Kultur buchstäblich im Netz - aus einem digitalen Foto-Projekt der HfG
Quelle: Sima Farshid / HfG©

Online | Kalender

Virtuelle Anlaufstellen

Hessen & die Welt kulturell digital

In diesen Wochen findet Kultur vor allem und finden Veranstaltungen praktisch ausschließlich im Netz statt. Doch dort ist es naturgemäß unübersichtlich, die passende Kultur und die spannende Veranstaltung zu finden. Eine Adresse zur Suche ist sicher der AGENDA-Kalender an dieser Stelle, der mangels Alternativen zumeist eine digitale Veranstaltung pro Tag empfiehlt. Er findet sich in der Randspalte zur Seite AGENDA (in mobilen Versionen unten auf der Seite). Doch beileibe nicht nur dort kann man fündig werden. Zwei überaus hilfreiche Anlaufstellen über das Netz im Netz sind die Seiten des Goethe-Instituts und des Hessischen Museums für Kunst und Wissenschaften – zwei quasi offizielle Kultur-Agenden (und -Agenten). Auf der Seite »Kulturama« des Goethe-Instituts sind vor allem viele internationale und nationale Kultur-Seiten und -veranstaltungen zu finden, die Seite »Hier erleben Sie Kunst auch digital« (ein simpler, wie prägnanter Titel) ist das hessische Pendant dazu von Seiten des Hessischen Ministeriums. Ansonsten gibt es natürlich noch den Standardtipp: Einfach immer mal wieder auf den Seiten seiner Lieblings-Kultureinrichtungen nachschauen. Es gibt kaum eine, die dort nicht digital Angebote für diese Wochen bereit hält … (sfo.).

Kulturelle Augenspaziergänge

Vom Fuji bis in den Louvre

Bildschirm- und Schaufenstergalerien

Der Louvre, derzeit genauso wie fast ganz Frankreich geschlossen, wollte ja einst die Kunst revolutionieren und für viele Menschen öffnen. Seit einigen Tagen ist er diesem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen. Seither sind alle 480.000 Werke von der Mona Lisa bis vorgeblich zum letzten Depotstück virtualisiert und auf der Website zugänglich – als großartiges Archiv ebenso wie in virtuellen Rundgängen durch die Räume. Es ist das vielleicht prominenteste Schaufenster, das es für die Kunst derzeit weltweit gibt. Schaufenster sind das, was von der Kunst derzeit geblieben ist. Wer dabei nicht durchs Netz wischen und scrollen möchte, kann etwa in Frankfurt und in der Region derzeit allerdings auch beim Spaziergang durch einige durchaus reale Schaufenster Kunst zumindest erhaschen. Pars pro toto zeigen wir hier als Anregung einige Aufnahmen aus der sehenswerten, sehr politischen Ausstellung »Aequilibrium« (Gleichgewicht) in der Frankfurter Galerie Peter Sillem. In ihr  kontrastiert der Fotograf Robert Voit majestätische Bilder des ewigen Fuji mit den eher beklemmenden Aufnahmen der Nachwehen des Unglücks von Fukushima, das sich vor genau zehn Jahren in Japan abspielte. Die eindrucksvollen Fuji-Bilder sind durchs Schaufenster zu sehen, die Fukushima-Bilder vornehmlich im Netz. In obiger Fotogalerie ist eine Auswahl zu sehen. Wer wissen will, wann die Ausstellung auch real zu sehen wäre, kann dies derzeit über die Website der Galerie oder auf Anfrage in Erfahrung bringen (vss.).

Sima Farshid / HfG©
Das Montez auf dem Weg nach Offenbach
Quelle: Dobi Robinski©

Kleine Kultur-Dates [2]

Im Osten viel Kunst

Spaziergang im Osten Frankfurts

Unser Spaziergang beginnt unter der Honsellbrücke im Frankfurter Ostend. Vor dem Kunstverein Familie Montez; schon seit Wochen einer der wenigen Orte, an denen man – wenn auch etwas indirekt – Kunst fast durchgängig sehen konnte. Durch die großen Fenster blickt man in die mächtige Halle. Unter dem Titel »Facing Frankfurt« hatte dort im März der Künstler und frühere Städelschüler Alexander Salivontschik großformatige Arbeiten versammelt. Sie zeigten jene Menschen, die Gefahr laufen, von der Stadt verschluckt zu werden, die weniger Privilegierten, die in engen oder gar keinen Wohnverhältnissen. Die, die in einer Stadt wie Frankfurt nur zu leicht an den Rand gedrängt werden. Fast das Kontrastprogramm ist seit Ende März zu sehen. Susannah Martin greift in ihren ebenfalls großformatigen Bildern das klassische Motiv des nackten Menschen in der Natur auf – was ein ums andere Mal ungewohnt wirkt in der heutigen Zeit. Beide Ausstellungen bestätigen wie so oft den Hang der Montez-Macher*innen zu ungewöhnlichen Ausstellungen …

Überhaupt haben solche Schaufenstergalerien durchaus ihren Charme – nicht nur für Corona-Zeiten. Spaziert man weiter am Main entlang, vorbei an Gerbermühle und Schleuse, kommt man zum Offenbacher Hafenviertel. Genau hier, im Neubaugebiet mit Bioladen und teureren Cafés als im Rest der Stadt, sind in den letzten Monaten drei studentisch kuratierte Ausstellungsräume entstanden. Angrenzend an den Hafenplatz liegt der Raum mit dem wohl treffendsten Namen: Im window 404 (benannt nach dem digitalen Fehlercode) werden nach und nach Arbeiten von Studierenden der elektronischen Medien zu sehen sein. Den Anfang machte vor einigen Wochen Lars Thomas mit seiner Arbeit »Verteidigen«. Nur ein paar Fenster weiter: das magma maria. Dort laufen immer wieder Arbeiten von (ehemaligen) Studierenden der Hochschule für Gestaltung; zuletzt die Schau »Café Futurama«. Als Abschluss des Spaziergangs lohnt es sich, noch einmal am flowershop Offenbach vorbei zu gehen, kuratiert diesmal von Studierenden der Malerei. Ebenfalls bis vor kurzem war hier durch die Schaufenster die Gruppenausstellung »Thank you, next!« zu sehen, für die einzelne time-slots verabredet werden konnten. Die Ausstellung ist zwar vorbei, aber die Arbeiten kann man mit etwas Glück bis zum Beginn der nächsten Ausstellung noch sehen … (stn.).

Dobi Robinski©
Das Grüngürteltier - das wohl berühmteste der Werke der Komischen Kunst im Frankfurter Grüngürtel
Quelle: Frank Behnsen • CC BY-SA 3.0 (s.u.)©

Kleine Kultur-Dates [4]

Getier & Co. im Grünen

Die Komische Kunst am Wegrand

Sie trägt einen weiß-gemusterten Pullover und sitzt auf einem Ast im Frankfurter Stadtwald: Die Rede ist von der »Eule im Norwegerpulli«, so der Name einer Skulptur, die nach einer Figur des 2005 verstorbenen Karikaturisten F. K. Waechter geschaffen wurde. Die Eule blickt hier an der Südseite des Jacobiweihers auf die vorbeiziehenden Spaziergänger*innen hinab und sorgt bei diesen nicht selten für Erstaunen. Wer würde überhaupt schon ein solches Wesen erwarten – und dann auch noch hier, mitten in der Natur?

Die Skulptur ist eines der Objekte einer kleinen Reihe von insgesamt 14 Werken und Orten der Komischen Kunst, die entlang des Frankfurter GrünGürtel-Rundwanderweges entdeckt werden können und eine Symbiose aus Natur und Kunst darstellen. Und einen kleinen Kulturgenuss in den aktuellen Zeiten bieten, in denen sich die Kunst neue Wege suchen muss – oder sich die Kunstbetrachter*innen neue corona-konforme Orte als Alternative zum Museumsbesuch. F. K. Waechter gehört zu den Vertretern der Neuen Frankfurter Schule (NFS), also jener Gruppe, deren Mitglieder in den 1960er Jahren die Satirezeitschrift pardon gründeten und deren Werke heute im Caricatura Museum für Komische Kunst ausgestellt werden. Zu seinen Lebzeiten fertigte er Zeichnungen von Objekten in der Natur an, die er der Stadt schenkte. Die darauf dargestellten Ideen wurden nach und nach realisiert – den Anfang machte die Eule mit ihrem Strickpulli. Sie hat ihren Platz auf dem Ast bereits 2005 eingenommen. In unmittelbarer Nähe dazu sorgt am Jacobiweiher allerdings auch ein ganzer Baum für Verwunderung. Dieser pinkelt Wasser, wenn man ihm zu nahe kommt. Aber nur in den wärmeren Monaten des Jahres. »Pinkelbaum« heißt dementsprechend dieses Werk von Waechter, der damit zum Ausdruck brachte, das auch natürliche Gebilde der Natur das Zeug zu einem Werk der Komischen Kunst haben. Noch deutlicher tritt dies beim »Struwwelpeterbaum« zutage, einer Kopfweide, die auf den Schwanheimer Wiesen steht und in den wärmeren Monaten ganz wie sein literarisches Vorbild durch seine besondere Haarpracht auffällt. Mit seinen kugelrunden Augen, die in der Dunkelheit leuchten, verkörpert der Baum die humoristische Version der einst im 19. Jahrhundert vom Frankfurter Psychiater Heinrich Hoffmann erfundenen Kinderbuchfigur.

Auch der GrünGürtel selbst hat sein eigenes Maskottchen der Komischen Kunst: das »GrünGürtel-Tier« – ein Wesen, das divers ist, keinem bestimmten Getier aus der Natur zugeordnet werden kann und dennoch die Artenvielfalt spiegelt. Gestaltet hat es der 2006 verstorbene Karikaturist Robert Gernhardt. Wer die Brücke über die Nidda zum Alten Flugplatz Bonames überquert, passiert das GrünGürtel-Tier, eine Plastik aus Bronze, das dort wie ein Wächter thront. Als bisher letztes Werk, das Teil der Komischen Kunst im Frankfurter GrünGürtel wurde, gilt der »Barfüßer« in Rödelheim unweit der Nidda, der nach einer Zeichnung des Karikaturisten Kurt Halbritter in Bronze gestaltet und 2017 an seinem Platz aufgestellt wurde. Ein wirklich komisches Kriechtier, eine Art Tausendfüßer mit menschlichen Füßen und Fühlern in Form von Händen. Es zählt, wie auch die anderen Werke der Komischen Kunst mitten in Frankfurts Natur, mittlerweile zu einem beliebten Ausflugsziel innerhalb der Stadt (alf.).

Frank Behnsen • CC BY-SA 3.0 (s.u.)©
Nicht nur in der Naxoshalle: Auf der Suche nach den letzten Kulturresten
Quelle: Naxoshalle©

Kleine Kultur-Dates [1]

Ein paar Minuten Kunst

Einige fast reale Kulturperlen

Kultur ist rar in diesen Tagen. Sie macht dies allerdings nicht freiwillig. Sondern noch immer »verordnetermaßen«. So rar, dass viele sie schon vermissen. Manche Kulturinstitutionen trifft man derzeit zwar im Internet. Doch dies ist eine Art von Kultur, mit der sich nicht alle Kulturschaffenden abfinden wollen. Einige leisten zumindest ein wenig reale »Gegenwehr«. Die vielleicht charmanteste Idee hatten die Macher*innen der Naxoshalle in Frankfurt. »Auf ein Stündchen« heißt ihre Aktion, in der Ensemble-Mitglieder freitags und samstags eben jenes Stündchen lang mit Kulturinteressierten eins zu eins durch die Stadt spazieren und plaudern. Immer ein Ensemblemitglied mit einem / einer angemeldeten Besucher*in. Auf Du und Du mit Künstler oder Künstlerin sozusagen – gleichwohl aber stets mit Maske und Abstand. Und eine »Zweibahn«-Aktion: denn erklärtermaßen – so die Naxos-Macher*innen – vermissen auch die Kulturschaffenden ihre Kulturinteressierten …

»Auf ein Stündchen« ist eine jener kleinen Kulturperlen, die sich dieser Tage da und dort noch finden lassen. Eine andere ist ebenfalls in Frankfurt und ebenfalls bei einem Spaziergang (wenn auch diesmal ohne organisierte künstlerische Begleitung – es sei denn, man organisiert sich diese selbst) jeden Nachmittag und Abend in den Wallanlagen nahe dem Eschenheimer Turm zu erleben. Dort am sogenannten »Bürgergarten« – jenem kleinen tiefergelegten Mini-Park, den nur wenige Frankfurter mit Namen kennen – steht der kleine Glaspavillon der ebenfalls kleinen Kreativenschmiede saasfee, durch dessen große Glasscheiben sich allabendlich ein Videoprojekt oder ein Kurzfilm sehen lässt. Nach Linus Bergs zauberhaftem Film mit dem Schwan im Januar lief dort im Februar »Disco Disse Dance«. Derzeit pausiert das Angebot zwar, wird aber in Bälde fortgesetzt. Überhaupt: Wer mit offenen Augen durch die Region läuft, findet immer wieder mal kleine Kunststücke dieser Art. In Wiesbaden etwa spielt im Nassauischen Kunstverein im Foyer begleitend zu den Ausstellungen seit einiger Zeit eine kleine Kurzfilmschau: sichtbar durchs Portal, den Ton erhält man durch den Briefkastenschlitz. In Offenbach ließ sich bis vor kurzem an verschiedenen Stellen der Stadt ebenfalls noch über einige letzte Exponate des einstigen afip-Skulpturenparks stolpern. Mittlerweile machen dort einige studentische Pop-up-Galerien im Hafengebiet von sich reden (die wir in Kürze in einem weiteren Kleinen Kultur-Date vorstellen werden). Und nochmals in Frankfurt – aber etwas weiter draußen – kann man einen Ausflug unternehmen zu den Ateliers West im Gallus, wo die ansässigen Künstler*innen ihre Kunst immer wieder buchstäblich in die Schaufenster stellen … (vss.).

Naxoshalle©
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Quelle: Prasanna Kumar • CC0 1.0 (s.u.)©

Kleine Kultur-Dates [5]

Muss nicht immer Simmel sein

Bücher auf Märkten, in Schränken und per Bus

Endlich geschafft. Der Frühling ist da! Und die Kultur – ist weg … Was bleibt, wären einsame Spaziergänge und innere Einkehr. Oder lesen. Oder beides verbinden? Der Bücherflohmarkt an der Bockenheimer Warte war früher – damals, zu der Zeit, als Universitäten noch geöffnet hatten – die erste Anlaufstelle meiner Spaziergänge durch die Stadt. Hier kam ich als Studentin in Berührung mit vielen Autor*innen, die ich nur durch die Leselisten der Seminare nicht kennen gelernt hätte (und die dort vermutlich auch nicht gern gesehen waren). Wo sonst kommt man diskret an Meisterwerke wie »Holzauge boxt sich durch« und »Es muss nicht immer Kaviar sein«? Kürzlich ist dieser Bücherflohmarkt abgebrannt. Wer nun schon traurig über die verlorene Anlaufstelle war, kann sich vorstellen, wie es den Betreibern ging. Daher hat das KFZ-Referat, das sein Büro ebenfalls an der Bockenheimer Warte unterhält, eine Spendenbox aufgestellt, um zu helfen, den Stand wieder aufzubauen. Auch Bücherspenden, die flohmarktgeeignet sind, werden gerne angenommen. Offenbar bereits erfolgreich. Mittlerweile kehren die Bücherkisten langsam wieder zurück …

Längst gibt es in der Stadt aber noch viel öfter die literarische Adaption von »Kunst im öffentlichen Raum«. Eine weitere Anlaufstelle sind Frankfurts Bücherschränke. Schon lange gehören sie zum Stadtbild und sind nicht selten daran schuld, dass man schwer bepackt nach Hause kommt. Egal ob in Bockenheim, in Bornheim oder im Bahnhofsviertel: Der nächste Bücherschrank ist nie weit entfernt. Eine Liste der Schränke findet man dankenswerterweise online auf den Seiten der Stadt Frankfurt. Offenbach kann dagegen mit Bücherschränken nicht wirklich aufwarten – dachte ich. Mir waren, bis ich diesen Text hier schrieb, nur zwei bekannt. Der erste befindet sich im Bürgerbüro, der zweite in der Hochschule für Gestaltung (2. Stock). Leider gibt es von der Stadt Offenbach selbst keine Auflistung der Schränke. Allerdings hilft hier die Website openbookcase.com weiter und zeigt vier weitere Schränke an. Wer in Entdeckerlaune ist und Lust auf eine längere Route durch Offenbachs Stadtteile hat, kann so gerne überprüfen, ob im Internet hierzu die Wahrheit steht. Und wer seine Tour noch mehr ausdehnen möchte, findet bei Wikipedia sogar eine Liste für ganz Hessen (auch wenn diese für Offenbach etwas hinterherhinkt). Womit Offenbach allerdings dienen kann, ist der Bücherbus der Stadtbibliothek. Die »Bibliothek auf vier Rädern« bringt laut Selbstbeschreibung bis zu 15.000 aktuelle Medien beinahe bis nach Hause und morgens direkt in die Schulen. Der Bücherbus fährt auch in Corona-Zeiten, natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Nur über die Osterferien wird eine kurze Pause eingelegt. Wer das Haus – egal, ob das in Frankfurt oder Offenbach – verständlicherweise gerade am liebsten gar nicht verlässt und nur alle paar Tage zum Einkaufen geht, sollte die Augen dennoch in der eigenen Nachbarschaft offen halten. Viele Menschen haben in den letzten Monaten endlich Zeit gefunden, zu Hause auszumisten und die aussortierten Bücher in Kisten vor die Tür zu stellen oder einzeln auch mal auf Parkbänke zu legen (letzteres global auch als »bookcrossing« bekannt). Es wäre nicht das schlechteste, das passieren könnte, wenn das zur neuen Frühlingstradition werden würde (stn.).

Prasanna Kumar • CC0 1.0 (s.u.)©
Bei Anruf Kunst
Quelle: Nassauischer Kunstverein©

Kleine Kultur-Dates [3]

Von Stromern und Briefkästen

Wo die Kultur noch was zu sagen hat

Sie haben seit Monaten fast ein »Abo« in unseren Kulturtipps. Aber die Ideen aus dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden gehören tatsächlich immer wieder zu den ungewöhnlichsten und interessantesten, die sich derzeit finden lassen. Ihre neuen Ausstellungen »Spaces and Species« sowie »Tightrope« begleiten sie diesmal mit einem »Pandemie-Telefon« – eine sympathisch altmodische Alternative zur digitalen Ausstellung. Für Menschen, die für letztere nicht den Zugang oder die nötige Infrastruktur haben, und für jene, die schlicht genug haben von Online-Lesungen und gestreamten Konzerten. Per Mail oder Telefon können Termine für Führungen vereinbart werden. Per Post wird dann ein Umschlag mit Fotos der Exponate verschickt. In einem persönlichen Gespräch mit einer Kunstvermittlerin am Telefon wird daraus schließlich eine erlebbare Ausstellung. Für einen Ausstellungsbesuch wie beinahe zur alten Zeit, braucht es also nur ein Telefon und einen Briefkasten …

Kultur lebt ja bekanntlich auch vom Austausch. Für viele ist es gerade der, den sie in der kulturlosen Zeit der Pandemie ganz besonders vermissten. Aber ganz trostlos und allein gelassen ist man eben doch nicht. Nicht nur in Wiesbaden, sondern auch an vielen anderen Orten haben sich Kulturschaffende im letzten Jahr Gedanken gemacht und es geschafft, dem kulturellen Schweigen hier und da etwas entgegenzusetzen. Das Hessische Literaturforum im Mousonturm beispielsweise scheint den fehlenden Austausch ebenso zu vermissen wie seine Besucher*innen. Deswegen haben Björn Jager und Christian Dinger einen Podcast ins Leben gerufen. Bei »stromern on air« werden Autor*innen eingeladen, für die die beiden sich besonders interessieren. Das Thema der einzelnen Folgen wählen die Gäste selbst, und so gelingt ein Gespräch, in dem von Kultur über Literatur bis hin zu trash tv alles möglich ist. Diese Gespräche sind so klug und unterhaltsam, dass die beiden es beinahe schaffen, einen Besuch im Literaturforum vor dem inneren Auge aufsteigen zu lassen – so als sei nie etwas gewesen.

Ebenso an einen eigenen Podcast gewagt hat sich die HfG Offenbach unter der Moderation von Felix Kosok. Unter dem Namen »Off_line« wird wöchentlich mit Gästen über Fragen zu Gestaltung, Kunst und Design gesprochen. Immer wiederkehrendes Thema ist die Zukunft: Wie sieht die Lehre der Zukunft aus? Wie die Technologien? Wie ernähren wir uns in Zukunft, und welche Schwierigkeiten hält sie für uns bereit? Das sind nur einige Fragen, über die in den mittlerweile sechzehn Folgen gesprochen wird. Darmstadt dagegen scheint sich mit dem von Lukas Einsele und Albrecht Haag geleiteten interdisziplinären Projekt »Kultur einer Digitalstadt« schon auf halbem Wege in diese Zukunft zu befinden. Die Internetseite richtet sich an Kulturschaffende aus verschiedenen Gebieten. Zu hören und diesmal auch zu sehen sind dort etwa die »Nah*Einander Statements«, in denen Darmstädter Künstler*innen selbst zu Wort kommen und sich und ihre Arbeit vorstellen, oder die Reihe des »Digital*Salons«, der Räume zum kulturellen Diskurs eröffnen will. Und siehe da: Es gibt sie sogar, die digitale Kultur und die digitalen Künstler*innen, die notfalls auch auf diesem Weg die Pandemie überstehen könnte(n) … (stn.).