Fotograph | Barbara Walzer

Die 725.000 Anderen

Gesichter Frankfurts (6) | Winter Edition

Die »Gesichter Frankfurts« sind ein Fotoprojekt der Frankfurter Fotografin Barbara Walzer. Die Aufnahmen sind entstanden auf zahllosen Streifzügen durch die Mainmetropole. Sie zeigen Menschen aus dem Leben, aus verschiedenen Kulturen, Berühmte und Unbekannte, Wichtige und scheinbar Wichtige. Es sind keine Studioaufnahmen, nichts daran ist inszeniert. Die Stadt, sie scheint das Studio dieser außergewöhnlichen Stadtstreicherin zu sein scheint. »Diese Menschen«, so Walzer, »suche ich nicht. Sie suchen mich. Sie sind einfach da. Im selben Moment wie ich … «. Die Serie wächst übrigens genauso wie die Stadt. Die erste Folge hieß im Jahr 2015 noch »Die 700.000 Anderen« … (jjk.).

Frankfurt | Urban Sketching

Momente. Menschen. MainStreams.

Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichnung.

»Wir zeigen die Welt. Zeichnung für Zeichung!«. So lautet das Motto der Urban Sketcher, einer weltweit stetig wachsenden Gemeinschaft von Zeichnern und Zeichnerinnen. Eine Gruppe Frankfurter Urban Sketcher hat das Motto aufgenommen und versucht in diesem Sommer, ihrer Stadt und dem Lebensgefühl der Main-Metropole zeichnerisch auf die Spur zu kommen. »Wir zeigen Frankfurt. Zeichnung für Zeichung!« ist in diesem Sommer das Motto der Künstler/innen um Katharina Müller (Kamü) und Ivo Kuliš. Gemeinsam und jeder für sich erkunden sie die Stadt und suchen nach interessanten Monumenten, Menschen und Momenten in der Main-Metropole. Urban shorts dokumentiert die Arbeit dieser Gruppe. Wir präsentieren in den kommenden Wochen Zeichnungen, welche die Künstler/innen gemeinsam mit einigen Gastzeichner(inne)n aus der Region Woche für Woche in dieser Stadt und von dieser Stadt angefertigt haben. Die Reihe wird ständig fortgesetzt (red.).

Ffm. | Vom Rande betrachtet (bw.)

Mikrokosmos Bahnhofsviertel

Die fotografische Kolumne von Barbara Walzer

Urban21 | Urban Sketching

Städte. Skizzen. Sichten.

Eine Bewegung und zwei Ausstellungen

Am Anfang – wenn auch keineswegs ganz am Anfang – stand 2007 der in den USA lebende spanische Zeichner und Journalist Gabi Campanario. Für die »Seattle Times« näherte er sich damals bereits einmal in der Woche zeichnerisch und journalistisch einem Ort, einem Thema oder einem Ereignis, das er auf diese vorerst ungewohnte Art und Weise versuchte, aufzunehmen, einzufangen und zu dokumentieren. Da Campanario mit dieser Idee allerdings schon damals nicht so ganz allein stand, sondern rund um den Globus durchaus zahlreiche Menschen bereits versuchten, auf die gleiche Art und Weise ihre Städte und ihre Umgebung zu erkunden und zu erfassen, entstand um Campanario herum rasch eine neue Bewegung, die sich den Namen »Urban Sketchers« gab. Herzstück ist der »Urban Sketchers Blog«, auf dem 100 »Blogkorrespondenten« weltweit publizieren.

Zehn Jahre später ist »Urban Sketching« – ob organisiert oder unorganisiert – eine weltweite und ständig wachsende Gemeinschaft, die über das World Wide Web miteinander vernetzt ist, dort ihre Idee(n) und Zeichnungen teilt und verbreitet, aber deren Mitglieder auch untereinander sich immer wieder in Gruppen treffen, miteinander diskutieren und zeichnen. Neben einer neuen, eigenen Sicht auf die Dinge steht für sie oft auch das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Allein im RheinMain-Gebiet hat das Urban Sketching mittlerweile eine dreistellige Zahl mehr oder minder organisierter Anhänger, die in diesem Jahr auch bereits durch zwei außergewöhnliche Ausstellungen auf sich aufmerksam machten. In Mainz präsentierten zehn organisierte Urban Sketcher aus der Region Werke der letzten Jahre, die nicht nur vor Ort, sondern auch bei zahlreichen (auch gemeinsamen) Reisen rund um den Globus entstanden sind. Parallel dazu zeigte die renommierte Frankfurter Urban Sketcherin Katharina Müller (Künstlername: Kamü) einige sehr feine Zeichnungen von ihren Reisen nach Osteuropa. Beiden Ausstellungen gemein war die hohe zeichnerische Klasse, mit welcher es den Künstler(inne)n immer wieder gelingt, nicht nur einfach Orte und Menschen abzubilden, sondern auch ein Stück weit das Lebensgefühl dieser Orte und Menschen und damit auch der Zeit und Gesellschaft von heute einzufangen. Urban shorts dokumentiert in einer Galerie anhand von 15 ausgewählten Zeichnungen die beiden Ausstellungen (vss.).

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Luminale lyonnaise (Simulation)
Quelle: Stadt Lyon©

Lettre de Lyon (lys.)

Lyon leuchtet wieder

07.12. bis 10.12. | La Fête des Lumières 2017

Lyons Rathaus verwandelt sich in diesen Tagen in ein Sinnbild der Vergänglichkeit der Natur. »Ephéméres« heißt jene Lichtinstallation, kurzlebig wie die Schmetterlinge, von denen Tausende als Lichter die Fassade des Rathauses bevölkern. Unweit im Zentrum der Stadt blüht – pardon: leuchtet – ein Mohnblumenfeld aus unzähligen Lichtern auf dem Place Bellecour – zu Füßen des Sonnenkönigs Ludwig XIV., dessen Statue eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Diese Installation wiederum trägt den Titel »Promenons-nous« (»Gehen wir spazieren«). »Ephéméres« und »Promenons-nous« sind nur zwei jener 50 Werke, die vom 7. bis zum 10. Dezember einmal mehr Lyon bei der »Fête des Lumières« erstrahlen lassen – gleich der Luminale in Lyons deutscher Partnerstadt Frankfurt. Zwei Jahre lang – nach den Anschlägen von Paris 2015 – war das »Fête des Lumières« gar nicht oder nur abgedimmt zu sehen. In diesem Jahr strahlt es wieder in vollem Glanz. Auch wenn – wie bei allen großen Veranstaltungen in Frankreich seit den Attentaten – gesteigerter Wert auf die Sicherheit gelegt wird. 1.600 Personen sind dafür zuständig, die Straßen um die Lichtinstallationen werden wie schon 2016 abgesperrt und sind nur zu Fuß oder mit einigen wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. 

Die »Fête des Lumières« ist eines der Feste für die Menschen in Lyon. »Illuminieren wir unsere Stadt« lautet das Motto in diesen Tagen – für ein immer größer werdendes Lichterfest mit zahlreichen Lightshows und einem einzigen flackernden Lichtermeer über die ganze Stadt. Es findet immer um den 8. Dezember herum statt. Im 17. Jahrhundert blieb Lyon von der Pest verschont. Zum Dank veranstaltet die katholische Kirche jedes Jahr eine Prozession unter dem Motto »Merci, Marie« – und alle Lyoner stellen an diesem Tag Kerzen vor die Fenster. Einzig 2015 fiel das Fest nach den Anschlägen von Paris aus. Der Abend jenes 8. Dezember, das ist der heimelige Moment, wenn die Lyoner erst die eigenen Kerzen anzünden und rausstellen und dann mit der Familie und mit Freunden durch die Straßen laufen, um sich die Lichter der anderen und die Lightshows auf den historischen Gebäuden anzuschauen. Sie ziehen immer wieder renommierte Lichtkünstler aus aller Welt an. Und sie haben Designer aus Lyon wie Anooki – die Kreateure der kultigen Inuit-Figuren Anook und Nooki – über Frankreich hinaus bekannt gemacht. Schon seit einigen Jahren reisen immer wieder etwa drei Millionen Touristen Anfang Dezember nach Lyon. Vielen Einheimischen ist es dann fast schon zu voll in ihrer Stadt. Trotz dieser Schattenseite bietet die »Fête des Lumières« in der Dunkelheit einen ganz besonderen Anblick – und lädt zu einem bunten, interaktiven Spaziergang durch die Stadt, bei dem sich jeder seinen Lieblingsevent aussuchen und natürlich in den sozialen Medien teilen kann. Und wem das alles zu voll ist – wie vielen mittlerweile in Lyon -, der kann sich die Installationen auch im Internet betrachten … (lys.).

Urban21 | Die neuen Hochhäuser

Statt Büros: Bäume und Bewohner

Wohnliche Wohnhochhäuser. Auch für weniger Betuchte

»Häuser sind zum Wohnen da«, sagte einst der Frankfurter und europäische Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. Und er meinte damit, dass Wohnraum wichtiger sei als Büroraum. Und dass Wohnhäuser nicht nur praktisch und funktional, sondern auch schön und angenehm sein sollten. Heute könnte man seinen Satz leicht abwandeln und sagen: (Auch) Hochhäuser sind zum Wohnen da. Weltweit geht in den immer stärker urbanen und verdichteten Zentren der Trend zum Hochhaus als Wohnhaus. Und zwar zunehmend auch mit Stil und Grün sowie für Menschen mit nicht so großem Geldbeutel. Trends, welche in den letzten Jahren auch der seit 2008 in Frankfurt verliehene Internationale Hochhauspreis (IHP) der Stadt, des Architektur-Museums und der Deka-Bank spiegelt.

Im Jahr 2016 etwa waren unter den fünf Finalisten für den Preis vier Wohnhochhäuser. Sieger wurde schließlich der VIA 57 West, ein mitten in New York wie eine Pyramide eingerichteter »Courtscraper«. Der Name bezeichnet die Höhe eines Skyscrapers mit der ungewöhnlichen Umbauung eines Innenhofes (engl. court). Besonders an diesem Bau: Ein Teil der Wohnungen ist auch weniger wohlhabenden Bewohnern vorbehalten. Den zweiten zentralen Trend spiegelte der Preisträger 2014. »Bosco Vertikale / Vertikaler Wald« nannten die Mailänder Architekten von Boeri Studios ihren Versuch, ein scheinbar völlig begrüntes Wohnhochhaus mit Blick über die norditalienische Metropole zu schaffen.

Trendsetter in Sachen Wohnhochhäuser sind allerdings die rasant wachsenden Megastädte Asiens, allen voran das wohlhabende Singapur. Angesichts ihrer begrenzten Fläche als Stadtstaat musste die kleine Republik in Südostasien schon immer kreativ mit dem Raum umgehen. Begünstigt durch den Wirtschaftsboom in der Region hatten schon die Gründerväter die Vision einer Wohnstadt im Grünen, die mehrheitlich ihren Bewohnern gehört. Staatlich gefördert leben heute 80 bis 90 Prozent der Einwohner im Eigentum – wohl einmalig weltweit. Und dies gilt für (fast) alle Einkommensklassen. Da allerdings der Raum eben begrenzt ist, musste das grüne Bauen in Singapur in der Vertikale stattfinden. Mit teilweise ganz bemerkenswerten Ergebnissen. Unter den fünf IHP-Finalisten des Jahres 2016 waren zwei Baukomplexe aus Singapur – und jeder für sich ein eigenes mehr oder minder grünes Dorf … (vss.).