Zugegeben: Das kleine Türmchen ist etwas versteckt am Rande der Altstadt und nahe am Main gelegen. Wenn man/frau mit Öffentlichen vom Bahnhof aus kommt, müssen sie schon einmal »mittendurch« über einige Plätze und durch einige Gassen. Und ja: Flörsheim, um dessen Altstadt es geht, ist jetzt auch nicht gerade der »Nabel« der Kunst- und Kulturszene der Region. Umso mehr überrascht, was sich in dem kleinen mittelalterlichen Türmchen und dem neuzeitlichen Anbau auftut. Vier, teils großzügige Stockwerke Ausstellungsraum vom Feinsten. Und mehr noch: Alles gut gefüllt mit Werken von Kunst- und Kulturschaffenden aus der fast schon gesamten Region, wie man sie auch in Darmstadt, Wiesbaden oder Frankfurt in dieser Fülle abseits der Museen nicht jeden Tag sieht. Michelle Concepción, Nandu Kriesche oder das Duo Moritz Schneidewendt & Paul Pape sind vertreten. Namen, die sehr wohl ein Stück Kunst- und Kulturszene der Region sind.
Das Kunstforum Mainturm in Flörsheim, das Kunsthaus Taunusstein, das Kunstforum Seligenstadt, das Atelier Wäscherei in Offenbach – Vier Orte, die allesamt etwas am Rande der ausgetretenen Pfade eben jener Kunst- und Kulturszene Frankfurt-Rhein-Mains liegen. Dazu die »Biennale am Main«, die diese vier Orte in diesem Frühjahr zu einer ungewöhnlichen Großinszenierung regionaler Kunst zusammenführt. Ausgangspunkt ist die recht exquisite, aber ebenfalls nur begrenzt bekannte Privat-Sammlung Haas von Gemmern in Taunusstein. Rund zwei Dutzend Künstler*innen aus der Region (und ein wenig auch darüber hinaus) waren aufgerufen, sich mit Werken dieser Sammlung auseinanderzusetzen und korrespondierende Kunst dazu zu gestalten. Zu sehen sind die Ergebnisse vornehmlich von März bis Juni jeweils in einer Auswahl an den vier Orten. Mit jedem Besuch an einem dieser Plätze wächst dabei auch selbst der Blick und das Verständnis auf regionales Kunstschaffen, entsteht fast ein kleines Kompendium von Künstlerinnen und Künstlern. In Taunusstein kommen unter anderen Charlotte Rahn, Carolin Liebl & Nikolas Schmid-Pfähler oder Heiner Thiel hinzu, in Seligenstadt Adriana Woll, Pilar Colino oder Doris Tofall, in Offenbach schließlich Raphael Languillat oder Patrick David Brockmann. »Urgesteine« der Region mischen sich mit Hochschulabsolvent*innen. Manche sind nur an einem Ort zu sehen, andere gleich an mehreren. Christopher Naumann vom Mainturm, von dem die Idee dieser 2024 erstmals gestarteten Biennale auch ausging, räumt durchaus ein, dass dies auch eine Idee ist, Aufmerksamkeit für diese eher entlegeneren Orte von Kunst und Kultur zu generieren. Zugleich ist es aber ein treffliches Beispiel, dass »die Szene« nicht nur in den Metropolen der Region zu finden ist. Und es sich durchaus lohnen kann, ein paar verschlungenere Wege anzusteuern. Zumal an deren Rändern, wie nicht nur Flörsheim zeigt, auch noch das eine oder andere touristische Ausflugsziel zu entdecken ist … (vss.).