Frankfurts Sommerstraße Mainkai 2020. Und 2021?
Quelle: Moritz Bernoully©

Blaupause | Innenstädte

Sommerstraßen wie in Stockholm

Stockholms sanfter Weg zur autofreieren City

Autofrei(er)e Innenstädte sind eine Vision so mancher Stadtplaner*innen und -bewohner*innen. Aber wie umsetzen gegen viele Widerstände? Stockholm hat sich für eine sanfte Möglichkeit entschieden, die sich mittlerweile fast so etwas wie »verselbständigt« zu haben scheint. Und zumindest sommers ist es auch eine Idee mit vielen Nachahmer*innen … 

Erst zwei, dann drei, dann vier – und plötzlich steht die autofrei(er)e Stadt in der Tür, pardon: im Zentrum. Geschehen und gesehen in Stockholm. Schwedens Kapitale hatte schon vor einigen Jahren eine einfache Idee: Straßen in der Innenstadt sommers einfach zu »Sommerstraßen« umzufunktionieren. »Levande Stockholm – lebendiges Stockholm« heißt noch heute das Programm dazu. Begonnen hatte alles 2015 mit zwei Straßenzügen mitten im Zentrum Stockholms, die man für den Autoverkehr gesperrt hatte. Statt dessen baute man Blumenkübel und Sitzmöbel auf. Die beiden Straßen wurden über den Sommer zu Begegnungsstätten – von Mai bis September. Was als Modellversuch begann, weitete sich schnell aus. Jedes Jahr kamen neue Straßen hinzu. 2017 begann man, einzelne Straßen sogar im Winter zu sperren. Proteste? Praktisch Fehlanzeige. Die Bewohner*innen begannen schnell, ihre Straße anzunehmen. Grundvoraussetzung für die Akzeptanz, so Stadtplaner*innen wie etwa Melissa Gomez vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, sei es, den Platz rasch neu zu definieren und zu bespielen. Etwa mit Kultur, mit Sport, mit Sitzflächen. Selbst vom Handel kamen wenig Einwände, da die Umsätze ersten Erkenntnissen zufolge teils sogar zunahmen. Nicht von ungefähr musste man irgendwann für die neuen Straßen gar nicht mal mehr werben. Aus den Straßen selbst trafen Bewerbungen ein. Interessanter Effekt dabei: Gerade aus Straßen, die zwischenzeitlich durch benachbarte Sommerstraßen unter mehr Verkehr litten, meldeten Anwohner*innen schnell selbst Interesse für die kommenden Jahre an. Ein Phänomen, das vielleicht auch in Frankfurt zu denken geben könnte – und aus dem man tatsächlich ein Konzept konzentrischer Entwicklung autofrei(er)er Städte entwickeln könnte. Übrigens: In Deutschland fand zumindest die sommerliche Idee schon Nachahmer, etwa in München. Frankfurt könnte in Kürze mit dem Mainkai wieder folgen – aber dabei auch gleich übergangslos das neuere Sommer-Winter-Modell aus der nordischen Kapitale einführen … (sfo.).

Moritz Bernoully©
Schlafzimmer links, Küche rechts hinten, Wohn- und Fernsehzimmer davor
Quelle: Minkcamper©

Urlaub Corona-affin (&) minimalistisch

Raum unter der kleinsten Haube

Mink 2.0 – nicht mehr Wohnwagen als nötig

Irgendwie erinnert es uns schon an eine berühmte Werbung. Denn irgendwie sieht es schon aus wie das »wahrscheinlich grösste und längste Osterei der Welt«. Doch eigentlich ist es ein Wohnwagen. Oder ein »Sports Camper«, wie es für Abenteurer bestimmt besser klingt. Der dann aber wahrscheinlich kleinste Wohnwagen aka Sports Camper der Welt. Das »Mink 2.0« ist zumindest der Versuch, mit so wenig Wohnwagen wie nötig so unabhängig wie möglich unterwegs zu sein. Sozusagen umweltbewusst und corona-affin in einem. Wobei wir die Frage nicht wirklich beantworten können, ob Reisen mit Wohnwagen wirklich umweltbewusst ist. Wahrscheinlich gibt es aber auch keine klare Antwort – hängt wohl eher vom Ziel ab. Doch wenn ja, was braucht man/frau dann mehr? Zwei Schlafplätze? Liegen praktisch und direkt hinter dem Bullauge. Liegeplatz für Kind und/oder Haustier? Direkt dabei (entweder für kleines Kind und kleines Haustier oder großes eins von beiden). Küche? Versteckt sich überaus üppig unter der Heckklappe. Stauräume? Sind drin. Fahrrad-Träger? Ist drauf. Und da das Abenteuer-Ei aus Island kommt, sind auch die Skiträger noch inklusive. Ebenso wie solarbetriebenes USB und ein Panoramadach. Einzig ein ordentliches Auto braucht es temporär noch dazu, denn 500 Kilo plus Ladung lassen sich strampelnd doch nicht ganz so leicht fortbewegen, und ein externer Kofferraum kann bei so viel Compactness nicht schaden. Ach ja: Für die Share Economy ist er auch noch geeignet – wenn auch vorerst nur in Norwegen und Schottland, wie auf der Website von Mink zu erfahren ist. Macht ihn dann doch noch Bewusstseins-kompatibel. Nur eines sollte man definitiv nicht von diesem Ganzjahres-Osterei erwarten: dass es mit dem Verstecken so einfach funktionieren wird … (sfo.).

Einblicke in Kleingärten

Zu Hause im Grünen

Zwei Ausstellungen der Stadtgalerie

Die Wartelisten der Kleingartenvereine sind mittlerweile lang. Immer mehr Menschen suchten schon vor Corona und erst recht seit Ausbruch der Pandemie das kleine Refugium im Grünen: zum Rückzug, zum Schaffen, zum Ernten, zum Entspannen. Die Stadtgalerie im Frankfurter Heussenstamm. Raum für Kunst und Stadt. wirft zwei sehr unterschiedliche Blicke auf das Sein dieser kleinen privaten Grünräume. Reinhard Kahn, Frankfurter Fotograf, hat einige Gärten von außen fotografiert. Von dort, wo sie ihren Schutz zur (Um-) Welt haben: meist durch die typischen Zäune mit ihrem Rautenmuster und mehr oder minder dichten Hecken. Er schuf damit kleine Symphonien aus Grün und Licht, hinter denen man das Leben oft nur erahnen kann. Einblicke in dieses Leben gibt derweil Stefanie Kösling. Die ebenfalls Frankfurter Fotografin hat die andere Seite der Zäune und Hecken besucht und »die Menschen dahinter« in den Fokus ihrer Kamera genommen. Oder genauer gesagt: das, was die dort tun – oder auch eben nicht tun. Besonders eindrucksvoll sind dabei oft jene Bilder von Stefanie Kösling, die ohne die Menschen auskommen. Die allerdings das Tun und Nichttun dieser Menschen förmlich atmen; in Momenten, in denen diese Menschen gerade einmal für einen Moment den Ort des Geschehens verlassen haben. Unsere Galerie zeigt eine kleine Collage der Bilder von Kahn und Kösling zum Durchklicken (red.).

Minkcamper©
Mit etwas Kreide ins Blickfeld gerückt
Quelle: Julia Krohmer©

Urban_Green [3] | Verkanntes Grün

Nicht mehr mit Füßen treten

Von Plant Blindness und Krautschauen

An das letzte Tier, das sie gesehen haben, erinnern sich die meisten Menschen. Und oft können sie es auch noch in allen Details beschreiben. Aber die letzte Pflanze? Vor dem Haus? Ein Baum halt. An der Straße? Eine Hecke. Und sonst? Die Form der Blätter, die Besonderheiten der Gehölze? Das können die wenigsten sagen. Viele nehmen Pflanzen lediglich als grünen Hintergrund oder »Straßenbegleitgrün« wahr. Die US-Botaniker*innen Elisabeth Schussler und James Wandersee prägten dafür den Begriff »Plant Blindness« (Pflanzenblindheit) – »die Unfähigkeit, die Pflanzen in der eigenen Umgebung zu sehen«. Ein BBC-Beitrag aus dem Jahr 2019 brachte auf den Punkt, warum dies gerade heute gefährlich ist: Es führt zur mangelnden Wertschätzung von Pflanzen – und zu einem begrenzten Interesse an ihrem Schutz und ihrer Bewahrung. Fatal gerade in Städten, wo wir Pflanzen dringend brauchen, um die Folgen des Klimawandeln abzumildern.

Doch dabei geht es nicht nur um Bäume und Hecken. Wer hinschaut, findet in unseren von Beton und Asphalt geprägten Städten fast überall Pflanzen. Sogar unter unseren Füßen. Zunächst springt einem dort zwar der Müll ins Auge, die Scherben und unzählige Zigarettenstummel. Doch dazwischen entdeckt man winziges, zähes Grün fast überall: zwischen Pflastersteinen, in Rinnsteinfugen und in Mauerritzen. Und nicht nur einfach Grün – sondern eine Vielzahl von Kräutern, Gräsern und Moosen, die sich an diese extremen Bedingungen angepasst haben und kleine Mikro-Ökosysteme für zahlreiche Insekten und andere Organismen bilden. Sie sind unbedingt einen zweiten Blick wert. Und immer mehr Menschen schauen inzwischen tatsächlich genauer hin. Dank der Aktion »#Krautschau«, eine − im wahrsten Wortsinn − Grassroot-Bewegung von Botaniker*innen und Pflanzenfans. Den Anfang machte in Frankreich der Toulouser Botaniker Boris Presseq, der ein neues Bewusstsein für die Präsenz von Wildpflanzen auf Gehwegen und überhaupt für die Natur in Städten schaffen wollte. Von dort kam sie über England, wo die Botanikerin Sophie Leguil ihr den Namen »More Than Weeds« gab, nach Deutschland. Auch hier hat sich neben #Krautschau auch der Hashtag #MehrAlsUnkraut etabliert. Beider Prinzip ist einfach: Jede/r, wer möchte, kann den pflanzlichen Kämpfernaturen in Mauern und unter unseren Füßen mit etwas Kreide Aufmerksamkeit verschaffen, dies fotografieren und im Netz teilen. Apps wie FloraIncognita (floraincognita.com) helfen auch Botaniklaien bei der zielsicheren Bestimmung dieser Kleinstflora, bei deren Vielfalt man gerne mal in die Knie geht: wegen ihres Wuchsortes, aber auch vor Bewunderung für die omnipräsenten Überlebenskünstlerinnen. Wer also verwunderte Blicke der Passanten nicht scheut, ist eingeladen, diesen Streifzug durch die städtische Mikro-Wildnis mit Gleichgesinnten zu unternehmen … (juk.).

Julia Krohmer©
Ein Blick in den Bürgergarten am Rande der Wallanlagen
Quelle: Frank Behnsen • CC BY-SA 3.0 (s.u.)©

Urban Green [4] | Parkkultur

Ein freyes Vergnügen

Kunst des Seins und des Spazierens

Parks sind gemeinhin die größten Grünflächen in Städten. Oft waren sie Teil fürstlicher Schlösser und Anlagen. Bürger*innenstädte wie Hamburg und Frankfurt haben ihre eigene Parkkultur. Und mit ihr entwickelte sich schon früh die Kultur des Spazierens. Davon erzählt ein Spaziergang durch Frankfurts Parks und die Kultur des Spazierens mit Nina Gorgus.

Schon der Schriftsteller Alexandre Dumas war im 19. Jahrhundert beeindruckt von der damals ersten Frankfurter Parkanlage und lobte die Umsetzung nach einem englischen Landschaftsgarten durch den Gärtner Sebastian Rinz als ein »riesiges Kamelienbukett in einem Kranz von Heidekraut«. Die Rede war von den Wallanlagen – einem Ort, den viele Frankfurter*innen heute gar nicht mehr so recht als Park empfinden. Die zackige Form erinnert noch an das, was hier ursprünglich stand: die ehemalige Stadtbefestigung. Zwischen 1804 und 1812 wurden deren Mauern niedergelegt, private Gärten und Promenaden entstanden und damit tatsächlich der erste öffentliche Park der Stadt. Erstmals konnte sich damit die gesamte Bevölkerung inklusive Gästen und Reisenden auch der neuen Kultur des Spazierengehens widmen. Durch die »Wallservitut« (eine amtliche Bestimmung zum Schutz der öffentlichen Grünanlagen) und Zukäufe durch die Stadt ist die Anlage mit einigen Veränderungen bis heute erhalten, auch wenn der lärmende Autoverkehr den einstigen Parkgenuss doch etwas trübt …

In der Stadt spazieren zu können, ist eine Errungenschaft, die sich Ende des 18. Jahrhunderts durchsetzt. Zur neuen Lebenswelt der Bürger*innen jener Zeit gehörte ein »kulturelles und ästhetisches Programm«, wie die Kulturwissenschaftlerin Gudrun König es einmal beschrieb. Dazu zählten ein verändertes Verhältnis zur Natur, neue Formen der bürgerlichen Selbstdarstellung und der Beginn der Trennung von Arbeit und Freizeit. Erste Ratgeber sorgten für den richtigen Gang. So beschreibt Karl Gottlob Schelle 1802 in »Die Spatziergänge oder die Kunst Spatzieren zu gehen« das Spazieren als »freyes Vergnügen«, das unter keinem Zwang stehe. Ein gutes Leitmotiv, das bis heute Gültigkeit hat. Spazierend lässt sich ganz zwanglos der Grünraum der Stadt erfahren. Ob auf den geschwungenen Wegen im Grüneburg- oder im Günthersburgpark, begleitet von vielen unterschiedlichen Baumarten, die an die Anfänge der Parks als englische Landschaftsgärten erinnern. Oder auf den weiten Flächen des Ostparks, wo die damalige Stadtplanung zu Beginn des 20. Jahrhunderts Wiesen zum Tummeln und Toben vor Augen hatte. Heute geht es hier allerdings mehr um Fußball und Grillen. Weiter draußen beim Spazieren im GrünGürtel entlang der Nidda merkt man, wie sehr der Nutzungsdruck und die Ansprüche an das öffentliche Grün gestiegen sind. Hier ist die Konkurrenz zwischen Fußgänger*innen und Radfahrenden zunehmend größer geworden. Der Soziologe Lucius Burckhard wollte das Spazieren übrigens gerne als Wissenschaft etablieren. Ihn interessierte besonders die Wahrnehmung und »die Determiniertheit unserer Wahrnehmungsformen« während des Spaziergangs. Anders formuliert: Menschen sind zu oft mit Klischees und Stereotypen im Kopf unterwegs. Seine Lösung: Kopf frei machen für neue Gedanken, Ideen und Impulse, durch das Rausgehen und das Erkunden der Parks im eigenen und in anderen Stadtteilen – also schlicht die vielfältigen Freiheiten des Spazierengehens einfach genießen. Nicht von ungefähr feierte diese alte Kulturform gerade in Lockdown-Zeiten ein viel beachtetes Comeback …

Nachgeschaut | Galerie Sillem

No Buddha in Suburbia

Peter Bialobrzeskis Blicke auf Mumbai

Im Jahr 1990 erschien Hanif Kureishis »Buddha of Suburbia«, ein vielschichtiger Roman über das London der 1970er Jahre, welcher vor allem indischstämmigen Asiat*innen, ihren Verwurzelungen und ihren Anfeindungen in der britischen Hauptstadt der damaligen Vor-Thatcher-Zeit nachspürte. So wie Kureishi London damals die asiatische Seele Londons suchte und der Stadt den Spiegel einer selbst geschaffenen Globalisierung vorhielt, streifte gut zweieinhalb Jahrzehnte später der deutsche Fotograf Peter Bialobrzeski durch das indische Mumbai und schaute auf die Schattenseiten der Globalisierung am anderen Ende des vielleicht sogar selben Spektrums. Mumbai, einst maßgeblich von den Briten mit geschaffen und mittlerweile eine der größten Megastädte der Welt und Wirtschaftszentrum Indiens, erscheint in den Bildern Bialobrzeskis fast so etwa wie ein Labor der Globalisierung und ihrer von Kommerz und Konsum bestimmten und getriebenen Auswüchse; passend dazu konsequent in eine regnerisch-unwirkliche Stimmung getaucht. Bialobrzeski, einer der international renommiertesten deutschen Fotografen, zeichnet dabei ungeschminkt das Bild der »Fratze dieser Globalisierung« – denkbar hart am Rande aller Klischees und Vorurteile. Bilder, bei denen die Betrachter*innen wahrlich nicht nur Grund haben, über das Abgebildete nachzudenken, sondern wohl auch über die eigenen Bilder zu diesen Bildern in ihren Köpfen. Urban shorts dokumentiert in einer Bildergalerie zehn der Aufnahmen, die derzeit in der Frankfurter Galerie Peter Sillem im Original zu sehen sind (vss.).


Lido & Luisenplatz – wohnzimmern wider Viren und andere Eindringlinge
Quelle: Sibylle Lienhard©

Places to be | Eine Neudefinition

In Wohnzimmer-Atmosphären

Stadt braucht mehr Places (einfach) to be

Place to be – ein Begriff, der längst viel zu inflationär genutzt wird. Und bei dem man sich außerdem fragt, ob das, was dahinter steht, eigentlich erstrebens- und anstrebenswert ist. Vielleicht wäre es sinnvoller, ihn auch einmal neu zu definieren – um ihn dann wenigstens mit Sinn inflationär und sehr viel individueller zu nutzen. Nicht als der Platz, wo man/frau sein sollte. Sondern vielleicht mehr als ein Platz oder Plätze, um schlicht und einfach »zu sein«.

Ein Place to be in diesem besten Wortsinn ist der Frankfurter Luisenplatz. Überhaupt einer der faszinierendsten Plätze der Stadt, ist er im Herzen des Frankfurter Nordends fast so etwas wie das Wohnzimmer des Viertels. Jener kreisrunde leicht erhöhte Platz, auf und an dem die Menschen oft in Kleinstgrüppchen beieinander stehen oder auf Bänken, Stufen oder schlicht auf dem Boden sitzen. An dem manchmal abends ein Stand up-Konzert stattfindet, dem diese Menschen auf dem Platz verstreut in der Sonne lauschen. Der nur freitagsabends zuweilen etwas aus den Fugen gerät, wenn Menschen vom nahen Friedberger Platz herüberschwappen; und der selbst dann mit sehr wenigen Ausnahmen oft noch verantwortlicher wirkt als besagter Friedberger Platz zuvor. Der Platz ist zugleich der Platz vor dem Lido, dem wohl wohnzimmermäßigsten Café des Viertels, vielleicht der Stadt. Dort, wo durch das Rund des Platzes die Sonne abends am längsten weilt. Das erstaunlicherweise noch nicht von »neuen Nordendlern« okkupiert wurde, das irgendwie fast eine unsichtbare Hülle umgibt. Ein letztes Refugium, obwohl mitten auf dem Präsentierteller? Nicht, dass man dort – in maßvoller Zahl – nicht aufgenommen würde. Aber irgendwie lässt sich dieses unaufgeregte Café einfach nicht gentrifizieren. Ein kleines gallisches Café, wenn man so will. Das Wohnzimmer im Wohnzimmer. Dort, wo man bis vor Corona an der Toilette noch den Hinweis fand, dass hier jeder hineindürfe – und das Sparschwein nur dezent danebenstand. Und wo in Corona-Zeiten tatsächlich Listen geführt wurden – nicht anonyme Mickey-Mouse-Zettel. Kunststück, im Wohnzimmer kennt man seine Pappenheimer*innen …

Ein Platz, der buchstäblich rund ist. Ein Platz, der Ungewöhnliches anzieht, etwa eine der besten Eisdielen der Stadt auf der anderen Seite des Platzes. Ein Platz wie eine Blaupause, wie Leben in der Stadt auch funktionieren kann – und funktionieren sollte. So gesehen ist dieser Luisenplatz ein besonderer Platz in dieser Stadt. Doch eigentlich gibt es gar nicht so wenige solcher Plätze. Unweit etwa der Platz vor der Lutherkirche. In den Wallanlagen nahe dem Eschenheimer Turm der Bürgergarten. Oder ein ganz beliebiges Stück Rasen an der Weseler Werft am Mainufer. Orte der Begegnung, des Miteinander. Aber nicht der Massen. Sondern oft selbst gewählt. Die ganze Stadt könnte aus solchen Orten bestehen – und sie wären angenehmer und sicherer als jedes Opern- und Friedberger Platz-Pendant. Weil sie eben die ungenannten places to be sind. Einfach nur zum Sein und verteilt über die Stadt … (vss.).