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The Cube von Jens J. Meyer
Quelle: Internationaler Waldkunstpfad©

Orte & Menschen | Darmstadt

Zur Kunst in den Wald

Der Internationale Waldkunstpfad

In Europa lebten die Menschen ja bekanntlich vornehmlich im Wald. In manchen Ländern wie Österreich gäbe es sogar ganze »Waldstädte«. Zugegeben: Das war ein Gerücht, in die Welt gesetzt von einem einst im Weißen Haus residierenden einschlägigen Europa-Experten, der noch dazu Fachmann für Gerüchte und Fake News war. Doch so ganz Fake war diese News dann ausnahmsweise mal doch nicht. Zwar scheint an den Waldstädten wenig dran zu sein. Aber ein Internationales Waldkunstzentrum gibt es sehr wohl in Europa. Und das liegt im Wald bei Darmstadt. Und das ist durchaus renommiert, war es doch das erste seiner Art, das auch bereits Nachahmer in China, den USA und sogar in Österreich gefunden haben soll (was vielleicht auch das Gerücht wiederum erklärt).

Nun, mit Venedig oder der Documenta kann das seit nunmehr bereits zwei Jahrzehnten bestehende Zentrum mit dem zugleich ersten Internationalen Waldkunstpfad noch nicht mithalten. Doch eine Biennale gibt es auch im Wald bei Darmstadt. Zuletzt trafen sich im Corona-Jahr 2020 internationale Künstler*innen. Die damalige Artist-in-Residence, die US-Amerikanerin Regina Walter, und weitere 15 Künstler*innen aus sieben Ländern füllten das Biennale-Motto »Kunst/Natur/Identität« mit Leben und mit zahlreichen Installationen, Performances und BankART. Da man im Waldmuseum nicht dazu neigt, nach einer Biennale alles wieder wegzuräumen, kann man seit Frühjahr die Werke von damals auf eigenen Führungen oder auch einfach so derzeit wieder besichtigen. Zugleich kündigen sich die Vorboten der nächsten, der Jubiläumsbiennale unter dem Motto »Kunst/Natur/Wandel« an. Dabei soll es nicht nur um Klima-, sondern auch um sozialen und digitalen Wandel gehen. Letzterer ist auch im Waldkunstzentrum und auf dem zugehörigen Pfad eingekehrt. Gemeinsam mit dem Verein »Kultur einer Digitalstadt« wird das Ganze nun erstmals auch digital vermessen und digitalisiert. Zum einen, um den Waldkunstpfad auch im Netz zugänglich zu machen. Zum anderen, um eingeladenen Künstler*innen auch ein Vorbereiten oder sogar Gestalten ihrer Werke aus der Ferne zu ermöglichen. Der Fokus soll allerdings weiterhin darauf liegen, ein realer Ort der Begegnung zu sein, Natur, Kunst und Menschen zueinander zu bringen; in diesem Jahr sogar erstmals mit einem »Jungen (Kunst-) Wald«, den Schulklassen gestalten sollen. Ach ja, schlecht besucht ist das »Waldmuseum« auch nicht gerade. Bis zu 200.000 Menschen sollen sich dort pro Jahr einfinden. Deutlich weniger zwar als im Städel, der Schirn oder dem Senckenberg-Museum in Frankfurt, aber ebenso deutlich vor dem Historischen Museum, dem für Angewandte und erst recht dem für Moderne Kunst. Und das sind denn in der Tat keine Gerüchte … (sfo.).