Gefühlt ist Bad Vilbel ja schon sehr nahe an Frankfurt. Zwar eigene Stadt, aber doch an zweieinhalb Seiten von der Metropole umgeben. Doch mit seiner alten Burgruine mit sommerlichen Festspielen, den Fachwerkhäusern rund ums Rathaus, dem Kulturzentrum Alte Mühle, den Parks und Quellen ist es schon recht eigen und eigenständig. Kultur hat hier einen beständigeren, eher weicheren Klang. Seit einem Jahr nun hat die hiesige Szene wieder einen neuen Akzent und Akteur, einen Zugezogenen. Das Umland ruft, so eine Lesart, die Metropole (ver-) drängt, so die andere.
In einem alten mehrstöckigen Haus, seitlich neben einer Hauptverkehrsader, lebt nun der eigentlich – und im Inneren wohl noch immer – Frankfurter Künstler Klaus Schneider mit seiner Frau, der Buchgestalterin Cosima Schneider. Wer das Treppenhaus hinaufsteigt zu ihrem »Haus im Haus«, einer Maisonette mit Wohn- und kleiner Atelieretage, könnte denken, sie seien schon lange hier. Die Wohnung, in der jedes Bücherregalbrett, jedes Gemälde und Gezeichnete an den Wänden klar gesetzt scheint, als sei es schon lange eingepasst. Ein Atelier, in dem alles seinen Platz hat; inklusive einem unter die Schräge hineingezirkelten Lagerraum. Bücher und Kunst geben dem Ort Charakter, auch wenn – die Werke im Atelier zeugen davon – Gerade und Linie auch dominante Züge sind. Dass Klaus und Cosima Schneider erst recht kurz hier wohnen, erschließt sich erst im Gespräch – oder wenn man ohnehin das Idyll des Hinterhauses, in dem sie vorher lebten, kannte; mit Efeu eingewachsen, mit dem ebenfalls perfekt eingepassten Ambiente und der kleinen Treppenhausgalerie im ebenfalls am Rande Frankfurts gelegenen Seckbach. Schneiders gestalten stets Lebensraum (mehr lesen).
