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Quelle: Günther Dächert©

Ausstellung / Porträtreihe

Wohnen im / mit / ohne Atelier

Annäherungen an das Leben von Künstler*innen

Wie wohnen, wie arbeiten, wie leben Kulturschaffende heutzutage? Dieser Frage geht eine Porträtreihe in Form einer Ausstellung und einer Artikelserie über Künstler*innen nach. Die Ausstellung »Lebt und arbeitet in …« und die Reihe »Künstler*innen. Leben. Orte.« sind eine Koproduktion zwischen »Urban shorts – Das Metropole Magazin« und dem Frankfurter »Heussenstamm. Raum für Kunst und Stadt«. Gemeinsam nähern sich die Porträts in Fotos von Günter Dächert (die im Heussenstamm zu sehen sind) und Texten von Urban shorts-Autor*innen (die nach und nach auf dieser Seite erscheinen) dem Leben, dem Wohnen und dem Arbeiten von vorerst zwölf Künstler*innen aus der Region an. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Orten. Auf Städten, in denen die Künstler*innen leben. Auf Wohnungen, in denen sie arbeiten. Auf Ateliers, in denen sie wohnen (müssen). Auf temporären Orten, die sie suchen oder die sie bespielen. Es geht in Altbauwohnungen und Hinterhofateliers, in Remisen und Reihenhäuser, in Atelierhäuser oder auch schlicht in die Denkräume in den Köpfen der Künstler*innen. Die ersten zwölf von ihnen kommen aus Frankfurt, aus Offenbach und aus dem Hochtaunuskreis. Aktuell sind alle zwölf Porträts auf den Seiten ART(S) und ARTISTS zu lesen. Die Ausstellung mit allen Fotos im Heussenstamm pausiert derzeit und ist ab 25. Januar erneut zu sehen (red.).


Pflanzen - kunstvoll und intelligent zugleich
Quelle: Diana Scherer / Frankfurter Kunstverein©

Region | Ausstellungen

Geschenkt und erforscht

Das gute Dutzend aktueller Ausstellungen

Zugegeben: Mitte Januar ist oft eine etwas unglückliche Zeit, ins Museum oder in andere Ausstellungsräume zu gehen. Rund um das meist zweite Januar-Wochenende enden in vielen Häusern die großen Herbstausstellungen. Der vergangene Sonntag etwa war die letzte Chance, in Darmstadt zwei anregende Kunstspaziergänge durch die Welten Max Liebermanns (im Landesmuseum) und britischer Fotograf*innen (Ausstellungshalle) zu machen. Doch in und um Frankfurt hängt und steht auch in den kommenden Tagen noch einiges Sehenswertes in den Museen und Ausstellungshallen. Von einer großzügigen Schenkung der verstorbenen großen Kunstsammlerin und Fotografin Ulrike Crespo profitieren derzeit das Städel und dessen Besucher*innen. Mit »Zeichen der Freundschaft« hinterließ sie der Frankfurter Institution eine vorzügliche Auswahl mit Werken von Oskar Schlemmer, Franz Marc, Otto Dix, Jean Dubuffet oder Cy Twombly. Ist diese fast kabinettartige Ausstellung eher klein und fein zu nennen, kommt auf gleichem Niveau die geradezu üppige Referenz Wiesbadens an seinen großen Sohn Jawlensky daher. Der bescheidene Titel: »Alles – 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden«. Ganz anders als diese beiden, aber nicht minder spannend, ist im Frankfurter Kunstverein die mit viel Aufwand und Expertise selbst zusammengetragene Schau »Intelligenz der Pflanzen«. Auf den Spuren moderner Wissenschaft hebt sie die Pflanzen auf eine Stufe mit Tieren und Menschen und leuchtet auf ungewöhnliche Weise den schmalen Grat zwischen Kunst und Wissenschaft sowie deren sinngebende Koexistenz am Beispiel der Pflanzen aus. Dass Kunst und Wissenschaft überhaupt eine spannende Kombination für eine Ausstellung sein können, zeigt sich auch im Bad Homburger Sinclair Haus mit »Tempo – Alle Zeit der Welt« sowie im Frankfurter Senckenberg-Museum mit der (nicht mehr ganz neuen) Dauer-Ausstellung »Das Korallenriff«. Und zum Schluss noch zwei ungewöhnliche »Geheimtipps« aus Frankfurt. Johannes-Nandu Kriesche hat im Gallus-Theater Eindrücke aufwühlender Anschläge der letzten Jahre von Paris bis Berlin aufgearbeitet. Und Silke Thoss hat im Mixer in der Fahrgasse einen Berliner Späti nachgestellt. Erste Reaktionen aufgeschreckter Anwohner soll es bereits gegeben haben … (red.).

Diana Scherer / Frankfurter Kunstverein©
Abendlicher Gang durch die Ausstellungs-Galerie
Quelle: Ruth Luxenhofer©

Orte & Menschen | West Ateliers

Künstler-Schauen im May-Ensemble

West Ateliers und Hellerhofsiedlung in Frankfurt

Kunst lässt sich – sehr corona-konform – an vielen Stellen der Region oft auch im Vorbeigehen bzw. mit etwas Distanz genießen. Ein Beispiel dafür sind die West Ateliers und die Hellerhofsiedlung im Frankfurter Gallus. Und bei näherem Interesse lässt sich oft auch vorsichtig nähertreten.  

Das Atelier ist lichtdurchflutet, gelegen in einem früheren Ladengeschäft in der neueren Hellerhofsiedlung im Frankfurter Gallus. Der Laden liegt zur Idsteiner Straße hin und besticht durch die großen Fensterfronten. Wenn die Frankfurter Künstlerin Maike Häusling sich den Blicken vorbeilaufender Passanten entziehen und in Ruhe arbeiten möchte, bestreicht sie das untere Drittel dieser Glasfront allerdings einfach mit Buttermilch. Diese, so erzählt sie, bietet effektiven Sichtschutz – und sei dennoch leicht und ohne Rückstände wieder abzuwaschen.

Maike Häusling ist eine von zehn Künstler*innen, die hier in diesen Ladenlokalen der alten Siedlung ihre Ateliers haben. Die Ladengeschäfte in der zwischen 1929 und 1932 nach den Plänen des niederländischen Architekten Mart Stam (1899 – 1986) gebauten neueren Hellerhofsiedlung im Frankfurter Gallus waren ursprünglich einmal für die Nahversorgung ihrer Bewohner gedacht. Stam gehörte zum Team, das der frühere Stadtplaner, Architekt und Siedlungsdezernent Ernst May (1886 – 1970) für die Umsetzung seines im Jahr 1925 initiierten Wohnungsbauprogramms »Das Neue Frankfurt« zusammenstellte. Hiermit wollte er der Wohnungsnot seiner Zeit entgegentreten sowie Moderne und Funktionalität miteinander verbinden. Bis zum Ende seiner Amtszeit 1930 entstanden durch das Projekt rund 12.000 neue Wohnungen in der gesamten Stadt. Bevor dieser Abschnitt der heute zu den May-Siedlungen zählenden Gebäude der Hellerhofsiedlung errichtet wurde, gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in westlicher Richtung und unweit der Bahngleise gelegen ein großes Bauprojekt: Dort stehen Häuser aus traditionell roten Backsteinen gebaut, in denen einst die Arbeiter der früheren Philipp Holzmann & Cie GmbH lebten. Dieser Teil wird als alte Hellerhofsiedlung bezeichnet.

Wer jetzt durch die neuere Hellerhofsiedlung flaniert, zwischen Frankenallee und Idsteiner Straße, der spürt noch den Geist der Moderne, den Geist von May und seinem Team – diese kubischen Grundformen, die schlicht und seriell aneinandergereiht wirken, sind von einer zeitlosen Ästhetik geprägt. Während die von Mart Stam nach den Prinzipen der kurzen Wege für die Nahversorgung mitgeplanten Geschäfte durch die Konkurrenz der Supermarktketten aus dem Straßenbild verschwanden, werden die Flächen selbst seit 2013 durch Künstler*innen wie Maike Häusling, Ruth Luxenhofer oder Michael Bloeck belebt, die dort ihre Ateliers und praktischerweise auch gleich die passenden Ausstellungsräume haben. Schlicht »West Ateliers« nennen sie diesen besonderen Ort der Kreativität, der dazu einlädt, entdeckt zu werden – architektonisch und künstlerisch. Was sich in den Atelierräumen abspielt, kann immer wieder auch von außen betrachtet werden. Die großen Fensterfronten ermöglichen den Künstler*innen Ausstellungen zu realisieren, die coronakonform umgesetzt werden können. Im Frühjahr etwa haben fünf Künstler*innen der Ateliers mit jeweils fünf Gästen unter dem Titel »Es gibt nichts Schöneres als hier zu sein!« zu ihrer dritten Schaufenster-Ausstellung eingeladen, die jeweils rund um die Uhr »geöffnet« sind. Im Herbst lief die vierte Schau dieser Art mit dem Titel »Trottoir-wunderbar!«, bei der auch die nahe Litfaßsäule und das Trottoir wie die Arkadengänge vor den Ateliers selbst mit einbezogen wurden. Am Wochenende des 3. Advent bespielte erst am Samstag die Licht-Künstlerin Diana Ninov am Abend (und an den folgenden Abenden bis Jahresende) den Ort, dann luden am Sonntag die beiden Ensemble-Künstlerinnen Maike Häusling und Ruth Luxenhofer zu einer kleinen Advents- und Verkaufsausstellung (die informell danach auch noch ein paar Tage länger dauern könnte). Die Buttermilch als Sichtschutz wird Maike Häusling dann natürlich entfernen, denn, so sagt sie, wer möchte, kann uns zu diesem Anlass ja erst recht auch von außen bei der Arbeit über die Schulter schauen (alf.).

Ruth Luxenhofer©
Das 1822-Forum: ein Klassiker der Fahrgasse
Quelle: Hans-Jürgen Herrmann©

Orte & Menschen | Fahrgasse

Kunst im Schaufenster

Frankfurts bescheidene Galerien-Szene

Die Fahrgasse ist so etwas wie das Herz der Frankfurter Galerien-Szene. Und sie war auch im tiefsten Lockdown einer der wenigen Orte in der Stadt, um Kunst nicht nur digital zu sehen. Leider muss man sagen, dass »die Szene« daraus manchmal wenig macht. Immerhin: Drei, vier Orte geben immer wieder Anlass, einmal vorbeizuschauen. Allen voran – nicht nur geographisch, wenn man vom Main her kommt – die Galerie Brigitte Maurer. Die Doyenne dieser Kunst-Straße belegt ein ums andere Mal, dass man auch mit konservativer Kunst innovativ-anspruchsvolle Akzente setzen kann. In vergangenen Jahren ließ sich dies oft an fein-kunstvollen Papierarbeiten sehen, für die sie ein besonderes Händchen zu haben scheint. Eine ähnlich haptisch-sinnliche Note strahlten auch jene Holzarbeiten von Aja von Loeper, Joseph Stephan Wurmer und Paul Diestel aus, die als »Konturen der Natur« Anfang des Jahres bei Maurer zu sehen waren. In diesem Herbst präsentierte sie zuletzt Arbeiten der Frankfurter Künstlerin Friederike Walter sowie aktuell die »Forest Tales« von Malgosia Jankowska.

Den Gegenpol im wahrsten Wortsinn bildet künstlerisch und am anderen Ende der Straße wie so oft Andreas Greulich. Man muss das, was er zeigt, nicht mögen. Aber man muss ihm Respekt zollen, immer wieder eigenwillige Künstler*innen zu präsentieren, die offenbar auch ihre Kundschaft finden. Anfang des Jahres etwa waren es die grell-extravaganten Arbeiten von Tessa Wolkersdorfer. Im Sommer eröffnete Isabel Friedrichs »Bumerang oder das Gedächtnis für Gerüche«. Seither geht es gerade hier im raschen Tempo weiter. Im September präsentierte Greulich etwa Orakelhaftes von Sebastian Meschenmoser, es folgte Ekaterina Leos »Hunting Ground«. Derzeit wird »Pixposure – A Generative NFT-Art Show« vorbereitet (Eröffnung: 13.01.2022). Doch damit ist man fast schon durch mit dem, was man für eine geballte Galerien-Szene unweit des Museumsufers erwarten würde. Während neben Maurer und Greulich sonst sehr viel einfallslose Gebrauchs-Kunst die Straße füllt, gibt es wenigstens noch drei, vier »Outsider«, welche den Ort immer wieder zumindest beleben und so etwas wie »Szene« ausstrahlen. Zwei davon sind das 1822-Forum und der »Mixer«. Beide hatten in Lockdown-Zeiten auch mal mit Schaufensterausstellungen experimentiert oder die Räume – wenn auch nicht immer originell – halb künstlerisch untervermietet. Auch bei ihnen lohnt es, immer wieder mal einen Blick reinzuwerfen – in die Räume oder in die Schaufenster. Im Mixer etwa lief 2021 ein Projekt zur Frage von Kunst und Markt mit Symposium und Ausstellungen, zuletzt etwa mit Andrea Fraser, das Forum zeigt zum Jahresende hin sehenswerte Arbeiten von Judith Block und Alexander Chalmers. Aktuell stellt der Mixer übrigens einen Berliner Späti aus.

Und auch dort, wo die Kunst selbst nur Untermieter ist, gibt es immer wieder etwas zu sehen. Das »Maria«, deren Besitzerin eigentlich Mode verkauft, hält sich immer wieder einmal eine Wand für originelle Zeichnungen frei. Und das »YokYok«, das kleine Kunst-Kiosk, schwankte in Corona-Wochen zwischen Kiosk mit Kunst und Schaufenster-Galerie mit Getränke-Verkauf. Seit Ende des Lockdowns sind Kunst und Getränke wieder gleichberechtigt. Immerhin: Zumindest das Sextett aus Maurer, Greulich, 1822, Maria, Mixer und YokYok lohnt oft einen Abstecher. Egal, ob man im ersten Lockdown-Winter durch die großen Schaufenster noch einiges an Kunst auf engem Raum erhaschen konnte – oder wenn sie seit dem vergangenen Sommer auch ihre Pforten wieder an manchen Wochenenden für die Galerien-Rundgänge oder ansonsten für einzelne kleine Kunst-Dates öffneten. Auch in diesen Tagen ist gerade diese Straße wieder der Hybrid-Kunst-Ort schlechthin: Kunst zum (Fast-) Anfassen und Kunst durchs Schaufenster gleichermaßen. Und manchmal findet sich ja auch zwischen besagtem Sextett dann doch noch das eine oder andere Kunstwerk … (vss.).

Hans-Jürgen Herrmann©
Einblicke in die Galerie Sight
Quelle: Galerie Sight©

Orte & Menschen | Becker & Sight

Kunst unter Dächern

Zwei ungewöhnliche Galerien im Dach

Selten überlaufen sind die vielen kleinen Ausstellungsräume in der Region. Manche sind sogar gar nicht so leicht zu finden. Zum Beispiel die beiden empfehlenswerten Dach-Galerien Sight und Becker. 

Es gibt sie noch, die etwas anderen Orte der Kunst, die entdeckt werden können – außerhalb jener Ausstellungsflächen wie Museen oder klassischen Galerien, an denen Passanten vorbeiflanieren und oftmals nur von der Straße aus einen Blick ins Innere wagen. Zwei der vielleicht ungewöhnlichsten Galerien befinden sich am Rande von Frankfurt: im Ausstellungsraum Becker und in der Galerie Sight. Eine liegt im Frankfurter Stadtteil Oberrad, die andere im Westend von Offenbach. Gemein haben sie eines: Sie liegen beide in privater Atmosphäre oben gleichsam unter und auch über den Dächern. Kunst, die Kultur von Wohnzimmer und Wohlfühlen sowie die ganz eigene Leidenschaft ihrer Initiator*innen gehen hier eine Symbiose ein und vermitteln den Betrachter*innen und vielleicht späteren Käufer*innen bereits einen Eindruck davon, wie Gemälde, Skulpturen, Fotografien oder Installationen in den eigenen vier Wänden aussehen könnten. Ein Stück weit entrückt, wenn auch keineswegs abgehoben, beherbergen sie ihre Gäste dabei stets sehr privat.

Ein Besuch im Offenbacher Westend alleine lohnt bereits. Das Viertel ist eines, dessen Gebäude mit ihrer besonderen Architektur seine eigenen Geschichten erzählt. So wie die Jugendstilvilla in der Schillstraße. Die unteren Räume ganz klassisch Sitz einer Kanzlei, fast unter dem Dach dann die noch recht junge Galerie Sight. Erbaut 1911 für den Fabrikaten Fr. Julius Heyne, zählt das Gebäude heute selbst zu den Kulturdenkmälern Offenbachs. Kunst ein Umfeld zu geben, und zu zeigen, wie wichtig sie im Leben sein kann, ist das Credo der Inhaberin Sabine Krempel. Die Kunsthistorikerin, Ausstellungsmacherin und Kunstberaterin entschied sich damit bewusst gegen Schaufenster oder White Cubes, also anonyme Orte mit weißen Wänden und Böden. Eine großzügige Wohnzimmer-Atmosphäre mit Parkett und farblich abgesetzten Wänden empfängt die Gäste dort seit dreieinhalb Jahren. Im Sommer sah man darin »Farbe absolut«: Werke von Künstler*innen der Galerie wie Manfred Binzer, Jan-Ulrich Schmidt oder Ina Holitzka. Aktuell sind Werke von Rupert Eder in der Einzelausstellung »Fearless Light« zu sehen. Auch wenn sich wegen Corona vor allem kleinere Grüppchen einfinden (können), soll die Galerie Ort der Kommunikation, des Austausches und der Auseinandersetzung mit der Kunst sein. Hocker, die eigens dafür vorgesehen sind, ermöglichen den Besucher*innen in Zukunft wieder, sich spontan zusammenzusetzen und miteinander zu reden. Und dabei kommen beileibe nicht nur Menschen zusammen, für die solche Räume ihr normales Wohnambiente sind.

Dass solche »Wohnzimmergalerien« auch überhaupt nicht eine Frage von Status und Geld sein müssen, zeigt sich ein, zwei Kilometer weiter im Frankfurter Stadtteil Oberrad. Sehr familiär präsentiert sich dort der Ausstellungsraum Becker. Eigentlich handelt es sich dabei um die Wohnräume des Initiators Ralf Becker, der weit oben im dritten Stock eines alten Mehrfamilienhauses in der Balduinstraße 35 lebt. Becker ist kein Galerist, er ist Schreiner. Kunst ist für ihn eine Leidenschaft. Er wohnt mit der Kunst – Zeichnungen der Künstlerin Bea Emsbach, Objekte von Wolfgang Klee (Mitgründer der Klosterpresse in Sachsenhausen) oder Gemälde von Jan-Ulrich Schmidt (jener aus der Galerie Sight) sind Teil seiner eigenen Sammlung und füllen Wände und Flächen nicht nur des Wohnzimmers. Seit 2013 organisiert er in seiner großzügigen, aber einfachen Vier-Zimmer-Wohnung zweimal jährlich Ausstellungen – zuletzt bis Anfang August Fotografien und Gemälde von Johannes Kersting. Seit Mitte November ist Taek-Bong Kim mit seinen Arbeiten zu Gast. Zu Beginn seiner Idee hatte Becker in der Wohnung zunächst einen kleinen, rund eineinhalb Quadratmeter großen Raum mit hohen Wänden umgestaltet, eine Art Kammer oder Koje mit Fensterfront, um die Kunstwerke seiner Sammlung in Szene zu setzen. Auf die Idee zum eigenen Ausstellungsraum kam er letztlich durch die vielen Künstler*innen im Bekanntenkreis. Seither gibt es zusätzlich einen zweiten »echten« Ausstellungsraum in einem der Zimmer gegenüber der Koje. Dass dazwischen die kleine Küche mit dem angrenzenden Balkon liegt, ist ein charmanter Nebeneffekt. Berühmt die Prä-Corona-Eröffnungen, die oft eher an Silvesterpartys mit gemeinsamem Küche-Stehen bei Wein und Brezeln erinnerten. Wobei auch die anderen Räume meist offenstehen – und etwa neben viel Kunst auch einen fantastischen Blick über die Oberräder Felder auf die Skyline von Frankfurt freigeben. Becker lebt seine Leidenschaft für Kunst und Künstler*innen. Er freut sich daran, sie und andere Menschen zusammenzubringen. Und wenn Künstler*innen etwas verkaufen, geht der Erlös 100 Prozent an sie … (alf.)