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Quelle: GoEast©

GoEast 2025

Die anderen Bilder

24.04. | Filmtipp von Heleen Gerritsen

Filme wie »Schindlers Liste« oder »Das Boot« prägen unsere Vorstellung vom Zweiten Weltkrieg und auch unsere Erinnerungskultur. Wir fanden es im Kontext von goEast aber spannend, auch einmal andere, unterrepräsentierte filmische Bilder über den Zweiten Weltkrieg zu zeigen. In der Reihe »80 Jahre Kriegsende – Fehlende Bilder von Odessa bis Dakar« gibt es auf der Leinwand nicht nur aktuelle Filme aus Mittel- und Osteuropa, sondern auch die restaurierte Fassung von Ousmane Sembènes bildgewaltigem antikolonialen Klassikers »Camp de Thiaroye« (Camp der Verlorenen) aus dem Jahre 1988. Erst zehn Jahre später kam der Film auch in Frankreich in die Kinos. Bis heute gibt es nur wenige solche Filme, die einmal aus afrikanischer Sicht den Zweiten Weltkrieg zeigen. Ousmane Sembéne gehört übrigens auch zu den zahlreichen afrikanischen Regisseuren, die in der Sowjetunion Film studierten – somit passt er definitiv zu goEast. Und mehr zum Thema gibt es schon am Nachmittag um 16  Uhr in einem großen Panel zu 80 Jahre Kriegsende: »The Impact of Missing Images in a Visual World«.

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Drei Filmfestivals: der RMV hat sich offenbar schon auf vielfahrende Filmfans eingerichtet
Quelle: Barbara Walzer©

Filmfestivals en bloc

Alles leuchtet

Lichter, GoEast, Southern Lights

Es werde Licht – Das sagten sich wohl für einmal fast alle Filmschaffenden der Region dieser Tage zugleich. Selten nämlich erstrahlt(e) die Filmlandschaft in FrankfurtRheinMain gleichzeitig derart hell und vielgestaltig wie in der Woche nach Ostern. Nomen est omen – Bereits am Dienstag nach Ostern startet »das Lichter« sein 18. Festival regionaler und internationaler Filme, das über die Jahre längst Kultstatus erlangt hat und für viele Fans längst das Filmfest der Region überhaupt ist. Besonderes Highlight in diesem Jahr ist das Festivalzentrum: Mit Lichter erstrahlen auch die alten E-Kinos in Frankfurt in neuem Glanze, nachdem die rührigen Betreiber des Massif Central die Säle und Foyers kürzlich übernahmen und zum neuen (Film-) Kulturzentrum Massif E formieren wollen. Ganz am Puls der Zeit ist das Festival: »Angst« ist das Thema, passend zu diesen ungewissen Zeiten.

Nur einen Tag nach dem Lichter-Start beginnen auch der Westen und der Osten quasi gleichzeitig zu strahlen: Im Westen – in Wiesbadens Kultkino Caligari – eröffnet GoEast, das Festival für den mittel- und osteuropäischen Film. Auch das Festival ist – wie die Region, auf die es den Fokus hat – ein Festival der Gegensätze. Auch in diesem Jahr richtet es seine Scheinwerfer auf die weiter kritische, aufwühlende und beängstigende Situation rund um die Ukraine – und verblüfft das Publikum zugleich einmal mehr daneben mit Stummfilmperlen aus der Frühzeit des Kinos, die gerade im Osten besonders strahlend waren. Finger in Wunden legen und gleichzeitig Feste miteinander feiern ist einer der weiteren gepflegten Gegensätze dieses Festivals. Filmfestival satt gibt es in der Region sodann am letzten April-Wochenende. Zu den beiden Festivalklassikern gesellt sich in Offenbach noch die erste regionale Ausgabe des Newcomers Southern Lights, der erst seit wenigen Jahren die Spots auf den oft angesichts der vielen hiesigen Krisen noch zu wenig ausgeleuchteten »Globalen Süden« lenkt. Das Festival, das über zwei Monate durch mehrere Städte der Region tourt (nach Offenbach auch noch Wiesbaden, Dietzenbach und Hanau), wird zumindest zum Teil auch in diesem Jahr wieder von Migrant*innen aus eben diesem »Süden« mit organisiert − sodass auch dieser Teil der Welt keinesfalls unterbelichtet bleibt … Filmfans − und nicht nur diesen – steht also in diesen Tagen eine wahre, vielfach leuchtende »Tour d’Horizon« bevor … (vss./sfo.).

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Quelle: Filmz©

FILME DES TAGES | FILMZ MAINZ

Die Kunst der Kürze

12.11. | Tagestipp von Nadja Marchesi

In der Kürze liegt oft die Würze. Aber in der Kürze liegt immer auch eine große Herausforderung, um Charaktere und Orte zum Leben zu bringen, ohne aufgrund der Länge Kompromisse machen zu müssen. Dabei geht es keineswegs darum, zugunsten der Kürze auch an Komplexität, Schönheit und Faszination der erzählten Geschichten zu sparen, sondern darum, gerade in kurzer Zeit doch so viel mehr zu erzählen, als man zuvor für möglich gehalten hatte. Das diesjährige Kurzfilmprogramm von Filmz hat demnach dem Langfilm in Nichts nachzustehen. Und so wandeln wir mit diesen ganz verschiedenen Kurzfilmen nicht nur durch einige einzigartige Geschichten, sondern finden uns auch immer wieder an bizarren Orten wieder: Ob festsitzend auf Skiliften, in der Nachwelt, auf Schulklos, in Omas Garten oder in einer Telefonzelle. Die neun ausgewählten Kurzfilme werden Sonntagabend gezeigt und von Fragen und Antworten mit den Filmschaffenden begleitet. Und im Anschluss an das Screening findet auch direkt die große Preisverleihung des Festivals statt …

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Quelle: Filmz©

FILME DES TAGES | FILMZ MAINZ

Filmen gegen die Uhr

11.11. | Tagestipp von Björn Helms

»55Filmz« schickt Filmschaffende auf eine herausfordernde Mission. In nur 55 Stunden müssen sie einen Kurzfilm mit einer maximalen Länge von 5 Minuten und 55 Sekunden auf die Leinwand zaubern. Dieser rasante Kurzfilm-Marathon verspricht nicht nur hochkarätige Unterhaltung, sondern gewährt auch einen einzigartigen Einblick in den kreativen Schaffensprozess eines filmischen Werkes unter immensen Zeitdruck. Am 11.11. um 18 Uhr werden die kreativen Filmwerke live bei uns im Filmzimmer vorgeführt und direkt von einer fachkundigen Jury bewertet. Dabei ist jede/r Zuschauer*in herzlichst willkommen. Die Uhr tickt unerbittlich, während Filmschaffende ihre kreativen Grenzen ausloten, um in einem Wettlauf gegen die Zeit möglichst fesselnde Geschichten zu erschaffen. Drei vorgegebene Motive – Regenbogen, Würfel und Mystery – dienen als kreative Bausteine, die die Filme auf überraschende und originelle Weise formen. »55Filmz« verspricht eine cineastische Reise durch die kreativen Köpfe von talentierten Filmschaffenden. Die Vielfalt an Stilen und Perspektiven sorgt immer wieder für ein faszinierendes Kaleidoskop filmischer Meisterwerke. Ein Muss für alle Filmbegeisterten, die die Kunst des filmischen Erzählens direkt miterleben wollen. Am Ende ist nur eines gewiss: Unsere Filmschaffenden werden unter Zeitdruck und mit viel zu vielen Tassen Kaffee ihr Bestes gegeben haben, um das bestmögliche Meisterwerk abzuliefern …

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Quelle: Filmz©

FILM DES TAGES | FILMZ MAINZ

Neapolitanisches Dreierporträt

10.11. | Tagestipp von Ben Haga

Zum Abschluss unseres Spotlight-Programms, in dem es dieses Jahr um Deutsch-Italienische Filmbeziehungen ging, laden wir zu einer Reise in den Neuen Deutschen Film ein. In »Neapolitanische Geschwister« erzählt Kult-Regisseur und Meister-Provokateur Werner Schroeter die Geschichte von Vittoria und Massimo, einem Geschwisterpaar, das zusammen im Neapel der Nachkriegszeit aufwächst. Dabei entwickeln sich die beiden immer weiter auseinander und werden zu Symbolen des Konflikts zwischen Politik und Kirche. Schroeter, bis dato eigentlich als Verfechter eines surrealen, expressiven und übertrieben opulenten Stils bekannt, greift in diesem Film immer wieder auf die Ästhetik des italienischen Neorealismus zurück und erweckt damit Neapel selbst auf der Leinwand zum Leben, lässt es gar zu einem eigenständigen Charakter werden. »Neapolitanische Geschwister« ist das Zusammentreffen von laut und leise, Wirklichkeit und Fiktion – und damit wohl einer der interessantesten, weil ungewöhnlichsten Filme seines Regisseurs. Für all diejenigen, die noch nicht mit Schroeter in Kontakt gekommen sind, ist es ein angenehmer, da deutlich weniger extremer Einstieg in sein Werk. Kenner*innen hingegen erwartet in »Neapolitanische Geschwister« eine Seite des Regisseurs, mit der sie so womöglich nicht gerechnet hätten …