Ein idyllisches Stück deutscher Forst ...
Quelle: Sophie Reuter / Sinclair-Haus©

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Drinnen im Wald spazieren

Wald - Ausstellung und Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt »Wald«, initiiert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, bereichert derzeit mit viel Kunst und Kultur rund um dieses in vielfacher Hinsicht vernachlässigte grüne Thema die Region. Herzstück sind drei Ausstellungen »Wälder – Von der Romantik in die Zukunft« in Bad Homburg und an zwei Orten in Frankfurt. Dazu kommen zahlreiche weitere Programmpunkte: Aktionen, Installationen oder Performances, zu finden quer durch die Region. Sozusagen pars pro Wald hat unsere Autorin im Sinclair-Haus den Wald und seine Zustände durchwandert … 

Raus aus der Großstadt – die Richtung stimmt schon mal. Rein in den Vordertaunus. Genauer gesagt ins grüne Bad Homburg mit seinem malerischen Schlosspark, samt Libanon-Zedern und Orangerie. In direkter Nähe zu dieser – korrekterweise –  »gestalteten Natur« befindet sich das Museum Sinclair-Haus. Bereits in dem begrünten Innenhof mit seinen Kräuterbeeten und kleinen Rasenstückchen lässt es einen der beiden Ausstellungs-Schwerpunkte des Hauses erahnen: die Natur. Der zweite Schwerpunkt, die Kunst, und vor allem die Verflechtung dieser beiden Themen, kommt kurz darauf ein paar Schritte weiter im Inneren des angrenzenden Gebäudes zum Tragen.

Wir betreten das Museum im alten Barockgebäude über die Außentreppe aus Sandstein. Aktuell sollen wir uns hier in die Wälder begeben können. Tatsächlich? Drinnen? In den Wald? Gar in die Wälder? Nun: Es ist sozusagen ein Eintauchen. Aus der Ferne. Über verschiedene Medien und Sichtweisen, aus unterschiedlichen Epochen: von der Romantik in die Zukunft. Auf etwas anderen (Wald-) Wegen sozusagen. Der Weg, er führt uns zuerst einmal ins Obergeschoss. Eine Mixed Media-Installation von Mariele Neudecker: einen mit diversen Materialien gefüllten Glas-Kubus. Durch unsere eigenen Prägungen, so wir nur oft genug in Wäldern waren, tatsächlich wie ein Wald auf uns wirkend. Immersiv, wenn man sich näher auf sein leuchtendes Inneres einlässt. Eine Art Miniatur-Wald, erhöht auf einem Podest, den wir von allen Seiten betrachten können. Als könnten wir ihn umarmen. Ihn beschützen. Versunken in unsere Betrachtung warten wir auf eine Regung von ihm. Doch ist er – leider – eben doch nur ein totes Objekt. Und dennoch: Möglicherweise uns inspirierend, eine andere Sicht auf den lebendigen Wald einzunehmen …

Wir spazieren weiter. Auf Schnuppertour. Ebenfalls aus der Ferne. Und zwar mit einem Individuum. Einem abwesenden Individuum. Einem Baum. Über eine Art Parfüm (von Agnes Meyer-Brandis), in dem wir dessen gesammelte Duftstoffe wahrnehmen können. Diese Duftstoffe, so genannte VOCs (Volatile Organic Compounds / Flüchtige Organische Verbindungen), dienen den Pflanzen zur Kommunikation untereinander. Sie senden Signale aus. Signale, welche nicht nur riech-, sondern auch sichtbar gemacht werden können. Wie zum Beispiel das Atmen der Bäume unter Trockenheitsstress. Sichtbar in einer Video-Installation nebenan. Faszinierend und traurig zugleich, wenn man den realen Hintergrund in (nicht nur) deutschen Wäldern bedenkt. Wir wandern weiter. Entdecken nun Zeichnungen und Gemälde. Zur Sicht auf die Natur, die Wälder in Zeiten der Romantik. Das eigene Fernweh weckend. Das Beeindruckende, Erhabene und teils Gefährliche der Natur offenbarend. Dann daneben – unvermittelt – Fotografien. Zum Hambacher Forst. Der, den sie gerodet haben. Oder das, was von ihm übrig ist. Aktuelles Zeitgeschehen. Zur Asche eines verbrannten Baumes. Wie eine Art Geist desselben. Folge von Brandrodung, aus der Vogelperspektive festgehalten von Yann Arthus-Bertrand.

Wir werden uns noch ein wenig länger in diesem Wald verlieren. Allem gemein: der Blick auf den Wald im Wandel der Zeiten. Stilisierend, mahnend, bewundernd, romantisierend. Aktuelle wissenschaftliche und gleichzeitig künstlerische Blicke auf Natürliches. Die Wälder. Unsere Wälder. Die Ausstellung, es sind alles Spuren. Spuren der Zeit. Spuren der Bäume. Spuren auf dem Weg. In die Wälder?! Kurz denken wir an die Wälder außerhalb des Sinclair-Hauses. So weit wir diese noch antreffen. Lebendig. Angesichts der Tatsache, dass im Frankfurter Stadtwald 98 Prozent aller Bäume krank sind, sollte man sich beeilen. Oder etwa doch nicht? Schließlich scheint eine Zeichnung aus dem Jahre 1847 aktueller denn je zu sein: die Rache des Baumes, welcher den Menschen in Stücke sägt. Nachdenklich fragen wir uns, ob es nicht Zeit ist, umzukehren. Nicht nur, weil das Sinclair-Haus in Kürze schließt … (ver.).