Zum Re-Start | Galerien von neuliXt

Der Mensch in der Kunst

Fotografische Beobachtungen auf Vernissagen

Galerien gehören zu den wenigen Kunst-Orten, an denen Kunst und Menschen selbst in tiefsten Corona-Zeiten zueinander finden konnten – wenn auch dann in der Regel nur durch die meist großen Schaufenster. Dies nimmt Urban shorts zum Anlass, einmal rein zu schauen in die Frankfurter Galerien – oder genauer: auf die ganz eigenen »Mensch und Kunst«-Betrachtungen des Offenbach-Frankfurter Fotografen Hans-Jürgen Herrmann zu schauen. Seit sechs Jahren hält der passionierte Vernissagen-Gänger das Aufeinandertreffen von Kunst und Kunstbetrachtern vornehmlich in den Galerien und Off spaces von Frankfurt und Offenbach fotografisch fest. Für sein Facebook-Blog »neuliXt« sind auf diese Art und Weise mittlerweile rund 200 Fotoserien mit rund 2000 Aufnahmen entstanden. Es sind Bilder, die im wahrsten Wortsinn die Menschen in der Kunst zeigen. Aber auch die Menschen mit der Kunst. Und die damit etwas zeigen, was (fast) keine Ausstellungsbesprechung aufzeigt und aufzuzeigen vermag: die Wirkung der Kunst auf die(se) Menschen. Wobei nicht selten Kunst und Kunstbetrachter bei diesen zufälligen Aufeinandertreffen eins werden – für sich, aber oft auch für den Betrachter des Betrachters und des Betrachteten. Nicht selten der Moment zweier erstaunlicher, zuweilen tiefer, zuweilen auch skurriler Symbiosen – und allein für diesen Moment festgehalten. Urbans shorts präsentiert einige dieser Momente in der Galerie zum Durchklicken. Weitere Ausschnitte des Œuvres waren und sind immer wieder auch in Frankfurter Galerien zu sehen (vss.).

Virtual Artist | Beate Fahrinsland

Museumsrandlandschaften

Die kleinen Details in den großen Museen

Museen am Rande betrachtet – Beate Fahrinsland schaut in den Ausstellungstempeln dieser Welt dorthin, wo eigentlich keiner hinschaut. Auf ein Kabel an der Decke, auf die alten rissigen Polsterbänke, auf den Boden, in die Ecken, Kanten und Ritzen. Rund 100 Museen rund um den Globus hat sie so mit ihrer Kamera bereits durchstreift und »inspiziert«. Mit viel Aufwand hat sie dabei die kleinen Details am Rande der scheinbar großen Kunstwerke ins Licht gerückt. Und damit aus dem zerschlissenen Leder der Polsterbänke, aus verkratzten Fußböden oder einem Kabel an der Decke selbst faszinierende neue Kunstwerke gemacht. In einer Art, die manches gestandene Pendant blass erscheinen ließe. Urbans shorts präsentiert ein Dutzend ihrer schwarz-weißen Museumsrandlandschaften in der Bildergalerie … (vss.).

Virtual Artists | Ina Holitzka

Baustellen-Metamorphosen

Die Baustelle(n) Frankfurt(s) als Projektionsfläche

Nichts boomt in Frankfurt wohl derart wie das Bauen. Ob Ostend, Gallus oder Innenstadt – Überall werden permanent neue Büro- und Wohnblöcke aus dem Boden gestampft. Manche Teile der Stadt sehen aus wie eine einzige Großbaustelle. Vor allem jenes Ostend. So musste die Frankfurter Künstlerin Ina Holitzka im dortigen AtelierFrankfurt nur aus dem Fenster schauen, um die Projektionsfläche für ihr großangelegtes Kunstprojekt »Passage« frei Haus geliefert zu bekommen. Wie wohl keine zweite Künstlerin Frankfurts denkt, arbeitet und spielt sie mit der längst Synonym dieser Stadt gewordenen Baustelle. Sie fotografiert, verfremdet, digitalisiert, transformiert und interpretiert, was im wahrsten Wortsinn vor ihren Augen wuchs und wächst. Und macht(e) sich künstlerische Gedanken über das gleichsam manifeste und flüchtige Wesen und Werden dieser Stadt. Projekt trifft sich mit Projektion, Reflektieren mit Reflexion an diesem und auf diesen Ort. Herausgekommen sind neue Welten, faszinierende Landschaften und fast lebende Organismen – spannender als viele der Bauten, welche tatsächlich aus diesen Beton- und Stahl-Fundamenten der Großbaustellen gewachsen sind. Teile der »Passagen« waren bereits im Foyer des Frankfurter Medico-Hauses neben dem AtelierFrankfurt zu sehen. Jenes Hauses also, das genau auf diesen gezeigten Fundamenten vor dem Fenster der Künstlerin ruht. Wobei tatsächlich gerade dieses eines der wenigen ist, das etwas anders ist als die vielen gleichen Bauten, die sonst so in diesem bau-boomenden Ostend entstehen (vss.).

»Virtual Artists« ist die Reihe virtueller Ausstellungen regionaler Künstler*innen mit urbanen Themen – von Urban shorts eigens in Corona-Zeiten noch einmal präsentiert, auch als Vorgeschmack auf die bald wieder zu sehende Kunst | Mehr Virtual Artists: Galerie(n) | Mehr zu Ina HolitzkaWebsite  + Passage (Webkatalog)

Virtual Artists | Niko Neuwirth

N.N. – Auf den Dächern

Subversive Baustellen-Betrachtungen (3)

Nachts begibt er sich auf Baustellen und auf die Dächer der Stadt. Je höher, desto besser. Und er sucht die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (können). Neue faszinierende Blick- und Stadtlandschaften tun sich auf – für ihn und für die Betrachter*innen seiner Fotos. Schon seit einigen Jahren dokumentiert Urban shorts immer wieder die nächtlichen »Beutezüge« des Frankfurter Fotografen Niko Neuwirth. In den vergangenen Wochen waren einige seiner »Beutestücke« im Frankfurter Heussenstamm in einer realen Ausstellung zu sehen und immer wieder einzeln auch auf Urban shorts. Urban shorts dokumentiert nun zum dritten Mal diese Beutestücke noch einmal zum Durchklicken in einer eigenen Bilderserie: »N.N. – Auf den Dächern« (red.).

Virtual Artists | Jugend-Projekt

Mein (junges) Rhein-Main

Andere Perspektiven aus und auf RheinMain

Politik wird in der Regel von Menschen mehr oder minder weit jenseits ihrer zweiten Lebensdekade gemacht. Doch die von diesen Menschen gemachte Politik betrifft auch die Jugendlichen, welche als »kommende Generationen« gerne zum Ziel solcher Politik ausgegeben werden. Da wäre es doch zuweilen hilfreich, sich diese junge Generation oder gar die Welt einmal mit den Augen jener jungen Menschen anzusehen, zumindest jener, die bereits in der politischen Tür stehen. In dem außergewöhnlichen Fotoprojekt »MeinRheinMain / next_generation_city« haben Politiker*innen und andere Menschen dazu die Möglichkeit. Im Rahmen der Fototriennale RAY initiierte im Sommer 2018 der Kulturfonds Frankfurt RheinMain einen Workshop, in dem 72 Jugendliche aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg mit professioneller Anleitung und ebensolchen Kameras ihr RheinMain festhalten konnten.

Herausgekommen ist eine fotografische Momentaufnahme einer Region und einer Generation. Wie sehen Jugendliche ihre Umwelt, wie sehen sie sich selbst? Eine Mischung aus Leben und Lebensgefühl(en), zusammengesetzt aus Statements, Beobachtungen, Visionen, Irritationen und zuweilen auch einfach nur künstlerischen Impressionen. Urban shorts zeigt in einer Bildergalerie eine Auswahl dieser Fotos zum Durchklicken. Mehr Bilder finden sich zudem in dem Buch »MeinRheinMain« und auf der gleichnamigen Webseite. Das Frankfurter Heussenstamm | Raum für Kunst und Stadt zeigte eine Auswahl der Bilder im Oktober – und wahrscheinlich wieder im Januar 2021. Im Heussenstamm eröffnete die Ausstellung damit zugleich die »Stadtgalerie im Heussenstamm«, ein neues Forum im Zentrum von FrankfurtRheinMain für die diskursiv-künstlerische Beschäftigung mit urbanen Themen und Fragen. Die Stadtgalerie ist entstanden in Kooperation mit dem DAM – Deutsches Architekturmuseum und Urban shorts – Das Metropole Magazin. Weitere Themen der Stadtgalerie werden in den nächsten Jahren das Grün in der Stadt, das Leben in der City oder die Zukunft mobiler Fortbewegung sein (red.).

Virtual Artists | Niklas Görke

Aus neu mach alt

Niklas Görkes Retro-Frankfurt (1)

Die Fotos erinnern ein wenig an die »gute alte Zeit«. Nein, nicht die vor Corona. Sondern ganz früher. Als noch Pferdekutschen durch die Stadt fuhren, Honoratioren Zylinder und Gehröcke trugen, kleine Läden mit Klingeln in der Tür den Handel dominierten, Kinder auf den Straßen spielen konnten. Aber halt. Hatten die früher auch schon Lastenfahrräder? Hochhäuser in Frankfurt? Und sogar Mund-Nase-Masken? Niklas Görke versetzt Frankfurt nur scheinbar in die Vergangenheit zurück. Genauer: Der Frankfurter Fotograf nutzt die Fotografie des 19. Jahrhunderts, um das urbane Frankfurt des 21. Jahrhunderts abzubilden. »Nassplatten-Fotografie« mit »Tintypes« nennt sich das. Mit einer nachgebauten »alten« Kamera wie aus dem 19. Jahrhundert, einem Stativ und einem modernen Lastenrad fährt er durch die Stadt, bannt seine Motive wieder buchstäblich wie früher auf Platten (diesmal nur aus Aluminium) und entwickelt sie vor Ort im mobilen Labor auf dem Lastenrad. In der Zeit beliebiger Smartphone-Fotografie setzt er auf das Unikat. Mit Fotos, die im wahrsten Wortsinn zeitlos zu sein scheinen. Womit er auf seine Art und Weise in der Fotografen-Flut dieser Tage selbst so etwas wie ein Unikat zu sein scheint …. (vss.).