Virtual Artists | Ina Holitzka

Baustellen-Metamorphosen

Die Baustelle(n) Frankfurt(s) als Projektionsfläche

Nichts boomt in Frankfurt wohl derart wie das Bauen. Ob Ostend, Gallus oder Innenstadt – Überall werden permanent neue Büro- und Wohnblöcke aus dem Boden gestampft. Manche Teile der Stadt sehen aus wie eine einzige Großbaustelle. Vor allem jenes Ostend. So musste die Frankfurter Künstlerin Ina Holitzka im dortigen Atelier Frankfurt nur aus dem Fenster schauen, um die Projektionsfläche für ihr großangelegtes Kunstprojekt »Passage« frei Haus geliefert zu bekommen. Wie wohl keine zweite Künstlerin Frankfurts denkt, arbeitet und spielt sie mit der längst Synonym dieser Stadt gewordenen Baustelle. Sie fotografiert, verfremdet, digitalisiert, transformiert und interpretiert, was im wahrsten Wortsinn vor ihren Augen wuchs und wächst. Und macht(e) sich künstlerische Gedanken über das gleichsam manifeste und flüchtige Wesen und Werden dieser Stadt. Projekt trifft sich mit Projektion, Reflektieren mit Reflexion an diesem und auf diesen Ort. Herausgekommen sind neue Welten, faszinierende Landschaften und fast lebende Organismen – spannender als viele der Bauten, welche tatsächlich aus diesen Beton- und Stahl-Fundamenten der Großbaustellen gewachsen sind. Teile der »Passagen« waren im Sommer im Foyer des Medico-Hauses neben dem Atelier Frankfurt zu sehen. Jenes Hauses also, das genau auf diesen gezeigten Fundamenten vor dem Fenster der Künstlerin ruht. Wobei tatsächlich gerade dieses eines der wenigen ist, das etwas anders ist als die vielen gleichen Bauten, die sonst so in diesem bau-boomenden Ostend entstehen … (vss.).

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Schwerpunkt 2018: die Philippinen
Quelle: exground Plakat©

In Wiesbaden | Filmfestival exground

the independent underground

16.11. bis 25.11.2018 | 180 Filme in zehn Tagen

»exground« klingt wie ein merkwürdiger Mix aus exterritorial und underground. Und irgendwie ist das auch die Mischung, die eine sehr engagierte Wiesbadener Filmliebhabercrew seit mittlerweile über drei Jahrzehnten immer wieder zu einem Festival zusammenführt. Filme, vor allem urban, unabhängig und untergründig. Filme aus Kolumbien und Palästina, aus dem Kosovo oder aus Nepal. Filme, die nicht Mainstream und nur selten auf großen Festivals zu sehen sind. Eine Mischung, die aber aus dem einstigen Underground- längst ein renommiertes Independent-Festival gemacht hat. Wobei das Wort »renommiert« eigentlich so gar nicht zu »exground« passt.

Zu diesem Blick abseits des Mainstreams gehört immer wieder auch ein Schwerpunkt zu einem Land, das nicht unbedingt im Fokus steht. In diesem Jahr sind es die Philippinen. Ein Land am Rande Südostasiens, über das und über dessen Filmlandschaft wenig hierzulande bekannt ist. Um nicht zu sagen: sehr wenig. Erstaunlich bei einem Land, das eine lange christlich-abendländische Tradition besitzt. Eine Tradition, die für die Philippinen übrigens nicht nur förderlich war, werden sie doch heute wie kaum ein zweites Land der Region von Gewalt, Drogen und Kriminalität dominiert. Einen tiefen Einblick geben die beiden Filme »Neomanila« und »Dark is the Night«, in welchen die Akteure auch zwischen Polizeiwillkür und Bandenwesen ihren Weg suchen. Insgesamt 21 Filme sind zu sehen über jenes Land, das im Titel einer begleitenden Ausstellung dreier philippinischer KünstlerInnen vielleicht sehr gut beschrieben ist: »Paradise Lost«. Daneben gibt es auch Panels und Gespräche über Land, Menschenrechte und Filmschaffen.

Neben dem Schwerpunkt liefert exground insgesamt ein vielfältiges Programm mit rund 180 internationalen Produktionen quer durch den 2017/18er-Jahrgang des internationalen Kinos, ausgewählt aus mehreren Tausend Kurz- und Langfilmen. Einen besonderen Stellenwert haben jedes Jahr die klassischen Reihen wie »American Independent«, »Made in Germany« oder »International«. Die Wettbewerbe sind ein Forum für vielversprechende junge Filmemacher – nicht zuletzt wegen des großen Publikumsinteresses an Werken jenseits der Kino-Konfektionsware. Eine Besonderheit sind auch die »youth days«, filmische Weltreisen in das Leben von Jugendlichen. Ein Höhepunkt und Publikumsrenner sind die mittlerweile fünf Kurzfilm-Rollen vom Iran-Special bis zum Best of shorts. Längst gehört exground damit nach gut drei Jahrzehnten zu den größten und wichtigsten Festivals in Hessen (red.).

exground Plakat©
Buchcover
Quelle: Campus©

Wieder gelesen

Die Macht des Schwarzen Felsens

Die (un)heimliche Geld-Weltmacht BlackRock

BMW und Daimler, Eon und RWE, die Allianz und die Deutsche Bank, Bayer und BASF, die Telekom und SAP, die Lufthansa, Adidas oder Beiersdorf. Es ist die Creme de la creme der deutschen Wirtschaft. Und BlackRock? Noch nie gehört? BlackRock gehören große Teile aller dieser Unternehmen. BlackRock gehört ein großer Teil der deutschen Wirtschaft. Man könnte auch sagen: BlackRock gehört der größte Anteil an der deutschen Wirtschaft.

Und so wie in Deutschland sieht es fast auf der ganzen Welt aus. Der US-Konzern BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt, stellt alle großen und bekannten Banken weit in den Schatten. Auch an ihnen ist BlackRock beteiligt, sie sind Teil dieses weltumspannenden Imperiums. Trotzdem ist BlackRock fast unbekannt. Eine heimliche, ja unheimliche Geld-Macht. Die Wirtschaftsjournalistin Heike Buchter hat für ihr Buch »BlackRock – Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld« diesen Konzern porträtiert, um nicht zu sagen: seziert. In einer spannenden Wirtschaftsreportage hat sie hinter die Kulissen dieses Kolosses geschaut, so weit dies möglich ist. Sie beschreibt ihre Bosse und ihre Beteiligungen. Und ein Computersuperhirn, das diesen Konzern steuert. Und damit die wohl größte Geldmenge aller Zeiten. 12 Billionen Dollar ist der »schwarze Felsen« ihren Recherchen zufolge schwer. Das Ergebnis: Sie interessierte sich für eine Macht, für die sich vielleicht auch sehr bald noch einige andere interessieren sollten, wenn nicht müssten … Denn: »Was für Gefahren ein solcher Koloss birgt, wissen selbst Experten nicht« (vss.).

ISTANBUL'DAN BIR CARTPOSTAL* (HAK.)

Des Sultans neue Paläste

Erdoğans gigantische Bauprojekte

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zementiert derzeit seine Macht. Nicht nur mit Wahlen, sondern auch ganz real in Istanbul und Ankara. Die Türkei und dessen alte Metropole Istanbul galten schon immer als Brücke zwischen Orient und Okzident. Drei Mal waren sie das Zentrum eines Weltreiches. Erst war das einstige Konstantinopel Hauptstadt des Römischen, danach des Byzantinischen Reiches und dann auch die Kapitale der Osmanen. An die alte Größe – vor allem der Osmanen – möchte auch der mittlerweile umstrittene heutige Präsident Erdoğan anknüpfen. Und zwar mit gewaltigen Bauprojekten. Allen voran der Neue Flughafen Istanbul, im Oktober 2018 eröffnet und in seiner letzten Ausbauphase 2028 als der größte Flughafen der Welt geplant. Riesige Moscheen und Paläste gehören zu diesem Masterplan ebenso wie mächtige Brücken und Tunnel, die mittlerweile die Verbindungen zwischen dem europäischen und dem anatolischen Teil der Metropole vereinfachen. Manches davon ist sicher auch dem gewaltigen Wachstum mit offiziell 15 Millionen, vielleicht aber schon bald 20 Millionen Menschen geschuldet und sieht aus wie die Fortführung seiner Arbeit als ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt in den 90er Jahren. Doch zugleich stecken hinter den Bauten noch andere Ziele: die symbolhafte Stärkung des Landes als Mittelmacht zwischen Orient und Okzident, die Neujustierung des Staates zwischen Demokratie und Islam, die Bedienung der eigenen muslimischen und anatolischen Klientel sowie letztlich wohl auch die Schaffung des eigenen Denkmals und des Platzes in den Geschichtsbüchern. Nicht wenige sprechen denn auch vom »neuen Sultan am Bosporus« und seinen Palästen (hak.).

Campus©
Aus dem Arte-Film »Miete essen Seele auf«
Quelle: scs / Arte©

Wohnen [1] | Mieterinitiativen

Miete essen Seele auf

Der Mieterprotest am Kottbusser Tor

»Gecekondu« – das Wort stammt aus der Türkei. Es bedeutet »über Nacht gebaut«. Türken, vornehmlich in der seit Jahrzehnten permanent wachsenden Metropole Istanbul, bezeichnen damit Bauten, die buchstäblich in einer Nacht (oder zumindest annähernd) errichtet wurden und nach Meinung vieler Türken dann nicht abgerissen werden dürften (woran sich manchmal sogar Behörden halten). So ist es kaum verwunderlich, dass eine der ungewöhnlichsten und stark von türkischstämmigen Migranten mitgetragenen Mieterinitiativen Berlins mit einem Gecekondu begann. Im Mai 2012 errichteten sie mit anderen Bewohnern von Sozialwohnungen am Kottbusser Tor aus Europaletten ein kleines Gecekondu. Mit und in dem kleinen Palettenbau protestierten sie gegen die Mietsituation in den benachbarten Plattenbauten.

Aus dem Gecekondu wurde die Initiative Kotti & Co., die vor allem für Sozialwohnungen in der Innenstadt eintritt, für das Recht von sozial Schwachen auf urbanes Leben sozusagen. Längst ist Kotti & Co. aber auch zum Zentrum für Initiativen rund um Mieterinteressen und zum Nachbarschaftstreff quer durch alle Schichten geworden. In »Miete essen Seele auf« dokumentierte Regisseurin Angela Levi zwei Jahre des Miteinanders und des Kampfes von Kotti & Co., der längst weit über Berlin hinaus Beachtung findet. Auch, weil es fast ein Stellvertreterkrieg ist für die Art und Weise, wie wir urban leben wollen. Neben vielen Einblicken auch in die Wohnungen rundherum gibt auch der »Cottbusser Chor« Kostproben seines Könnens und verleiht dem Ganzen auch satirische Züge. Ein Auszug: »Sie sind verbunden mit dem Reparaturservice der Deutsche Wohnen. Wenn Sie Ahmet oder Hatice heißen oder aus anderen Gründen ein niedriges Einkommen haben, drücken sie die 1 …«. Der Film – man glaubt es kaum – stammt aus dem Jahr 2015. Und doch ist er im Jahr 2018 an Aktualität kaum zu überbieten. Ein Lehrstück zur Rückeroberung der Stadt … (hak.).

scs / Arte©
20.10. - Infobörse Gemeinschaftliches Wohnen
Quelle: Netzwerk©

Wohnen [2] | Gemeinschaftliches Wohnen

»Wie eine große Familie … «

Netzwerk Frankfurt - die WG-Infobörse

»Wie eine große Familie …«.  So beschreibt Ute-Gesche Schönberger an diesem Samstagnachmittag im gemütlichen Gemeinschaftswohnzimmer ihr Zusammenleben in der »Wohngemeinschaft unterm Dach« in Ajas Gartenhaus. Die warmherzige ältere Dame lebt bereits seit 2007 hier mit fünf weiteren Frauen und drei Männern unter einem Dach zusammen. Jeder Bewohner, jede Bewohnerin hat dabei eine eigene hübsche kleine Wohnung auf etwa 50 Quadratmetern. Der Rest ist «Gemeinschafts-Raum« im doppelten Wortsinn. Frau Schönberger spricht davon, wie das Zusammenleben immer besser werde und wie wichtig dabei eine gemeinsame Basis sei. Die hat dieses Wohnprojekt der neun älteren Menschen, die inzwischen 72 bis 85 Jahre alt sind. Es ist deren gemeinsame Liebe zur Anthroposophie. Kurz gesagt: »Verantwortung zu übernehmen für die anderen und für das Weltgeschehen – weil alles zusammenhängt!« …

Die Begegnung mit Frau Schönberger war im Sommer. Das rührige »Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V.« hatte einen »Tag des Offenen Wohnprojektes« ausgerufen, an dem Interessierte sich elf derartige Projekte in und um Frankfurt ansehen konnten. Das »Netzwerk« ist die vielleicht wichtigste Anlaufstation für Menschen, die sich in dieser Region für gemeinschaftliches Wohnen interessieren oder bereits entsprechende Projekte betreiben. Zu dessen Angeboten gehört auch die »Infobörse«, die einmal im Jahr am Frankfurter Römer stattfindet, und bei der sich einige auf dem Weg befindliche Initiativen vorstellen. Und dazu gehören zahlreiche Infoveranstaltungen: wie man Gleichgesinnte findet, wie man ein Vergabeverfahren bestreitet oder wie man die Finanzierung für ein solches Projekt aufstellt. »Herzstück« dieses Netzwerkes ist die Koordinatorin Birgit Kasper. Von ihr erfährt man, wie schwierig es in Frankfurt mittlerweile für Projektgruppen ist, an günstige Immobilien zu kommen. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass sich die Menschen, die sich eine gemeinschaftliche Form des Wohnens wünschen, zusammentun – auch, um in der Politik etwas zu bewegen. Denn die gesellschaftliche Akzeptanz ist noch immer gering, sieht man einmal von Studenten und Senioren ab. Dazwischen gelten die eigenen vier Wände als das Nonplusultra vieler Menschen in diesem Lande. Und erst langsam hat auch die Stadt begonnen, solche Modelle zu fördern und bei ersten Neubauprojekten auch zu fordern …

So vielfältig wie die Modelle und Menschen, die sich in diesem Netzwerk wiederfinden, sind auch die Phasen der Projekte: von seit Jahrzehnten etablierten Wohnprojekten wie ProWo und KultA e.V. auf dem Frankfurter Berg bis zu Baustellen wie Hestia in Harheim. So gibt es aktuell 39 Wohninitiativen – also Gruppen, die dabei sind, sich beziehungsweise passende Objekte zu finden. 14 Wohnprojekte werden derzeit gebaut und 25 sind bereits realisiert. Im Sommer konnten Interessierte mit Initiativgruppen und Bewohnern ins Gespräch kommen, an Führungen durch Wohngemeinschaften teilnehmen und aktiv werden – zum Beispiel bei einem Architekturworkshop am Bolongaropalast in Höchst. Oder eben bei ProWo und KultA, einem Gemeinschafts-Experiment, das vor 20 Jahren begann und in dem inzwischen etwa 40 Menschen verschiedenen Alters leben. Dort stärkte man sich mit Selbstgebackenem und machte dann eine Tour durch Wohnungen, Gemeinschaftsräume und den gar nicht so selten obligatorischen Garten – den fast klassischen Gemeinschaftsraum. Dort wachsen Kräuter und Gemüse, stehen Bäume, welche die Bewohner selbst gepflanzt haben. Und neben den bereits schlafenden Hühner steht – fast schon nicht mehr zu sehen in der Dämmerung – sogar noch der Bauwagen, mit dem einst alles begann … (mep. / vss.).

Netzwerk©
Raum ist in der kleinsten Röhre. Ein Blick in ein Kunstprojekt von Hiwa K. auf der letztjährigen Documenta Kassel
Quelle: Ingrid Schäflein©

Wohnen [3] | Sozialwohnungen

Wohnt halb Frankfurt zu teuer?

Der »Mietentscheid« für mehr Sozialwohnungen

»Wohnst Du noch oder lebst Du schon?«. Als Ikea 2002 diesen Spruch hierzulande in die Welt setzte, konnte wohl noch niemand ahnen, wie viele Menschen in Deutschland heute schon froh wären, wenn sie in ihrer Wohnung einfach nur wohnen könnten. Besonders wer in urbanen Zentren lebt, für den ist Wohnen zunehmend das Thema der Stunde und zuweilen sogar bereits ein Luxusgut. Vor allem, wer in einer Mietwohnung lebt und – zumindest in einem begehrten Ballungsraum wie FrankfurtRheinMain – nicht gerade zu den Topverdienern gehört. Erhöhungen von 20 oder 30 Prozent bei Neuvermietungen sind in Frankfurt keine Seltenheit mehr. Die Politik bzw. die Städte stehen der Entwicklung bisher recht hilflos gegenüber. Mietpreisbremsen, die solche Anstiege verhindern sollten, haben wenig bis nichts bewirkt.

Teil des Problems sind auch die Städte selbst, die über Jahrzehnte mit Privatisierungen und der Forderung nach Rentabilität bei ihren eigenen Wohnungsgesellschaften eines der wichtigsten Steuerinstrumente aus den Händen gegeben oder zweckentfremdet haben. Diesem Zustand wollen nun Bürgerbegehren wie der »Mietentscheid Frankfurt« entgegenwirken. In der Mainmetropole soll die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Frankfurt Holding veranlasst werden, ihre rund 51.500 Wohnungen wieder mehr dem sozial-geförderten Wohnungsmarkt zuzuführen. Derzeit gilt dies nur für rund 15.500 oder 30 Prozent dieser Wohnungen (mit dem Rest wirkt die ABG am »normalen« Wohnmarkt mit). Um den Anteil zu erhöhen, soll die ABG künftig ausschließlich geförderte Wohnungen neu bauen und frei werdende Wohnungen nur noch als geförderte Wohnungen neu vergeben. Außerdem sollen die Mieten der ABG-Bewohner, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, auf das entsprechende Niveau von aktuell 6,50 Euro pro Quadratmeter gesenkt werden. Die Initiatoren versprechen sich davon einen deutlich sozialeren und entspannteren Wohnungsmarkt. Ihr Credo: Die Stadt müsse auch für Normalverdiener bezahlbar bleiben …

Hintergrund: In Frankfurt sind derzeit gut 30.000 und damit weniger als ein Zehntel aller Wohnungen sozial-geförderte Wohnungen, von denen wiederum [1] rund 26.000 Sozialwohnungen mit Mieten bis 6,50 Euro pro Quadratmeter und [2] rund 4.500 Wohnungen nach dem sogenannten »Förderweg 2« mit Mieten bis 10,50 Euro sind. Dem steht allerdings ein akuter Bedarf von weiteren mindestens 9.500 Wohnungen gegenüber. So viele Haushalte stehen bei den Ämtern in Wartelisten. Tatsächlich dürfte der Bedarf noch viel höher liegen. Gemäß dem Darmstädter Institut für Wohnen und Umwelt könnten zwei Drittel der Miethaushalte Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben. Faktisch würden in der Stadt damit über 100.000 günstige Wohnungen fehlen, um das längst nicht mehr nur Geringverdiener betreffende Problem in den Griff zu bekommen. Vor diesem Hintergrund möchten die Initiatoren des Mietentscheides die städtische ABG in die Pflicht nehmen. Neben ihren 15.500 geförderten Wohnungen verfügt sie über 36.000 weitere Wohnungen, die teilweise umgewandelt werden könnten. Pro Jahr baut sie zudem Tausende Wohnungen, von denen allerdings nur rund 40 Prozent gefördert sind. Ein »Zuwachs«, der sich noch verringert, da gleichzeitig bisherige Sozialwohnungen nach in der Regel 20 Jahren aus der Sozialbindung fallen. Der Vorteil einer solchen Verpflichtung läge auf der Hand: Da die ABG rund ein Sechstel der Frankfurter Mietwohnungen verwaltet, könnte ihre Umwidmung vielen Menschen Entlastung bringen. Kritiker befürchten allerdings, dass damit der Zustrom auf Frankfurt weiter wachsen und das Gewicht der ABG bei der Mietspiegelberechnung sinken könnten. Außerdem gibt es viel Gegenwind der regierenden Parteien, die den Vorstoß schlicht für nicht finanzierbar halten. Die Initiatoren halten dem auf ihrer Internetseite allerdings eigene Berechnungen entgegen. Ob das Begehren am Ende die nötige Zustimmung erhält, ist also offen. Gut möglich auch, dass am Ende ein Kompromiss stehen könnte. Zwischen den 30 bis 40 Prozent der ABG-Politik und der Bis-zu-100-Prozent-Forderung der Initiatoren liegt viel Spielraum. Eines wird der Mietentscheid auf jeden Fall bewirken: Er macht die Bedeutung der städtischen Gesellschaften als politisches Instrument wieder deutlicher … (sfo. / red.).