Vier Orte für Menschen: Berlin, Oberhausen, Zwickau, Mannheim
Quelle: Wüstenrot Stiftung©

Projekt(e) über Projekte

Orte des Miteinanders

Biotope und soziokulturelle Zentren

In diesen Zeiten ist viel die Rede vom Wert der Demokratie, von der Freiheit und von der Teilhabe an der Gesellschaft. Doch Demokratie braucht auch Orte des Austausches, des Nachdenkens, des Miteinanders – kurzum: der Stärkung dieser Demokratie und ihrer grundlegenden Werte. »Gebaute Orte für Demokratie und Teilhabe« heißt ein Projekt der Wüstenrot Stiftung, das derzeit virtuell im Netz betrachtet werden kann und als Wanderausstellung durch die Republik tourt. Urban shorts – Das Metropole Magazin stellt vier der Orte pars pro toto vor. Ein Ort, an dem Bürger*innen selbst ihre Stadtentwicklung in die Hand nehmen (können). Ein Ort, an dem Geflüchtete Kultur und Kompetenzen einbringen (können). Ein Ort, an dem Jugendliche ein eigenes Gespür für Teilhabe und Demokratie entwickeln (können). Ein Ort, an dem Menschen in einem Stadtviertel Gemeinsamkeiten finden und entwickeln (können). Die vier Projekte zeigen, wie vielfältig Demokratie, Teilhabe und Integration gelebt werden und welche Rolle Kultur dabei als ein tragendes Element spielen kann. Urban shorts – Das Metropole Magazin ergänzt dieses »Projekt über Projekte« aber auch durch einige sehr unterschiedliche Beispiele aus der Region FrankfurtRheinMain, die ihrerseits zeigen, wie sehr solche Orte und deren Arbeit ein wichtiger Backbone für eine demokratische Gesellschaft sind. Pars pro toto steht das Frankfurter Offene Haus der Kulturen. Mit dabei sind aber auch Orte wie der Hafen 2 in Offenbach, der Darmstädter Waldkunstpfad, das Haus Mainusch in Mainz, der Orange Beach am Rande von Frankfurt oder ein immer mehr um sich greifender Trend zu Gemeinschaftsgärten. Abgerundet wird der kleine Schwerpunkt von einem Gastbeitrag von der  KulturRegion-Geschäftsführerin Sabine von Bebenburg über das Potential, das für Kulturschaffende in alten Industriekulturbauten liegt (red.).

Wüstenrot Stiftung©
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Quelle: Günther Dächert©

Ausstellung / Porträtreihe

Wohnen im / mit / ohne Atelier

Annäherungen an das Leben von Künstler*innen

Wie wohnen, wie arbeiten, wie leben Kulturschaffende heutzutage? Dieser Frage geht eine Porträtreihe in Form von Ausstellungen und Artikelserien über Künstler*innen nach. Die Ausstellung »Lebt und arbeitet in …« und die Reihe »Künstler*innen. Leben. Orte.« sind eine Koproduktion zwischen »Urban shorts – Das Metropole Magazin« und dem Frankfurter »Heussenstamm. Raum für Kunst und Stadt«. Gemeinsam nähern sich die Porträts in Fotos von Günter Dächert (die im Herbst 2021 und im Sommer 2022 im Heussenstamm zu sehen waren / sind) und Texten von Urban shorts-Autor*innen (die nach und nach auf dieser Seite erscheinen) dem Leben, dem Wohnen und dem Arbeiten von vorerst zwei Dutzend Künstler*innen aus der Region an. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Orten. Auf Städten, in denen die Künstler*innen leben. Auf Wohnungen, in denen sie arbeiten. Auf Ateliers, in denen sie wohnen (müssen). Auf temporären Orten, die sie suchen oder die sie bespielen. Es geht in Altbauwohnungen und Hinterhofateliers, in Remisen und Reihenhäuser, in Atelierhäuser oder auch schlicht in die Denkräume in den Köpfen der Künstler*innen. Aktuell sind alle erschienenen Porträts auf den Seiten ART(S) und FOR.ARTISTS zu lesen (red.).

Rund um die Ukraine

Ein gutes Dutzend Bücher

Ausgewählt von Litprom - Weltempfänger

Der Frankfurter Verein Litprom versteht viel von guten Büchern. Vor allem von solchen aus dem »Globalen Süden«, die hierzulande bekanntzumachen er sich auf die Fahnen geschrieben hat. Davon zeugt vier Mal im Jahr die Bestenliste »Weltempfänger« mit ausgewählten Übersetzungen aus (fast) aller Welt. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass sich die kundigen Juror*innen, selbst ausgewählte Literat*innen und sonstige Büchermenschen, auch der Ukraine und dem russischen Angriffskrieg lesend nähern. Resultat dessen ist eine Sonderausgabe des »Weltempfängers« mit ausgewählten Büchern rund um die Ukraine. Urban Shorts – Das Metropole Magazin präsentiert die belletristischen Fundstücke aus dieser Liste zum Durchklicken. Ein im wahrsten Wortsinn gutes Dutzend guter Bücher. Genau genommen: 13 Bücher von zwölf Autor*innen; ein Autor schaffte gleich doppelt die Aufnahme in diese erlesene Liste … (red.).

Günther Dächert©
Eigentlich könnten sich viele Länder dieser Welt und ihre Bewohner*innen selbst versorgen
Quelle: Bernard Gagnon • CC BY-SA 3.0 (s.u.)©

Flucht hat viele Gründe

Kein Brot aus Erdbeeren

Gastbeitrag von Radwa Khaled-Ibrahim

Der Krieg in der Ukraine geht weit über das Land hinaus. Wenn Russland in seinen Nachbarstaat einmarschiert, hat dies Folgen für die ganze Welt. Für Urban shorts beschreibt Radwa Khaled-Ibrahim von medico international, wie sich der Krieg auf andere Länder auswirkt, Krisen und Missstände verschärft, Menschen aus ihren Ländern treibt. Mit Putins Krieg wird etwa der Hunger in vielen Teilen der Welt zunehmen.

»This will be hell on earth«. Es ist nicht überraschend, was David Beasley, Direktor der UN-Welthungerhilfe, sagt. Die Zahlen sind erschreckend: 276 Millionen Menschen in 81 Länder erleben bereits eine Hungerkrise. 44 Millionen sind nur ein Schritt entfernt von der Hungersnot. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Ukraine und Russlands machen etwa zwölf Prozent aller »calories the world trades« aus; mehr als 30 Prozent des Welthandels mit Weizen, 32 Prozent mit Gerste, 17 Prozent mit Mais und mehr als 50 Prozent mit Sonnenblumenöl, -Samen und -Mehl kommen aus diesen beiden Ländern. Der meiste ukrainische Weizen aus der letzten Ernte wurde bereits exportiert, 30 Prozent liegen aber noch in der Ukraine. Die nächste Haupterntesaison kommt im Sommer, derzeit wäre eigentlich die Saatzeit gewesen (von Anfang März bis Ende April).

Die ersten Prognosen sind verheerend. Es wird damit gerechnet, dass das weltweite Angebot bis zu 50 Prozent bei wichtigen Agrarprodukten wie Weizen, Gerste, Mais, Raps- und Sonnenblumenöl zurückgehen wird. Das trifft vor allem Länder, die ohnehin in den letzten Jahren stark durch unterschiedliche (geo)politische und globale ökonomische Dynamiken geschwächt waren. Das Kriegsland Jemen bezieht mehr als ein Drittel seines Weizens aus Russland und der Ukraine. Die Länder der letzten großen Aufstände – Ägypten, Irak, Algerien, Tunesien, Libanon –, die bereits von Dürre und Inflation betroffen sind, erhalten zwischen 60 und 85 Prozent ihres Weizens aus der Ukraine und Russland. In Ostafrika wird die Dürre durch die – vor allem von uns menschengemachte – Klimakatastrophe Ausmaße wie noch nie erreichen. Außerdem sind die afrikanischen Länder Ghana, Nigeria, Kenia und Somalia große Weizenimporteure. Als Ölimporteur wird Kenia zudem hart von den Sanktionen getroffen, vor allem wegen des überbewerteten Schillings und dem zu erwarteten Handelsdefizit. Es wird erwartet, dass Kenia Subventionen einstellen wird, welche die Benzinpreise künstlich stabil halten. Dies könnte zur Verdrängung von Ausgaben in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastruktur führen.

Doch der Hunger ist nur der Anfang. Dies hat zwei Gründe. Erstens kommt der Hunger selten alleine. Oft wird er mit Gewalt (besonders gegen Frauen und Minoritäten), neuen Schuldenkreisläufen, Binnenflucht (mehr als die Hälfte der weltweiten Fluchtbewegungen), Schwächung der Infrastrukturen sowie besonderen Gefahren für Kinder begleitet. Zweitens sind es die globalen politisch-ökonomischen Strukturen, die dieses Ausmaß an Abhängigkeiten erlaubt haben. Häufig genug produzieren die Landwirtschaften vor Ort nicht mehr für den heimischen Markt, sondern für den Export, sind die »globalen Arbeitsteilungen« verhängnisvoll für die Menschen in diesen Ländern. Es ist kein Zufall, dass der Revolutionsruf in Ägypten »Brot, Freiheit, Würde« lautete. Brot kam zuerst, denn da geht es um die globalen Strukturen, die aus einer Grundversorgung Modelle für Profit gemacht haben. Oder, wie die Sudanes*innen in ihren Protesten gerade rufen: »Crops not cotton«. Denn während Baumwolle eines der klassischen Exportprodukte der Region ist und in den globalen Handelskreisläufen gut fließen kann, steht es aber zugleich stellvertretend für die Ausbeutung des Sudans. Ähnlich ist es in Ägypten, nicht nur mit Baumwolle, sondern auch mit Erdbeeren. Doch wie schrieb der ägyptische Soziologe Sakr El-Nour bitter? »Aus Erdbeeren«, so El-Nour, »wird kein Brot gebacken …«.

Bernard Gagnon • CC BY-SA 3.0 (s.u.)©
Gefördert: Tanzfestival, Museen, Ausstellungen, Filmfestivals
Quelle: Emanuel Gat / Tanzfestival RheinMain, Anja Jahn / Museum Angewandte Kunst, Hans-Jürgen Herrmann, Go East©

SERIE • STARKE PARTNER

Die starken stillen Partner

Kunst- und Kulturförderer in der Region

Kulturfonds, Dr. Marschner, Heussenstamm, Radar – Vier Institutionen in FrankfurtRheinMain, die nur wenigen Menschen in Stadt und Region bekannt sind. Bekannter sind das Tanzfestival RheinMain, die Sommerwerft oder die Maifestspiele, das Museum Angewandte Kunst, die HfG in Offenbach oder das Atelierhaus Basis in Frankfurt. Und sicher ist der eine oder die andere schon in der Heussenstamm-Galerie nahe der Frankfurter Paulskirche gewesen oder zumindest daran vorbeigelaufen. Sie alle wurden und werden immer wieder direkt und indirekt von diesen meist stillen, aber auch starken Partnern im Hintergrund gefördert – vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, von der Dr. Marschner-Stiftung in Frankfurt und Offenbach, von der Heussenstamm-Stiftung für Frankfurter Künstler*innen sowie von der Leerstands-Agentur Radar, die im wahrsten Wortsinn Freiräume für Kultur rekrutiert. Manche Großprojekte wie die regionweite Tanzplattform oder vor einigen Jahren die viel beachtete Ausstellung »Jil Sander« stemmen solche Partner auch gemeinsam.

Urban shorts – Das Metropole Magazin stellt auf dieser Seite solche starken und meist stillen Partner in der Region vor. Große Fonds und Stiftungen wie den Kulturfonds und die Marschner-Stiftung, die auch große und mittlere Projekte finanzieren, aber auch viele kleine Einrichtungen, die weniger mit Geld als mit Räumen, Ausstellungen oder sonstiger Unterstützung Künstler*innen und Kreativen ihr Schaffen manchmal sogar erst ermöglichen. Gerade in (Post-) Corona- und Krisen-Zeiten sind und werden diese Institutionen wichtiger denn je für das Leben und Überleben der Kulturschaffenden in FrankfurtRheinMain. In den einzelnen Folgen wird es darum gehen, was eine solche Institution leistet, was sie fördert, wo sie unterstützen kann – und auch wo nicht. Dies soll es vor allem kleineren Einrichtungen und einzelnen Kulturschaffenden ermöglichen, für ihre Arbeit die richtigen (Ansprech-) Partner zu finden. Die einzelnen Folgen erscheinen etwa in monatlichem Abstand. Auf der Seite FOR.ARTISTS finden sich zudem ergänzend zu dieser Reihe weitere Beiträge von, für und über Kulturschaffende(n), über ihr Leben, ihr Arbeiten und über ihre Möglichkeiten zur Förderung  (red.).


Barcelona - einst das erste LNG-Terminal Spaniens
Quelle: Port of Barcelona©

Optionen für einen Wandel

Wind, Sonne und Häfen

Spanien - ein europäischer Energiepark?

Rund die Hälfte der deutschen Energie kam bisher aus Russland. Um diese Abhängigkeit abzubauen, schaut man in den Nahen Osten, tauscht aber damit womöglich nur einen Krieg führenden und Menschenrechte verletzenden Diktator gegen einen anderen. Klüger könnte es sein, den Blick Richtung Iberische Halbinsel oder sogar weiter auf den afrikanischen Kontinent zu wenden. 

Spanien ist, was seine Energieversorgung angeht, weiter und nachhaltiger unterwegs als viele andere Teile Europas. Rund ein Drittel der spanischen Energie kommt bereits heute aus erneuerbaren Rohstoffen. Strom produziert das Land sogar bereits zur Hälfte aus Energien wie Sonne oder Wind. Beides gibt es schließlich auf der Iberischen Halbinsel zur Genüge. Importiertes Gas wird hingegen nur zu 15 Prozent für die Stromerzeugung genutzt. Wobei Spanien – und Nachbar Portugal – beim Gas sogar fast völlig unabhängig von Russland sind. Der Grund: An den Küsten der Halbinsel liegt fast die Hälfte der europäischen LNG-Häfen, an denen Tanker etwa aus den USA, aus Nigeria oder aus Norwegen Liquefied Natural Gas, also verflüssigtes Gas, anliefern können. Direkt vor Ort wird das Gas wieder in den Originalzustand versetzt und weitertransportiert. Sechs der Häfen liegen an der spanischen, einer an der portugiesischen Küste. Dort könnte ein Teil der jährlich bis zu 50 Mrd. Kubikmeter LNG ankommen, das allein die USA in den kommenden Jahren nach Europa liefern sollen. Die beiden iberischen Nachbarn hatten früher als viele andere europäische Staaten auf diese Häfen gesetzt. Portugal kann damit seinen kompletten Gasbedarf decken. Spanien wäre sogar in der Lage, mit einer Kapazität zur Löschung von 30 Tankern pro Monat einen Teil des Gases nach Europa weiterzuliefern. Ähnliches gilt auch für Solar- oder Windenergie, welche auf oder vor der Halbinsel produziert werden könnten. Spanien nutzt seine Kapazitäten vielfach gar nicht aus.

Nicht von ungefähr sehen Spanien und Portugal nicht nur Chancen für eine eigene Autarkie von russischer Energie, sondern Iberien sogar als Energie-Reservoir oder zumindest Durchgangsstation für Europa. Allerdings hat die Sache bisher noch zwei überraschende Haken. Zum einen ist Spanien so gut wie gar nicht mit dem Stromnetz Resteuropas verbunden. Zum anderen gibt es nur zwei, noch dazu recht leistungsschwache Gas-Pipelines durch die Pyrenäen nach Frankreich, eine dritte endet bei Girona gar im Niemandsland. Doch selbst wenn alle drei Pipelines funktionieren würden, flöße mit gut 15 Mrd. Kubikmetern Gas im Jahr nur ein gutes Viertel des Volumens von Nord Stream I durch diese Verbindungen. Dabei wäre ein Ausbau beider Netze nicht nur kurzfristig ein Gewinn. Sowohl die Häfen als auch die Pipelines könnten langfristig auch für sogenannten grünen Wasserstoff umgerüstet werden. Er ist umweltfreundlicher als das LNG und kann mit Sonne, Wind und Wasser sowohl in Spanien als auch in und um Afrika im großen Stil produziert werden. Deutschland etwa arbeitet zur Zeit gemeinsam mit Namibia an entsprechenden Versuchsanlagen im südlichen Afrika (wenn auch bisher noch ohne eigene Abnahmehäfen in Deutschland selbst). Ganz nebenbei verfügt auch Mittelmeeranrainer Algerien über große Gasvorkommen und könnte über zwei Pipelines ganz klassisch über 20 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr nach Spanien pumpen. Allerdings ist dieser Teil des Ganzen politisch heikel, da dazu auch das Transitland Marokko teilweise mit eingebunden werden müsste. Dieses aber liegt wegen der West-Sahara mit Spanien und Algerien im Streit. So oder so könnte die Iberische Halbinsel in Zukunft für die Energieversorgung Europas zunehmend wichtiger werden – sei es selbst als Produzent von Energie oder zumindest als Anlande- und Transitland Richtung Zentral-Europa. Das größte Manko aber: Die Europäische Union müsste vorher kräftig in den Anschluss der Halbinsel investiert. Und eines noch: Angesichts von 155 Mrd. Kubikmetern russischen Gases, das 2021 alleine in die EU floss, werden die Anlagen Iberiens alleine das Energie-Problem Europas nicht lösen. Aber laut Fachleuten sollen sie gemeinsam mit den Kapazitäten der anderen Häfen in Europa rund zwei Drittel des russischen Gases ersetzen können … (sfo.).


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Quelle: Deutsche Botschaft Kiew©

Leitartikel | Putins Krieg

Mehr Mut, mutig zu sein

... und Menschen nicht unterschätzen

Es gibt in der Politik ein geflügeltes Wort: Politik müsse »die Menschen mitnehmen«. Wer sich aktuell jedoch Weltgeschehen und deutsche Politik anschaut, ist versucht, dieses politische Diktum umzudrehen und sich zu wünschen, dass »die Menschen« es hierzulande schafften, ihre Politiker*innen mitzunehmen. Schon während der beiden Corona-Jahre hat sich immer wieder gezeigt, dass viele Bürger*innen in diesem Land bereit waren, weiter zu gehen als ihre Regierung(en) meinte(n), ihnen zumuten zu können. Immer wieder legten Umfragen – jene der großen Institute als auch jene in der »empirischen Kleingruppe« der Freunde und Bekannten – nahe, dass Bürgerinnen und Bürger mutiger waren, harte Maßnahmen zu tragen. Auch bei Putins Überfall auf die Ukraine scheinen die Menschen einmal mehr weiter zu sein als ihre Regierenden. Zigtausende zeigen Solidarität, Zigtausende gehen auf die Straße(n). Sie spüren, dass es Zeit ist, dem Aggressor die Stirn zu zeigen. Sie spüren, dass es nicht reicht, Konten zu sperren und in kleinen Dosen Waffen zu liefern (die Anfangsidee, ein paar Helme zu schicken, hätte sich keine Karikaturistin besser einfallen lassen können). Sie spüren, dass Ukrainer und Ukrainerinnen nicht nur ihr Land verteidigen. Sie spüren, dass Betroffenheit und Solidaritätsbekundungen nicht ausreichen. Sie spüren, dass man die Menschen in Kyiv, in Charkiw, in Odessa nicht alleine kämpfen lassen kann, dass warme Öfen und eine wie geschmiert laufende Wirtschaft hierzulande keine alles überstrahlenden Argumente sein können. Sie spüren, dass es in diesen Tagen nicht zu viel verlangt ist, die Heizung etwas herunterzudrehen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, mit ein paar Euro mehr am Tag Abhängigkeiten zu verringern (das Geld für die, die dies wirklich nicht tragen können, dürfte in einem Land wie diesem da sein). Sie wissen, dass man den Menschen in der Ukraine beistehen muss. Um der Menschen willen. Aber auch, weil es diesmal auch noch um mehr geht. Sie wissen, dass die Menschen in der Ukraine das freie Europa verteidigen. Sie wissen, dass die Menschen in der Ukraine in Bunkern übernachten, mit Raketen leben, mit der Waffe in der Hand kämpfen. Sie sind bereit, diesen Menschen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen – auch, wenn dies eigene, ganz sicher erst einmal kleine Opfer mit abverlangt. Man ist versucht, Regierenden zuzurufen: Regierende, sehet und höret die Signale – und höret auf, Eure eigenen Bürger*innen zu unterschätzen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre es auch an der Zeit, Ansprüche und Lebensweisen zu hinterfragen und dabei auch wirklich etwas zu ändern und zu verändern. Die Klimakrise hat es nicht bewirkt, eine weltweite Pandemie auch nicht. Wenn es auch dieser Krieg nicht bewirkt, was dann … (vss.)?