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Abgesagt • Naturfilmfestival - Das Naturfilmfestival im Taunus
Quelle: Naturfilmfestival ©

Kolumne von Jan Deck [4]

Eine Hilfe, die nicht hilft

Soforthilfen gehen an Künstler*innen vorbei

Ende März wurde das hessische Soforthilfeprogramm für kleine Betriebe und Solo-Selbständige online gestellt. Kurz zuvor hatte Ministerin Angela Dorn dieses auch als Unterstützung für freie Kulturschaffende angekündigt. Doch die Hoffnung der Kolleg*innen wurde schon beim ersten Anblick des Formulars enttäuscht. Betroffene können sich um einen einmaligen Zuschuss bewerben, wenn sie »unverschuldet infolge der Corona-Virus-Pandemie in eine existenzgefährdende wirtschaftliche Situation bzw. in massive Liquiditätsengpässe geraten sind«. Das große Manko allerdings: Einnahmeausfälle dürfen nicht geltend gemacht werden. Doch genau die sind das Problem für freiberufliche Kulturschaffende. Anders als vielen anderen Selbständigen dienen ihnen die Einnahmen eins zu eins zum Leben – und kaum zur Deckung beruflicher Fixkosten wie Büros, Autos oder Geräte …

Nun soll das nicht heißen, dass der Gastronom und die Kosmetikerin auf den Kosten für Lokal und Laden sitzen bleiben sollen. Doch während diese noch partiell Räume für Lieferservices nutzen oder ihre Dienste vor Ort anbieten können, müssen sich Kulturschaffende völlig neue Konzepte einfallen lassen. Wie aus unserer Umfrage, über die ich in der letzten Kolumne schrieb, sind etwa die rund vier Millionen Einnahmeverluste freier Darstellender Kulturschaffender bis Sommer Einnahmen aus Eintrittskarten oder ausfallenden Gastspielen, aber auch aus abgesagten künstlerischen Projekte oder Jobs wie beispielsweise Theater- oder Tanzworkshops an Schulen. Solche Einnahmeverluste können weder umverlagert noch bei einer Soforthilfe geltend gemacht werden. Künstler*innen werden nun auf die Grundsicherung angewiesen sein, die zwar für sie unbürokratisch und ohne Prüfungen zu bekommen ist, aber trotzdem im Antrag schon mehr Überwindung kosten, hat es doch eher auch etwas von »Armutsgrenze erreichen«. Das Problem von freien Kulturschaffenden sind eben explizit Honorare, um ihre Wohnungen zu bezahlen und ihre Familien zu ernähren, die aber nicht als Betriebsausgaben gelten und nicht durch das Programm finanziert werden dürfen. Und wenn die Theater wieder öffnen dürfen, bedeutet das nicht, dass sofort wieder Geld fließt. Auf den Spielorten wird im Herbst ein ziemlicher Druck lasten. Denn die ausgefallenen Premieren und Aufführungen werden jetzt auf den Herbst verschoben, wo aber schon andere geplant sind. Im schlimmsten Fall wird das Problem damit einfach fortgeschrieben …

Das ist mittlerweile bei den Verantwortlichen angekommen. Jetzt rauchen die Köpfe. Denn es gibt in unterschiedlichen Ländern auch unterschiedliche Regeln bei einem Programm, das eigentlich alle gemeinsam bewerkstelligen wollen. Auch Ministerin Dorn tut sicher ihr Bestes. Mal sehen was jetzt passiert, Vielleicht haben dank der Debatte zumindest ein paar Verantwortliche mehr begriffen, was Probleme und Bedürfnisse der freien Kulturschaffenden sind. Dann hat sie am Ende doch etwas geholfen, diese Hilfe, die nicht hilft …