Alles dabei: Hof, Dach, Wald und Wiese
Quelle: Freiluftkinofrankfurt, Haus am Dom, Filmfest Weiterstadt, Bilderwerfer©

Viele Open-Air-Kinos

Auf Dächern, in Höfen, im Wald

Freiluftkinofrankfurt, Filmfest Weiterstadt & Co.

»Bilderwerfer« – der Name ist Programm. Nein, nicht dass das Publikum dabei mit Bildern beworfen wird. Diese werden, wie es sich für ein gutes Filmprogramm gehört, an die Leinwand geworfen. Diese steht auf der großen grünen Wiese vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof, welche zugleich der Tummelplatz für unzählige corona-gerechte Picknickdecken ist, auf denen sich ein buntes Publikum für eines der charmantesten Filmfestivals der Region niederlässt. Manche bringen auch Stühlchen mit (die man/frau dann aber eher am Rande aufbauen sollte), andere Weinflaschen und ein komplettes Picknick. Die »Bilderwerfer« sind eine der vielen großen und kleinen Filmhappenings, die in diesen Wochen als Reihen oder als mehr oder minder kohärente Festivals daherkommen. Und ob auf Dächern, in Hinterhöfen, auf Wiesen oder sogar (fast) mitten im Wald – FrankfurtRheinMain hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten. Zu den Klassikern zählen neben den Bilderwerfern – übrigens als eines der wenigen mit freiem Eintritt – auch das »Freiluftkinofrankfurt« im Alten Polizeipräsidium und das »Kino auf dem Dach« im oder genauer auf dem Haus am Dom, beide in Frankfurt. Doch es gibt auch Newcomer wie das ebenfalls auf Dächern spielende »High Rise Cinema« auf wechselnden Dachterrassen der Mainmetropole. Nicht ganz neu, aber immer wieder gerne gesehen, ist der »Filmsommer Mainz«, der traditionell hoch oben über der Stadt an der Zitadelle startet. Ebenfalls nicht ganz neu, aber auch noch nicht so bekannt, ist »Kino e Vino«, das ab Anfang August immer mal wieder den Hof der Parkside Studios in Offenbach bespielt. Nomen est omen: Es gibt Filme und Wein. Für den Geheimtipp unter den Freiluftkinos der Region allerdings muss man sich schon ein wenig aufmachen. Mitte August lädt das Filmfest Weiterstadt zum mittlerweile 46. Mal auf seine Lichtung am Waldrand von Weiterstadt bei Darmstadt. An fünf Tagen gibt es dort dafür dann allerdings wie jedes Jahr Kurzfilme satt – und das zuweilen auch noch bis tief in die Nacht. Immerhin: Zum Programmende steht jeweils ein kostenloser Shuttlebus aus der Wildnis zurück nach Darmstadt bereit … (vss.).

Rund um die Ukraine

Ein gutes Dutzend Bücher

Ausgewählt von Litprom - Weltempfänger

Der Frankfurter Verein Litprom versteht viel von guten Büchern. Vor allem von solchen aus dem »Globalen Süden«, die hierzulande bekanntzumachen er sich auf die Fahnen geschrieben hat. Davon zeugt vier Mal im Jahr die Bestenliste »Weltempfänger« mit ausgewählten Übersetzungen aus (fast) aller Welt. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass sich die kundigen Juror*innen, selbst ausgewählte Literat*innen und sonstige Büchermenschen, auch der Ukraine und dem russischen Angriffskrieg lesend nähern. Resultat dessen ist eine Sonderausgabe des »Weltempfängers« mit ausgewählten Büchern rund um die Ukraine. Urban Shorts – Das Metropole Magazin präsentiert die belletristischen Fundstücke aus dieser Liste zum Durchklicken. Ein im wahrsten Wortsinn gutes Dutzend guter Bücher. Genau genommen: 13 Bücher von zwölf Autor*innen; ein Autor schaffte gleich doppelt die Aufnahme in diese erlesene Liste … (red.).

Freiluftkinofrankfurt, Haus am Dom, Filmfest Weiterstadt, Bilderwerfer©
Vom 21.07. bis 20.08.: Holidays am Montez - große Bühne und Experimentierfeld
Quelle: Norbert Krampf©

Orte & Menschen | Das Montez

Kunstverein mit Concert Hall

Das Montez und die Holidays-Sommerkonzerte

Kaum ein anderer Stadtteil Frankfurts hat sich in den letzten Jahren mehr gewandelt als das Ostend. Als mit Einzug der EZB dann die Osthafenbrücke gebaut wurde, musste auch die alte Honsellbrücke auf dem Weg dorthin runderneuert werden. So wurde der Raum unter den Rundbögen zur neuen Heimat des Kunstvereins Familie Montez. Und drumherum entstand der Hafenpark mit seinen Skateanlagen und Sportmöglichkeiten. Kunst, Kultur und junge Leute wurden Nachbarn. ​Das Montez mittendrin wurde für die Frankfurter*innen fortan zu einem Ort, zu dem man am Main entlang spazieren, mit Fahrrad oder auf Skates unterwegs sein kann, an dem man eine Pause bei Kaffee und Kuchen einlegen kann – und ganz nebenbei ohne Schwellenangst aktuelle Kunstausstellungen von Frankfurter und internationalen Künstler*innen anschauen kann …

Und seit letztem Jahr ist »das Montez« um eine Attraktion reicher. Schon letzten Sommer verwandelte sich die gepflasterte Terrasse vor den Rundbögen zur Konzertbühne. Die Treppenstufen hoch zur Brücke dienten als Sitzreihen, meist gab es noch aus gestapelten Bierkisten gebastelte Hocker, dazu noch Sitzkissen mit Montezdesign. Die Idee findet dieses Jahr ihre Fortsetzung. Fünf Wochenenden lang laden bei freiem Eintritt die »Holiday«-Konzerte mit deutschen und internationalen Musikern und DJs. In hoher Qualität, wofür schon die Tatsache sorgt, dass es sich bei den gut vernetzten Initiatoren teils selbst um ausgezeichnete Musiker handelt. Die Idee stammt nämlich von »Jazz Montez«, einer Gruppe Musiker und Jazzfans um Lorenzo Dolce und John Steinmark, sowie Mirek Macke, dem Betreiber des Kunstvereins, die frischer Musik mit Bezügen zum Jazz eine Plattform bieten wollten – und seither junges Publikum und altgediente Jazzer zusammenbringen. Die Konzerte sind keinesfalls gefällig, zuweilen überraschend und oft mit dem Potential, von einzelnen Akteur*innen in den nächsten Jahren öfter mal zu hören. Wem es auf der Treppe allerdings bereits zu eng ist, der begebe sich zu den Zaungästen nach oben auf die Brücke. Von dort schweift der Blick obendrein nicht nur über die Bühne, sondern gleichsam weiter über den Hafenpark und die EZB, im Hintergrund stets die Skyline mit ihren Brücken und Türmen, hinter denen vielleicht sogar gerade noch die Sonne über Frankfurt untergeht. Derweil der steinerne Panther am Rande des Brückengeländers gelassen in Richtung Bühne, auf das muntere Treiben und auf den Main schaut … (sfl.).

Beste Bücher aus aller Welt

Von den Anden bis Wuhan

Ausgewählt von Litprom - Weltempfänger

Urlaubszeit ist nicht nur Reise-, sondern auch Lesezeit. Genau der richtige Moment, in einer neuen Zusammenarbeit von Litprom – Literaturen der Welt und Urban shorts – Das Metropole Magazin einen kleinen Strauß frischer und lesenswerter Bücher aus aller Welt vorzustellen. Sie kommen aus Chile und China, aus Japan und Israel, aus Mexiko, Brasilien und Argentinien. Sie handeln von Politik, von Geschichte, von Gesellschaft(en) und Gegenwart(en), vor allem aber von Menschen und ihren Schicksalen in vielen Teilen des globalen Südens zwischen Mittelamerika und Ostasien. Der Verein Litprom, der sich seit mehr als 40 Jahren Büchern und Autor*innen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Arabischen Welt widmet und diese vor allem durch Übersetzungen fördert, präsentiert seine Bestenliste vier Mal im Jahr mit jeweils sieben neuen Übersetzungen aus diesen Teilen der Welt. Zum Durchklicken sind sie künftig auch als kleine, sehr spezielle Lesetipps auf Urban shorts – Das Metropole Magazin zu lesen … (red.).

Norbert Krampf©
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Quelle: FKV / Sinclair Haus / NKV / Ausstellungshalle©

Aktuelle Ausstellungen

Mitten in der Gesellschaft

Ausstellungen mit sehr politischen Themen

Kultur ist immer auch politisch, Kultur muss immer auch politisch sein. Zugegeben: Dieser Satz stand bereits im Frühjahr auf dieser Seite an dieser Stelle. Doch auch in diesem Sommer sind einige der sehenswertesten Ausstellungen in der Region politisch. Am augenfälligsten ist dies im Frankfurter Kunstverein. »Three Doors – Forensic Architecture / Forensis« ist eine künstlerisch-forscherische Aufarbeitung rassistischer Gewalt und dessen, was sie in und mit einer Gesellschaft macht. Die drei Türen, die der Ausstellung den Namen gaben, sind die symbolischen Türen der Polizeistation in Dessau, in der 2005 der Asylsuchende Oury Jalloh ums Leben kam, des Notausgangs jener Bar in Hanau, die zwei der Terroropfer 2020 das Leben hätte retten können, und die Haustür des Mörders von Hanau. Ganz anders politisch die Ausstellung »Wandelmut« und das Stadtbelebungsprojekt »UND Bad Homburg« im Sinclair Haus Bad Homburg (bis Ende Juli). Es geht, wie der Name schon suggeriert, um ökologischen und gesellschaftlichen Wandel. Herzstück ist der »Wandelsalon«, der von Künstler*innen partizipativ und experimentell bespielt wird. Dass Kunst, die politisch ist, durchaus wirkt (wenn auch nicht alleine), zeigt die Ausstellung »Fluxus Sex Ties« im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. Vor 60 Jahren wurde dort die Fluxus-Bewegung mehr oder minder mit der Zertrümmerung eines Klaviers begründet. Heute zeigt eine Ausstellung zu 60 Jahren einen skurrilen Blick auf die künstlerische Emanzipation des Klaviers jenseits der Musik, die auf ihm gespielt werden kann. Und zugleich eine Schau weiblicher künstlerischer Emanzipation im Schatten der Fluxus-Bewegung. Unter anderem mit einem mitnehmbaren Kunstwerk von Yoko Ono – eine Art Kunst für alle, die auch vor 60 Jahren nicht so selbstverständlich gewesen wäre. Last but not least noch einmal ein Blick nach Frankfurt. Auf eine charmante, bereits vor einigen Jahren etablierte Idee der Ausstellungshalle 1 a in Sachsenhausen. »Sommergäste« sind fünf Kurzausstellungen unterschiedlicher Künstler*innen der Region, die jeweils nur vier Tage von Donnerstag bis Sonntag laufen. Ein wenig der Tatsache geschuldet, dass 95 Prozent der Besucher*innen von kleinen Kunstausstellungen eh nur am ersten und am letzten Tag vorbeischauen. Und dafür aber eine Möglichkeit, mehreren Künstler*innen eine Einzel- (oder Duo-) Ausstellung zu geben. Insbesondere solchen, die nicht mehr an Kunsthochschulen studieren und von der oft unverhältnismäßig großzügigen Nachwuchsförderung vieler Städte, Einrichtungen und vor allem Unternehmen profitieren. Was auch diese Ausstellungsreihe letztlich zu einer sehr politischen Sache macht … (vs.).

FKV / Sinclair Haus / NKV / Ausstellungshalle©
The Cube von Jens J. Meyer
Quelle: Internationaler Waldkunstpfad©

Orte & Menschen | Darmstadt

Zur Kunst in den Wald

Der Internationale Waldkunstpfad

In Europa lebten die Menschen ja bekanntlich vornehmlich im Wald. In manchen Ländern wie Österreich gäbe es sogar ganze »Waldstädte«. Zugegeben: Das war ein Gerücht, in die Welt gesetzt von einem einst im Weißen Haus residierenden einschlägigen Europa-Experten, der noch dazu Fachmann für Gerüchte und Fake News war. Doch so ganz Fake war diese News dann ausnahmsweise mal doch nicht. Zwar scheint an den Waldstädten wenig dran zu sein. Aber ein Internationales Waldkunstzentrum gibt es sehr wohl in Europa. Und das liegt im Wald bei Darmstadt. Und das ist durchaus renommiert, war es doch das erste seiner Art, das auch bereits Nachahmer in China, den USA und sogar in Österreich gefunden haben soll (was vielleicht auch das Gerücht wiederum erklärt).

Nun, mit Venedig oder der Documenta kann das seit nunmehr bereits zwei Jahrzehnten bestehende Zentrum mit dem zugleich ersten Internationalen Waldkunstpfad noch nicht mithalten. Doch eine Biennale gibt es auch im Wald bei Darmstadt. Zuletzt trafen sich im Corona-Jahr 2020 internationale Künstler*innen. Die damalige Artist-in-Residence, die US-Amerikanerin Regina Walter, und weitere 15 Künstler*innen aus sieben Ländern füllten das Biennale-Motto »Kunst/Natur/Identität« mit Leben und mit zahlreichen Installationen, Performances und BankART. Da man im Waldmuseum nicht dazu neigt, nach einer Biennale alles wieder wegzuräumen, kann man seit Frühjahr die Werke von damals auf eigenen Führungen oder auch einfach so derzeit wieder besichtigen. Zugleich kündigen sich die Vorboten der nächsten, der Jubiläumsbiennale unter dem Motto »Kunst/Natur/Wandel« an. Dabei soll es nicht nur um Klima-, sondern auch um sozialen und digitalen Wandel gehen. Letzterer ist auch im Waldkunstzentrum und auf dem zugehörigen Pfad eingekehrt. Gemeinsam mit dem Verein »Kultur einer Digitalstadt« wird das Ganze nun erstmals auch digital vermessen und digitalisiert. Zum einen, um den Waldkunstpfad auch im Netz zugänglich zu machen. Zum anderen, um eingeladenen Künstler*innen auch ein Vorbereiten oder sogar Gestalten ihrer Werke aus der Ferne zu ermöglichen. Der Fokus soll allerdings weiterhin darauf liegen, ein realer Ort der Begegnung zu sein, Natur, Kunst und Menschen zueinander zu bringen; in diesem Jahr sogar erstmals mit einem »Jungen (Kunst-) Wald«, den Schulklassen gestaltet haben. Ach ja, schlecht besucht ist das »Waldmuseum« auch nicht gerade. Bis zu 200.000 Menschen sollen sich dort pro Jahr einfinden. Deutlich weniger zwar als im Städel, der Schirn oder dem Senckenberg-Museum in Frankfurt, aber ebenso deutlich vor dem Historischen Museum, dem für Angewandte und erst recht dem für Moderne Kunst. Und das sind denn in der Tat keine Gerüchte … (sfo.).


Von der Ostsee bis fast zum Rheinfall
Quelle: ADFC/April Agentur©

Non-Urban | Radwandern

Republik per Pedale

Beliebte deutsche Radwege

Ferienzeit ist Reisezeit. Und dieses Jahr wohl vor allem Bahn-Reisezeit. Doch während alle in diesem Sommer vom Neun-Euro-Ticket schwärmen, setzt Urban shorts – Das Metropole Magazin auf die Variante am Wegesrand. Wer also sein kostbares (Urlaubs-) Leben nicht unbedingt in vollen Zügen genießen will, dem zeigen wir gemeinsam mit dem ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club, die zehn beliebtesten und trotzdem wahrscheinlich keineswegs überfüllten Radwanderwege in Deutschland. Sie werden vom ADFC immer wieder neu ermittelt und vorgestellt. Der Weg, der schon seit Jahren immer wieder vorne mit dabei ist und das längste Teilstück innerhalb Deutschlands hat, führt von der Nordsee immer an der Elbe entlang von Cuxhaven über Hamburg und Dresden auf rund 840 Kilometern bis nach Königstein an der Grenze zu Tschechien. Wer trotz Corona noch weiterfahren mag, kann die Tour auch noch auf 1270 Kilometer tief ins Nachbarland hinein ausdehnen. Wem das für vielleicht ein paar freie Tage doch zu sportlich ist, kann eine der neun anderen Routen wählen. Und wer im Rhein-Main-Gebiet »nur« nahe der eigenen Haustür rund um Frankfurt drauflosfahren möchte, findet etwa auf der Seite Regionalpark Rhein-Main das regionale Pendant mit fünf ausgewählten Radwanderwegen in der Region (sfo.).