Zum richtigen Essen gehört mehr als nur die Zutaten
Quelle: Salome Roessler ©

Das Festival | Klimagourmet Woche

Saisonal. Regional. Nicht egal.

Zehn Tage rund ums Klima und ums Essen

Gut leben mit gutem Gewissen. In Zeiten brennender Landstriche, Flugscham und Fridays for Future wird dies für viele Menschen immer wichtiger. Und zwar nicht nur »im Großen«, sondern auch immer öfter bereits im Alltag. Doch auch wenn alle – selbst immer weitere Teile der Politik – darüber reden, ist  die Frage aller Fragen noch immer sehr oft: Wie? Bereits seit Jahren gibt einmal im Jahr die »Klimagourmet Woche« in Frankfurt Antworten darauf. Zehn Tage geht es mittlerweile in dieser »Woche« rund um die Umwelt, das Klima und vor allem um das Essen. Reale und virtuelle Ausflüge, Filme, Vorträge und zahlreiche Verkostungen stehen auf dem Programm. Es geht um Bio im Ballungsraum, Picknick mit Unverpacktem, um Permakultur, Streetfood und Hinterhof-Himbeeren, um Eingemachtes, Kochkisten und solares Kochen. Plastiksparen und  Tierversuche stehen ebenso zur Debatte wie Regionalwährungen und die Essbare Stadt Frankfurt. Und zum Auftakt gibt es einen Poetry Slam im Park und eine Klima-Ausstellung in der Bibliothek. Wer sich hier das »volle Programm« gibt, dürfte in der Tat nach diesen zehn Tagen deutlich mehr über Klima und Essen wissen und wohl kaum derweilen verhungert sein (sfo. / vss.).

Salome Roessler ©
Das und der Orange Beach
Quelle: Olaf Gries©

Orte mit Auslauf | Orange Beach

Strand-Oase zum Guten Zweck

Olaf Gries und sein kleines Strand-Kiosk am Main

Es liegt ein wenig abgelegen vom Trubel der Stadt, eingerahmt von einem Industriekomplex und zwei Eisenbahnbrücken, draußen am Griesheimer Mainufer. Ein ausgebautes Kiosk mit Bierbänken, einer Bühne und einem Mini-Beach, inklusive Strandkorb und Liegestühlen. Und über der Eingangstür befindet sich ein Schild mit einem selbstironischen und vielsagenden Graffito: »Hot Beer / Lousy Food / Bad Service / Welcome / Have a nice Day«. Das liest sich wie das Gegenkonzept zum unweit entfernten Frankfurter Westhafen, der mit feingeschliffenem Design und Lounge-Optik ein geldkräftiges Publikum anspricht. Und es ist auch genau so gemeint …

Das »Orange Beach« ist sicherlich eine der ungewöhnlichsten Trinkhallen Frankfurts. So ungewöhnlich, wie die Geschichte des Schildes über der Tür und der des Inhabers dieses Beach-Kiosks. Olaf Gries, der den Ort seit 2006 betreibt, hat es einst in Gambia machen lassen. Dorthin verschlägt es ihn regelmäßig, weil er dort eine Schule unterstützt. Angefangen hat das um 2010/2011 herum, sagt er. Damals ist er mit einem Sack voll Trinkgeld in das westafrikanische Land gereist, auf der Suche nach einem Projekt, das er unterstützen konnte. Am liebsten etwas mit Kindern. So ist er bei der Jalangban Nursey School ein paar Kilometer hinter Brikama gelandet und hat seitdem eine Mauer um das Schulgelände sowie ein neues Dach mitfinanziert, und hat dabei geholfen, die Einrichtung zu einer Ganztagsschule zu machen. Nur vor Ort könne man wirklich helfen, indem man sich auf Land und Leute einlässt, sagt Gries. Für ihn sei das die einzige Alternative für die fehlgeleitete Entwicklungshilfe mit öffentlichen Geldern.

Genauso einfach wie sein Konzept für die private Entwicklungshilfe ist sein Konzept für den Orange Beach. Es ist ein einfacher Ort für die einfachen Leute. Ein Ort, wohin »der Frankfurter« und »die Frankfurterin« gerne rausfahren und einfach sein können. Sich auf die Leute einlassen. Geld nimmt Gries vor allem mit Konzerten ein, die hier immer wieder mal sonntags oder abends stattfinden, und mit privaten Buchungen für Betriebsfeiern, Hochzeiten und was es sonst für Anlässe zum Feiern gibt. Was er an Equipment da hat, kann genutzt werden. Außerdem sind die Gruppen frei, die Fläche zu nutzen, wie sie möchten – ob mit feinen weißen Tischdecken oder einem Parcours für Trinkspiele. Nur corona-konform sollte es natürlich sein. »Beim Olaf« ist beinahe alles möglich. Ihm geht es um die Menschen – hier ebenso wie in Gambia. Oder, wie es ein Stammgast einmal einem Fernsehsender gesagt hat: »Egal wer hier reinkommt. Der Olaf behandelt jeden gleich …«. Hier, in seiner kleinen Strand-Oase am Griesheimer Mainufer. Da, wo Frankfurt noch ein Stück weit zu Hause ist … (ojs.).

Olaf Gries©
Abends in Sachsenhausen: Die Wendeltreppe in der Brückenstraße
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Bücher & Menschen [1] | Die Wendeltreppe

Eine Treppe und zwei Miss Marples

Mit 4.000 Titeln erste Adresse für Krimifans

Zu Orten der Kultur zählen ganz sicher auch Antiquariate und Buchhandlungen. In normalen Zeiten kann man dort herrlich stöbern, sich inspirieren lassen und die ganze Welt der Literatur entdecken. Doch auch in Lockdown-Zeiten standen sie zu Diensten. Ihre Schaufenster sind wahre Fundgruben, fast bei allen wird auch am Telefon beraten – und vor allem bestellen und liefern Antiquariate und Buchhandlungen auch jedes lieferbare Buch. Pars pro toto stellen wir eine der besonderen Buchhandlungen der Region vor. 

[> Beitrag auf eigener Seite lesenDer kleine Buchladen am Rande des Brückenviertels gehört heute zum festen Inventar des Sachsenhäuser Kultquartiers. Und: Er ist selbst längst Kult geworden. 4000 Titel, ausnahmslos Krimiliteratur, stehen gut sortiert in den Regalen. Auch ein kleines Buchantiquariat ist Teil des Angebots. Die Wendeltreppe – sie ist seit drei Jahrzehnten das Reich der beiden Krimi-Expertinnen Jutta Wilkesmann und Hildegard Ganßmüller. Mittlerweile fast schon selbst zwei veritable Miss Marples, kennen sie fast alle Autoren und Inhalte, können beraten und laden – zumindest außerhalb der Corona-Zeiten – regelmäßig am ersten Donnerstag im Monat zu einer Lesung in das Geschäft ein. An diesen Abenden, bei denen sie auch von Freunden unterstützt werden, gehe es darum, in entspannter Atmosphäre über die Bücher und ihre Inhalte zu sprechen und einen lebendigen Austausch zu ermöglichen. Wie viele Krimis sie selbst schon gelesen haben, können sie nicht genau beziffern. Auf jedem Fall »sehr viele«. Deswegen sind Krimi-Fans auf der Suche nach spannenden Büchern hier auch an der richtigen Adresse.

Ein persönliches Erlebnis brachte Jutta Wilkesmann Ende der 80er Jahre auf den Gedanken, eine Buchhandlung für Kriminalliteratur zu eröffnen. Damals, so erzählt sie, sei das Genre lange nicht so populär gewesen wie heute. Auch sie selbst habe erst spät damit angefangen, Krimis zu lesen. »Freunde hatten mich dazu gebracht.« Dass sie ihrer Buchhandlung den Namen »Die Wendeltreppe« gab, ist nicht dem gleichnamigen US-amerikanischen Thriller von Robert Siodmark aus dem Jahr 1946 zu verdanken. Von dem hängt zwar ein Plakat an der Wand des Geschäfts, doch es ist vielmehr die Wendeltreppe selbst, die es in den ersten Räumen der Buchhandlung gab und die im Februar 1989 in der Brückenstraße eröffnete. Trotz eines Umzugs vier Jahre später in einen größeren Laden ein paar Häuser weiter, steht auch dort immer noch eine Wendeltreppe zur Dekoration. Sie ist ein Symbol dessen, was den Buchladen für Kriminalliteratur, den Wilkesmann seit seinen Anfängen mit Unterstützung von Hildegard Ganßmüller führt, ist: Eine Oase für Krimi-Fans und solche, die in unserer schnelllebigen Zeit ein- und abtauchen wollen in die Welt des Genres …

Erst seit den 90er Jahren wurden Krimis unter Buchlesern immer beliebter, weiß Wilkesmann. So beliebt, dass sie sogar regelmäßig eine kleine Zeitung für ihre Kunden herausbrachten: das »Kriminal-Journal«. »Irgendwann war der Aufwand aber so groß, dass wir die Zeitung eingestellt haben«. So oder so sind Krimis für Wilkesmann immer viel mehr als nur Mord. »Mich fasziniert, dass Krimis immer sehr schnell auf politische, gesellschaftliche und soziale Zustände reagieren«. Übertragen auf die reale Welt, bedeute dies, dass auch eine Gesellschaft immer bemüht sein müsse, den Täter zu finden, weil sie sonst nicht überleben könne und Misstrauen entstünde. Ein guter Krimi müsse daher auch immer gut recherchiert sein. Doch auch das Krimigeschäft unterliegt dem Wandel. Die Zeiten haben sich verändert, nicht nur im Hinblick auf Technik und das Leseverhalten. Wilkesmann nennt als Beispiel den bevorstehenden Brexit, der sich unter anderem auch auf den Bezug der Bücher von britischen Verlagen auswirken werde. Doch wie genau, das werde sich – wie bei einem guten Krimi – wohl auch hier erst nach und nach zeigen … (alf.)

Barbara Walzer (bw.)©
Viel Platz im Hafen 2
Quelle: Catalina Somolinos©

Orte mit Auslauf | Hafen 2

Sheep and Screens

Subkulturelles Biotop - auch in Corona-Zeiten

Sie gehörten zu jenen Kultur- und Gastro-Orten, die im vergangenen Jahr in Corona-Tagen eine Chance hatten, zu öffnen. Wo anders schließlich als im Offenbacher Kultur-Biotop »Hafen 2« gibt es sonst Kultur und Chillen mit so viel Auslauf? Weite und Freiraum waren schon immer dessen Markenzeichen – im übertragenen Sinne und auch wortwörtlich. Das gilt für das Programm: von den vielen fremdsprachigen Filmen bis zu den coolen Singern und Songwritern (die alle seit Juni wieder gezeigt werden und auftreten dürfen). Und es gilt für das Drumherum. Nicht von ungefähr tummeln sich hier im Sommer Familien und Freidenkende, um im gepflegt-alternativen Ambiente eben diese Filme und Konzerte zu genießen oder die Kids im ausufernden Sandkasten und bei Schafen und Hühnern spielen zu lassen.

Möglich macht es der in der Region wohl einmalige Open Air-Kino- und Konzertsaal mit echten Tieren, viel Kinder-Freifläche und dem chilligen Blick aufs Wasser. Das kleine Café auf einer Brache im sich wandelnden Hafen kann so gerade in Corona-Sommern punkten, auch mit viel freiem Grün und dünigem Sand, mit locker gestellten Bierbänken, beweglichen Sonnen-Stühlen und Platz für Picknickdecken. Alles übrigens gepaart mit viel Engagement für Migrant*innen und Flüchtlinge. Apropos Engagement: Im vergangenen Jahr profitierte »der Hafen« auch vom besonderen Engagement seiner Fan-Gemeinde. Die Filme fanden zwar statt, fielen aber lange als Haupteinnahmequelle bei mühsam die Kosten deckenden 100 Plätzen praktisch weg. Erst später spülten erlaubte 250 Gäste wieder etwas mehr Geld in die Kassen. Konzerte waren – auch wegen vieler Tournee-Absagen – lange praktisch komplett verschoben und fanden erst vereinzelt wieder statt. So startete der Hafen einen Spenden-Aufruf, um auch mit diesen und einigen öffentlichen Geldern über die Runden zu kommen und das alternative Idyll im bau boomenden Hafen zu erhalten. Vor allem im Sommer ist er ein echter Place to be. Und bei Nicht-Sommer geht es in den Schuppen nebenan. Zwischenzeitlich lebte auch eine andere Hafen-Tradition wieder auf: die üblichen Fußball-Live-Übertragungen. Ein Stück weit ist Hafen 2 aber immer auch Impro-Theater: Was wann in diesen Tagen zu erleben ist, muss man stets den aktuellen Ankündigungen entnehmen – egal ob für das Virus oder für das Wetter … (vss.).

Catalina Somolinos©
Gegen Abend auf den Stufen vor dem Montez
Quelle: Norbert Krampf©

Kultur-Dates | Open Air-Konzerte

Musik liegt in der Stadtluft

Piazza-, Park- und Parkplatzkonzerte

Noch aktuell: Holidays Deluxe + Liebieghaus live + Sommerwiese + Kultursommergarten  

Es ist das ideale Setting für laue Sommerabende. Der kleine Pavillon auf dem gepflasterten Platz. Die Band, die seit einer Stunde darunter spielt. Das Publikum auf der ausladenden Treppe davor, auf den Mauern an der Seite, oder oben auf der Brücke, über die Brüstung gelehnt. Es hat was von Piazza, mit den letzten Sonnenstrahlen oder dem aufkommenden Dunkel am Hafenpark, wo es mit seinen Baustellen und Skaterparks ohnehin nie ganz dunkel wird. Daneben schimmert das Mainwasser, zwei, drei kleine improvisierte Bars liefern Essen und Trinken. In diesem Ambiente spielen in den (kalendarischen) Sommermonaten Jazz-Bands vor dem Kunstverein Montez unter den Bögen der Honsellbrücke am Frankfurter Osthafen. Immer freitags, immer samstags und auch mal ohne Jazz auch sonntags. Organisiert von Jazz Montez, die sich hier mit ihren Konzerten schon seit einigen Jahren einen klangvollen Namen gemacht haben. Zwei Stündchen, für ein-, zweihundert Gäste. Gut gelaunt, wenn auch corona-bedingt nicht ausgelassen. Chillen at its best – zumindest, wenn neben der Band auch das Wetter mitspielt …

»Holidays Deluxe« nennt die Jazz Montez-Crew dieses kleine Sommer-Festival, das bis September zu erleben ist. Es ist eines von vielen kleinen und feinen Musikangeboten, die in diesen Wochen vor allem in und auch um Frankfurt herum draußen auf den Plätzen zu hören sind. Dazu gehören auch altbewährte Reihen wie »Summer in the City«, die vom Mousonturm seit Jahren organisierte Weltmusikreihe im Palmengarten, oder »Liebieghaus live«, das Pendant dazu im Garten des gleichnamigen Museums. Im Gegensatz zu »Holidays Deluxe«, das nur fünf Euro Eintritt für den Innenbereich ohne Brücken und Mauern abverlangt, sind letztere etwas hochpreisiger. Dafür aber gibt es noch den Palmengarten und die Ausstellung im Liebieghaus on top. Zu den Klassikern gesellen sich in diesem Sommer noch einige corona-bedingte Open Air-Aktivitäten sonstiger Indoor-Koryphäen: das »Bett« in der Frankfurter Schmidtstraße mit seinem »BettGarten«, die »Brotfabrik« mit der »Sommerwiese« (auch wenn es sich dabei eher um einen Sommerparkplatz handelt) an der Höchster Jahrhunderthalle, das »Tanzhaus West« seinen »Kultursommergarten« oder das »HoRsT«, das als »Pop up HoRsT« verschiedene Orte wie einen Kleingartenweg zwischen Gallus und Griesheim bespielt. Auch hier ist übrigens das eine oder andere bei freiem Eintritt dabei … (vss. / sfo. / apu.).

Norbert Krampf©
Das Gude - ein Wasserhaus der neuen Art. Nur an der Distanz muss noch etwas gearbeitet werden ...
Quelle: Catalina Somolinos©

Orte und Menschen | Trinkhallen

Neues Trinken an alten Mauern

Frankfurt und seine wiederbelebten Wasserhäuschen

Wasserhäuschen sind Kult. Und in Corona-Zeiten fast schon »systemrelevant«. Besonders am Wasserhäuschen-Tag, der dieses Jahr am 28. August stattfindet.  

Über Jahrzehnte gehörte das Wasserhäuschen in Frankfurt zum Alltag, ein sozialer Ort, an dem alle Generationen und Milieus einander trafen. Wo es menschelte und der Büdchenbesitzer schon wusste, wie viele Biere oder Schokoriegel man abends so kaufen wollte. Doch gerade das wollten viele Menschen irgendwann nicht mehr und haben die Anonymität eines Supermarktes oder einer Tankstelle vorgezogen. Am Büdchen strandeten nur noch die, die man lieber nicht treffen wollte. »Büdchensterben« nannte man das dann irgendwann. Doch was da starb, waren nicht nur ein paar Steine. In Zeiten, in denen über Zusammenhalt, Integration und Partizipation viel diskutiert wird, war am Büdchen eigentlich genau das gelebt worden. Und dies ist keineswegs nur als Wasserhäuschen-Romantik zu verstehen. Vielerorts ist der Büdchen-Alltag auch rauh und traurig. Wie das Leben in der Großstadt eben. Und gerade das schätz(t)en die Menschen.

Schon vor Corona erlebten diese Büdchen ihre Renaissance. In den Corona-Monaten jedoch lebten sie regelrecht auf. Für die einen wurden sie ein wichtiger Ort der Grundversorgung, wenn man sich nicht mit vielen Menschen im Supermarkt aufhalten wollte. Für die anderen wurden sie ein letzter Ort des Socialising mit ausreichender Social Distance in diesen Tagen. Vor allem in der  zuweilen etwas feineren Variante: wie eben wortwörtlich das »Fein« oder etwas abgespacter auch das »Gude« im Nordend. Das eine, sonst die kleine feine Plüsch-Oase mit der oft sehr kreativen Kuchen-Auswahl in der lauschigen Wallanlage, das in Corona-Tagen zur Ausgabe-Theke für frischen Kaffee und Kuchen wurde, den man und frau dann weitläufig rundum auf Parkbänken oder Picknickdecken im zwischenzeitlich vielleicht größten Café Frankfurts nutzen konnte. Das andere der (großflächige) Viertel-/ Kaltgetränke-Treff an der Hauptverkehrsachse, bei dem zwar die 1,50-Meter-Abstandsregel auf einer Verkehrsinsel mitten auf der Friedberger Landstraße selten ganz berücksichtigt, dafür aber ein letztlich auch nicht ganz unwichtiger letzter Teil von Miteinander gepflegt werden konnte (auch wenn mit zunehmender Lockerung nicht wenige es auch lockerer mit Müll und Lautstärke sahen). Überhaupt: Egal, wo das Büdchen steht, in der an Grünflächen reichen Bürgerstadt Frankfurt fand sich immer eine passende Außenfläche. Oder man stand mit dem entsprechenden Abstand einfach so auf einem freien Platz …

Doch schon vor Corona wurde das Kulturgut »Trinkhalle« Kult. Vereine und Initiativen entstanden rund um die Wasserhäuschen. Die »Linie 11« etwa, die einmal im Jahr sogar den »Frankfurter Wasserhäuschentag« feiert. Was vor Jahren zunächst als Aktion einiger Frankfurter Jungs im besten Partyalter startete, ist heute mittlerweile ein ordentlicher kleiner Verein, der als Experte in Sachen »Wasserhäuschen« gefragt ist. Die »Linie 11« hat den Kult nicht unwesentlich mitbegründet und setzt sich für den Erhalt sowie die Pflege eines vom Aussterben bedrohten Frankfurter Kulturgutes ein. Und das Engagement kommt von Herzen – nicht nur, wenn von der legendären gemischten Tüte oder von dem einzigartigen Charme der so ganz unterschiedlichen Büdchen geschwärmt wird. Ob die interaktive Wasserhäuschen-Karte, das erste Wasserhäuschen-Infomobil der Welt oder die Vernetzung der Büdchen-Betreiber: Die Macher haben immer wieder frische Ideen, um die Menschen der Stadt für ihre Traditionshäuschen zu begeistern. Und auf der Karte können auch Neu-Frankfurter oder Corona-Gestrandete ihr persönliches Wasserhäuschen finden …

Begonnen hat alles übrigens um die letzte Jahrhundertwende, als Frankfurt schon einmal boomte. Sauberes Wasser kam damals nicht aus dem Hahn, sondern eben vom Wasserhäuschen, für das die Stadt gesorgt hat. Heute ist es längst als Treffpunkt und kleiner Laden »um die Eck« wiederentdeckt worden und Teil einer neuen Kultur des urbanen Zusammenlebens. Viele alt eingesessene – wie das Jöst-Häuschen im Osthafen – und auch neue Büdchen mit kreativen Geschäftsideen gehören mittlerweile fest zum Leben im Quartier mit dazu. Genauso wie der Kult um sie, wie es die »Linie 11« oder auch die einmal im Jahr auf Tour gehenden Jungs und Mädels vom »Trinkhallen Hopping« pflegen. Um es mit der »Linie 11« zu sagen: »Wir lieben Wasserhäuschen«. Und sie stehen damit offenbar längst nicht mehr alleine – am Wasserhäuschen. Und das bestimmt auch noch lange nach Corona-Zeiten … (pem.).