Virtual Artists | Niko Neuwirth

N.N. – Auf den Dächern

Subversive Baustellen-Betrachtungen (3)

Nachts begab er sich auf Baustellen und auf die Dächer der Stadt. Je höher, desto besser. Und er suchte die ungewöhnlichen Motive, die sonst nur wenige sehen (konnten). Neue faszinierende Blick- und Stadtlandschaften taten sich auf – für ihn und für die Betrachter*innen seiner Fotos. Urban shorts – Das Metropole Magazin hat immer wieder die nächtlichen »Beutezüge« des Frankfurter Fotografen Niko Neuwirth dokumentiert. So wie hier in der dritten Folge noch einmal zum Durchklicken in einer eigenen Bilderserie: »N.N. – Auf den Dächern« (red.).

Virtual Artists | Jugend-Projekt

Mein (junges) Rhein-Main

Andere Perspektiven aus und auf RheinMain

Politik wird in der Regel von Menschen mehr oder minder weit jenseits ihrer zweiten Lebensdekade gemacht. Doch die von diesen Menschen gemachte Politik betrifft auch die Jugendlichen, welche als »kommende Generationen« gerne zum Ziel solcher Politik ausgegeben werden. Da wäre es doch zuweilen hilfreich, sich diese junge Generation oder gar die Welt einmal mit den Augen jener jungen Menschen anzusehen, zumindest jener, die bereits in der politischen Tür stehen. In dem außergewöhnlichen Fotoprojekt »MeinRheinMain / next_generation_city« haben Politiker*innen und andere Menschen dazu die Möglichkeit. Im Rahmen der Fototriennale RAY initiierte im Sommer 2018 der Kulturfonds Frankfurt RheinMain einen Workshop, in dem 72 Jugendliche aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg mit professioneller Anleitung und ebensolchen Kameras ihr RheinMain festhalten konnten. Herausgekommen ist eine fotografische Momentaufnahme einer Region und einer Generation. Wie sehen Jugendliche ihre Umwelt, wie sehen sie sich selbst? Eine Mischung aus Leben und Lebensgefühl(en), zusammengesetzt aus Statements, Beobachtungen, Visionen, Irritationen und zuweilen auch einfach nur künstlerischen Impressionen. Urban shorts – Das Metropole Magazin zeigt in einer Bildergalerie eine Auswahl dieser Fotos. Mehr Bilder finden sich zudem in dem Buch »MeinRheinMain« und auf der gleichnamigen Webseite (red.).

Virtual Artist | Sara Sun Hee Martischius

Kleiner Rassismus zwischendurch

Eine Fotografin dokumentiert Alltagsrassismus

Alltagsrassismus heißt auch deswegen Alltagsrassismus, weil der Rassismus dabei so alltäglich ist. Weil er überall passieren kann, oft auch en passant, nicht selten unerwartet. Auch durch Menschen, denen man ihn gar nicht zugetraut hätte. Oder die ihn sich selbst nicht zugetraut hätten. Wie alltäglich Alltagsrassismus ist, zeigt Sara Sun Hee Martischius in ihrem Fotoprojekt »Mein Leben – Dein Rassismus«. Ihr ständig wiederkehrendes Motiv: Sie selbst – in Südkorea geborene Deutsche –, gepaart mit Aussagen von Menschen zu ihr. Oder der Japanerin, der Mongolin, der Inuk in ihr. Oder der Frau, die lesen kann, die Deutsch sprechen kann, die nicht mit Stäbchen isst. Ihr Motiv: Sie selbst, wie sich andere sie vorstellen. Oder: wie sie dem unterschwelligen Rassismus oder zumindest der Gedankenlosigkeit der anderen ein Gesicht gibt. Oder: wie sie Menschen in diesem Land Denkanstöße gibt. Oder auch Sehhilfen, wie man’s nimmt. Ihr Projekt macht nachdenklich. Oder sollte es zumindest machen. Oder zumindest sollte es die Menschen sensibilisieren, wie sie selbst sagt. Zu diesem Zweck wandert es durch ihre Heimat Deutschland. In Neustadt, Mainz und Kaiserslautern waren die Bilder bereits zu sehen. Demnächst sind Hamburg, Karlsruhe und Speyer an der Reihe. Besonders waren die Ausstellungen in Mainz und in Neustadt. Dort waren die Fotos im öffentlichen Raum zu sehen. Auf Plätzen oder in Schaufenstern begegneten die Menschen ihren Bildern – denen von Sara Sun Hee Martischius und denen in ihren Köpfen. Einfach mal so, en passant, nicht selten unerwartet, im Alltag eben. Ganz so wie Sara Sun Hee Martischius oft deren Bildern in ihrem eigenen Alltag … (vss.).

Virtual Artists | Urban Sketching

Momente. Menschen. MainStreams.

Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichnung.

»Wir zeigen die Welt. Zeichnung für Zeichung!«. So lautet das Motto der Urban Sketcher, einer weltweit stetig wachsenden Gemeinschaft von Zeichnern und Zeichnerinnen. Eine Gruppe Frankfurter Urban Sketchers hat das Motto aufgenommen und versucht, ihrer Stadt und dem Lebensgefühl der Main-Metropole zeichnerisch auf die Spur zu kommen. »Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichung!« war einen Sommer lang das Motto der Künstler/innen Katharina Müller (Kamü), Catalina Somolinos und Ivo Kuliš. Gemeinsam und jeder für sich erkundeten sie die Stadt und suchten nach interessanten Monumenten, Menschen und Momenten in der Main-Metropole. Urban shorts dokumentiert die Arbeit dieser Gruppe und präsentiert Zeichnungen, welche die Künstler/innen Woche für Woche in dieser Stadt und von dieser Stadt angefertigt haben (red.).

Urban Sketchers unterwegs

Einige Tage in … Porto

Sketchers sehen die portugiesische Stadt

Einmal im Jahr trifft sich die weltweite Urban Sketchers Community in einer Metropole dieser Welt. Für wenige Tage wird diese Stadt zum Mittelpunkt und zum Studio dieser begeisterten ZeichnerInnen. Sie kommen zusammen, um andere ZeichnerInnen zu treffen, um dazuzulernen, um die Stadt zu erleben – und natürlich um zu zeichnen. 2018 war dieses Mekka die portugiesische Küstenstadt Porto, zweitgrößte Metropole des Landes. In der Urban shorts Artist-Section »Residence« zeigen einige Urban Sketchers aus FrankfurtRheinMain eine kleine Nachlese dieser Reise. Mehr über diesen Trip und die Philosophie dieser Treffen im nachfolgenden Text der Frankfurter Urban Sketcherin Gabi Wührmann, in dem sie einen Einblick in die Tage in Porto gibt (red.).

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In Porto drinnen ...
Quelle: Clara Schuster©

Vier Tage im Sommer ... [1]

Klappstühle erobern Portos Plätze

800 Urban Sketchers in Portugals Küstenmetropole

»Hier sitzen überall so Leute auf Klappstühlen rum und malen. Sind das diese Urban Sketchers?«. Schon eine Woche, bevor ich mich im Sommer zum diesjährigen Urban Sketchers Treffen nach Porto aufmachte, erreichte mich diese Nachricht einer Freundin, die gerade zum Sprachkurs in der Stadt war. Eine Woche später hätte sie sicher nicht mehr gefragt, nachdem gerade nach und nach rund 800 Zeichner und Zeichnerinnen in die nordportugiesische Küstenmetropole eingefallen waren. Seit Mitte der Woche streben die Leute mit Rucksäcken und Stühlchen der Alfandenga de Porto zu. Im Inneren des Veranstaltungsgebäudes windet sich eine lange Schlange mit lächelnden, sich begrüßenden Zeichnern aus der ganzen Welt. Die offene, freundliche Atmosphäre wird sich durch alle vier Tage ziehen. Man wartet mit Spaniern, die in Schottland leben, und mit Russinnen, die in Berlin zu Hause sind. Man frühstückt mit Amerikanern – und zeichnet dann mit Holländern und Portugiesen zusammen. Die Workshopleiter kommen aus Australien oder aus Singapur. Alle eint der unbändige Spaß, von dieser Welt zeichnend zu berichten. Sie farbig oder schwarz-weiß so abzubilden, wie man sie gerade erlebt. In seiner ganz individuellen Sicht, die sein darf, die nicht bewertet wird und die mit allen anderen Sichtweisen zusammen zu einem farbenfrohen Bild der Wirklichkeit verschmilzt.

Doch das Symposium ist nicht nur Kommunikation und Philosophie, sondern lebt durch die Praxis. Je nach gebuchtem Workshop-Pass wählt man zwei oder vier Workshops und eine Demo aus oder nimmt einfach nur an den Sketchcrawls oder am Rahmenprogramm teil. Während die vier Workshops leicht in Stress ausarten können – besonders, wenn man wie ich noch einen Sketchcrawl und das Drink and Draw dazu nimmt -, ist ein Zwei-Workshop-Pass die günstigere und wahrscheinlich bessere Wahl. Aber wer selten Gelegenheit hat, zu Hause solche Veranstaltungen zu besuchen oder auch einfach mal mit den »großen Namen« der Zunft zeichnen will, für den ist der große Pass eine gute Wahl. Bereits am Nachmittag findet von der Alfandega aus der erste Sketchcrawl statt. Eine Karawane Hunderter Sketcher zieht in Richtung Altstadt zur imposanten Eisenbrücke, die sich mit mutigem Bogen hoch über den Fluss auf die andere Seite Portos schwingt. In schwindelnder Höhe überqueren darauf die alten Straßenbahnen das Wasser. So wie der Turm in Paris ist auch diese Eisenkonstruktion des Monsieur Eiffel ein traumhaftes Motiv. Viele Zeichner stranden daher dort, wo man diese am besten im Blick hat: an der Placa Ribeira. Neben den bunten Häusern am Fluss darf gerade dieses Bauwerk denn auch wirklich in keinem Skizzenbuch fehlen …

Clara Schuster©
... in Porto draußen
Quelle: Sabine Baumgärtel©

VIER TAGE IM SOMMER ... [2]

Mit Porto und den Portugiesen

Gegenseitige Eroberung von Stadt und Menschen

Am Donnerstag beginnt das »Symposium« mit den Workshops. Bereits am Morgen wird die gute Vorarbeit und Organisation des weltweiten Dachverbandes Urbansketchers.org sichtbar. Rund 700 Personen müssen sich auf die 35 Workshops richtig verteilen. Mit Hilfe der freundlichen Volunteers de Porto gruppieren sich die Gäste dann lernbegierig um »ihren Star«. Wobei das natürlich mit einem deutlichen Augenzwinkern zu lesen ist, denn keiner, der hier sein Wissen weitergibt, ist unnahbar oder führt sich auf, wie ein König – auch, wenn man bei dem einen oder der anderen schon mal an einen Hofstaat denken könnte. Das ist aber eher amüsant, als ärgerlich. Hat denn nicht jeder von uns seinen heimlichen Favoriten? Dieser eine lockere Strich, diese eine Art, Farbe einzusetzen, von dessen Können man träumt? Doch wer gut gewählt hat, der hört spätestens beim ersten Workshop auf zu träumen und sieht sich neuen Ansätzen und somit neuen Anforderungen gegenüber. Auf einmal klappt gar nichts mehr wie gewohnt, man schluckt so manches Mal ein bisschen. Doch am Ende jedes Workshops steht dieses eine Bild, das das Eigene mit dem Neuen verbindet und das einen weiterbringt. Oder eben auch die Erkenntnis, dass die gewählte Methode wohl doch nicht ganz zu einem passt …

Der eigentliche Star des Symposiums aber ist die Stadt: Porto. Und natürlich die Portugiesen, die ich dort treffe. Freundlich, hilfsbereit und geduldig – So begegnet man mir. Der Typ von der Appartement-Agentur, der Überstunden macht und mich mitten in der Nacht plaudernd zu meiner Wohnung begleitet. Die Frau, deren kleine Bar im Morgengrauen Kaffee anbietet und geduldig das Wort »Galao« (die berühmte Kaffeespezialität) wiederholt – bis ich es richtig ausspreche. Der Typ im Anzug, der vor mir in der Schlange einer älteren Dame den Ticketautomaten erklärt. Und sich dabei halb abwendet, mich sieht, kurz seufzt – und für mich wieder von vorne beginnt. Vier Workshops und unzählige Bilder und Begegnungen später, denke ich auf dem viel zu früh angetretenen Rückweg noch einmal zurück. Ich bin vollkommen erledigt – und vollkommen glücklich. »Inspiriert« trifft es vielleicht am besten, denn erst in den folgenden Wochen stellt sich heraus, was man wirklich mitgenommen hat auf dieser Reise. Und während dann am Sonntag der Flieger wieder nach Hause abhebt, sammeln sich unten in der Stadt nochmal viele Urban Sketchers zu dem einen Gruppenfoto. Dieses Foto mit der unglaublichen Menge der Begeisterten und deren wunderbarer Fröhlichkeit, das dies kurz darauf per Internet rund um die Welt wiederholt, kopiert und dupliziert …