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Nicht nur in der Naxoshalle: Auf der Suche nach den letzten Kulturresten
Quelle: Seweryn Zelazny / Naxoshalle©

Kleine Kultur-Dates [1]

Für ein paar Minuten Kunst

Ein paar fast reale Kulturperlen

Auch wenn es Hoffnung gibt. Kultur ist trotzdem noch rar in diesen Tagen. Sie macht dies allerdings nicht freiwillig. Sondern noch immer »verordnetermaßen«. So rar, dass viele sie schon vermissen. Manche Kulturinstitutionen trifft man derzeit zwar im Internet. Doch dies ist eine Art von Kultur, mit der sich nicht alle Kulturschaffenden abfinden wollen. Einige leisten zumindest ein wenig reale »Gegenwehr«. Die vielleicht charmanteste Idee hatten die Macher*innen der Naxoshalle in Frankfurt. »Auf ein Stündchen« heißt ihre Aktion, in der Ensemble-Mitglieder freitags und samstags eben jenes Stündchen lang mit Kulturinteressierten eins zu eins durch die Stadt spazieren und plaudern. Immer ein Ensemblemitglied mit einem / einer angemeldeten Besucher*in. Auf Du und Du mit Künstler oder Künstlerin sozusagen – gleichwohl aber stets mit Maske und Abstand. Und eine »Zweibahn«-Aktion: denn erklärtermaßen – so die Naxos-Macher*innen – vermissen auch die Kulturschaffenden die Kulturinteressierten …

»Auf ein Stündchen« ist eine jener kleinen Kulturperlen, die sich dieser Tage da und dort noch finden lassen. Eine andere ist ebenfalls in Frankfurt und ebenfalls bei einem Spaziergang (wenn auch diesmal ohne organisierte künstlerische Begleitung – es sei denn, man organisiert sich diese selbst) jeden Nachmittag und Abend in den Wallanlagen nahe dem Eschenheimer Turm zu erleben. Dort am sogenannten »Bürgergarten« – jenem kleinen tiefergelegten Mini-Park, den nur wenige Frankfurter mit Namen kennen – steht der kleine Glaspavillon der ebenfalls kleinen Kreativenschmiede saasfee, durch dessen große Glasscheiben sich allabendlich ein Videoprojekt oder ein Kurzfilm sehen lässt. Nach Linus Bergs zauberhaftem Film mit dem Schwan im Januar lief dort im Februar »Disco Disse Dance« (Derzeit pausiert das Angebot). Überhaupt: Wer mit offenen Augen durch die Region läuft, findet immer wieder mal kleine Kunststücke dieser Art. In Wiesbaden etwa spielt im Nassauischen Kunstverein im Foyer begleitend zu den (noch geschlossenen) Ausstellungen eine kleine Kurzfilmschau: sichtbar durchs Portal, den Ton erhält man durch den Briefkastenschlitz. In Offenbach lässt sich an verschiedenen Stellen der Stadt ebenfalls noch immer über einige letzte Exponate des einstigen afip-Skulpturenparks stolpern. Und nochmals in Frankfurt – aber etwas weiter draußen – kann man einen Ausflug zum Niederräder Licht-und-Luft-Bad und zu einem dort präsentierten Fotowerk von Niko Neuwirth ebenso unternehmen wie zu den Ateliers West im Gallus, wo die ansässigen Künstler*innen ihre Kunst immer wieder buchstäblich in die Schaufenster stellen. Nächste Woche übrigens mit dem nächsten Anlauf … (vss.).