---
Quelle: Urban Rigger, Moritz Bernoully, Günther Dächert, Frankfurter Kunstverein©

Best of für 2022

Auf ein Neues …

Blick zurück und Blick voraus

In der Neujahrs-Ausgabe von Urban shorts – Das Metropole Magazin gibt es immer auch ein Best-of der besten und am meisten gelesenen Beiträge des gerade vergangenen Jahres. Diesmal verbinden wir dieses Gute mit dem Nützlichen. Die erste AGENDA des beginnenden Jahres bringt nämlich gleich einige Termine, die Themen setzen und Richtungen weisen. Und die von Urban shorts – Das Metropole Magazin schon länger bespielt werden und die wir so idealerweise mit diesen Beiträgen illustrieren können. Aus dem Blick zurück wird so zugleich der Blick voraus auf das Neue in 2022. Präsentiert mit den besten Wünschen und Empfehlungen der Redaktion … (red.).

Urban Rigger, Moritz Bernoully, Günther Dächert, Frankfurter Kunstverein©
- - -
Quelle: Günther Dächert©

Ausstellung / Porträtreihe

Wohnen im / mit / ohne Atelier

Annäherungen an das Leben von Künstler*innen

Wie wohnen, wie arbeiten, wie leben Kulturschaffende heutzutage? Dieser Frage geht eine Porträtreihe in Form einer Ausstellung und einer Artikelserie über Künstler*innen nach. Die Ausstellung »Lebt und arbeitet in …« und die Reihe »Künstler*innen. Leben. Orte.« sind eine Koproduktion zwischen »Urban shorts – Das Metropole Magazin« und dem Frankfurter »Heussenstamm. Raum für Kunst und Stadt«. Gemeinsam nähern sich die Porträts in Fotos von Günter Dächert (die im Heussenstamm zu sehen sind) und Texten von Urban shorts-Autor*innen (die nach und nach auf dieser Seite erscheinen) dem Leben, dem Wohnen und dem Arbeiten von vorerst zwölf Künstler*innen aus der Region an. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Orten. Auf Städten, in denen die Künstler*innen leben. Auf Wohnungen, in denen sie arbeiten. Auf Ateliers, in denen sie wohnen (müssen). Auf temporären Orten, die sie suchen oder die sie bespielen. Es geht in Altbauwohnungen und Hinterhofateliers, in Remisen und Reihenhäuser, in Atelierhäuser oder auch schlicht in die Denkräume in den Köpfen der Künstler*innen. Die ersten zwölf von ihnen kommen aus Frankfurt, aus Offenbach und aus dem Hochtaunuskreis. Aktuell sind alle zwölf Porträts auf den Seiten ART(S) und ARTISTS zu lesen. Die Ausstellung mit allen Fotos im Heussenstamm pausiert derzeit und ist ab 25. Januar erneut zu sehen (red.).

Günther Dächert©
Plakat zur ersten Ausstellung Fashion im Kiez, die im Sommer 2021 stattfand
Quelle: Fashion im Kiez©

Festival | 13. bis 21.01.2022

Wissen und Gewissen

Fashion sucht mehr Fairness

Es hat schon etwas Symbolhaftes. Hier auf der B-Ebene der Hauptwache, wo neben den Einkaufsmeilen Frankfurt wohl am flüchtigsten und am unpersönlichsten ist, eröffnet fein abgezirkelt vor geladenen Gästen der Oberbürgermeister eine Ausstellung mit Mode-Fotografie als populäres »Side Event« zur »Frankfurt Fashion Week«. Dort rund um die Leipziger Straße, wo im »Dorf« Bockenheim die Welt vielleicht noch etwas schmuddeliger, aber sicher auch urtümlicher, persönlicher und weniger schnelllebig ist, ist wenige Tage später eher beiläufig und unspektakulär die Ausstellung »Fashion im Kiez« zu sehen. »Fashion im Kiez« ist Teil einer neuen »Fair Fashion Week«, die zeigen will, dass Mode auch anders geht als flüchtig, schnelllebig und oberflächig. Bei fünf Fair Trade-Läden im Bockenheimer Kiez zeigen große Ausstellungstafeln mit Texten und Skizzen, was faire und nachhaltige Kleidung ausmacht. Im Windschatten der »Fashion« zeigt die »Fair Fashion Week« auch Filme, gibt Workshops und hält Podien ab, in denen es um faire Mode, um fairen Handel und um Nachhaltigkeit überhaupt gehen soll. Mehr Wissen für ein besseres Gewissen, könnte man sagen. Den Abschluss bildet eine Diskussion über nachhaltige Bekleidung. Unter den Gästen der (grüne) Stadtkämmerer, der erheblich seltener im Anzug unterwegs ist als sein OB. Auch diese Einladung könnte man symbolhaft verstehen. Leute machen ja bekanntlich Kleider – oder so ähnlich. Immerhin: das Gespräch ist – gemeinsam mit zwei, drei anderen nachhaltigen Farbtupfern – gleichzeitig auch Teil der Frankfurt Fashion Week … (vss.).

Fashion im Kiez©
Neue Perspektiven?
Quelle: Niko Neuwirth©

Der Termin | 13.01.2022

Besser wohnen?

Region sucht nach Ideen

Die gute Nachricht: Deutschland bekommt ein eigenständiges (Wohnungs-) Bauministerium. Die schlechte Nachricht: Die Mitarbeiter*innen sind vorerst damit beschäftigt, das neue Ministerium aufzubauen. Doch selbst, wenn das schnell und erfolgreich funktionieren sollte, findet Bauen vor allem »vor Ort«, also in Ländern, Städten und Gemeinden statt. Und hier sind besonders die attraktiven Regionen gefordert, zum Beispiel die Rhein-Main-Region. Dort beginnt man langsam, Fehler der Vergangenheit zu beheben und das Bauen und dessen Ermöglichen auch wieder als eigene Aufgabe anzusehen. Doch damit ist es noch nicht getan. Es braucht vielfach auch neue Ideen und Impulse. Ab Anfang des Jahres versuchen zwei Initiativen, diese mit auf den Weg zu bringen. Das Deutsche Architekturmuseum startet die Gesprächsreihe »4 x 4 Kommunen diskutieren«, in der an vier Abenden Vertreter*innen von jeweils vier regionalen Gemeinden öffentlich darüber sprechen, was in den Kommunen geschehen muss, damit mehr lebenswerter Raum entsteht. Bürger*innen können dem Gespräch beiwohnen und Fragen einspeisen. Partner der Gesprächsreihe ist das Landesprogramm »Großer Frankfurter Bogen«, das parallel dazu mit seinem »Zukunftspreis« an den Start geht. Beim GFB-Zukunftspreis werden Fördergelder bis zu 20.000 Euro ausgelobt, um innovative Projekte zu finanzieren oder zumindest zu unterstützen, die neue Ideen und Impulse für mehr bezahlbaren Wohnraum auftun oder zumindest aufzeigen – vom gebauten Vorzeige-Musterobjekt bis zum Hochschulprojekt, das die Bedingungen für ein neues Miteinander in einer Kommune erforscht. Beim GFB-Zukunftspreis können sich ab Februar Projekte und Initiator*innen bewerben. Auch wenn – ähnlich wie mit einem Bundesbauministerium – mit der Gesprächsreihe und dem Zukunftspreis noch keine einzige Wohnung gebaut ist, können beide aber zumindest Anstöße geben, damit im wahrsten Wortsinn etwas Neues entsteht in der Region … (vss.).

Best of | Sara Sun Hee Martischius

Kleiner Rassismus zwischendurch

Eine Fotografin dokumentiert Alltagsrassismus

Alltagsrassismus heißt auch deswegen Alltagsrassismus, weil der Rassismus dabei so alltäglich ist. Weil er überall passieren kann, oft auch en passant, nicht selten unerwartet. Auch durch Menschen, denen man ihn gar nicht zugetraut hätte. Oder die ihn sich selbst nicht zugetraut hätten. Wie alltäglich Alltagsrassismus ist, zeigt Sara Sun Hee Martischius in ihrem Fotoprojekt »Mein Leben – Dein Rassismus«. Ihr ständig wiederkehrendes Motiv: Sie selbst – in Südkorea geborene Deutsche –, gepaart mit Aussagen von Menschen zu ihr. Oder der Japanerin, der Mongolin, der Inuk in ihr. Oder der Frau, die lesen kann, die Deutsch sprechen kann, die nicht mit Stäbchen isst. Ihr Motiv: Sie selbst, wie sich andere sie vorstellen. Oder: wie sie dem unterschwelligen Rassismus oder zumindest der Gedankenlosigkeit der anderen ein Gesicht gibt. Oder: wie sie Menschen in diesem Land Denkanstöße gibt. Oder auch Sehhilfen, wie man’s nimmt. Ihr Projekt macht nachdenklich. Oder sollte es zumindest machen. Oder zumindest sollte es die Menschen sensibilisieren, wie sie selbst sagt. Zu diesem Zweck wandert es durch ihre Heimat Deutschland. In Neustadt, Mainz und Kaiserslautern waren die Bilder bereits zu sehen. Demnächst sind Hamburg, Karlsruhe und Speyer an der Reihe. Besonders waren die Ausstellungen in Mainz und in Neustadt. Dort waren die Fotos im öffentlichen Raum zu sehen. Auf Plätzen oder in Schaufenstern begegneten die Menschen ihren Bildern – denen von Sara Sun Hee Martischius und denen in ihren Köpfen. Einfach mal so, en passant, nicht selten unerwartet, im Alltag eben. Ganz so wie Sara Sun Hee Martischius oft deren Bildern in ihrem eigenen Alltag … (vss.).

Niko Neuwirth©
-
Quelle: Anooki©

Eigentlich macht Urban shorts – Das Metropole Magazin ja selten das, was alle machen. Na ja, eigentlich. Aber zwei, drei Mal im Jahr machen wir es aus gutem Grunde doch. In diesem Sinne wünschen wir allen Leser/inne/n und Freund*innen sowie allen anderen Menschen gemeinsam mit der kleinen Anook ein gutes und vor allem gesundes Jahr 2022. Anook und ihr männliches Pendant Nooki sind die kleinsten Inuit auf dem Globus, die so wie Urban shorts – Das Metropole Magazin ein wenig für eine etwas andere Welt stehen und die wir beim Durchstreifen der unendlichen Weiten des Internets entdeckt haben. Apropos. Da wir unseren Leser/inne/n und Freund*innen nur das Beste wünschen, ist diese Ausgabe der Urban shorts – Das Metropole Magazin zum Jahreswechsel traditionell ein »Best of« – mit einer Auswahl am meisten gelesener und noch immer aktueller Beiträge aus dem zurückliegenden Jahr und ein paar Termin-Tipps für die ersten Tage des noch so neuen Jahres … (red.).

Best of | Galerie Sillem

No Buddha in Suburbia

Peter Bialobrzeskis Blicke auf Mumbai

Im Jahr 1990 erschien Hanif Kureishis »Buddha of Suburbia«, ein vielschichtiger Roman über das London der 1970er Jahre, welcher vor allem indischstämmigen Asiat*innen, ihren Verwurzelungen und ihren Anfeindungen in der britischen Hauptstadt der damaligen Vor-Thatcher-Zeit nachspürte. So wie Kureishi London damals die asiatische Seele Londons suchte und der Stadt den Spiegel einer selbst geschaffenen Globalisierung vorhielt, streifte gut zweieinhalb Jahrzehnte später der deutsche Fotograf Peter Bialobrzeski durch das indische Mumbai und schaute auf die Schattenseiten der Globalisierung am anderen Ende des vielleicht sogar selben Spektrums. Mumbai, einst maßgeblich von den Briten mit geschaffen und mittlerweile eine der größten Megastädte der Welt und Wirtschaftszentrum Indiens, erscheint in den Bildern Bialobrzeskis fast so etwa wie ein Labor der Globalisierung und ihrer von Kommerz und Konsum bestimmten und getriebenen Auswüchse; passend dazu konsequent in eine regnerisch-unwirkliche Stimmung getaucht. Bialobrzeski, einer der international renommiertesten deutschen Fotografen, zeichnet dabei ungeschminkt das Bild der »Fratze dieser Globalisierung« – denkbar hart am Rande aller Klischees und Vorurteile. Bilder, bei denen die Betrachter*innen wahrlich nicht nur Grund haben, über das Abgebildete nachzudenken, sondern wohl auch über die eigenen Bilder zu diesen Bildern in ihren Köpfen. Urban shorts dokumentiert in einer Bildergalerie zehn der Aufnahmen, die derzeit in der Frankfurter Galerie Peter Sillem im Original zu sehen sind (vss.).