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Eine von vielen kleinen grünen Gemeinschafts-Oasen im Herzen Frankfurts
Quelle: Stefanie Kösling©

Urban_Green [7] | Gärtnern

Grüne Oasen des Miteinanders

Urbanes (Er-) Leben in Gemeinschaftsgärten

Krieg und steigende Preise für Lebensmittel rücken es dieser Tage noch stärker in den Blick. Doch auch zuvor schon stieg im Bewusstsein für Nachhaltigkeit das Interesse an neuen Formen der (Selbst-) Versorgung und des Umgangs mit Lebensmitteln. Gemeinschaftsgärten liegen im Trend – für mehr Regionalität von Lebensmitteln oder für eine Ökologie, die energieaufwendige Transporte vermeiden und Wasser sparen hilft. Oder auch im Wunsch nach urbanem Grün und Gemeinschaft.  

Man findet sie immer öfter in Hinterhöfen, auf freien Flächen, manchmal buchstäblich am Wegrand: kleine grüne Oasen, mit Hochbeeten, Gemüse und Obstbäumen, kleinen Bänken und Feuerstellen, dazu wuselnde Menschen, die Blumen gießen, Tomaten ernten oder einfach plauschen. Immer öfter suchen Großstadtbewohner*innen, die keinen eigenen Garten haben, nach solchen Gemeinschaftsgärten. Sie ermöglichen das Anbauen von Lebensmitteln zusammen mit Gleichgesinnten auf öffentlich zugänglichem Boden. Die Teilnehmer*innen versorgen sich ein Stück weit selbst, entwickeln ein gutes Gefühl für die Umwelt und haben ganz nebenbei Gewissheit über Herkunft, Frische und Natürlichkeit ihrer Ernährung. Als Nebeneffekt tragen sie zur Veränderung ihres Stadt- oder Stadtteilbildes bei und schaffen Orte für Begegnungen – für sich und andere, die oftmals rasch hinzukommen. Die Idylle dieser kleinen Gärten bietet nicht nur Zeit zum Unterhalten und Gärtnern, sondern auch eine gute Gelegenheit, eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen. Auf einer Bank zwischen den Hochbeeten sitzend und umhüllt vom Geruch des Frühlings. Rings herum ein paar farbenfrohe Blumen und in den Ohren das Summen der Bienen …

Auch in Frankfurt gibt es immer mehr Zulauf für solche Projekte. Sie unterscheiden sich zwar in vielerlei Hinsicht, doch verfolgen sie alle die selben Ziele: Gemeinschaft und nachhaltige Lebensmittel. Manche sind themenbezogen, bauen zum Beispiel interkulturelle Lebensmittel an und bringen auf diese Weise auch unterschiedliche Kulturen näher zueinander. Andere sind einfach durch die Menschen geprägt, die sich nicht selten zufällig für sie oder in ihnen zusammengefunden haben. Durch das Entstehen und Fördern solcher Projekte, entwickelt sich ein Bewusstsein gegenüber der Umwelt, aber auch der Bezug zur Gesellschaft selbst. Als Gemeinschaftsgarten besteht außerdem die Möglichkeit einer Kooperation mit Institutionen, etwa einem Biobauernhof, von dem Grundnahrungsmittel bezogen werden können. Das erleichtert vor allem den Einstieg in den Gemeinschaftsgarten. Gebraucht wird oft nicht viel: tatkräftige, engagierte Helfer*innen, die bestenfalls schon Erfahrung mit dem Gärtnern haben, und die Fläche, welche bepflanzt werden soll. Um Orte und interessierte Menschen zu finden, gibt es soziale Netzwerke wie »Urbane-Gärten.de«, »Nebenan.de« oder »Nachbarschaft.net«. Sie ermöglichen die  Präsentation des eigenen Projektes und die Kommunikation mit anderen, Tipps und Erfahrungen können dort ausgetauscht werden. Empfehlenswert ist auch die Stiftung »Anstiftung.de«. Auch über sie lassen sich Gleichgesinnte finden. Sie listet aber auch weitere Stiftungen, die Gemeinschaftsgärten finanziell unterstützen. Oder man schaut sich gleich nach größeren Projekten in der Stadt um. Dazu gehören etwa »Die Gemüseheldinnen«, die einst am Günthersburgpark ihren Anfang nahmen und mittlerweile längst Ableger in anderen Teilen der Stadt »gezogen« haben. Oftmals reicht aber auch ein Streifen durch die Nachbarschaft und ein Fragen, ob man mitmachen könne. Grundsätzlich gilt also: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Oder in diesem Falle: ein Gartenweg … (lsw.).