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Quelle: Niko Neuwirth©

Best of 10 | Der Fotograf

N.N. – Chronist der Nächte

Subversive Baustellenbetrachtungen

Nachts begab er sich auf die Baustellen und auf die Dächer der Stadt. Je höher, desto besser. Und er suchte die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (konnten). Neue faszinierende Blick- und Stadtlandschaften taten sich auf – für ihn und für die Betrachter*innen seiner Fotos. Urban shorts – Das Metropole Magazin hat immer wieder diese nächtlichen »Beutezüge« des Frankfurter Fotografen Niko Neuwirth dokumentiert. In diesem Jahr sind sie mit dem Titel »Frankfurter Nächte« auch als Buch erschienen. Posthum – denn vor drei Jahren bereits starb Niko Neuwirth. Das Buch und seine Fotos zeugen noch immer von ihm. Eine Hommage an Frankfurt – und an seinen nächtlichen Chronisten … (vss.).

Niko Neuwirth©
Auch Kindern gehört die Stadt! Die Wiesbadener Wellritz-Straße, die vor einiger Zeit verkehrsberuhigt wurde
Quelle: Sibylle Lienhard©

Best of 10 | Impulse

Kids statt Kotflügel

Impuls von Katharina Knacker

Früher konnten Kinder noch auf den Straßen spielen und alleine zur Schule fahren oder laufen. Auch heute ist dies möglich. Allerdings wegen vieler Autos an und auf den Straßen ungleich gefährlicher. Katherina Knacker und die Initiative »Kidical Mass« fordern deshalb wieder mehr Platz und Sicherheit für Kids auf den Straßen, mit einer Neuverteilung des Raums und »Tempo 30« in Städten. Dafür macht »Kidical Mass« regelmäßig Fahrrad-Demos für Kids in Frankfurt und in anderen Städten.   

In der Führerscheinprüfung gibt es die Frage 1.1/02-112: »In einem Wohngebiet rollt ein Ball vor ihr Fahrzeug. Wie müssen sie reagieren?«. Die (einzig mögliche) Antwort: »Bremsen«. Warum? Weil Kinder hinter dem Ball her rennen könnten. Diese Frage beantworten jährlich tausende Fahrschüler*innen, obwohl Kinder, die im Straßenraum Ball spielen, kaum noch zu finden sind. Vor wenigen Jahrzehnten war es noch möglich, sich spontan mit den Nachbarskindern vor der Haustür zu treffen. Heute ist dieser Platz durch immer mehr parkende Autos fast verschwunden. Und durch schnell fahrende Autos ist das auch viel zu gefährlich geworden für die Kids. Mit ein Grund zudem, dass sich laut WHO im Jahre 2019 80 Prozent der Kinder in Deutschland zu wenig bewegt haben … (weiter lesen)


Alles im grünen Bereich: Blick auf die Römerstadt
Quelle: Moritz Bernoully©

Best of 10 | Urban_Green

Alles Grün macht(e) der May

Frankfurt hat(te) schon mal viel Urban_Green

In der Reihe »Urban_Green« schaut »Urban shorts – Das Metropole Magazin« auf das Grün in Städten. In dieser Folge blickt Alexandra Flieth auf Frankfurt. Aber nur bedingt auf das Frankfurt von heute. Sondern mehr auf das Frankfurt Ernst Mays, der einst ein »grünes Frankfurt« mit vordenken ließ – bestens zu sehen noch immer in der Siedlung Römerstadt. 

Wer heute bei einem Spaziergang an der Nidda entlang, mitten in der Natur stehend, auf die Siedlung Römerstadt blickt, der kann noch erahnen, wie die Häuser einst in ihrer Entstehungszeit 1927 und 1928 strahlend weiß zum Flussufer hin geleuchtet haben müssen. Terrassenförmig entlang des Niddatals angelegt, erhebt sich die Siedlung fast wie eine mediterrane Stadt am Mittelmeer. Einst geplant vom Stadtbaurat, Architekten und früheren Siedlungsdezernenten Ernst May (1886 – 1970) und seinem Team, ist die Römerstadt ein Paradebeispiel für das »Neue Bauen« und Ausdruck für das von ihm 1925 aufgelegte Wohnungsbauprogramm »Das Neue Frankfurt«, mit dem innerhalb von fünf Jahren 12 000 Wohnungen neu geschaffen wurden. Doch nicht nur das Weiß sticht ins Auge, sondern ebenso noch heute das Grün. Das Grün, das für Mays Team ein Lebenselixier der Siedlungen war. Für die Umsetzung holte er sich mit dem Gartenarchitekten und Frankfurter Gartenbaudirektor Max Bromme sowie Landschaftsarchitekt Leberecht Migge zwei Experten hinzu. Dem Team ging es aber nicht nur darum, in den Siedlungen zentrale Grünflächen als Orte der Begegnung und wohnnaher Erholung überall bereits vor der Bauphase großzügig mit zu planen. Die vorwiegend als Ein-Familien-Häuser errichteten Gebäude sind regelrecht in einer grünen Umgebung eingebettet.  (weiter lesen)


Chris Kircher, eine der Gründerinnen, hier zwischen Nutzen, Machen und Wissen
Quelle: Alexandra Flieth©

Best of 10 | Gemüseheldinnen

Von Städter*- zu Gärtner*innen

Aktiv in Markt-, Wald- und Mirabellengärten

An diesem Morgen ist es ruhig in den Gärten der »GemüseheldInnen Frankfurt«, hier in der »Grünen Lunge«, einem ihrer Refugien nur wenige Schritte vom Günthersburgpark entfernt. Selbst im nun beginnenden Herbst gedeihen in den Gärten verschiedene Gemüse wie Salate, Auberginen, Paprika und Kräuter. Setzlinge von Feldsalat wurden gerade erst eingepflanzt und können bald abgeerntet werden. »Der Market Garden, in dem wir hier stehen, folgt dem Vorbild der Pariser Marktgärtnerinnen aus dem 19. Jahrhundert, die eine ganze Stadt mit Gemüse versorgt und dabei rein auf Wissen und Handarbeit gesetzt haben«, erzählt Chris Kircher, eine der Gründerinnen der GemüseheldInnen. Beim »Market Gardening« seien die Beete normiert und die Bepflanzung sehr dicht, wodurch der Boden zwar geschützt, der Ertrag pro Quadratmeter aber trotzdem maximiert werden könne. Damit sei es für jedermann/jederfrau im Prinzip möglich, bereits kleinste Flächen zu bewirtschaften, auch weil der Einsatz von Maschinen fehle und damit Investitionskosten niedrig wären.

Wer in die »Grüne Lunge« am Günthersburgpark kommt, findet meist zweierlei: einerseits ein üppiges grünes Refugium und lebendiges Biotop, andererseits aber auch viel geteiltes Wissen und zahlreiche Anregungen für eigenes (Mit-) Tun. Was 2019 mit der Idee begann, städtische Landwirtschaft nach Frankfurt am Main zu bringen sowie in Gemeinschaft nach den Prinzipien von Permakultur und Market Gardening eigenes Gemüse anzubauen, hat sich mittlerweile zu einer Bewegung in der Mainmetropole entwickelt … (mehr lesen).


Was fehlt? Ein Display, das alle Verbindungsoptionen an dieser Stelle auf einen Blick zeigt ...
Quelle: us / OIMD©

Best of 10 | ÖP(N)V als Alltag

Einmal Mittelmeer, bitte

Gastbeitrag von Peter Eckart (OIMD)

Wenn die Tage grauer werden, kommt schnell mal der Wunsch nach einem Abstecher ans Mittelmeer auf. Erster Reflex: einfach ins Auto steigen. Zweiter Reflex: weit, anstrengend, teuer. Praktischer wäre: mitten in Frankfurt, Musterschule zum Beispiel, in die U-Bahn, am Hauptbahnhof in den Zug, flugs nach zum Beispiel Marseille und dann noch mit der Tram ans Meer. Am besten freitagmittags los, abends dort sein – und alles für ein paar Euro. Geht nicht? Geht doch! Zumindest an den 360 Tagen im Jahr, an denen die Bahnen nicht streiken. Die Formel: U5 plus TGV (Frankfurt Hbf – Marseille Saint-Charles) plus M1 zum Alten Hafen. Abfahrt etwa 13.30 Uhr, Ankunft etwa 23.30 Uhr. Kosten: mit etwas Glück um die 50 Euro. Das Problem: Viele Menschen haben eine solche Möglichkeit gar nicht auf dem Schirm. Genauso wenig, dass das Gleiche auch – mit höchstens ein Mal mehr umsteigen, aber bestenfalls einem Stündchen mehr Vorlauf – auch vom Darmstädter Martinsviertel, dem Offenbacher Mathildenviertel oder von Mainz-Mombach aus ginge. Und genauso einfach wäre es umgekehrt, von Roms Via Appia an fast jeden Punkt im Rodgau oder von Berlin-Kreuzberg nach Bürgel zu kommen …

Zugegeben: Die letzten Beispiele setzen schon einiges an Vorstellungskraft voraus. Doch eigentlich reicht bereits ein Umdenken: bei Menschen und Mobilitätsanbietern. Beginnen wir beim Menschen. Also bei uns … (mehr lesen).

Best of 10 | Sara Sun Hee Martischius

Kleiner Rassismus zwischendurch

Eine Fotografin dokumentiert Alltagsrassismus

Alltagsrassismus heißt auch deswegen Alltagsrassismus, weil der Rassismus dabei so alltäglich ist. Weil er überall passieren kann, oft auch en passant, nicht selten unerwartet. Auch durch Menschen, denen man ihn gar nicht zugetraut hätte. Oder die ihn sich selbst nicht zugetraut hätten. Wie alltäglich Alltagsrassismus ist, zeigt Sara Sun Hee Martischius in ihrem Fotoprojekt »Mein Leben – Dein Rassismus«. Ihr ständig wiederkehrendes Motiv: Sie selbst – in Südkorea geborene Deutsche –, gepaart mit Aussagen von Menschen zu ihr. Oder der Japanerin, der Mongolin, der Inuk in ihr. Oder der Frau, die lesen kann, die Deutsch sprechen kann, die nicht mit Stäbchen isst. Ihr Motiv: Sie selbst, wie sich andere sie vorstellen. Oder: wie sie dem unterschwelligen Rassismus oder zumindest der Gedankenlosigkeit der anderen ein Gesicht gibt. Oder: wie sie Menschen in diesem Land Denkanstöße gibt. Oder auch Sehhilfen, wie man’s nimmt. Ihr Projekt macht nachdenklich. Oder sollte es zumindest machen. Oder zumindest sollte es die Menschen sensibilisieren, wie sie selbst sagt. Zu diesem Zweck wandert es durch ihre Heimat Deutschland. In Neustadt, Mainz und Kaiserslautern waren die Bilder bereits zu sehen. Weitere Stationen sind Hamburg, Karlsruhe und Speyer. Besonders waren die Ausstellungen in Mainz und in Neustadt. Dort waren die Fotos im öffentlichen Raum zu sehen. Auf Plätzen oder in Schaufenstern begegneten die Menschen ihren Bildern – denen von Sara Sun Hee Martischius und denen in ihren Köpfen. Einfach mal so, en passant, nicht selten unerwartet, im Alltag eben. Ganz so wie Sara Sun Hee Martischius oft deren Bildern in ihrem eigenen Alltag … (vss.).