Simulation der Arte-Dokumentation »Unter Wasser« zeigt drohende Gefahr für New York
Quelle: Arte France / © Georama TV©

Urban.21 | Klima 2019/2039

Land unter: Metropolen in Gefahr?

Erderwärmung und steigende Pegel bedrohen Megacitys

New York, Istanbul, Singapur. Aber auch London, Paris, Amsterdam. Viele Metropolen weltweit liegen am Wasser. Wie die beeindruckende Arte-Dokumentation »Unter Wasser: Megacitys in Gefahr« zeigt, könnten für sie die Erderwärmung und steigende Pegel bald schon mehr sein als ein abstraktes Klima-Problem in ferner Zukunft. Gefahr droht diesen Städten von mehreren Seiten. Schon heute setzen durch den Klimawandel mit ausgelöste Flutwellen, Hurrikans oder Überschwemmungen Städte wie New York, Bangkok oder New Orleans unter Druck oder zuweilen tatsächlich unter Wasser. Da aber viele dieser Städte zugleich auch noch absinken, weil durch Erosion, abgesogenes Wasser oder »Bodenverflüssigungen« an Meeren und Flüssen der Boden nachgibt und rundum die Pegel steigen, wächst der Druck durch die Naturkatastrophen noch weiter. Manche Experten glauben bereits, dass der Mensch diese Metropolen irgendwann wird verlassen müssen, sofern er nicht rechtzeitig gegensteuert.

Wie dramatisch die Situation werden könnte, hat vor einiger Zeit auch der Fernsehsender euronews gemeinsam mit der Organisation Climate Central in drastischen Simulationen dargestellt. Sie zeigen Metropolen bei einer Erderwärmung um zwei beziehungsweise um vier Grad. Während London (> Simulation) und Shanghai (> Simulation) bereits bei plus zwei Grad langsam zu Seenplatten mutieren und in New York (> Simulation) ab vier Grad der Broadway zum Canale Grande wird, könnte sich das südafrikanische Durban (> Simulation) dann allerdings bereits in Atlantis umbenennen. Doch das Problem betrifft nicht nur ferne Metropolen. Das Recherchekollektiv correctiv hatte kürzlich anhand von Daten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen aus den letzten Jahrzehnten berichtet, dass der Meeresspiegel der Nordsee dort messbar steige und dass ein guter Teil dessen auf die Klimaerwärmung zurückgehe. Und dass der Trend zunehme. Stieg im 20. Jahrhundert das Meer offenbar bestenfalls alle drei Jahre um einen Zentimeter, so braucht es dafür heute noch gut zwei Jahre. Ende des Jahrhunderts sollen die Pegel aktuell einen halben Meter höher stehen als heute … (vss.).

Arte France / © Georama TV©
Shorts at Moonlight - Großes Kino auf und vor der Leinwand
Quelle: Shorts at Moonlight©

Filmsommer FrankfurtRheinMain

Frei. Luft. Kinos. Allerorten.

Sommerliche Film- und sonstige Festivals

Früher kannte man sie vor allem aus Südfrankreich. Die Sommerfestivals von Avignon bis Perpignan, die vor allem ob der üppigen französischen Kulturförderung jeden Sommer fast jede Ortschaft im Süden Frankreichs auf charmante Art und Weise belebten. Auch wenn in Deutschland weder Wetter noch Förderung so konstant und üppig sind wie im Nachbarland, so hat sich doch auch hierzulande längst eine Sommer-Kultur etabliert. In Frankfurt bespielen schon seit Jahren etwa die Dramatische Bühne, die Sommerwerft, Summer in the City oder der Stoffel Ufer und Parks der Stadt. Auch die Region hat viel zu bieten: von den Burgfestspielen in Bad Vilbel bis zum Improtheatersommer auf dem Wiesbadener Neroberg. Und jedes Jahr kommen neue Perlen hinzu, 2019 etwa »Shakespeare in the Garden« im Botanischen Garten hinter dem Palmengarten in Frankfurt.

Eine besondere Farbe bringen dabei Jahr für Jahr die immer zahlreicher werdenden Filmfestivals und -Reihen in den Open-Air-Reigen ein. Ganz vorne rangieren mittlerweile das erst seit fünf Jahren bestehende »Freiluftkino Frankfurt«, welches die Crew des Lichter-Filmfestivals an fast jährlich wechselnden Orten in der Stadt platziert, sowie die bereits legendären »Shorts at Moonlight«, vielleicht das Kurzfilmfestival überhaupt in der Region. Längst haben über die warmen Monate hinweg fast alle Städte der Region »ihr« Open-Air-Filmfest. Mainz glänzt mit einem kompletten »Filmsommer« an wechselnden Orten, die Nachbarmetropole Wiesbaden mit seinem »Bildwerfer« in den Reisinger Anlagen am Hauptbahnhof, das etwas fernere Marburg mit »Open Eyes« und viele kleinere Orte in Hessen gleich gebündelt mit dem »Filmsommer Hessen«. Dazu kommen kleine Reihen an oft ungewöhnlichen Orten. Das Frankfurter Haus am Dom macht im Sommer »Kino auf dem Dach«, das Landesmuseum Darmstadt nutzt seinen Innenhof fürs »Sommerkino«, klein und fast versteckt sind die Filme auf der Sommerwerft und in der kultigen Farbenfabrik auf dem Milchsackgelände, und fast schon »etabliert« ist das charmante Hafen-Kino im Offenbacher Hafen 2. Apropos Hafen. Die »Mogelpackung« ist das »Schiff Open Air Kino« in Wiesbaden und Mainz. »Schiff« steht dort nämlich für »Schiersteiner Filmfestival«. Das findet zwar nah am Wasser statt, aber trotzdem komplett an Land. Unser Geheimtipp bleibt auch in diesem Jahr das Festival, das den Reigen (fast) beschließt. Weit ab in Weiterstadt bei Darmstadt feiert das dortige »Filmfest« (wer gutes Programm hat, braucht in der Regel keinen originellen Namen) mitten im Wald alljährlich ein viertägiges (und nächtliches) Fest des Kurzfilmes … (vss.).

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Conny Petzold fordert Rückkehr zu sozialer und konsequenter Wohnbaupolitik | Bild: Martha Rosler, Housing Is a Human Right, Time Square animation 1989.
Quelle: Martha Rosler©

Impuls | Frankfurts Wohnungspolitik

Nicht sozial, nicht konsequent

Gastkommentar von Conny Petzold

Am Finanzplatz Frankfurt herrscht Feierlaune trotz Wohnungskrise. Seit die Briten für einen Ausstieg aus der EU gestimmt haben, hofft die Stadt, zum »Brexit-Gewinner« zu werden. Geht es nach Oberbürgermeister Peter Feldmann und anderen VertreterInnen der Stadtregierung, sollen möglichst viele Banken und Versicherungen ihre Geschäfte nach Frankfurt verlagern. Feldmann erkennt offensichtlich keinen Widerspruch darin, Wahlen mit Versprechen an die Wohnbevölkerung Frankfurts zu gewinnen und gleichzeitig mit groß angelegten Kampagnen und Reisen »Brexit-Flüchtlinge« in die Stadt zu locken. Noch im März präsentierte er Frankfurt auf der weltgrößten Immobilienmesse MIPIM in Cannes als besonders attraktiven Immobilienstandort. Und immer mit dabei: die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding.

Ein Blick zurück. Zu Beginn der 1920er Jahre realisierte die Stadt unter Baustadtrat Ernst May ein beispielloses Wohnbauprogramm namens »Neues Frankfurt«, um vor allem Wohnraum für »minder bemittelte« Menschen zu schaffen. Auch wenn die heutigen StadtpolitikerInnen gerade in diesem Jahr gerne an die vielen guten Lösungsbeispiele dieser Zeit erinnern, gehören solche Ideen bis hin zum »Wohnen für das Existenzminimum«, das gerade May am Herzen lag, längst nicht mehr zur Priorität von Stadt und Wohnbaugesellschaften. Das Buhlen um die Gunst weltweit tätiger Investoren offenbart das Desaster heutiger Wohnungspolitik in Frankfurt. Statt alle Kapazitäten, insbesondere der öffentlichen ABG, für die Versorgung mittlerer und unterer Einkommensschichten mit Wohnraum zu mobilisieren, leben städtische Verantwortliche ihren Traum der »Global City«. Auf der Strecke bleibt die Wohnbevölkerung, die gerade im Zuge dessen mit der ständig steigenden Mietbelastung zu kämpfen hat und für die jene günstigen Wohnungen dringender wären als je zuvor. 49 Prozent der Mietbevölkerung, also die halbe Stadt, hat Anrecht auf eine Sozialwohnung. Aber nur 7 Prozent des Wohnraums ist preisgebunden, und 2018 wurden lediglich 65 neue Sozialwohnungen gebaut. Dies ändert sich gerade. Aber sehr langsam. Der Mietentscheid Frankfurt, ein städtisches Bürgerbegehren, setzt an diesem Punkt an, und fordert, dass die städtische ABG zukünftig nur noch geförderten Wohnungsbau schaffen soll und im Bestand bzw. bei frei werdenden Wohnungen Mieten auf das Niveau des geförderten Wohnungsbaus absenkt. 25.000 FrankfurterInnen haben für diese Forderung unterschrieben. Jetzt liegt es an der Stadt, den Weg zu einem Bürgerentscheid zu ebnen – oder gleich für eine neue Politik. Stadt und Gesellschaften müssen zurück zur sozialen und konsequenten Wohnbaupolitik, müssen dies wieder als ihre erste Aufgabe ansehen …

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Bürger legen selbst Hand an die Politik an
Quelle: Ponderosa Templeton • CC BY-SA 4.0 (s.u.)©

Urban.21 | Direkte Demokratie

Bürgerpolitik statt Populismus

Bürger*Innen treiben Politik voran und vor sich her

Wie weit in Europa und Deutschland Ursula von der Leyen und Angela Merkel eine nachhaltige Umweltpolitik vorantreiben wollen, sei einmal dahingestellt. Dass sie sich aber derzeit überhaupt so intensiv mit dieser Frage beschäftigen, ist sicher auch »Fridays for Future« geschuldet. Das Gleiche gilt für Städte wie Berlin oder Frankfurt und deren Stadtpolitik zu Mieten und Verkehr. Zehntausende Unterschriften für einen »Radentscheid« haben bewirkt, dass in Berlin ein Mobilitätsgesetz und in Frankfurt ein Maßnahmenpaket für deutlich mehr und bessere Radwege, übersichtlichere Kreuzungen und mehr Radparkplätze auf den Weg gebracht wurden. In beiden Fällen handelten die Stadtregierungen übrigens, bevor sie durch weitergehende Volksentscheide wohl dazu gezwungen worden wären. Und in beiden Städten versuchen derzeit Bürger*innen durch »Mietentscheide« die Regierungen in gleicher Weise anzutreiben. Berlins »Mietendeckel« ist ein Resultat dieser neuen außerparlamentarischen Politik.

Politik hat offenbar eine neue Qualität. Parteien und Politiker*innen, die gerne große Aufgaben auf sich zukommen sahen (und dabei gerne die übersahen, die schon da waren), werden bei Wahlen zunehmend für Inhaltslosigkeit und Handlungsarmut abgestraft. Dafür nehmen Bürger*innen auf breiter Front Politik selbst in die Hand und treiben ihre Volksvertreter*innen zum Handeln an. Erste Auguren sehen bereits ein neues Zeitalter »Direkter Demokratie«. Und nicht wenige warnen bereits, angesichts der Erfahrungen des Brexit oder dem Zulauf für Populisten. Doch sind Warnungen berechtigt? Adel und Klerus hatten in der Französischen Revolution auch vor dem Volk gewarnt. Aus sehr eigenen Motiven. Doch sind das Chaos, in welches das Brexit-Votum Großbritannien stürzte, und der Zulauf der dortigen Populisten ein Argument gegen Direkte Demokratie? Eigentlich nicht. Wahrscheinlich war es schlicht ein Fehler, die ungeübten Brit*innen gleich über die zweitwichtigste Frage ihres Landes (nach der über die Monarchie) entscheiden zu lassen. Es ist wohl nicht vermessen anzunehmen, dass nicht jedem Briten / jeder Britin klar war, was ihre Entscheidung bewirken würde …

An dieser Stelle lohnt ein Blick in die Schweiz. Man stelle sich vor, dort würde auch mal wieder über den – in diesem Falle – Beitritt zur EU abgestimmt. Wie das Ergebnis ausfallen würde, sei dahingestellt. Wohl aber würde es dort trotz der Tragweite kaum ein Chaos auslösen. Es würde – wie viele andere Abstimmungen – wohl respektiert und umgesetzt. Denn in der Schweiz haben Abstimmungen eine andere Qualität. Schweizer und Schweizerinnen (letztere übrigens nach Zustimmung von ersteren erst im vergangenen Jahrhundert) stimmen seit Jahrzehnten direkt über Altersvorsorge, Atomenergie oder öffentlichen Rundfunk, aber auch über »Bedingungsloses Grundeinkommen«, »medizinisch unterstützte Fortpflanzung« oder die »Sanierung des Gotthard-Tunnels« ab. Das Gleiche gilt sogar für Steuersätze und einzelne Staats- oder Stadtausgaben. Ein Theater wie in Großbritannien macht man dort über keine dieser »Volksinitiativen«. Und Regierungen, die übrigens in der Schweiz weniger wichtig sind und sich weniger wichtig nehmen, setzen diese geräuschlos um. Vielleicht ist es also schlicht eine Frage des Gewichtes, das man dem Souverän gibt. Und der Übung, welche dieser Souverän mit Direkter Demokratie hat. Statistiker haben ausgerechnet, dass die Hälfte der weltweiten Volksabstimmungen in einem einzigen Land stattfinden. In der Schweiz. Deutschland und andere Länder sind allerdings dabei, ein wenig aufzuholen. Fridays for Future, Rad- und Mietentscheide dürften ein Anfang sein … (vss.).

Ponderosa Templeton • CC BY-SA 4.0 (s.u.)©

Fahrrad | Berlin bis Frankfurt

An der Radwegscheide

Städte beginnen mit Radverkehrspolitik

Berlin, Frankfurt, Darmstadt. Nur drei deutsche Städte, in denen in den letzten drei Jahren Stimmen gesammelt wurden. Rund 150.000 Stimmen waren es am Ende. 150.000 Menschen, die sich dafür ausgesprochen hatten, dass in ihren Städten mehr und sichererer Raum für Radfahrer*innen entstehen soll. Rund 100.000 Menschen waren es in Berlin, rund 35.000 in Frankfurt, über 11.000 in Darmstadt. Mit den Stimmen sollten Volksentscheide auf den Weg gebracht werden. Doch teilweise wurden bereits so viele Stimmen gesammelt, dass »die Politik« lieber gleich beschloss, mit den Initiatoren zu reden und die Städte zu verändern – bevor sie wohl durch Volksentscheide zum Handeln gezwungen worden wäre. Das Ergebnis: In Berlin wurde ein komplettes neues Mobilitäts-Gesetz (MobG) verabschiedet, in Frankfurt und Darmstadt wurden in Verhandlungen erste Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht. Außerdem haben medienwirksame Kampagnen wie diese weitere Radentscheide in anderen Städten angestoßen und vorangebracht …

In Frankfurt liegt nun im Sommer ein Plan auf dem Tisch des Stadtparlaments, der nicht mehr und nicht weniger bedeutet als den Einstieg in eine neue Radverkehrspolitik. In den nächsten drei Jahren sollen mindestens 45 Kilometer neue Radwege entstehen, vor allem auf zehn städtischen Hauptverkehrsstraßen. Allen voran die gefürchtete Friedberger Landstraße, wo aus teilweise vier Autospuren künftig durchgängig zwei plus zwei getrennte Spuren für Autos und Räder werden sollen. Insgesamt sollen inklusive Nebenstraßen und neuen durchgängigen »Fahrradtrassen« für ein rasches Vorwärtskommen auf zwei Rädern etwa 75 Kilometer Radwege entstehen. Und zwar vielfach nach neuen Standards: mit mehr Breite und abgetrennt vom restlichen Verkehr. Dazu kommen mehr Verkehrsplaner*innen und eine eigene Fahrradstaffel der Polizei. Erstere sollen dann auch die Entschärfung gefährlicher Kreuzungen, Grüne Wellen für Radfahrer*innen oder 6000 neue Radparkplätze planen und umsetzen, letztere schlicht für die Einhaltung bestehender Gesetze auf Radwegen sorgen. Etwa für das Entfernen von Falschparkern. Mehr Geld sieht das Maßnahmenpaket auch vor: über 20 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren.

Was derzeit in Berlin, Frankfurt und anderen Städten beginnt, ist ein Einstieg. Ein Einstieg in einen Umbau der Städte weg von der Autostadt hin zur Stadt für Räder und Menschen. In ganz Deutschland sterben aktuell jeden Tag mehr als ein Radfahrer / eine Radfahrerin bei einem Unfall; Tendenz rasch steigend. Und 75 Prozent der Unfälle werden von Autofahrer*innen verursacht. Es geht also um einen Umbau, der längst überfällig ist. Beispiel Frankfurt. Pendler, Touristen, Freizeitfahrer – Die Stadt boomt, jedes Jahr wächst sie um weit über 10.000 Einwohner. Viele sind per Rad unterwegs. Doch ausgerichtet ist Frankfurt nicht wirklich darauf. Autos hatten lange Zeit Vorfahrt, Fahrräder waren im Verkehrskonzept nicht wirklich mitgedacht. Geht es nach den Initiatoren der Radentscheide, sollen sieben Kernpunkte diese und andere Städte nun fahrradfreundlicher und -sicherer machen: jährlich 15 Kilometer neue Radwege, mindestens 2,30 Meter breit, von der Autofahrbahn getrennt, farblich gekennzeichnet, auf leicht befahrbarem Belag und nach Möglichkeit ohne Unterbrechungen. Kreuzungen sollen sicherer werden, für Fußgänger sowie für Radfahrer, und deutlich mehr Fahrradparkplätze sollen entstehen.

Vorbilder gibt es genug. In Kopenhagen etwa müssen Radfahrer sich nicht auf den umgebenden Verkehr konzentrieren, sondern können aufgrund vieler  Maßnahmen einfach entspannt im Strom mitradeln. Die Stadt gilt mit 30 Prozent Radfahrer am Gesamtverkehr als Vorzeigestadt. Und da sich Frankfurt wie kaum eine andere Stadt in Deutschland mit den großen Metropolen etwa in den USA messen will, lohnt auch ein Blick über den großen Teich. Selbst Detroit – einst Motorcity – hat einen erstaunlichen Wandel hinter sich. In nicht einmal zehn Jahren hat es die Fahrradwege von elf auf 200 Meilen ausgebaut. Und Frankfurt? Profiliert sich im Gegensatz zu nordischen Städten wie Kopenhagen oder Oslo mit «halben Sachen«. Die Stadt feierte sich vor dem Kompromiss für eine halbe autofreie Straße ab Sommer am Main oder ein paar, dem Autoverkehr abgetrotzte Bike Lanes wie auf der Friedberger Landstraße. Mittlerweile jedoch bewegt sich die Stadt – angetrieben von ihren Bürger*innen und vor allem Radler*innen. Ob die neue Politik die Städte tatsächlich langfristig verändern und lebenswerter machen werden, wird man aber wohl erst in einigen Jahren sehen. Denn eigentlich können alle diese Maßnahmen tatsächlich nur ein Anfang sein. Wie das Beispiel Berlin zeigt. Trotz MobG ist die Metropole weltweit in einem viel beachteten Radranking kürzlich von Platz 4 auf Platz 15 gefallen – weil andere Metropolen deutlich mehr gemacht haben … Die Städte stehen also sozusagen an der Radwegscheide (ojs./sfo./red.).


Mitten in der Mainmetropole
Quelle: Niko Neuwirth©

Urban-mobiler Overkill II

Wer wählt welche Wege?

Frankfurts neues integriertes Verkehrskonzept?

Und kürzlich ist Urban shorts übrigens noch ein kleiner Coup geglückt. Genauer gesagt: dem Urban shorts-Investigativ-Reporter und -Fotografen N.N.. Ihm ist es kürzlich nachts gelungen, ein Foto von einem offenbar noch geheimen Projekt der Stadt Frankfurt zu machen. An einem der Redaktion bekannten Ort wurde eine Straßenkreuzung kurzzeitig so umgestaltet, dass man und frau sich an ihr schon einmal probeweise mit dem künftig drastisch veränderten Verkehrsaufkommen auf den Geh- und Radwegen der Main-Metropole vertraut machen können. Sozusagen ein Verkehrsübungsplatz der Post-Auto-Ära in der Stadt und womöglich ein erstes (Auto-) Pilotprojekt für andere Städte in der Zukunft …  (red.).

Urban:ist | Ein Fotoprojekt

Mein(junges)RheinMain

72 Perspektiven aus und auf RheinMain

Politik wird in der Regel von Menschen mehr oder minder weit jenseits ihrer zweiten Lebensdekade gemacht. Doch die von diesen Menschen gemachte Politik betrifft auch die Jugendlichen, welche als »kommende Generationen« gerne zum Ziel solcher Politik ausgegeben werden. Da wäre es doch zuweilen hilfreich, sich die Welt einmal mit den Augen jener jungen Generation anzusehen, zumindest jener, die bereits in der politischen Tür steht.

In dem außergewöhnlichen Fotoprojekt »MeinRheinMain« haben Politiker und andere Menschen dazu die Möglichkeit. Im Rahmen der Fototriennale RAY initiierte im Sommer der Kulturfonds Frankfurt RheinMain einen Workshop, in dem 72 Jugendliche aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg mit professioneller Anleitung und ebensolchen Kameras ihr RheinMain festhalten konnten. Herausgekommen ist eine fotografische Momentaufnahme einer Region und einer Generation. Eine Mischung aus Leben und Lebensgefühl(en), zusammengesetzt aus Statements, Beobachtungen, Visionen, Irritationen und zuweilen auch einfach nur künstlerischen Impressionen. Die Qualität vieler Aufnahmen steht dabei der Qualität vieler Ausstellungen der sommerlichen Triennale keineswegs nach. Was allerdings auch angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Fotografie(renden) in der heutigen Zeit kaum überraschend kommt. Davon überzeugen kann man sich im Buch »MeinRheinMain« und auf der gleichnamigen Webseite. Urban shorts zeigt mit freundlicher Genehmigung des Kulturfonds eine kleine Auswahl aus dieser Momentaufnahme (vss.).