Wissen ist heute ein hohes Gut. Selten zuvor waren die Wahrheit und das Wissen um die Dinge derart in Gefahr wie in unseren Tagen. In Kriegen und politischen Auseinandersetzungen aller Art werden oft gleich mehrere »Wahrheiten« gehandelt. Selten noch gibt es gute Möglichkeiten, sich ein authentisches Bild von der Welt und von anderen Ländern zu machen. Eine dieser Möglichkeiten ist sicher seit rund zweieinhalb Jahrzehnten das Filmfestival »GoEast« in Wiesbaden. Was 2001 als ambitioniertes Projekt des Deutschen Filminstituts zum vertiefenden Blick auf Osteuropas neu aufblühende Kinoszene und in die entstehenden neuen Demokratien begann, ist heute das vielleicht renommierteste Mittel- und Osteuropa-Filmfestival in Deutschland. Ob Ungarn oder Ukraine – Wer sich ein gutes Bild über aktuelle Brennpunkte verschaffen möchte, findet dort viele Facetten für ein solches. Und einiges mehr noch über Teile Mittel- und Osteuropas, die gerade nicht die Schlagzeilen füllen.
Im 26. Jahr hat das Festival eine neue Leitung mit Rebecca Heiler. Als Schwerpunkt hat sie zwar die »Revolution« ausgerufen, das Programm aber nur dezent revolutioniert. Auch sie setzt auf viele Eindrücke aus erster Hand. Rund 76 Filme – darunter viele Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren – aus 40 Ländern, vor allem aber 120 Filmschaffende aus diesen Ländern und Produktionen sind in diesem Jahr in Wiesbaden zu Gast. Einen ersten Eindruck gibt bereits die Eröffnung am 21. April: diesmal nicht mit einem Eröffnungsfilm, sondern mit einem Querschnitt mit den drei Kurzfilmen »The Exhibition«, »Berlin not for Sale« und »Eraserhead in a Knitted Shopping Bag« aus den beiden Festivalsektionen goShorts und Kaleidoskop sowie aus dem Symposium. Es geht dabei um einen queeren Fotografen mit Roma-Wurzeln in Ungarn, eine jugoslawische Schriftstellerin und Filmemacherin im noch geteilten Westberlin und eine junge Filmliebhaberin im Bulgarien vor der Jahrtausendwende. Pars pro toto steht der Abend für vieles, was in den kommenden Tagen in Filmen und Filmtalks, aber auch auf Partys und in wohl wieder unzähligen Gesprächen und Begegnungen am Rande zu entdecken ist. Und ganz nebenbei lässt sich bei der Gelegenheit auch das gerade erst nach langer Renovierung wieder neu eröffnete Caligari erleben (red.).




















