Welchen Einfluss hat der Mensch auf das Klima? Wie wird das Wetter vorausgesagt? Und: sind Wetter und Klima eigentlich dasselbe? Antworten auf diese Fragen gibt es bei einem Besuch im Scape° – Wetter. Klima. Mensch. in Offenbach, einem interaktiven Ausstellungs- und Erlebnisraum mitten in der Innenstadt; zu den Kunstansichten auch noch mit Kultur gemischt.
Offenbachs Innenstadt ist ein »Hotspot«. Dies gilt auch und insbesondere für die Gestaltung des Stadtraums. Wenig Grün, viel graue, versiegelte Fläche. Da wundert es kaum, wenn sich in dem großflächigen Ladenraum am Beginn der Fußgängerzone Menschen drängen, die allerdings nicht einkaufen, sondern sich informieren wollen. Tafeln, Stellwände, graphische Darstellungen, viele Zeichnungen, Experimentierfläche ziehen die Leute an. »Grüne Mitte« heißt diese Mischung aus Ausstellung und Info-Veranstaltung, in welcher Ideen vorgestellt werden, wie dieser Hotspot angenehmer gestaltet werden könnte. Es geht um ein kleines Stadtwäldchen mitten in der weitläufigen Fußgängerzone, um Begrünungen und Entsiegelungen, aber auch um Probleme, welche eine Innenstadt mit sich bringt, in der große Teile auf Tiefgaragen fußen und an diesen Stellen zum Beispiel Bäume es schwer haben. Und doch: eine als realistisch eingeschätzte Idee sind 200 neue Bäume – was deren Zahl verdreifachen würde. Allerdings: bis 2050.
»Grüne Mitte« ist nur eine der vielen Veranstaltungen, die im Scape° seit einem Jahr stattfinden. Eingebettet in einem interaktiven Ausstellungs- und Erlebnisraum, der 2025 eröffnet wurde und Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu einlädt, Fragen zu Umwelt, Klima und Wetter an verschiedenen Mitmachstationen auf den Grund zu gehen. Wie können wir Stadt gestalten? Welchen Einfluss hat der Mensch auf das Klima? Wie wird das Wetter vorausgesagt? Und sind Wetter und Klima überhaupt dasselbe? Der Ort ermöglicht den Besucher*innen, auf eine leicht verständliche und spannende Art und Weise einzutauchen in die eigentlich komplexen Themenwelten. Der Erlebnisraum ist (kosten-) frei zugänglich und informiert – auf Augenhöhe, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. »Wir betreiben das Scape° wie ein Ausstellungshaus«, erzählt die wissenschaftliche Leiterin Marisa Fischer. Neben dieser Basis gibt es regelmäßig Workshops und Veranstaltungen. So beginnt im Juni für Jugendliche und junge Erwachsene die Workshop-Reihe »Klima Art«, in der künstlerische Ausdrucksformen wie Fotografie, Video oder Malerei dazu eingesetzt werden, sich mit ökologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. In der Reihe „Culturescape°“ werden auch Filme gezeigt oder es gibt Lesungen. Auch hier geht es darum, den jungen Teilnehmer*innen Gelegenheit zu geben, sich kreativ, aber auch kritisch damit zu beschäftigen, wie es mit dem Klima auf der Erde weitergeht.
Das Scape° ist dabei nicht nur selbst mitten im Hotspot, nur wenige Laufminuten zu Fuß von der S-Bahn-Haltestelle »Marktplatz« entfernt. Es ist ebenerdig und, genauso wie die Mitmachstationen der Dauerausstellung, durchweg barrierefrei zugänglich. Die Mitmachstationen selbst erschließen sich leicht, alles ist genauestens beschrieben. An der Klimawaage etwa stehen Fragen aus dem Alltag im Mittelpunkt. Hier können Besucher*innen beispielsweise Antworten darauf bekommen, wie viel CO₂ in verschiedenen Lebensmitteln steckt? Verschiedene Säcke gleicher Größe, jedoch unterschiedlich schwer, können an die Klimawaage gehängt werden. Je mehr CO₂ bei der Produktion eines Lebensmittels entsteht, desto schwerer ist der hiermit bezeichnete Sack. So bekommen Besucher*innen ein Gefühl dafür, welche Lebensmittel in ihrer Herstellung weniger schädlich für die Umwelt und damit fürs Klima sind. Die Exponate der Dauerausstellung erklären außerdem, auf welche Art und Weise Wetterdaten genommen werden können, welche Tiere und Pflanzen in den verschiedenen Klimazonen leben und wachsen oder welche physikalischen Kräfte wirken, wenn der Wind vom offenen Meer aus auf Land trifft – Begriffe wie Thermik, Reibung und Topografie wirken miteinander, wie genau, das kann an einer weiteren Mitmachstation in Form eines kleinen Experimentes gleich selbst ausprobiert werden. Und immer steht dabei auch die Frage im Mittelpunkt, was jeder Mensch ganz individuell zu einem gesunden Klima beitragen kann …
Die gesamte Dauerausstellung ist als ein Zusammenspiel aus aktivem Ausprobieren, Anfassen und leicht verständlichen Texten zu sehen, durch die die Themen begreifbar vermittelt werden sollen – eben ein Ort der kulturellen Bildung. »Wir sind ein Ort des Austausches, an dem auch die Rolle des Menschen mit Blick auf die Themen Wetter und Klima genauer betrachtet wird«, fasst es Fischer zusammen. Nicht von ungefähr ist das Scape°, eine Kooperation des Amtes für Kulturmanagement, des Amtes für Umwelt und Klima und der Wirtschaftsförderung sowie des in der Stadt ansässigen Deutschen Wetterdienstes (DWD), eines von 16 Projekten aus dem »Zukunftskonzept Innenstadt« und hat sich vorgenommen, die Offenbacher Stadtmitte als einen einladenden und lebendigen Ort zu gestalten (alf.).
