Aus: Teheran Tabu
Quelle: Camino Filmverleih / Filmforum Höchst©

In Frankfurt | Filmforum Höchst

Tabubrüche in Teheran

Reihe Animationsfilme für Erwachsene

Die meisten Menschen hierzulande haben ein ziemlich eindimensionales Bild des Iran und seiner Menschen. Paradoxerweise ist es das selbe Bild, das auch die dort herrschenden Ayatollahs von ihrem Lande haben. Doch dass das Land und vor allem das Leben in seiner Hauptstadt Teheran hinter den Kulissen oft anders aussieht, konnten interessierte Beobachter bei genauem Hinsehen schon öfter sehen. Immer wieder zeichnen preisgekrönte Filme oder auch herausragende Comics wie die berühmten Bücher von Marjane Satrapi das andere Bild des Iran – das der Gesellschaft hinter dem Schleier. »Teheran Tabu« ist einer jener Filme. Regisseur Ali Soozandeh zeigt in dem Animationsfilm ein anderes Leben in Teheran. Das Leben junger Menschen zwischen Liebe, Partys und Träumen, aber auch zwischen Doppelmoral, Drogen und Prostitution. Die Geschichte handelt von drei selbstbewussten Frauen und einem jungen Musiker, vom Brechen von Tabus und vom alltäglichen Umgehen von Verboten – von der schizophrenen Welt im heutigen Teheran. »Teheran Tabu« ist einer von drei Filmen der Reihe »Animationsfilme für Erwachsene«, die das Filmforum Höchst zwischen dem 18. und 24. April zeigt. Die anderen beiden Filme: »Another Day of Life« und »Chico & Rita« (vss.).

Camino Filmverleih / Filmforum Höchst©
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Quelle: Wesaam al-Badry / MAK©

Am Puls der Zeit

Sehr viel Gesprächsstoff

MAK zeigt (nicht nur) Muslim Fashions

Es gibt zuweilen gute Gründe, dem üblichen Ritual einer Ausstellungs(vor)besprechung zu widerstehen. »Contemporary Muslim Fashions« ist ohnehin eine Ausstellung, über die viel geredet und gestritten wird. Noch besser wäre es allerdings, wenn möglichst viele Menschen in dieser Ausstellung miteinander ins Gespräch kommen würden. Denn diese Ausstellung überzeugt nicht (allein) durch den Inhalt, sondern durch den Mut, dieses Thema zur Diskussion zu stellen. Das Spannendste an ihr sind nämlich die Meinungen (und Instrumentalisierungen), die vor Ort und drumherum in der Luft liegen. Weshalb wir künftigen Besuchern keine weitere vorgeben werden … (vss.).

Wesaam al-Badry / MAK©
Quo vadis - Künstler*innen in FrankfurtRheinMain?
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Impuls | Eine Künstler-Abgabe

Ein Drittel für Künstler!

Gastkommentar von Jan Deck

Frankfurt ist ein Tourismusmagnet. Über fünf Millionen Menschen kommen jedes Jahr in die Stadt und sorgen für rund zehn Millionen Übernachtungen. Ein Potential, an dem auch die Stadt mittlerweile verdient. Für jede private Übernachtung – und das ist fast jede dritte – kassiert sie seit 2018 zwei Euro. Das müssten rund sechs Millionen Euro pro Jahr sein.

Nun kommen diese Menschen vor allem wegen der lebendigen und vielseitigen Kunst- und Kulturlandschaft. Städel, Oper oder Mousonturm sind Publikumsmagneten. Doch dahinter stehen auch viele freischaffende Künstler*innen. Ihre Zahl dürfte in und um diese Stadt herum locker vierstellig sein. In den meisten Sparten ist deren Förderung durch die Stadt mangelhaft. Gleichzeitig steigen Mieten, Lebenshaltung, Preise für Ateliers und Proberäume. Viele Künstler können sich die Stadt, die sie sich mit ihnen schmückt, nicht mehr leisten.

Deshalb muss ein Drittel der neuen Einnahmen zur besseren Finanzierung der freien Szene verwendet werden! Das wären geschätzt zwei Millionen Euro. Wir wollen, dass mit dem Geld ein Fördertopf eingerichtet wird, aus dem alle freischaffenden Künstler*innen und Initiativen Geld für Projekte bekommen: Filmfeste, Musiker*innen, Clubs, Theatergruppen, Bildende Künstler*innen, Autor*innen, Filmschaffende, Kooperationsprojekte zwischen den Sparten und viele mehr. Diese vielseitige Kunstszene ist ein Hauptgrund für den privaten Touristenboom. Deshalb wollen wir nicht mehr und nicht weniger als unseren Anteil an den mit uns erzielten Einnahmen. Und das bitte nicht bei gleichzeitiger Streichung anderer Gelder …

Urban:ist | Ein Fotoprojekt

Mein(junges)RheinMain

72 Perspektiven aus und auf RheinMain

Politik wird in der Regel von Menschen mehr oder minder weit jenseits ihrer zweiten Lebensdekade gemacht. Doch die von diesen Menschen gemachte Politik betrifft auch die Jugendlichen, welche als »kommende Generationen« gerne zum Ziel solcher Politik ausgegeben werden. Da wäre es doch zuweilen hilfreich, sich die Welt einmal mit den Augen jener jungen Generation anzusehen, zumindest jener, die bereits in der politischen Tür steht.

In dem außergewöhnlichen Fotoprojekt »MeinRheinMain« haben Politiker und andere Menschen dazu die Möglichkeit. Im Rahmen der Fototriennale RAY initiierte im Sommer der Kulturfonds Frankfurt RheinMain einen Workshop, in dem 72 Jugendliche aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg mit professioneller Anleitung und ebensolchen Kameras ihr RheinMain festhalten konnten. Herausgekommen ist eine fotografische Momentaufnahme einer Region und einer Generation. Eine Mischung aus Leben und Lebensgefühl(en), zusammengesetzt aus Statements, Beobachtungen, Visionen, Irritationen und zuweilen auch einfach nur künstlerischen Impressionen. Die Qualität vieler Aufnahmen steht dabei der Qualität vieler Ausstellungen der sommerlichen Triennale keineswegs nach. Was allerdings auch angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Fotografie(renden) in der heutigen Zeit kaum überraschend kommt. Davon überzeugen kann man sich im Buch »MeinRheinMain« und auf der gleichnamigen Webseite. Urban shorts zeigt mit freundlicher Genehmigung des Kulturfonds eine kleine Auswahl aus dieser Momentaufnahme (vss.).

Barbara Walzer (bw.)©
Greta Thunberg - Anfang vom Anfang
Quelle: Anders Hellberg • CC BY-SA 4.0 (s.u.)©

Urban:ist | Fridays for Future

Ein einziges Kind ging voran

Greta Thunberg (16) und der Klimaschutz

»Fridays for Future« – Die Bewegung für das Klima nimmt immer mehr Fahrt auf. Rund um den Globus, um dessen Zukunft es geht, nehmen freitags an immer mehr Orten immer mehr Jugendliche an diesem Streik für das Klima teil. Am 15. März sollen es beim Global Climate Strike For Future rund eine Million Kinder und Erwachsene in über 100 Ländern gewesen sein. Allein in Brüssel, Berlin und Paris waren rund 100.000 Menschen dabei. In ganz Deutschland streikten 300.000 Schüler*innen für ihre Zukunft und für die des Planeten. Was dies bewegt, zeigt ein einziger kleiner Vergleich. Noch drei Monate zuvor begann dieser Streik mit einer einzigen 16jährigen Schülerin in Schweden, die vor dem Parlament in Stockholm für ihre Ziele demonstrierte.

Mittlerweile wird Greta Thunberg ernst genommen. Auch wenn am Anfang der Versuch stand, sie zu vereinnahmen. Die Organisatoren des »World Economic Forum« hatten Greta Thunberg ins Schweizerische Davos eingeladen. Sie ahnten wohl kaum, dass die Schülerin mit den langen Zöpfen ihnen dort die Leviten lesen und ihnen wünschen würde, dass sie sich fürchten sollten. »I don’t want you to be hopeful, I want you to panic. I want you to feel the fear I feel every day and then I want you to act«, sagte Greta Thunberg. »Ich möchte nicht, dass Ihr Hoffnung habt, ich will, dass Ihr Panik bekommt. Ich möchte, dass Ihr die Angst fühlt, die ich jeden Tag fühle, und dann will ich, dass Ihr handelt …«.

Nach Davos, wo sich jedes Jahr im Januar die Mächtigen der Welt treffen, ist Greta Thunberg mit ihrem Vater aus Stockholm mit dem Zug  gereist. Die 16-jährige Klimaaktivistin will – wie viele Skandinavier – nicht mehr fliegen, weil das die Umwelt viel schlimmer belaste, als mit der Bahn zu fahren. Das haben die Experten schon auf der Klimakonferenz in Paris als Tipp zu den Journalisten gesagt: »Fly less…«. Doch wie so oft scheint Klimaschutz immer erst einmal bei anderen anzufangen. Greta Thunberg hingegen lebt das vor, was sie fordert. Und sie nutzt die Podien, die man ihr bietet – auch wenn man dies sicher ursprünglich aus anderen Gründen tat. Und das, obwohl sie an Asperger leidet, und sagt, dass sie eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen möchte. Doch sie will das tun, was andere – insbesondere die Protagonisten in Davos – nicht tun: »Die Leute reden nur und tun nicht, was sie sagen«. Dass manche wie der Publizist Henryk M. Broder sie verächtlich eine schwedische »Wiedergängerin von Jeanne d’Arc« nennen und von einem »weltweiten Hype« sprechen, ficht sie nicht an. Greta Thunberg scheint vielmehr glaubhaft zu widerlegen, dass der / die Einzelne ja doch nichts tun könne … (lys./vss.).

Anders Hellberg • CC BY-SA 4.0 (s.u.)©
Mitten in Frankfurt
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Urban:ist | Wieder gelesen

Städte sind für Menschen da

Jan Gehl und das menschliche Maß urbaner Entwicklung

Wohl nur wenige Menschen kämen auf die Idee, Venedig als Prototyp einer modernen Stadt zu sehen. Doch für Städteforscher Jan Gehl ist die alte Lagunenstadt am Mittelmeer die Blaupause für eine moderne Metropole. Nein, nicht wegen der Gondeln (wobei sich die in Frankfurt sicher auch ganz gut machen würden), sondern wegen der dichten Bebauung, der kurzen Wege, einer weitgehend gemischten Nutzung der Viertel und dem naturgemäß fehlenden Autoverkehr. Alles das macht für ihn eine »Stadt nach menschlichem Maß« aus.

Gehl beschäftigt sich seit rund 50 Jahren mit Stadtentwicklung und hat wesentlich dazu beigetragen, dass seine Heimatstadt Kopenhagen bereits in den 60er Jahren mit dem begonnen hatte, was wir heute als »Nachhaltige Stadt« fast alle für erstrebenswert halten. Vor diesem Hintergrund hat sein Ruf nach dem »menschlichen Maß« Gewicht. Ein Maß, das jahrhundertelang in der Entwicklung von Städten selbstverständlich war. Erst mit deren sehr schnellem Wachstum, der Professionalisierung der Stadtplanung, einer im 20. Jahrhundert zusehends funktionalen Aufteilung des Stadtraums und dem befremdlichen Ruf nach der autogerechten Stadt ist der Mensch aus dem Blick geraten.

»Bauliche Einladungen« und Nutzungsmuster hängen seiner Erfahrung nach unmittelbar zusammen. Wenn es Flächen und Wege für Fußgänger und Radfahrer gibt, die zu verschiedenen Aktivitäten einladen, wenn sich nicht monoton gestaltete Gebäude nach außen abschotten, sondern erfassbar und abwechslungsreich fürs Auge sind und auch Erlebnisse ermöglichen, dann wird der Raum zur Stadt für die Menschen. In Gehls Buch lerne ich mehr über qualitätvolle Dichte, über die Art und Weise, wie die Stadt zugleich sicher und gesund wird, über Proportionen und Perspektiven – und weshalb es normal ist, dass ich alles über dem fünften Stock eines Hauses erst mal nicht wahrnehme. Gehl gibt in seinem Buch vielfältige und wertvolle Impulse für alle, die sich an der gerade aktuell so wichtigen Debatte über die Zukunft wachsender Städte wie Frankfurt beteiligen und die diese mitgestalten wollen. Und dies nicht nur als Städteplaner (pem.).

Barbara Walzer (bw.)©
Das Filmmuseum - Zentrum und Spielort zahlreicher Festivals
Quelle: Barbara Walzer©

Die Film(festival)region

Nonstop-Filmfest FrankfurtRheinMain

Keine Berlinale - aber über 50 Filmfestivals in der Region

Wer in Deutschland an Filmfestivals denkt, denkt zuerst an die Berlinale. Mit Cannes und Venedig spielt sie in der ersten Reihe europäischer Festivals und misst sich zuweilen gar mit Hollywood und seinen Oscars. FrankfurtRheinMain hingegen kann nichts derartiges aufweisen. Oder doch? FrankfurtRheinMain besitzt zwar keine Berlinale, ist aber wohl die Region in Deutschland und vielleicht sogar in Europa mit den meisten einzelnen Festivals überhaupt. Über 50 Filmfeste stehen im Laufe des Jahres im Kalender – im Schnitt eines pro Woche. Die Palette reicht von relativ großen Akteuren wie Lichter (Frankfurt) und GoEast (Wiesbaden) über mittlere Kaliber wie Nippon Connection oder exground bis hin zu den »Exoten« wie Reflekta oder gar dem Putzfilmfestival, das 2018 Premiere feierte.

Besonders auffällig sind viele internationale Festivals, vom panafrikanischen Africa Alive im Januar bis zum italienischen Verso Sud im Dezember. Dazwischen geht es locker in zwei Dutzend Festivals um die Welt: von Japan (Nippon Connection) über China (Golden Trees), Korea (Project K) und Indien (New Generations), Europa und den Nahen Osten (GoEast, Jüdische Filmtage oder das Türkische Filmfestival), eben Afrika (Africa Alive) bis hin auf den amerikanischen Doppelkontinent. Letzterer steht richtig weit vorne. Die Dias de Cine beleuchten gleich ganz Lateinamerika, mehrere Länder wie Brasilien (CineBrasil) oder Cuba (Cuba im Film) und sogar die Dominikanische Republik haben eigene Festivals. Nicht von ungefähr kann FrankfurtRheinMain auch mit vielen Orten aufwarten, die Originalfilmreihen im Programm haben. Doch die Palette reicht auch quer durch Generationen und Geschlechter: vom Europäischen Filmfestival der Generationen und dem Frauenfilmfestival Remake über das Queer Filmfest Weiterstadt und die Homonale Wiesbaden bis zu den vielsprachigen Jugendfestivals Lucas, visionale, Cinéfête oder Britfilms. Ganz eigen ist auch die Landschaft für Kurzfilme vom kleinen Waldfestival in Weiterstadt über die Shorts at Moonlight bis zu den Rüsselsheimer Filmtagen. Und 2018 gab es neben dem Urgestein der Animationsfilmszene, dem Internationalen Trickfilm Wochenende Wiesbaden, auch das neue, fast jugendliche Pendant Sweat & Tears in Frankfurt. Ach ja. Noch gar nicht erwähnt sind die sommerlichen Freiluftkinos wie der Lichter-Ableger Freiluftkino Frankfurt, die Filmtage in den Reisinger Anlagen in Wiesbaden, das Open Air-Programm im Hafen 2 in Offenbach oder der Filmsommer in Mainz. Und wem das nicht reicht, der findet an den Rändern der Region mehr: bei den Openeyes in Marburg, dem Dokfest in Kassel, dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen oder dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Kurzum: FrankfurtRheinMain ist eigentlich von Januar bis Dezember ein einziges großes Nonstop-Filmfestival. Für eine Berlinale wäre wohl gar kein Platz mehr frei im regionalen Festivalkalender … (vss.).