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Fahrräder über Fahrräder: Amsterdams berühmtestes Fahrradparkhaus
Quelle: Luu / Netherlands©

Blaupause | Radverkehr

Radparken wie in Amsterdam

Fahrradparkhäuser als Rückgrat des Radverkehrs

Über 900.000 Menschen leben in Amsterdam. Und schon vor ein paar Jahren wurde die Zahl der Fahrräder auf 880.000 geschätzt. Mithin hat im Schnitt jede(r) Einwohner*in ein Rad. Dass die auch irgendwo abgestellt werden müssen (also die Räder, nicht die Einwohner*innen), ist eine der größten logistischen Herausforderungen an die Stadt; und zwar nicht nur einfach mal so, sondern auch halbwegs ordentlich und vor allem gesichert. Denn diese schiere Masse an Rädern einfach so über die Stadt zu verteilen, wäre längst der reinste Wildwuchs. Nicht von ungefähr gibt es bereits mehr als zwei Dutzend Fahrradparkhäuser in Amsterdam (zum Vergleich: in Frankfurt gibt es genau eines). Das zumindest lange Zeit berühmteste Parkhaus steht nahe dem Hauptbahnhof und fasst alleine rund 2.500 Räder. Auf drei Stockwerken verteilen sich die Drahtesel, dicht an dicht und nicht selten nochmals zweifach übereinander. Da das Parkhaus allerdings auch bereits ein paar Jahre alt ist, braucht man auch bereits Fahrradpolizisten, die den ruhenden Verkehr überwachen, Kreuz- und Querparker ebenso aussortieren wie Räder, die länger als zwei Wochen dort stehen (Strafe: 25 Euro und Rad vor der Stadt abholen). Doch 2023 bekam das Parkhaus mächtig Konkurrenz. Gleich zwei neue unterirdische Parkhäuser wurden am Hauptbahnhof in den Boden gestampft. Kapazität: 11.000 Plätze insgesamt – ganz neue Größenordnungen, wie sie wohl vorerst nur in den Niederlanden möglich sind. Die Parkhäuser am Hauptbahnhof ist allerdings nur ein Teil der fast einzigartigen Infrastruktur in dieser Stadt. Es gibt insgesamt rund 250.000 öffentliche Abstellplätze, allein rund 20.000 mittlerweile rund um den Hauptbahnhof (wobei oberirdische zunehmend verschwinden zugunsten von mehr Raum für Fussgänger*innen). Etwa 40 Prozent aller Strecken werden in dieser Stadt mit dem Rad zurückgelegt – ein Spitzenwert. Und auch die rund 500 Kilometer Radwege in Amsterdam sind eine stolze Marke. Zudem gibt es Straßen, auf denen Fahrräder Vorfahrt haben vor dem Autoverkehr; auch wenn dieser die Straßen ebenfalls nutzen darf. Alles Gründe, die Amsterdam wohl zu Recht zur Fahrradhauptstadt nicht nur in den Niederlanden, sondern vielleicht sogar neben Kopenhagen in ganz Europa machen. Apropos. Schattenseiten hat dies natürlich auch. Rund 900.000 Fahrräder werden im Jahr gestohlen. Allerdings in den gesamten Niederlanden, nicht alleine in Amsterdam … (sfo.).