, die sich oft unter dem Namen Green Fashion zusammenfinden, sind ein weiterer Backbone. In Frankfurt finden sich darunter etwa Namen wie Grüne Erde, Organicc, EKN Footwear, Wunderwerk, Aschenputtel oder Outflip. Mit Ideen wie Green Fashion Tours oder Ausstellungen werben sie für sich, auch im Umfeld der kommenden Fashion Week.

Viele Jahre führte nachhaltige Mode dabei ein Nischendasein. Seit einiger Zeit aber wird das Thema auch von großen Marken wie H&M, vom Textil-Hersteller Inditex oder dem Mode- und Accessoires-Konzern Kering besetzt. Ob wahrhaft, wird sich zeigen, zumindest setzen alle sich ehrgeizige Nachhaltigkeits-Ziele, an denen sie gemessen werden können. Darin spielt das Thema »Verantwortung« eine zentrale Rolle. Die Unternehmen beschäftigen sich immer mehr mit ihrem »Purpose« und der Sinnhaftigkeit ihres Tuns. In diesem Schatten entstehen auch neue innovative Projekte. Ein Projekt hat mich besonders beeindruckt: das Laminarium, lateinisch für einen Ort der Algen. Es soll eine offene Innovationsforschungsplattform werden, die sich der Entwicklung von Materialien auf Algenbasis in der Textil-, Hautpflege-, Biokunststoff- und Biokraftstoffindustrie widmet. Durch die Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen Designer*innen und Wissenschaftler*innen von Universitäten, Unternehmen und Regierungen hoffen die Designer*innen, symbiotische Beziehungen zwischen diesen Organisationen zu schaffen, um marktreife Algenprodukte vorzubereiten, die verantwortungsbewusst skaliert werden können. Solche Entwicklungen führen unweigerlich zur Frage: Wie sieht die Mode in der Zukunft aus? Eine Antwort lässt sich zumindest geben: Es geht um eine grundsätzliche Erneuerung der Mode. Das Bewusstsein der Kund*innen, aktiv eine Entscheidung für nachhaltige Bekleidung zu treffen, wird wichtiger …

Die Autorin: Christine Fehrenbach ist Designerin und Vorstand von Hessen Design. Sie entwickelt ganzheitliche Markenkonzepte mit Schwerpunkt auf nachhaltigen Produkten | Mehr Infos zur Veranstaltung: Was trägt die Zukunft? | Hinweis: Der Beitrag ist eine überarbeitete Fassung eines Artikels aus dem diesjährigen Kreativwirtschaftsbericht Hessen