So oder ähnlich funktioniert Hooked on a Book
Quelle: Luise Wüstling©

Region | Hooked on a Book

Buch-Sitz-Steh-Greif-Dialoge

Buch-Geschichten der etwas anderen Art

Wie bringt man in Rhein-Main Kultur in die Region, zugleich noch zu den Menschen und obendrein diese auch noch zueinander? »Hooked on a Book«, ein Gesprächsformat für zwei Menschen und ein Buch, gelingt dieser anspruchsvolle Dreisatz derzeit immer mal wieder.

Ein gutes Dutzend Tische, eine ziemlich genau doppelte Anzahl von Menschen, ein gut illustriertes Buch und eine knappe Anleitung – Mehr braucht es an diesem frühen Abend im urigen Kulturtreff »Schanz« im kleinen Mühlheim nicht. Das Buch, es liegt anfangs in der Mitte der Tische, an denen sich jeweils ein Paar zweier Menschen recht zufällig zusammenfindet. Nun ja: ganz zufällig nicht. Alle Teilnehmer*innen des Abends mussten sich bei der Stadt oder den Organisatoren anmelden, wurden sodann paarweise zusammengemixt und teilten fortan Tisch, Stühle und eben jenes Buch für den Abend. Das Buch wiederum, fein illustriert von Luise Wüstling, enthält Sentenzen und Anregungen, sorgsam orchestriert von Helgard Haug. Sentenzen und Anregungen, um miteinander ins Gespräch und ins Interagieren zu kommen. Sich Geschichten aus dem eigenen Leben zu erzählen oder gegenseitig die Hände des / der anderen zu betrachten. Wenn diese mal für einen Moment nicht zum Reden gebraucht werden. Oder zum munteren Drehen und Wenden, zum Vor- und Zurückblättern des Buches … Was anfangs im Sitzen abläuft, geht später auch noch in angeregte »Ste(h)-Greif-Geschichten« über …

»Hooked on a Book« ist eine im wahrsten Wortsinn unterhaltsame Theaterinszenierung. Angestoßen vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der damit Kultur und Gesprächskultur in die Region bringen will. Und in Szene gesetzt von einem Team um die Berlinerin Dramaturgin Helgard Haug und die regionale Illustratorin Luise Wüstling. Oder vielleicht noch ein wenig genauer: von den Gästen, die rund um die Tische ihre eigenen Theaterstücke in Szene setzen; noch dazu quasi als Regisseur*innen, Zuschauer*innen und Schauspieler*innen in einem. »Was herauskommt, das wissen wir selbst nicht«, sagt Kulturfonds-Geschäftsführerin Susanne Völker. Doch genau das scheint auch der Sinn des Ganzen und zugleich die einzige Vorgabe zu sein. Dingen, Geschichten, Fantasie(n) ihren Lauf zu lassen. Mal mehr, mal weniger – das wiederum hängt letztlich ganz von den Interagierenden ab. Nach und nach wandert das Projekt durch die Region, macht Station vor allem in kleineren Städten und Gemeinden, und kann auch von diesen gezielt angefragt werden. Und wo es mal ist, soll es auch bleiben. Und, wie es neudeutsch so heißt, »spreaden«. Die Kommunen können das Buch weitergeben, ausleihen, vervielfältigen. Und im Prinzip können es dann alle Interessierten auch selbst anfragen. Denn auch für jede Fortsetzung bedarf es nicht mehr als einen Tisch und zwei Stühle. Und eigentlich nicht einmal dieses. Zwei Menschen, halbwegs mit Fantasie ausgestattet, reichen aus. Allerdings: Sie müssen sich dann zuweilen selbst Limite setzen. In Mühlheim waren es dann zumindest an einigen Tischen die Organisatoren, welche die Regisseur-Schauspiel-Zuschauer-Gruppe zum Aufbruch mahnte … (vss.).