N.N. – drüber über Frankfurt und mit diesem Bild drunten am Licht-und-Luft-Bad
Quelle: Niko Neuwirth©

Orte & Kunst | Frankfurt

Drüber und drunten

N.N. an der Blauen Wand

Niko Neuwirth ist dafür bekannt, dort aufzutauchen, wo man ihn nicht erwartet. Zum Beispiel auf Hochhäusern und Baukränen. Um dort ungewöhnliche Bilder »von über Frankfurt« zu machen. Zum Beispiel aber auch mit diesen Bildern in der einen oder anderen Galerie innerhalb dieser Stadt oder in einschlägigen Magazinen – wie Urban shorts – in den Weiten des World Wide Webs. Und neuerdings taucht er auch noch draußen im öffentlichen Raum und drunten, also flussabwärts, am Rande der Stadt im alten »Licht-und-Luft-Bad« nahe der Uni-Klinik auf. Dort, wo einst das Blaue Haus stand. Bevor es abgebrannt wurde. Und wo seit ein, zwei Jahren die Blaue Wand steht. Ein Stück Plakatwand, auf der alle paar Monate neue Kunst aufpoppt. Und ein Platzhalter – Vorbote für eine Rückkehr des Kult- und Kunst-Ortes Blaues Haus. Und mit dem angrenzenden Frischluft-»Li-Lu-Bad« derweil wie geschaffen für einen Ausflug in Corona-Zeiten – und wie geschaffen für N.N. und eines seiner nächtlichen Beutestücke … (vss.).

Niko Neuwirth©
The Cube von Jens J. Meyer
Quelle: Internationaler Waldkunstpfad©

Orte & Kunst | Darmstadt

Zur Kunst in den Wald

10. Internationaler Waldkunstpfad 2020

In Europa leben die Menschen bekanntlich vornehmlich im Wald. In manchen Ländern wie Österreich gibt es sogar ganze Waldstädte. Das hat sich sogar bis in die USA und ins Weiße Haus herumgesprochen. Was bisher noch weniger bekannt ist: Auch Kunst und Kultur finden in unseren Breitengraden natürlich in der Natur statt. Das Zentrum europäischer Waldkultur ist bekanntlich Darmstadt. Jeder kennt etwa das europäische Hollywood: das Filmfest Weiterstadt, das seit Jahrzehnten alljährlich in einem bekannten Waldstück nahe Darmstadt über die Bühne, pardon: über die Lichtung geht. Wer sich hingegen für moderne Kunst interessiert, kommt natürlich nicht um das ganz sicher auch im Weißen Haus bekannte Internationale Waldkunstzentrum herum. Mit seiner von internationalen Experten in Washington sogar bereits vor Venedig angesiedelten Biennale wird es alle zwei Jahre zum Mekka moderner Kunst. Internationale Künstler*innen wie die US-Amerikanerin Regina Walter zog es auch dieses Jahr wieder dorthin. Die bekannte Urbanitäts-Künstlerin war nicht nur für die Eröffnungs-Performance mit bleibendem Kunstwerk verantwortlich. Als Artist-in-Residence wurde sie eigens eingeladen, um den Menschen im europäischen Wald auch einmal näher zu bringen, dass es auch andere Formen von Zusammenleben gibt. Weitere 15 Künstler*innen aus sieben Ländern haben in diesem Jahr das Biennale-Motto »Kunst/Natur/Identität« mit Leben und mit zahlreichen Installationen, Performances und BankART gefüllt. Die Darmstädter Museumsmacher*innen haben dabei schon lange vor Corona auf Abstand geachtet. Damit die Menschen nicht pulkartig in ihrem Waldmuseum herumstehen, führt eigens der (in diesem Jahr bereits 10.) Waldkunstpfad durch dieses Museum. Gerüchten zufolge sollte in diesem Jahr übrigens der international renommierteste Waldexperte aus Washington die Ausstellung eröffnen. Er musste sein Kommen allerdings auf den 11. Waldkunstpfad 2022 verschieben – sofern er in den USA bis dahin noch ein paar offene Fragen und seinen aktuellen Wohnsitz geklärt hat … (sfo.).

Offline | Apfelwein-Galerie

Frankfurt in Fotos und Flaschen

Galerie mit Street Photography und Apfelwein

Apfelwein-Galerie – der erste Teil des Namens ist vorerst etwas irreführend. Das Frankfurter Nationalgetränk wurde dort zwar in den letzten Wochen ebenfalls verkauft, aber vorerst corona-bedingt doch sehr auf Sparflamme. Zielführender ist der zweite Teil des Namens. Die neue Frankfurter Galerie des (Ex-) Werbers und Fotografen Martin Schitto zeigt Fotografien. Dem ersten Teil des Namens folgend, meist Fotografien mit Lokalkolorit. Street Photography nämlich, vor allem von und/oder aus Frankfurt. Frankfurter Fotografen – es sind tatsächlich bisher ausschließlich Männer und solche zumindest aus dem Großraum Frankfurt – und Motive aus der Main-Metropole. Teils stadtbekannt wie Hauptbahnhof oder Hauptwache, teils Genreszenen etwa aus dem Bahnhofsviertel oder beim Barbier, teils einfach nur faszinierende Details von Hausfassaden oder Haustürklingeln. Der Lokalkolorit dieser Art soll weitgehend Programm sein. Die Fotografen – und demnächst erklärterweise auch Fotografinnen – sollen weiterhin vornehmlich aus der Region kommen. Die Street Photography darf allerdings auch schon mal New York oder Barcelona meinen. Passend zum Lokalkolorit übrigens auch der Ort: ein kleines Laden-Lokal am Rande der Frankfurter Kleinmarkthalle. Und damit kommt doch noch mal der erste Teil des Namens ins Spiel. Die »AW-Galerie« verkauft auch ausgewählten Apfelwein und Apfelsaft aus der Region; nicht im Ausschank, sondern zum Mitnehmen und, vornehmlich nach Corona natürlich, vielleicht auch zum »Umme-Ecke-Trinken«. Und wie beim Galerie-Gedanken, sollen auch die Getränke durchaus von wechselnden Produzent*innen kommen. Denn das war die ursprüngliche Idee Schittos: Frankfurts Nationalgetränk gepaart mit Frankfurter Fotografie. Und eines noch: ein Drittel der Schau-Fläche der kleinen Galerie sind die großen Fensterflächen nach außen. So können sich viele Aufnahmen der aktuellen Ausstellung mit Alex Rossa und Daniel Baumann auch in den Weihnachtstagen noch sehen lassen. Und da die Galerie in der Kleinmarkthalle liegt und eben auch Getränke verkauft, dürfte sie sogar in Lockdown-Tagen noch offen haben (vss.).

Internationaler Waldkunstpfad©
Abends in Sachsenhausen: Die Wendeltreppe in der Brückenstraße
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Offline | Die Wendeltreppe

Eine Treppe und zwei Miss Marples

Mit 4.000 Titeln erste Adresse für Krimifans

Zu Orten der Kultur zählen ganz sicher auch Antiquariate und Buchhandlungen. Nicht nur, dass man in normalen Zeiten dort herrlich stöbern, sich inspirieren lassen und die ganze Welt der Literatur entdecken kann. Doch auch in Lockdown-Zeiten stehen sie zu Diensten. Ihre Schaufenster sind wahre Fundgruben, fast bei allen wird auch weiterhin am Telefon beraten – und vor allem bestellen und liefern Antiquariate und Buchhandlungen auch jedes lieferbare Buch. Pars pro toto stellen wir eine der besonderen Buchhandlungen der Region vor. 

[> Beitrag auf eigener Seite lesenDer kleine Buchladen am Rande des Brückenviertels gehört heute zum festen Inventar des Sachsenhäuser Kultquartiers. Und: Er ist selbst längst Kult geworden. 4000 Titel, ausnahmslos Krimiliteratur, stehen gut sortiert in den Regalen. Auch ein kleines Buchantiquariat ist Teil des Angebots. Die Wendeltreppe – sie ist seit drei Jahrzehnten das Reich der beiden Krimi-Expertinnen Jutta Wilkesmann und Hildegard Ganßmüller. Mittlerweile fast schon selbst zwei veritable Miss Marples, kennen sie fast alle Autoren und Inhalte, können beraten und laden – zumindest außerhalb der Corona-Zeiten – regelmäßig am ersten Donnerstag im Monat zu einer Lesung in das Geschäft ein. An diesen Abenden, bei denen sie auch von Freunden unterstützt werden, gehe es darum, in entspannter Atmosphäre über die Bücher und ihre Inhalte zu sprechen und einen lebendigen Austausch zu ermöglichen. Wie viele Krimis sie selbst schon gelesen haben, können sie nicht genau beziffern. Auf jedem Fall »sehr viele«. Deswegen sind Krimi-Fans auf der Suche nach spannenden Büchern hier auch an der richtigen Adresse.

Ein persönliches Erlebnis brachte Jutta Wilkesmann Ende der 80er Jahre auf den Gedanken, eine Buchhandlung für Kriminalliteratur zu eröffnen. Damals, so erzählt sie, sei das Genre lange nicht so populär gewesen wie heute. Auch sie selbst habe erst spät damit angefangen, Krimis zu lesen. »Freunde hatten mich dazu gebracht.« Dass sie ihrer Buchhandlung den Namen »Die Wendeltreppe« gab, ist nicht dem gleichnamigen US-amerikanischen Thriller von Robert Siodmark aus dem Jahr 1946 zu verdanken. Von dem hängt zwar ein Plakat an der Wand des Geschäfts, doch es ist vielmehr die Wendeltreppe selbst, die es in den ersten Räumen der Buchhandlung gab und die im Februar 1989 in der Brückenstraße eröffnete. Trotz eines Umzugs vier Jahre später in einen größeren Laden ein paar Häuser weiter, steht auch dort immer noch eine Wendeltreppe zur Dekoration. Sie ist ein Symbol dessen, was den Buchladen für Kriminalliteratur, den Wilkesmann seit seinen Anfängen mit Unterstützung von Hildegard Ganßmüller führt, ist: Eine Oase für Krimi-Fans und solche, die in unserer schnelllebigen Zeit ein- und abtauchen wollen in die Welt des Genres …

Erst seit den 90er Jahren wurden Krimis unter Buchlesern immer beliebter, weiß Wilkesmann. So beliebt, dass sie sogar regelmäßig eine kleine Zeitung für ihre Kunden herausbrachten: das »Kriminal-Journal«. »Irgendwann war der Aufwand aber so groß, dass wir die Zeitung eingestellt haben«. So oder so sind Krimis für Wilkesmann immer viel mehr als nur Mord. »Mich fasziniert, dass Krimis immer sehr schnell auf politische, gesellschaftliche und soziale Zustände reagieren«. Übertragen auf die reale Welt, bedeute dies, dass auch eine Gesellschaft immer bemüht sein müsse, den Täter zu finden, weil sie sonst nicht überleben könne und Misstrauen entstünde. Ein guter Krimi müsse daher auch immer gut recherchiert sein. Doch auch das Krimigeschäft unterliegt dem Wandel. Die Zeiten haben sich verändert, nicht nur im Hinblick auf Technik und das Leseverhalten. Wilkesmann nennt als Beispiel den bevorstehenden Brexit, der sich unter anderem auch auf den Bezug der Bücher von britischen Verlagen auswirken werde. Doch wie genau, das werde sich – wie bei einem guten Krimi – wohl auch hier erst nach und nach zeigen … (alf.)

Barbara Walzer (bw.)©
Jeder Platz ausgenutzt im Antiquariat von Ines Streu und Thomas Orban
Quelle: Ines Streu©

Agenda Offline | Orban & Streu

Für die kleinen Welt- und Zeitreisen

30.000 Bücher, die es - eigentlich - nicht mehr gibt

[> Beitrag auf eigener Seite lesenDie hohen Räume laden zum Verweilen und Stöbern ein. Alte Bücherregale bis unter die Decke, übervolle Büchertische auf jedem freien Quadratmeter, noch mehr Bücher, stehend auf dem Treppenabsatz. Bücher, wohin das Auge schaut. Und dort, wo an ein wenig freier Fläche an den Wänden mal keine Bücher sind, sind Bilder oder alte Drucke zu sehen. Atmosphärisch erinnert alles ein wenig an die berühmten Buch-Antiquariate in Paris, die sich unweit der Seine etabliert haben. Doch wer kann dieser Tage schon unbeschwert oder überhaupt nach Paris reisen? Wer möchte, kann sich zumindest statt dessen bei Orban & Streu im Frankfurter Nordend täglich auf eine kleine Welt-, Zeit- oder eben einfach Paris-Reise begeben …

Vielleicht wird der Ort damit noch zu einem Geheimtipp im Corona-Jahr. Das Buch-Antiquariat Orban & Streu ist in einem alten Laden an der Eckenheimer Landstraße untergebracht. Gegründet wurde es 2004 von Thomas Orban und Ines Streu, denen es auch heute noch gehört. Und die auch durchaus mehr tun, als nur ihre Bücher beaufsichtigen. Ein Kunde, der gerade hereinkommt, ist auf der Suche nach einem ganz bestimmten Titel, den es regulär nicht mehr im Buchhandel zu kaufen gibt. Orban sitzt hinter seinem Verkaufstisch. Er macht ein paar Eingaben am PC, um zu schauen, ob der gesuchte Titel im Bestand des Geschäftes aufgelistet ist. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden. »Leider nicht«, bedauert er. Anfragen wie diese gehören zum Alltag des Buch-Antiquars. Aber das ist kein Problem. »Wir begeben uns für Kunden auch auf die Suche nach Büchern, wenn wir sie selbst nicht in unserem Bestand haben«, erzählt Orban. Und meist werden sie fündig …

Für die beiden Inhaber*innen gibt es immer viel zu tun, denn neben den rund 10.000 Büchern, die in den hohen Regalen im Laden stehen oder mit ihren Titeln sichtbar auf den Tischen ausgelegt sind, verfügt das Buch-Antiquariat noch über rund 20.000 weitere Titel, die online erfasst und eingelagert sind. Der Online-Handel ist für Orban heute nicht mehr wegzudenken. Laden und Internet ergänzten sich, sagt er. Alle Bücher sind über diverse Plattformen auch abrufbar. Und verschickt wird praktisch jeden Tag. Nicht jeden der Titel, die im Geschäft entdeckt werden können, hat Orban im Kopf parat. Dennoch weiß er ganz genau, wo die Bücher aus den verschiedenen Gebieten stehen. An jedem Regal hängt ein Schild mit den Sachgebieten und Genres. Von antiquarischen Kinderbüchern über Titel zu Film und Kunst sowie literarischen Klassikern bis hin zu Frankfurter Kriminalliteratur ist die Auswahl groß; auch spezielle Themen, beispielsweise zu Transport und Verkehr, haben ihren eigenen Platz im Sortiment und in den Regalen gefunden. Und immer schauen Orban und Streu auch mal über den Buchrand hinaus. Thomas Orban kann sich durchaus vorstellen, wenn es wieder möglich ist, kleinere Kunstausstellungen im Laden zu organisieren. Bücher und Kunst passten bestens zusammen, das zeigt sich auch in der Gestaltung der Geschäftsräume. Überall dort, wo für die Anbringung eines Regals kein Platz mehr war, präsentieren Orban und Streu Bilder in einer losen Petersburger Hängung. Kunstdrucke genauso wie Originale. Und seit einiger Zeit kultivieren die beiden im hinteren Teil des Ladens noch ein weiteres Steckenpferd: alte Vinyl-Schallplatten, die im Moment auch wieder gefragt sind. Reisen mit allen Sinnen sozusagen. Ach ja: Und Weihnachten steht ja auch noch vor der Tür … (alf.).

Ines Streu©
Das Gude - ein Wasserhaus der neuen Art. Nur an der Distanz muss noch etwas gearbeitet werden ...
Quelle: Catalina Somolinos©

Orte mit Auslauf | Trinkhallen

Neues Trinken an alten Mauern

Frankfurt und seine wiederbelebten Wasserhäuschen

Wasserhäuschen sind Kult. Und in Corona-Zeiten fast schon »systemrelevant«. 

Über Jahrzehnte gehörte das Wasserhäuschen in Frankfurt zum Alltag, ein sozialer Ort, an dem alle Generationen und Milieus einander trafen. Wo es menschelte und der Büdchenbesitzer schon wusste, wie viele Biere oder Schokoriegel man abends so kaufen wollte. Doch gerade das wollten viele Menschen irgendwann nicht mehr und haben die Anonymität eines Supermarktes oder einer Tankstelle vorgezogen. Am Büdchen strandeten nur noch die, die man lieber nicht treffen wollte. »Büdchensterben« nannte man das dann irgendwann. Doch was da starb, waren nicht nur ein paar Steine. In Zeiten, in denen über Zusammenhalt, Integration und Partizipation viel diskutiert wird, war am Büdchen eigentlich genau das gelebt worden. Und dies ist keineswegs nur als Wasserhäuschen-Romantik zu verstehen. Vielerorts ist der Büdchen-Alltag auch rauh und traurig. Wie das Leben in der Großstadt eben. Und gerade das schätz(t)en die Menschen.

Schon vor Corona erlebten diese Büdchen ihre Renaissance. In den Corona-Wochen jedoch lebten sie regelrecht auf. Für die einen wurden sie ein wichtiger Ort der Grundversorgung, wenn man sich nicht mit vielen Menschen im Supermarkt aufhalten wollte. Für die anderen wurden sie ein letzter Ort des Socialising mit ausreichender Social Distance in diesen Tagen. Vor allem in der  zuweilen etwas feineren Variante: wie eben wortwörtlich das »Fein« oder etwas abgespacter auch das »Gude« im Nordend. Das eine, sonst die kleine feine Plüsch-Oase mit der oft sehr kreativen Kuchen-Auswahl in der lauschigen Wallanlage, das in Corona-Tagen zur Ausgabe-Theke für frischen Kaffee und Kuchen wurde, den man und frau dann weitläufig rundum auf Parkbänken oder Picknickdecken im zwischenzeitlich vielleicht größten Café Frankfurts nutzen konnte. Das andere der (großflächige) Viertel-/ Kaltgetränke-Treff an der Hauptverkehrsachse, bei dem zwar die 1,50-Meter-Abstandsregel auf einer Verkehrsinsel mitten auf der Friedberger Landstraße selten ganz berücksichtigt, dafür aber ein letztlich auch nicht ganz unwichtiger letzter Teil von Miteinander gepflegt werden konnte (auch wenn mit zunehmender Lockerung nicht wenige es auch lockerer mit Müll und Lautstärke sahen). Überhaupt: Egal, wo das Büdchen steht, in der an Grünflächen reichen Bürgerstadt Frankfurt fand sich immer eine passende Außenfläche. Oder man stand mit dem entsprechenden Abstand einfach so auf einem freien Platz …

Doch schon vor Corona wurde das Kulturgut »Trinkhalle« Kult. Vereine und Initiativen entstanden rund um die Wasserhäuschen. Die »Linie 11« etwa, die 2017 sogar den »1. Frankfurter Wasserhäuschentag« feierte. Was vor Jahren zunächst als Aktion einiger Frankfurter Jungs im besten Partyalter startete, ist heute nach rund acht Jahren ein ordentlicher kleiner Verein, der als Experte in Sachen »Wasserhäuschen« gefragt ist. Die »Linie 11« hat den Kult nicht unwesentlich mitbegründet und setzt sich für den Erhalt sowie die Pflege eines vom Aussterben bedrohten Frankfurter Kulturgutes ein. Und das Engagement kommt von Herzen – nicht nur, wenn von der legendären gemischten Tüte oder von dem einzigartigen Charme der so ganz unterschiedlichen Büdchen geschwärmt wird. Ob die interaktive Wasserhäuschen-Karte, das erste Wasserhäuschen-Infomobil der Welt oder die Vernetzung der Büdchen-Betreiber: Die Macher haben immer wieder frische Ideen, um die Menschen der Stadt für ihre Traditionshäuschen zu begeistern. Und auf der Karte können auch Neu-Frankfurter oder Corona-Gestrandete ihr persönliches Wasserhäuschen finden …

Begonnen hat alles übrigens um die letzte Jahrhundertwende, als Frankfurt schon einmal boomte. Sauberes Wasser kam damals nicht aus dem Hahn, sondern eben vom Wasserhäuschen, für das die Stadt gesorgt hat. Heute ist es längst als Treffpunkt und kleiner Laden »um die Eck« wiederentdeckt worden und Teil einer neuen Kultur des urbanen Zusammenlebens. Viele alt eingesessene – wie das Jöst-Häuschen im Osthafen – und auch neue Büdchen mit kreativen Geschäftsideen gehören mittlerweile fest zum Leben im Quartier mit dazu. Genauso wie der Kult um sie, wie es die »Linie 11« oder auch die einmal im Jahr auf Tour gehenden Jungs und Mädels vom »Trinkhallen Hopping« pflegen. Um es mit der »Linie 11« zu sagen: »Wir lieben Wasserhäuschen«. Und sie stehen damit offenbar längst nicht mehr alleine – am Wasserhäuschen. Und das bestimmt auch noch lange nach Corona-Zeiten … (pem.).