Auf ein Neues und weitere zehn Jahre Urban shorts – Das Metropole Magazin
Quelle: us.©

 

Urban shorts – Das Metropole Magazin gibt es seit nunmehr zehn Jahren. Für uns ein Grund, das Jubiläum im Januar und Februar mit einem »Best of 10« zu feiern. Zwei Monate lang lesen Sie in dieser Rubrik einige der besten, am meisten gelesenen und in der Regel aktualisierten oder großteils sogar noch aktuellen Beiträge aus diesen zehn Jahren. Die neuesten Beiträge aus dem Jahr 2025 sind zudem gesondert mit »Best of 25« ausgezeichnet. Dazu wird die Ausgabe alle zwei Wochen noch ein wenig »aufgefrischt«; mit neuen Beiträgen, aber auch noch ein wenig aus dem reichen Fundus der vergangenen zehn Jahre. Und: Auf der Seite AGENDA gibt es – wie gewohnt – auch Kulturtipps für die jeweils kommenden Wochen … (red.).


Kulturschaffende beim Arbeiten, beim Wohnen, beim Leben
Quelle: Sibylle Lienhard©

Best of 25 | Künstler. Innen. Orte.

Zwischen Wohnung und Wäscherei

Wie Kulturschaffende Raum für Kultur schaffen

Wie schaffen Kulturschaffende Räume für Kultur? Wie wohnen, wie arbeiten, wie leben sie? Diesen Fragen geht das Projekt »Künstler. Innen. Orte.« mit einer Porträtreihe in Form von Ausstellungen und Artikelserien über Kulturorte und Kulturschaffende in der Rhein-Main-Region nach. Den Auftakt bildete die gleichnamige Ausstellung »Künstler. Innen. Orte.«, die am 23. Oktober 2025 im Foyer des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach u.a. gemeinsam mit Oberbürgermeister Felix Schwenke eröffnet wurde. Zehn Künstler*innen – also genauer natürlich: ihre Porträts aus Fotos und Texten regionaler Fotograf*innen und Autor*innen – waren dort für einige Wochen bis Ende November zu Gast. Am letzten Novemberwochenende schloss dieses »Atelierhaus« wieder. Und drei der Künstler*innen verließen dabei ihr Offenbacher »Künstler*innenhaus« und bezogen am 30. November gemeinsam mit einem weiteren, neuen Künstler in Frankfurt-Höchst ein neues Zuhause: eine »Residenz« im Kulturraum B 25, wo sich im Laufe des Jahres 2026 – dann im monatlichen Wechsel – immer neue Artists in Residence anschließen werden. Ein ganz normales Künstler*innen-Dasein, das wie so oft auf Zeit und an wechselnden Orten angelegt ist (weiter lesen).


Eine Tauchstation zum guten Zweck
Quelle: Daniela Kaiser©

Benefizausstellung

Aquarium in der Wäscherei

Acta non Verba strickt für Kinderhospiz

In der »Wäscherei« in Offenbachs Dornbuschviertel ist es gerade recht eng in Schaufenster und Empfangsraum. Doch nicht, weil gerade besonders viele Menschen besonders weiß gewaschene Hemden haben wollen. Nein. Fische, soweit das Auge blickt. Und sonstiges Unterwassergetier. Und Menschen, die nach all diesem Getier Schlange stehen. Kunststück. Die »Wäscherei« ist bekanntlich schon lange keine Wäscherei mehr. Sondern ein Atelier- und Ausstellungsraum. Und das »Aquarium« mit dem Getier, das sich wie in einer Unterwasserlandschaft zwischen zwei Geigenfeigen ausbreitet, ist eine Ausstellung. Genauer: eine Benefiz-Ausstellung zugunsten eines Hospizes. Und die Tiere? Sie sind unisono aus Wolle …

Angeschwemmt wurden die Meeresbewohner durch die Aktivitäten der Facebook-Gruppe »Acta non Verba – Von Freunden für Freunde«, welche in der Ausstellung vornehmlich selbstgemachte Wolltiere präsentiert. Vom Anemonenfisch über Hammerhai und Korallen bis hin zum Anglerfisch oder dem sehr begehrten schielenden Rochen. Und all diese Gefährten kann man/frau angeln. Also genauer: gegen eine Spende erwerben. Nachdem bereits im vergangenen Jahr bei einer ähnlichen Aktion vor Ort der Erlös von gut 2.000 Euro in Form eines Sessels für den Aufenthaltsbereich einer Palliativstation gespendet wurde, geht der komplette Ertrag in diesem Jahr an das Kinderhospiz Sterntaler in Heppenheim. Auch diese Aktion läuft gut. Schon kurz nach der Eröffnung lagen die Spenden wieder im vierstelligen Bereich. Und noch ist das »Aquarium« bis Ende Februar zu sehen (wobei die geangelten Tiere bis dahin übrigens vor Ort verbleiben).

»Wir wollen Freude schenken«, sagt Sabine, ein Mitglied der Gruppe. Es gehe darum, wie man selbst etwas tun und die Welt ein wenig positiv verändern könne. Und darum, den Besucher*innen der Ausstellung bei deren Betrachtung ein Lächeln ins Gesicht zu Zaubern. Was bei der Vernissage Mitte Januar leicht oder oft gelungen war.  »Acta non Verba!« besteht aus verschiedenen handarbeitsaffinen Menschen deutschlandweit. Natürlich hat jedes Mitglied eigene Vorlieben. So möchten manche einfach Socken stricken, andere etwas für Frühchen. Und manche eben auch mal witzige Meeresbewohner*innen. Es gibt so genannte Herzensprojekte, die regelmäßig »bedient« werden. Und dann wiederum Jahresprojekte, deren Erlös einmalig an eine bestimmte Einrichtung geht. Alle Orte, an denen sich die Aktionen abspielen, eint, dass sie Mitgliedern bekannt und vertraut sind und von diesen vorgeschlagen werden. Die Kreativen spenden ihre Zeit, ihre Arbeit und teils sogar das benötigte Material. Die erzielten Spenden gehen sodann eins zu eins an die gewählte Einrichtung. Nicht immer müssen Erwerber*innen allerdings direkt vor Ort sein. Meist gibt es noch eine Facebook-Seite zum Angeln von außerhalb. Ach ja: Sachspenden werden ebenfalls gerne entgegengenommen. Wer etwa zuhause noch Wollreste von Eltern und Großeltern hat, kann sie gerne bei einer Gruppe vor Ort vorbeibringen. Auch dies schenkt Freude … (ver.).


Vier Kunstwerke von vier dänischen Künstler*innen an vier öffentlichen Orten in Kopenhagen
Quelle: Rådet for Visuel Kunst / Sebastian Quedenbaum©

Best of 10 | Kulturblaupausen

Kopenhagens kommunale Kunstkäufe

Wie die Stadt seit langem lokale Künstler*innen fördert

Seit 2010 arbeitet Sebastian Quedenbaum als Administrator und Kurator des Rådet for Visuel Kunst, der städtischen Kunstsammlung der Stadt Kopenhagen. Das Besondere an der Sammlung: Sie wird nicht in einem White Cube oder in einem Museum präsentiert, sie bringt ihre gesammelte Kunst direkt in den Kontext städtischer Einrichtungen. Das kann das Jobcenter, die städtische Bibliothek oder eine kommunale Einrichtung für betreutes Wohnen sein. So blickt man etwa an einer Bürowand des Stadtarchivs unvermittelt auf eine recht eigenwillige Skulptur mit zwei Beinen. »Vesterport with Legs« stammt vom dänischen Künstler Sebastian Hedevang und ist seine Interpretation des berühmten dänischen Stadtportals Västerport bei Kalmar. In einer anderen Ecke von Kopenhagen, in einem Zentrum für neurodiverse Menschen, dienen Kunstwerke hingegen den Nutzer*innen dazu, sich in dem architektonisch recht gleichförmig gestalteten Gebäude besser orientieren zu können. Wohl nicht nur Quedenbaum findet, dass in Dänemark bei der Gestaltung von öffentlichen Einrichtungen viel Liebe zum Detail beweisen wird.

Das Interesse der öffentlichen Einrichtungen in der dänischen Hauptstadt ist groß, sagt Quedenbaum. Nahezu alle Neuankäufe werden in der Regel in kürzester Zeit ausgeliehen. Das Depot der Sammlung hingegen ist nur minimal gefüllt – und genau das ist auch sein Ziel: Er will, dass die Kunst, die die Kommune sammelt, von möglichst vielen Menschen gesehen wird, vor allem von Bürger*innen und Mitarbeiter*innen der Stadt … (mehr lesen).


Vier Orte für Menschen: Berlin, Oberhausen, Zwickau, Mannheim
Quelle: Wüstenrot Stiftung©

Best of 10 | Projekte

Orte des Miteinanders

Biotope und soziokulturelle Zentren

In diesen Zeiten ist viel die Rede vom Wert der Demokratie, von der Freiheit und von der Teilhabe an der Gesellschaft. Doch Demokratie braucht auch Orte des Austausches, des Nachdenkens, des Miteinanders – kurzum: der Stärkung dieser Demokratie und ihrer grundlegenden Werte. »Gebaute Orte für Demokratie und Teilhabe« heißt ein Projekt der Wüstenrot Stiftung, das virtuell im Netz betrachtet werden kann und als Wanderausstellung durch die Republik tourt (und dafür gebucht werden kann). Urban shorts – Das Metropole Magazin stellt vier der Orte pars pro toto vor. Ein Ort, an dem Bürger*innen selbst ihre Stadtentwicklung in die Hand nehmen (können). Ein Ort, an dem Geflüchtete Kultur und Kompetenzen einbringen (können). Ein Ort, an dem Jugendliche ein eigenes Gespür für Teilhabe und Demokratie entwickeln (können). Ein Ort, an dem Menschen in einem Stadtviertel Gemeinsamkeiten finden und entwickeln (können). Die vier Projekte zeigen, wie vielfältig Demokratie, Teilhabe und Integration gelebt werden und welche Rolle Kultur dabei als ein tragendes Element spielen kann. Urban shorts – Das Metropole Magazin ergänzt dieses »Projekt über Projekte« aber auch durch einige sehr unterschiedliche Beispiele aus der Region FrankfurtRheinMain, die ihrerseits zeigen, wie sehr solche Orte und deren Arbeit ein wichtiger Backbone für eine demokratische Gesellschaft sind. Pars pro toto steht das Frankfurter Offene Haus der Kulturen. Mit dabei sind aber auch Orte wie der Hafen 2 in Offenbach, der Darmstädter Waldkunstpfad, das Haus Mainusch in Mainz, der Orange Beach am Rande von Frankfurt oder ein immer mehr um sich greifender Trend zu Gemeinschaftsgärten (red.).


Alles im grünen Bereich: Blick auf die Römerstadt
Quelle: Moritz Bernoully©

Best of 25 | Urban_Green

Alles Grün macht(e) der May

Frankfurt hat(te) schon mal viel Urban_Green

In der Reihe »Urban_Green« schaut »Urban shorts – Das Metropole Magazin« auf das Grün in Städten. In dieser Folge blickt Alexandra Flieth auf Frankfurt. Aber nur bedingt auf das Frankfurt von heute. Sondern mehr auf das Frankfurt Ernst Mays, der einst ein »grünes Frankfurt« mit vordenken ließ – bestens zu sehen noch immer in der Siedlung Römerstadt. 

Wer heute bei einem Spaziergang an der Nidda entlang, mitten in der Natur stehend, auf die Siedlung Römerstadt blickt, der kann noch erahnen, wie die Häuser einst in ihrer Entstehungszeit 1927 und 1928 strahlend weiß zum Flussufer hin geleuchtet haben müssen. Terrassenförmig entlang des Niddatals angelegt, erhebt sich die Siedlung fast wie eine mediterrane Stadt am Mittelmeer. Einst geplant vom Stadtbaurat, Architekten und früheren Siedlungsdezernenten Ernst May (1886 – 1970) und seinem Team, ist die Römerstadt ein Paradebeispiel für das »Neue Bauen« und Ausdruck für das von ihm 1925 aufgelegte Wohnungsbauprogramm »Das Neue Frankfurt«, mit dem innerhalb von fünf Jahren 12 000 Wohnungen neu geschaffen wurden. Doch nicht nur das Weiß sticht ins Auge, sondern ebenso noch heute das Grün. Das Grün, das für Mays Team ein Lebenselixier der Siedlungen war. Für die Umsetzung holte er sich mit dem Gartenarchitekten und Frankfurter Gartenbaudirektor Max Bromme sowie Landschaftsarchitekt Leberecht Migge zwei Experten hinzu. Dem Team ging es aber nicht nur darum, in den Siedlungen zentrale Grünflächen als Orte der Begegnung und wohnnaher Erholung überall bereits vor der Bauphase großzügig mit zu planen. Die vorwiegend als Ein-Familien-Häuser errichteten Gebäude sind regelrecht in einer grünen Umgebung eingebettet.  (weiter lesen)


Heba, Wend-Giida, Ayan, Maryam, Helen
Quelle: Sandra Mann©

Best of 10 | Fünf Frankfurterinnen

Frauen aus dieser Welt

Geschichten von Flucht und Ankommen

Rund sechs Millionen Menschen hat Putins Krieg in der Ukraine mittlerweile außer Landes getrieben. Europa erlebte die größte Flüchtlingswelle seit 2015. Doch Krieg ist nicht der einzige Grund, Menschen in die Flucht zu treiben. Weltweit sind weit über 80 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Manche, weil das Klima sie vor Ort nicht mehr leben lässt. Manche, weil Hunger ihnen ein Überleben unmöglich macht. Manche, weil sie Frauen sind. Seit 2015 haben viele dieser Menschen in Deutschland eine neue, eine zweite Heimat gefunden. Die Frankfurter Fotografin Sandra Mann hat fünf Frauen porträtiert, die seit damals aus fünf Ländern dieser Welt nach Frankfurt gekommen sind. Fünf Frauen aus Syrien, aus Afghanistan, aus Burkina-Faso, aus Eritrea, aus Somalia. Fünf Menschen zwischen den Kulturen, die aus unterschiedlichen Gründen geflohen sind und die in Frankfurt Sicherheit und ein neues Zuhause gefunden haben. Fünf Frauen, mit Kindern, die Fuß fass(t)en. Im schwierigen Umfeld, in Containern, in kleinen Hotelzimmern, in Hochhäusern. Die Theater spielen, Menschen pflegen, Ausbildungen machen (gerne hätte Mann auch mehr Künstlerinnen oder Medienschaffende mit aufgenommen, die sie aber zu Anfang nicht fand für ihr Projekt). Unspektakulär und doch empathisch hat Sandra Mann diese Alltage fotografiert und in ihrem White Room die Frauen sich auch selbst inszenieren lassen. Den Frauen auch in ihrer jeweils eigenen Fotografie Raum zu geben, war der Fotografin dabei besonders wichtig. Ergänzt werden die fünf Fotostrecken dezent durch private Bilder der Protagonistinnen von ihrer Flucht oder aus ihren früheren Leben sowie durch kurze Texte, welche die Frauen selbst geschrieben haben – über sich, über ihre Geschichte, über ihr(e) Leben. Fünf Geschichten, denen die Frauen selbst den Titel »Extreme Veränderung« gegeben haben. Fünf Geschichten, die vom Leben in dieser Welt erzählen. Fünf Geschichten von fünf Frauen, die dabei sind, Frankfurterinnen zu werden und dabei – teils zum ersten Mal – ihr eigenes Leben leben können. Fünf Geschichten, die Urban shorts – Das Metropole Magazin an dieser Stelle eins zu eins so stehen lassen und präsentieren möchte: als kurzen Ausschnitt aus den Leben dieser Frauen und als kurzen Ausschnitt aus einer Porträtreihe, welche die Fotografin gemeinsam mit dem Frauenreferat der Stadt als Buch herausgegeben hat. 2022 waren die Porträts auch einmal als Ausstellung im Frankfurter Haus am Dom zu sehen … (vss.).