Urban Sketchers unterwegs

Un-Orte im Ostend

Scetchscrawl zum Comicsatelliten 2019

 

Der Osthafen und der Main stromaufwärts gen Offenbach. Ein Un-Ort für die einen, ein faszinierender Ort für die anderen. Ein Ort – oder Orte -, wie geschaffen für Urban Sketchers mit dem besonderen Blick für ihr urbanes Leben. Rund um den Frankfurter Comicsatelliten 2019, der am 18. und 19. Oktober auf dem Frankfurter Yachtklub mit Blick gen Osten stattfindet, waren und sind die Urban Sketchers Rhein-Main unterwegs an diesen Orten, such(t)en nach Un-Orten, Un-Flats, Un-terbrechungen. Urban shorts dokumentiert einige ihrer Zeichnungen. Die Zeichnungen sind am 19. Oktober ab 16 Uhr in einer Pop-up-Ausstellung auf dem Yachtklub zu sehen. Urban Sketchers sind eine Gemeinschaft von Zeichner*innen, die – meist auch gemeinsam – ihre urbane Umgebung zeichnen (red.).

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Ein seltener Anblick wohl in den kommenden Tagen
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Buchmessen-Literatour

Alles – außer Lesen?

Der Rund-um-die-Messe-Guide

Weltgrößter Marktplatz für Verlage, ihre Bücher und Ideen – Das ist die Frankfurter Buchmesse für die Branche von der Verlegerin bis zum Buchhändler. Riesiger Book Store an der Messe, Nonstop-Lesungen an allen Ecken und Enden der Stadt sowie Parties mit Autor*innen und Agent*innen – Das ist die Frankfurter Buchmesse für Buchliebhaber*innen und Leser*innen. Eine Woche lang steht die Stadt im Zeichen des Buches, taucht regelrecht ein in diese Welt. Auch Urban shorts widmet sich deshalb diese Woche natürlich der Buchmesse – allerdings mit dem ihm eigenen Blick auf das Geschehen. Ein »Lesefest« nennt sich die Messe gerne selbst. Doch Lesen ist so ziemlich das einzige, wozu in dieser Woche wohl kaum jemand kommt. Urban shorts liefert deswegen statt neuer Literatur eine Litera-Tour durch die Buchmessenwoche. Auf der Seite Literatour geht es um eine Auswahl aus den zahllosen (Vor-) Lesungen, Ausstellungen, Filmreihen, Musik- und sonstigen Festivals. Um die Orte, wo man und frau die Branche treffen, und natürlich auch um die Orte, wo sie mit Autoren und Agentinnen feiern können. Buchempfehlungen gibt es – wie gesagt – für diese Woche nicht. Dafür ab Dienstag täglich einen Tipp von Menschen von hinter den Kulissen der Branche, welche Lesung sie an diesem Tag nicht verpassen wollen. Das alles komprimiert auf der Seite Literatour … (vss.).

Barbara Walzer (bw.)©
Noch ein seltener Anblick
Quelle: Barbara Walzer (bw.)©

Buchmessen-Literatour II

Feste (vor-) lesen und feiern

»Lese-Feste« und Parties rund um die Messe

Es ist schon ein wenig skurril. Frankfurt ist in der kommenden Woche voller Verleger*innen, aber kaum jemand verlegt in dieser Woche ein Buch. Alle sind vor allem auf der Jagd nach Autoren und Autorinnen. Auch die gibt es in dieser Woche in Massen in der Stadt. Aber sie sind kaum dort, um Bücher zu schreiben. Ganz im Gegenteil. Die meisten von ihnen lesen, und zwar vornehmlich vor und das auch noch aus ihren eigenen Büchern, die sie in und auswendig kennen. Deshalb sind auch Scharen von Lesern und Leserinnen in Frankfurt. Doch selbst sie werden in diesen Tagen kaum zum Lesen kommen, vor lauter Schauen, Stöbern und Zuhören. Denn die Stadt birst in diesen Tagen regelrecht vor lauter Büchern und Buchmenschen, die sich präsentieren und präsentieren wollen.

Einmal im Jahr verwandelt sich Frankfurt (und die Region) für eine Woche in das Mekka für Verleger*innen, Literat*innen, Leseratten und für alle, die sonst noch irgendwie mit Büchern und dem Buchmarkt zu tun haben. Die Frankfurter Messe ist in diesen Tagen ein einziger großer Book Store, erst für die Branche, dann für das Publikum. Die Stadt selbst bordet über mit (Vor-) Lesungen, Ausstellungen, Parties und sonstigen Veranstaltungen. »Lese-Fest« nennt sich das, auch wenn – wie gesagt – außer indirekt den Literat*innen kaum jemand zum Lesen kommt. Rund um den Römer lesen sie vor bei den traditionellen und noch immer empfehlenswerten »Open Books«, die sich schon immer »Lesefest« nannten und zu denen auch der Dinosaurier unter den »Lesefesten«, die »Literatur im Römer«, gehört. Dazu gesellt sich mittlerweile das sogenannten »Bookfest«. Von ihm weiß keiner so genau, was das eigentlich ist, außer dem Sammelsurium sonstiger Lesungen sowie mehr oder minder artverwandter Events bis hin zum Whiskey Tasting. Zweiter Unterschied: Während die Open Books meist eintrittsfrei sind, können beim »Bookfest« schon mal bis zu 50 Euro Eintritt anfallen. Noch mehr Lesungen gibt es natürlich auf der Buchmesse selbst (viele davon auch in den Programmen des Bookfestes oder in den Übersichten der Buchmesse zu finden). Und wer Literat*innen, Agent*innen, Verleger*innen und andere Buchmenschen außerhalb der Arbeit treffen will, für den gibt es eine Reihe großer und kleiner Parties. Zu empfehlen hier vor allem jene der kleinen Verlage und der Open Books an den späteren Messeabenden von Donnerstag bis Samstag im Frankfurter Literaturhaus. Sie sind im Gegensatz zu den eigentlichen Verlagsparties öffentlich. Und apropos. Nicht nur in Frankfurt wird feste (vor-) gelesen. Auch die Literaturhäuser und Buchhandlungen der Region bieten Lesungen an, meist schon vor der Messe – sozusagen zum Warmlaufen …

Barbara Walzer (bw.)©
Ausschnitt aus dem Buchcover
Quelle: Edition Faust©

Buchmesse | Vorgelesen [19.10.]

Faustische Fantasie-Fischereien

Axel Dielmann über Ankalina Dahlems »Universe far«

Ankalina Dahlem »Universe far. Eine Traumnovelle« –  So heißt die neue Entdeckung in der Edition Faust. Auf schlanken 100 Seiten entfaltet die Autorin und Künstlerin Dahlem den Lebensweg einer höchst surrealistisch Trauernden, welcher der »einzige Vertraute im Leben« weggestorben ist, »mein treuester Freund«, mitten im Zierbassin, prosaisch gesagt: ein japanischer Zierfisch. Überhaupt steuert das Fisch(erei)wesen den fantastischen Lebensweg, der in einer kullernden Kaskade von Klein-Katastrophen und Schicksalswinken, mit Mischwesen aus Vogel und Mensch, Anglern aller Weltmeere und schwierigen Beziehungsverhältnissen auf uns Leser einstürmt. Das Buch ist von der Künstlerin selbst mit Illustrationen bestückt, die teils in hinreißenden Abstraktionen und kindlich genauem Blick die erzählten Situationen, teils in etwas zu ausgetüftelten Zeichnungen die fabulierten Wesen vorführt. Der »Media-Mix« ist durch Gedichte aufgefüllt, die wie Botschaften an Kühlschrankmagneten die surrealen Lebenswege der Land- und Wasser- und Universe-far-Bewohner begleiten. Die Lesung im Kapellchen des Frankfurter Römers wird von Harry Oberländer moderiert, womit sichergestellt ist, dass solide Fragen an die literarische Arbeitswelt gestellt und genaue Antworten aus den fiktionalen Zwischenwelten zu erwarten sind.

Edition Faust©
Øyvind Torseter: Hans sticht in See - Mit an Bord bei den Comiclesungen in der Evangelischen Akademie
Quelle: Gerstenberg Verlag©

Buchmesse | Vorgelesen [18.10. / 19.10.]

Nicht nur als Kindheitserinnerung

Aino Kelle über die Comiclesungen bei »Open Books«

Als Kind habe ich ich häufig Comics gelesen. Zuhause auf dem Sofa, unterwegs in der Bahn und selbst im breiten Bug des Ruderboots meines Opas. Dort durfte ich mich auf dem See und auch an Land immer wieder hineinlümmeln, von der Sonne gewärmt und zugleich windgeschützt. Irgendwann rückten dann aber Romane in meinen Fokus, und der große Spaß an den vielschichtigen Bildergeschichten geriet in Vergessenheit. Bei »Open Books«, unserem Lesefest rund um den Römer, kann jetzt nicht nur ich mal wieder die Vielfalt zeitgenössischer Comics live erleben und mich (wieder) begeistern lassen. Heute stellen sechs Künstlerinnen und Künstler aus Norwegen, Deutschland und der Schweiz ihre neuen Graphic Novels jeweils im Doppel vor: Franziska Ruflair und Julia Bernhard, Nando von Arb und Øyvind Torseter, Martin Ernstsen und Steffen Kverneland. Thematisch spannt sich der Bogen des von Jakob Hoffmann zusammengestellten Programms von abgedrehten Hühnerabenteuern über Literaturadaptionen bis zur ernsten Auseinandersetzung mit dem Suizid des eigenen Vaters. Und wer so etwas bisher noch nicht live erlebt hat: Bei Comiclesungen werden die Bilder immer zeitgleich auf eine Leinwand projiziert. Noch mehr Comiclesungen gibt es am Wochenende auch an anderen Stellen der Stadt, etwa beim Cozi-Zine-Fest in der Naxos Halle oder auf dem Yachtklub unten am Main …

Gerstenberg Verlag©
Spät abends auf dem Boot der zeichnenden Hände ...
Quelle: timo.©

Festival | Downtown Frankfurt

Das Boot der zeichnenden Hände

ComiczeichnerInnen & Urban Sketchers auf dem Yachtklub

»Das Boot der zeichnenden Hände« – Es klingt wie der Titel des neuesten Abenteuers der beiden frankobelgischen Comic-Helden Spirou und Fantasio. Ort und Zeit: ein altes Hausboot am Ufer des Flusses, etwas versteckt unter einer Brücke und hinter einer bewaldeten Flussinsel, an einem lauschigen Altweibersommerabend, an dem sich die milde Wärme vom sonnigen Tag mit den ersten Oktobernebeln über dem Wasser mischen. Szenerie und Handlung: eine illustre Gesellschaft teils mondäner, teils subkultureller Stadtmenschen, toulouse-lautrec-artig gemischt mit Künstlern und Künstlerinnen sowie einigen skurrilen Gestalten der örtlichen Szene, soireeartige Lesungen unter Deck, angeregte Plaudereien an Bar und Reling, ein bohèmehaft-künstlerisches Treiben der Szenekünstler, die zwischendurch Gäste skizzenhaft aufs Zeichenpapier bannen, und erste Töne eines DJs, der seinerseits bereits die späteren Bands ankündigt …

»Das Boot der zeichnenden Hände« – Es war allerdings (noch) nicht das neueste Abenteuer der beiden Comic-Helden. Es war vielmehr vor genau einem Jahr die Szenerie des 4. Frankfurter Comic Satelliten, der im Schatten der großen Buchmesse nicht nur erstmals auf dem kleinen szenigen Yachtklub am Main stattfand, sondern erstmals auch zwei ungewöhnliche Communities zusammenbrachte. Womit wir bei der Handlung und damit auch bei diesem Jahr wären: Regionale MitgliederInnen der unabhängigen Comicszene treffen auch in diesem Jahr wieder auf die Urban Sketcher der freien urbanen Zeichner aus der Region. Hier die ZeichnerInnen aus dem stillen Kämmerlein, die erst mit dem fertigen Produkt und ganzen Geschichten an die Öffentlichkeit treten. Dort die ZeichnerInnen, deren Werke in der Öffentlichkeit entstehen und die eher einzelne Momente festhalten. Eins eint allerdings beide Gemeinschaften: der Wunsch, zeichnerisch ihre Welt(en) zu entdecken und festzuhalten und dabei tatsächlich auch Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen.

Zwei Abende lang wird das Hausboot – tatsächlich gelegen zwischen Alter Brücke, Mainufer und Rudererinsel – Gastort dieses ungewöhnlichen Zeichentreffens, eines der eher schrägen Kunstereignisse am Rande der Buchmesse. ComiczeichnerInnen laden zu Lesungen aus ihren neuesten Bänden, darunter Christopher Tauber, Julius Klemm und Wolfgang Büchs sowie die Crew des Kasseler Verlages »Rotopol«. Dazu konter-skizzieren die VertreterInnen der Urban-Sketcher-Szene mit einem nachmittäglichen Sketchcrawl am Samstag, mit Pop-up-Ausstellungen und permanentem Live-Zeichnen per Hand im Skizzenblock und elektronisch via Bildschirm die Abende. Meist in entspannter Runde mit Tusche und Stift, lassen sie sich dabei über die Schultern schauen und auch für einige Porträts einspannen. Je später der Abend, desto chilliger wird es meist auf dem Boot, auch durch die anschließenden Parties zu später Stunde. Und das Boot? Es wird dabei selbst zur Pop-up-Ausstellung mit unzähligen kleinen Zeichnungen an den Wänden. Und wird es auch doch noch selbst zum Stoff neuer Comic-Geschichten? Vielleicht sogar des nächsten Spirou- und Fantasio-Bandes? Flix, der Zeichner des jüngsten Berlin-Abenteuers der beiden, war im vergangenen Jahr selbst zur Lesung an Bord – und sprach danach schon vorsichtig von Spirou in Frankfurt. Und wenn er es nicht einst umsetzt, dann schreibt vielleicht jemand anderes nach diesen Abenden die Geschichte vom »Boot der zeichnenden Hände« … (vss.).


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Quelle: Iwan Baan / DAM©

Bangladesh | Wohnen im Klimawandel [1]

Bengal (Main) Stream?

Bauen gegen Unwetter und Überschwemmungen

Der Klimawandel stellt Architekt*innen weltweit vor neue Herausforderungen. Steigende Meeresspiegel, vermehrte Unwetter sowie sich ausbreitende Hitze und Trockenheit erfordern zunehmend ein anderes Bauen. Dies gilt mittlerweile für fast alle Teile der Welt. Und zumal dann, wenn auch gleichzeitig Ressourcen, Energieverbrauch oder Kosten im Blick gehalten werden müssen. Das führt immer stärker dazu, Anleihen in Regionen und Ländern zu nehmen, in welchen die scheinbar neuen klimatischen Bedingungen schon länger »zu Hause« sind. Eines dieser Länder ist Bangladesh. Das südasiatische Land am Rande des Indischen Ozeans mit vielen tief gelegene Regionen, zahlreichen großen Flüssen und ausgedehnten sommerlichen Monsunregen hat schon immer mit Unwettern und Überschwemmungen zu kämpfen. Außerdem liegen die Temperaturen nicht nur im Sommer oft um die 30 Grad in diesem obendrein stark bevölkerten Land.

Das erfordert in diesem Land und in seiner nur zwei Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hauptstadt Dhaka zunehmend ein neues Denken beim Bauen. Da die Grundprobleme in diesem Lande aber eben keineswegs neu sind, orientiert sich eine jüngere Generation von Architekt*innen immer mehr an einem Mix aus neuem und aus traditionellem Bauen. Die vielschichtige Ausstellung »Bengal Stream« (aktuell im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt) und das sehr umfangreiche, begleitende Katalog-Buch geben einen Überblick über das Schaffen der Architekt*innen. In einer sehr dichten Schau geht es um innovative Ideen, um Gebäude und Menschen vor Hitze, Unwettern und Überschwemmungen zu schützen. Gebäude – sowohl im Großen wie im Kleinen – werden durch zerklüftete Fassaden oder kleine Fenster gegen die starke Sonneneinstrahlung abgeschattet. Höfe, Wasseranlagen und durchlässige Materialien sorgen für natürliche Klimatisierung, ebenso wie vertikale Durchlüftungen oder begrünte Dächer. Zugleich werden neue mit traditionellen Materialien gemischt, Beton etwa mit Bambus und Ziegel, welche beide in der Region reichlich vorhanden sind. Sehr präsent ist der Wechsel zwischen geschützten und abgeschatteten zu offenen und lichten Bereichen, die einen Gebrauch der Räume je nach Tageszeit und Nutzung zulassen. Der Gang führt durch Moscheen (die aus Platzmangel in die Vertikale gebaut sind) über Schulen (von denen einige in ländlichen Gebieten wie parkhausartige Trutzburgen aussehen und auch gleich Schutzraum gegen Zyklone sind) bis hin zu Wohnhäusern in Stadt und Land. Auffällig der Low-Cost-Gedanke (zumindest bei vielen vorgestellten Projekten): natürliche Klimatisierung statt Klimaanlage oder eben der bewusste Mix aus günstigen neuen und einheimischen Materialien. Eine Ausstellung und ein Katalog regelrecht wie ein Baukasten oder ein Labor für das Bauen in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels – in Bangladesh wie in vielen anderen Teilen dieser Welt … (vss.).